Allerheiligen wird heut feierlich begangen

… und vor ziemlich genau 850 Jahren sang mein Lieblingsdichter, der Archipoeta, dies Lied vor seinem Mäzen Rainald von Dassel:

Hoher Kanzler, größer bist du als andre Männer,
wie die Sonne Himmelslicht, bist du Licht der Kirche
durch der Klugheit Glanz, mit der Klugen du vorangehst.

Singen wollen wir dein Lob, da vom hellen Glanze
deines Lichtes wird erhellt Kaiser Friedrichs Sinnen,
und wir tun es gerne, da du ein heitrer Geber.

Hoch durch Adel der Geburt und durch edle Sitten,
nennt in Menschenkünsten und Gotteswissenschaften
keiner jemals dich gering, Größter aller Reinen.

Starker du und weiser Mann, du folgst nicht dem Glücke,
bist im Unglück voll Geduld, demutsvoll im Reichtum,
alles machst du gut und gehst auf dem rechten Wege.

Übertriffst, gleich Cicero, des Odysseus Rede,
arglos wie die Taube, wirst keinen du betrügen,
klüger als die Schlange, wirst du getäuscht von keinem.

Mehr als Alexander, machst du den Feind zunichte,
sanfter noch als David, wirst du geliebt von allen,
auf gerechtes Bitten gibst edler du als Martin.

Was du immer rätst, geschieht in des Reichs Geschäften,
ohne deinen Rat läßt du durchaus nichts beginnen.
Kraft verleih der Römerfürst solcherlei Gefährten!

Heute noch bestünden ja Mailands Festungsmauern,
und der Kaiser wär im Krieg siegreich nicht vorm Feinde,
gäbe Gottes Gnade nicht dich ihm zum Gefährten.

Kölns Erwählter, glänzenden Lobes bist du würdig,
ich in meiner großen Not lobe nackten Fußes -
das beklage heute ich vor den Heilgen allen.

Allerheiligen wird heut feierlich begangen,
jeder Feiernde legt an vornehme Gewänder -
nur der Sänger steht entblößt vor dem Hohen Kanzler.

Da der Dichter nicht allein Rhythmenmaß ersonnen,
sondern, da er gänzlich arm, auch die Weise setzte,
hat ein Kleid er wohl verdient und auch einen Mantel.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

Alle Heiligen Gottes, bittet für die dauerklammen Dichter!

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Allerheiligen und die Gespenster

Die Kinder, die am Vorabend zu Allerheiligen um Süßigkeiten betteln (sehr strenge Menschen sagen: Erwachsene um Süßigkeiten erpressen), bekamen heuer von mir Schokoladenbonbons, jeder auf einen Zettel geklebt. Auf jedem dieser Zettel steht zunächst:

Halloween, kurz für All Hallows’ Even, ist der Abend vor dem Fest Allerheiligen. Es gibt spannende Heilige, nach denen Ihr goo­geln könnt – zum Beispiel:

Und dann geht es mit einem der folgenden Texte weiter:

Johanna von Orléans, ein französisches Bauern­mädchen, kämpfte erfolgreich gegen die Engländer, die Frankreich besetzt hatten. Sie wurde von den Englän­dern gefangen, verurteilt und als “Hexe” ver­brannt; die Franzosen haben wenige Jahre nach ih­rem Tod den Prozess wieder aufgerollt und ihre Un­schuld nachgewiesen.
Der Mann, der den ersten Prozess am stärksten be­trieben hatte, ist in einer Jauchegrube ertrunken.

Franziskus von Assisi war der Sohn eines reichen Kaufmanns. Er legte allen Reichtum ab – als sein Va­ter ihn öffentlich zur Rede stellte, auch alle Kleider! ALLE! – und wohnte in einer Hütte, um so Gott zu dienen. Er sammelte andere Männer um sich, die auch so genügsam leben wollten. Die Franziskaner sind heute ein großer Mönchsorden.

Martin von Tours war Soldat in römischen Diensten – zum Militärdienst war er als Offizierssohn verpflichtet. Er teilte seinen Mantel mit einem Bettler. (Der obere Teil eines Soldatenmantels gehörte dem Staat; der untere, angesetzte dem Träger. Martin konnte diesen Teil abtrennen und verschenken. Aber Spott und wohl auch Arrest riskierte er dabei.) Weil er als Christ keine Waffen tragen wollte, bat er den Kaiser um Entlassung. Der warf Martin Feigheit vor. Da ging Martin ohne Waffen an die vorderste Front, und niemand griff ihn an. Nun kam der Kaiser seiner Bitte nach.

Hildegard von Bingen hatte von früher Jugend an Visionen; sie sah wundervolle Bilder, die ihr zeigten, daß Menschen Gott vertrauen sollen, der sie behütet und möchte, daß sie Gutes tun, auch wenn sie dadurch verachtet werden oder in Gefahr geraten. Sie schrieb ihre geistigen Erlebnisse und ihre Gedanken auf; das Buch wird noch heute gelesen. Außerdem komponierte sie Lieder. Und schließlich hatte sie keine Scheu, mit großen Politikern ihrer Zeit zu korrespondieren. Kaiser Friedrich I, genannt Barbarossa, bekam von ihr einen sehr zornigen Brief, weil er die Kirche nach seinen Vorstellungen umbiegen wollte.

Nikolaus von Myra war ein Bischof, also ein hoher Würdenträger der Kirche. Er blieb aber bescheiden und half armen Leuten. Einmal verhinderte er unter Lebensgefahr, daß drei Unschuldige hingerichtet wurden. Außerdem unterstützte er Mädchen, die sonst aus Armut in die Sklaverei gezwungen worden wären.

Elisabeth von Thüringen war eine Königstochter, die als sehr junge Frau beschloss, auf allen Luxus und jeden nicht lebensnotwendigen Besitz zu verzichten und sich vollkommen für die Armen einzusetzen.

Gertrud von Nivelles war eine adlige Dame, die sich mit ganzer Kraft für die Bildung von Mädchen einsetzte. Es war zu ihrer Zeit noch keinesfalls alltäglich, daß Menschen – Männer wie Frauen – lesen und schreiben konnten. Auch in der Krankenpflege und Armenfürsorge setzte sie sich ein, nicht nur als Organisatorin, sondern auch eigenhändig.

Maximilian Kolbe war ein polnischer Priester, der von den Nazis in das Konzentrationslager Auschwitz gesperrt wurde. Als ein Gefangener floh, bestimmten die Nazis zehn Männer, die dafür sterben sollten. Einer rief verzweifelt: “Meine arme Frau, meine Kinder!” – und Maximilian bot an, an seiner Stelle zu sterben. Er wurde mit den anderen ohne Wasser und Nahrung in einen fensterlosen Raum gesperrt. Bis kurz vor seinem Tod sang und betete er. Er starb als letzter der zehn.

Karl Leisner fand die Nazis schon als Jugendlicher abstoßend. Er wollte Priester werden. 1939 erfuhr er von dem Attentat auf Hitler; als er hörte, daß der überlebt hatte, sagte er: “Schade!” Er wurde denunziert und verhaftet. Im KZ Dachau wurde er 1944 von einem Mithäftling und Bischof zum Priester geweiht – heimlich, weil die Nazis das verboten. Die letzten Monate war er krank, die Befreiung im April 1945 überlebte er nur um wenige Wochen.

Moses der Äthiopier lebte etwa von 320 bis 395. Er war Sklave und ein ziemlicher Rabauke, der leicht gewalttätig wurde. Er lief seinem Herrn weg, schloss sich einer Räuberbande an und wurde deren Boss. Irgendwann wurde ihm klar, dass dies kein gutes und erfüllendes Leben sein konnte. Er suchte ein Kloster auf und war von der Friedfertigkeit und Freundlichkeit der Mönche so beeindruckt, daß er sich nicht nur taufen ließ, sondern selbst Mönch wurde. Grob wurde er nie wieder.

Gleich mehrere Bonbons kleben auf diesem Zettel:

Halloween ist ein altes englisches Wort, zusammengezogen aus All Hallows’ Even. Das bedeutet den Abend vor dem Tag Allerheiligen, an dem die katholische Kirche an all die Menschen denkt, von denen sie sicher ist, daß sie nach ihrem Tod zu Gott gekommen sind.
Eure Geisterspiele sind ein alter Brauch. Man glaubte früher, vor dem Tag aller Heiligen kommen die Dämonen, um die Menschen zu ärgern, zu quälen und davon abzuhalten, den Heiligen nachzueifern.
Die kostümierten Kinder sollten also eigentlich den Dämonen Angst machen, nicht den Menschen. Und dafür durften sie von den Menschen Süßigkeiten erbetteln.
Aber eigentlich ist ganz einfach Allerheiligen.
Wieso? Ist doch erst morgen?
Das hat damit zu tun, daß im Judentum der Tag nicht von morgens bis abends gezählt wird, sondern vom Abend bis zum Abend (also bis zum Beginn des nächsten Tages. Da Jesus als Mensch Jude war und auch seine ersten Jünger Juden waren, hat die Kirche diese Zählung übernommen, aber seltsamerweise nicht immer, sondern nur vor Sonntagen und besonders wichtigen Festen. Der Vorabend von Allerheiligen ist bereits Allerheiligen.

Gerne darf diese Methode, mit Halloween umzugehen, übernommen werden. Ich erhebe keine Rechtsansprüche auf die Zetteltexte.

Ich habe genug Schokoladenbonbons für zwei Gespenstertrupps.
Und wenn keine kommen?
Dann eß ich die Schokolade selber.

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Helm auf zum Bekenntnis!

Mein neuer Fahrradhelm kam heute an (über ebay sehr viel günstiger als im Einzelhandel).
Ich habe ihn gleich als katholisch gekennzeichnet.

Fahrradhelm
Fahrradhelm

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Abtreibung als Gesundheitspflege

Allen Ernstes: Diese Idee gibt es. Es gibt sie nicht in irgendeinem unaufgeklärten Weltwinkel, in den Köpfen unterdrückter, verprügelter und zwangsweise ungebildeter Frauen, sondern im Hirn einer weißen, gutsituierten Britin.

Ann Furedi – die heute 54 Jahre alt wird und deren Geburt ich hier ausdrücklich nicht bedauere, sondern nur das, was sie aus ihrem Leben und dem Leben anderer Menschen macht – ist Geschäftsführerin des BPAS (hier aus moralischen Gründen nicht verlinkbar), des größten Abtreibungsunternehmens in Großbritannien mit vierzig Abtreibungskliniken in England, Wales und Schottland und über vierzigjähriger Erfahrung in der diskreten Beseitigung von Menschen. Das BPAS ist eine eingetragene gemeinnützige Einrichtung (registered charity); nach Angaben des BPAS bezahlt der National Health Service 96% der dort vorgenommenen Abtreibungen.

Kliniken und Arztpraxen können in der Regel ohne oder mit wenig Werbung bestehen. Kein Mensch, der Gelbsucht oder Krebs hat, muß durch Werbung überzeugt werden, dagegen etwas machen zu lassen. Eine auf Abtreibungen spezialisierte Klinik kann aber nur bestehen, wenn Abtreibung beworben wird. Denn die wenigsten Abtreibungen werden wegen einer unzweifelhaft bestehenden Gefahr für Leib und Leben der Mutter vorgenommen. Das heißt, es muß Überzeugungsarbeit geleistet werden, wenn man vorhat, mit der Beseitigung von Menschen sein Brot zu verdienen. Es muß das Bedürfnis, das man bedienen will, geschaffen werden. Übrigens bedeutet charity keinesfalls, daß die Ärzte für einen symbolischen Lohn arbeiten; das Durchschnittsgehalt eines höheren Angestellten einer solchen Klinik dürfte weit über dem Einkommen eines niedergelassenen Internisten liegen. Die britische Bloggerin Caroline Farrow hat darüber etwas zu sagen. In ihrem glaubwürdig recherchierten Artikel heißt es [Übers. von mir]:

Zwar ist Ann Furedis Gehalt nicht angegeben, wohl aber, daß ein Angestellter zwischen 120.000 und 130.000 £ [ca. 151.000-164.000 €] im Jahr verdient. Da ihr Kollege in Marie Stopes [ein weiteres britisches Abtreibungsunternehmen, Anm.d.Übers.] 125,000 £ [ca. 158.000 €] verdient, ist es realistisch anzunehmen, daß Furedis Gehalt auf dem gleichen Niveau liegt. Was das gemeinnützige Engagement angeht, so gibt BPAS an, Darlehen an Kundinnen in der Gesamtsumme von 2.500 £ abgeschrieben zu haben und auf Gebühren für Abtreibungen in Höhe von 24.491 £ verzichtet zu haben. Das ist der Gegenwert von etwa 41 medikamentösen Abtreibungen oder 24 chirurgischen Abtreibungen zwischen der 9. und der 18. Woche oder von 18 Spätabtreibungen. Verglichen mit den 26 Mio. £ an erzieltem Jahreseinkommen und dem Ziel, den Betriebsüberschuß auf 2,1 Mio. £ zu steigern, erscheint die Ausgabe von 27.000 £ als Hilfe für eine Handvoll klammer Kundinnen nicht eben als Inbegriff der Freigebigkeit einer gemeinnützigen Einrichtung, die sich bedeutenden Nutzen für die Allgemeinheit zuschreibt.

In einem Artikel im Independent (Übersetzung von mir) schreibt Ann Furedi [Übers. von mir]:

Seit das Gesetz zur Abtreibung am 27. Oktober 1967 die Königliche Zustimmung erhielt, haben mehr als sieben Millionen Frauen in Großbritannien den Zugang zu sicheren, legalen Abtreibungen genutzt, und zig Millionen konnten Sex genießen im Bewußtsein, daß eine unerwünschte Schwangerschaft nicht zur Mutterschaft führen muß.

Furedi führt aus, daß das Gesetz zwar äußerst restriktiv ist, aber äußerst liberal ausgelegt werden kann; in der Praxis kann jeder Arzt auf den bloßen Wunsch einer Frau nach Abtreibung befinden, daß ein Kind sie psychisch beeinträchtigen würde, und zur Tat schreiten.

Durch den medizinschen Forschritt sind die Risiken der Abtreibung so weit gesunken, daß die Beendigung einer Schwangerschaft durch Abtreibung fast immer sicherer ist als die Beendigung durch die Geburt nach vollständiger Reifung des Kindes.

Heute wird Abtreibung als Lebenswirklichkeit gesehen.

Furedi erklärt nun, daß, da es Abtreibungen gibt und das Umgehen des gesetzlichen Verbots einfach ist, das Gesetz völlig abgeschafft werden sollte. Sie vertritt die Ansicht, daß Abtreibungen ohne Begründung und auf Wunsch ohne irgendwelche Hemmnisse jeder Frau ermöglicht werden müssen. Hierbei ist ihr eigentliches Argument, daß es Abtreibungen gibt und sie leicht und ohne die Mütter gesundheitlich zu beeinträchtigen vorgenommen werden können. Weil es möglich ist, muß es legal sein und Weil es möglich ist, ist es gut sind aber keine logischen Schlußfolgerungen, sondern liegen intellektuell auf der gleichen Ebene wie Weil ich an die Bonbons drankomme, ohne auf einen Hocker zu steigen, darf ich sie nehmen. Auch die Argumentation Weil eine Geburt gefährlich und schmerzhaft ist, darf man Kinder beseitigen ist aus logischer Sicht unzulässig. Die Tatsache, daß irgendein Vorgang Risiken birgt, bedeutet nicht, daß man einen Hauptbeteiligten an diesem Vorgang beseitigen darf. Daß bei einer Schwangerschaft das Kind zu den beiden Hauptbeteiligten gehört, steht aus biologischer Sicht außer Zweifel.

Abtreibung sollte als das anerkannt werden, was sie ist – ein sicherer und notwendiger Eingriff zur Gesundheitspflege, die gewöhnlich nicht komplizierter ist als viele der kleineren Eingriffe, die in der allgemeinmedizinischen Praxis durchgeführt werden.

Abtreibung ist sicher und sollte Frauen, die sie benötigen, ebenso leicht zugänglich sein wie Verhütungsmittel.

Auch diese Übersetzung ist meine. Wenn ich mich aber in einen Leser hineinversetze, kann ich kaum anders, als von einem sinnentstellenden Übersetzungsfehler auszugehen. Deshalb zitiere ich das Original:

Abortion should be recognized for what it is – a safe and necessary healthcare procedure that, usually, is no more complicated than many of the minor procedures carried out in general practice.

Abortion is safe and it should be available as easily as contraception for women who need it.

Wenn man als Arbeitshypothese annimmt, Abtreibung sei tatsächlich körperlich und seelisch für die Frau nicht belastender als die Entfernung einer Warze (eine Hypothese, die ich für unsinnig halte, aber lassen wir sie hier zur Verdeutlichung einmal zu), ist Abtreibung immer noch für eine Person ganz und gar nicht gut. Diese Person ist das Kind.

Ich wünsche Ann Furedi zu ihrem 54. Geburtstag alles aus meiner Sicht Gute. Wir haben eine grundsätzlich verschiedene Sicht davon, was gut ist – und ich wünsche ihr, daß sie begreift, was Leben ist, und logische Konsequenzen daraus zieht. Nach meiner Ansicht wären die ersten logischen Konsequenzen eines solchen Begreifens heilsame Reue und Umkehr. Das wünsche ich ihr von ganzem Herzen.

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Hörnchen der Tulpendieb

Ich glaube, die Luft ist rein.
Eichhörnchen

Unten scheint auch alles klar.
Eichhörnchen

Hier muß es sein.
Eichhörnchen

Ja – ich hab sie – wirklich echte Tulpe – unglaublich.
GEDC0009

Allein schon das Aroma… Gold wert.
Eichhörnchen

Bloß Vorsicht mit dem Transport!
Eichhörnchen

Nichts wie weg!
Eichhörnchen

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Rosenherbst

Ich staune jedes Jahr wieder, wie langlebig viele Rosen sind – erfahrungsgemäß bis in den Dezember hinein.
Und so hübsch!

Oktoberrosen
Oktoberrose
Oktoberrose

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Der Sinn von Korn und Traube

Der vornehmste Sinn ist natürlich die Eucharistie.
Aber man kann Weizen und Weintraube auch nutzen, um Rosinenbrot zu backen.
Und ich glücklicher Mensch hatte heute beides.

Rosinenbrot

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Oktobermorgensonne

Die Sonne verfängt sich im Herbstlaub und läßt es glühen. Wieder einmal merke ich, wie wichtig mir der Herbst ist – für mich der Monat, in dem nicht nur außen, sondern auch innerlich vieles reift und die Aussaat vorbereitet.

Blick vom Balkon
Eberesche im Oktober
Eberesche im Oktober
Ahorn im Oktober
Ahorn im Oktober
Essigbaum

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Ein Sonett für wirklich üble Menschen

Wer so schlechte Dinge sagt wie der Sprecher einer Terrororganisation, muß sich auf Antworten der besonderen Art gefasst machen, auch wenn es einige Wochen dauern kann.

ISIS
Wir werden euer Rom erobern, eure Kreuze zerbrechen, eure Frauen versklaven, wie es Allah, der Höchste, gestattet.
Abu Mohammad al-Adnani, Sprecher des ISIS, am 21. September 2014

Kann sein, daß einst die schwarze Fahne weht,
der Petersdom in Trümmern liegt, verlassen,
daß ihr mit Sklavenhandel füllt die Kassen,
daß Wissenschaft und Kunst durch euch vergeht.

Ihr werdet mordend nicht das Wort erfassen,
das in uns blüht, durch das die Welt besteht.
Wir bleiben treu in Glauben, Tat, Gebet,
und nie erliegt die Kirche eurem Hassen.

Ihr macht euch selber arm und schwach und dumm.
Ihr wollt nur schänden, morden und vertreiben,
zerschlagen, was die Liebe hat erbaut.

Was gut ist in mir, schreit euch zu: Kehrt um!
Bekehrt euch. Denn viel Zeit wird euch nicht bleiben.
Gott richtet euch, wenn sich sonst keiner traut.

© Claudia Sperlich

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Kirche, Welt und Sex

Die meisten Menschen, die überhaupt wissen, daß es eine katholische Kirche gibt, glauben, die katholische Kirche sei aller Körperlichkeit feind und sehe sexuelle Erregung und Lust als Sünde an. Die meisten Menschen heißt hier: die außerhalb der katholischen Kirche fast ausnahmslos, die innerhalb zu über 50%, vielleicht zu über 70%.
Die Welt hingegen, unser tintenklecksendes Säkulum, ist natürlich – sofern nicht von der Kirche verdorben – vollkommen frei in sexueller wie auch anderer Hinsicht, wobei die andere Hinsicht nicht so bedeutend ist.

Besonders befreiende Momente, die die Kirche, dies mittelalterliche Relikt, ablehnt, sind:

Entsorgte Embryonen
Bei der Befruchtung einer Eizelle entsteht eine unverwechselbare DNA, die erst nach dem Tod zerfällt. Die DNA enthält nicht nur alle körperlichen Informationen – Geschlecht, Aussehen, körperliche Anlagen -, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Informationen über Intelligenz und Begabungen (die selbstverständlich ebenso von Umwelt und Umfeld geprägt werden). All dies kann man in Schulbüchern der Biologie nachlesen.
Das bedeutet: die befruchtete Eizelle ist ein unverwechselbarer Mensch im sehr frühen Stadium. Bei einem Spontanabort stirbt ein Mensch – oft unbemerkt – in der Regel, ohne daß ein anderer Mensch diesen Tod verschuldet hat. Bei einer Abtreibung stirbt ein Mensch durch die Hand eines anderen – eine Hand, die dabei sauber bleibt, aber das ändert nichts.

Eingefrorene Eier
Damit Frauen dem Arbeitsmarkt in der Zeit ihrer größten Schaffenskraft vollkommen zur Verfügung stehen, wird ihnen angeboten, die Schwangerschaft auf eine Zeit zu vertagen, in der sie schon kaputtgearbeitet sind und der Wirtschaft nicht mehr so viel nützen können. Die Kinder kommen dann nicht durch einen Liebesakt zustande, sondern durch eine vollständig unsinnliche medizinische Prozedur, und sind erwachsen, wenn ihre Mutter eigentlich schon Großmutter sein könnte. Dies wird als emanzipatorische Errungenschaft zur überfälligen Befreiung der Frau aus den Fesseln der Natur gefeiert.

Geliehene Unterleiber
Kinder müssen nicht mehr notwendig selbst ausgetragen werden. Der Liebesakt entfällt auch in diesem Fall – die Zeugung findet ohne körperliche Nähe statt. Die Leihmutter tut gut daran, zu dem in ihr wachsenden Wesen keine starke Beziehung aufzubauen, um hinterher keinen Verlust zu betrauern. Gelingt ihr das nicht und will sie das Kind am Ende doch behalten, wird sie vertragsbrüchig.

Damit werden Sexualität und Zeugung vollständig entkoppelt. Sex ist konsequenzenloses Vergnügen, man kann ja verhüten oder wegmachen, Zeugung hat mit Sinnlichkeit nichts mehr zu tun. (Mir ist klar, daß auch bei Befürwortern der obengenannten Methoden in der Regel ganz normale Zeugung zu ganz normaler Schwangerschaft führt. Aber die technisierten Möglichkeiten werden von immer mehr Menschen als immer noch ganz normal und sinnvolle Alternative zum natürlichen Weg angesehen.)

Die Kirche sieht Sexualität als Gottesgeschenk an, viel zu großartig, um sie zu banalisieren. Die Kirche geht davon aus, daß ein Mensch vom ersten Moment seiner Lebens an eine unverlierbare Würde hat. Die Kirche ist der Ansicht, daß es für jeden Menschen gut ist, wenn er von frühester Kindheit an liebevoll behandelt wird. Die Kirche lehrt, daß Brautleute sich das Sakrament der Ehe bei der Trauung gegenseitig spenden – und daß sie im Liebesakt den Konsens der Eheschließung vollziehen. Übrigens auch, daß dieser Vollzug der Ehe (ja, ich weiß, daß der Ausdruck komisch klingt) von beiden Seiten in vollkommen freier Entscheidung stattfinden muß, damit die Ehe gültig ist. Mit anderen Worten: Ohne Lust keine katholische Ehe und damit nach kirchlicher Lehre keine legitime Beziehung. Lust ist nach dem Katechismus der katholischen Kirche notwendiger, aber nicht hinreichender Bestandteil einer geglückten Beziehung – Verantwortung füreinander und für jedes aus der Beziehung entstehende Kind ist ein gleichrangiger Bestandteil.

Der Teil Welt, der die eingangs beschriebenen Vorgänge gutheißt, glaubt, Zeugung und lustvolle Sexualität voneinander trennen zu können. Kinder gehen auch ohne Lust. Kinder haben wollen muß nichts mit erfüllendem Sex zu tun haben. Und das ist die Meinung der Welt, nicht der Kirche! Der gleichen Welt übrigens, die Kinder, wenn sie gerade nicht so gelungen sind oder irgendwie nicht passen, entsorgen läßt, und die unter Zwang und angstbesetzt gezeugte Kinder übler Kerle schon gleich wegwerfen kann – mithin die Kinder ausbaden läßt, was nur-biologische Väter den Müttern angetan haben. (Praktisch übrigens für die Väter, die dann keine Alimente zahlen müssen.)

Diese Entkoppelung von Liebe, Sexualität und Zeugung, bis dahin, daß die drei nichts mehr miteinander zu tun haben, ist Weltsache. Die Welt ist in dieser Hinsicht prüder und lustfeindlicher als das ganze 19. Jahrhundert mit seinen Korsetts – und zugleich scheinen mir ihre Ideen in einer Zeit geboren, da Morphium und Kokain noch legal waren.

Die Kirche ist in der Zeit und auf die Ewigkeit ausgerichtet. Die Welt ist im 19. Jahrhundert.

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