Montag, 9. November 2009 · 8 Kommentare
Manchmal fällt mir auch ein sehr boshaftes Zitat ein:
Niederträchtig, aber einig,
Und in letzter Hinsicht, mein ich,
Immerhin noch zu verehren;
Doch wie lange wird das währen?
Bösewicht mit Bösewicht –
Auf die Dauer geht es nicht.
Wilhelm Busch, Plisch und Plum
Doch trotz allem Ärger über den real existierenden Kapitalismus, über politische und andere Dummheiten, über Machtgeilheit, Bildungsferne und -feindlichkeit (insbesondere in höheren Etagen) und was mich sonst noch erzürnt – heute will ich mich einfach nur freuen, daß die Mauer, dies Monster, nicht mehr steht und langsam, langsam auch in den Hirnen überwunden wird.
Gestern besuchte ich eine Lesung. Bettina Buske las aus dem Buch Mauerstücke, in dem Schriftsteller aus Ost und West ihre Sicht der Mauer und des Mauerfalls beschreiben. Ein lebendiges Geschichtsbuch ist das, in dem Angst und Unverständnis angesichts des „antifaschistischen Schutzwalls“ ebenso beschrieben sind wie die naive Bewunderung, die ein Kind für einen Soldaten der Volksarmee hegt; die Erfahrung von Ablehnung durch die jeweils „anderen“ und auch Versöhnung und wachsendes Verständnis werden in zahlreichen Geschichen melancholisch und humorvoll, zornig und fröhlich geschildert.
Patricia Koelle und Bettina Buske haben beide nicht nur selbst höchst lesenswerte Geschichten beigetragen, sondern auch die ungeheure Arbeit der Herausgabe geleistet.
Den Anhang des Buches bildet eine bunte und kuriose Photogalerie der Mauer von der Westseite.

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Vor 480 Jahren wurde Samuel Selfisch geboren.
Als gelernter Buchdrucker wurde er schon in jungen Jahren Verleger und Buchhändler, später eine Zeitlang Kämmerer (also eine Art Finanzbeamter); fast drei Jahrzehnte lang wurde er immer wieder entweder zum Bürgermeister von Wittenberg oder zu dessen Beisitzer gewählt und als schon älterer Mann zum Stadtrichter ernannt. Daß er neben den während des Dreißigjährigen Krieges (dessen Ende er leider nicht erleben durfte) sicher nicht einfachen Ämtern ein äußerst rühriger Verleger blieb, weist ihn als einen hart arbeitenden Menschen aus.
Selfischs Verlegermarke zeigt seinen Namenspatron Samuel, der den knienden David zum König salbt (1 Sam. 16,13).
Er verlegte Bibeln, Schriften von Luther, überhaupt eine große Menge theologischer Werke, aber auch andere Geistes- und Naturwissenschaften, die großen lateinischen und altgriechischen Autoren sowie altsprachliche Grammatiken. Zu seinen bedeutendsten Kunden zählte die Universitätsbibliothek Greifswald, die er über die ersten Jahrzehnte ihres Bestehens mit wissenschaftlichen Werken aller Disziplinen belieferte.
Der slowenische Theologe Jurij Dalmatin übersetzte nach Luthers Vorbild die Bibel in seine Muttersprache, und Selfisch verlegte die Übersetzung; sie sollte zur Grundlage der slowenischen Schriftsprache werden.
Im Selfisch-Haus in Wittenberg wurden kürzlich Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entdeckt. Selfisch zog dort zwar erst 1564 ein, hat sie also nicht selbst in Auftrag gegeben. Aber diese Malereien in einem bürgerlichen Hause sprechen von einem neu aufgekommenen Selbstbewußtsein der Bürger (bisher hatte es Wandmalereien nur in den Häusern von Adel und Klerus und in Kirchen gegeben). Die Bilder können durchaus den gebildeten und kunstsinnigen Bürger Selfisch zum Kauf gerade dieses Hauses bewegt haben.
Das Geschäft war überaus erfolgreich. Dabei vergaß Selfisch niemals seine soziale Verantwortung; großzügig spendete er für die Armen und für die Stadt Wittenberg. Seinen Bildungsauftrag nahm er zeitlebens ernst. Offensichtlich bekamen ihm Bildung und Fleiß hervorragend – er wurde 86 Jahre alt.
Leider überlebte sein Verlag ihn selbst nicht lange; schlechte Geschäftsführung und Krieg sowie die Aufteilung des Erbes unter zahlreiche Kindeskinder führten 1638, zwei Jahre nach Samuel Selfischs Tod, zum Konkurs.
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Samstag, 7. November 2009 · 4 Kommentare
Die Eichen hören einfach nicht auf, Laub abzuwerfen. Ich weiß, sie meinen es nicht böse und können nicht anders – aber langsam weiß ich nicht mehr, wohin damit!

Vom Walnußbaum kommt dafür nicht mehr viel herunter.

Versöhnt werde ich durch das wundervoll gefärbte Laub der Zaubernuß

und das der Mahonie, das jedes Jahr andere Farbspiele macht – diesmal gesprenkelt.

Reizende blaue Früchtchen stehen in einem Beet.

Die Fruchthüllen der Physalis sind zum Teil bereits nicht mehr orangefarben, sondern falbe filigrane Gebilde.

Die weiße Rose welkt edel vor sich hin (allerdings hat sie noch eine Knospe). Gegen den Himmel angeschaut, wirkt sie besonders schön.

Die roten Rosen nehmen den Spätherbst noch nicht zur Kenntnis.


Trotz der anstrengenden Arbeit – und obwohl ich langsam wirklich kein Laub mehr harken mag – liebe ich diesen Garten und bin dankbar, daß ich ihn bearbeiten darf.
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Donnerstag, 5. November 2009 · 4 Kommentare
Ich möchte Hahnemanns Kunst keineswegs zu nahe treten – sie mag, wenn auch aus unerforschten Gründen, hie und da wirkungsvoll sein -, aber was sich da ein englischer Apotheker mit Internetversand erlaubt, ist wahrlich Humbug vom Feinsten.
Berlin Wall
Potencies: 6C-50M Alternative name(s): Piece of rock taken from the wall
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Die Homöopathie heilt Gleiches mit Gleichem; dies hier soll Soziopathen helfen.
Soll man das Zeug vielleicht, um die Wirkung zu steigern, unter Berieselung mit sozialistischem Liedgut schlucken?
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Mittwoch, 4. November 2009 · 5 Kommentare
Die Rezi-Tante reichte mir ein Stöckchen, das ich dankend annehme. Ich sollte meine Kamera aus dem Fenster halten und losknipsen.
Bei dem Fenster, vor dem ich sitze, gestaltet sich das schwierig. Um es zu öffnen, müßte ich den Schreibtisch abrücken, und dazu müßte ich ihn abräumen. Also gibt es hier kein Photo – dafür zwei vom Balkon:
Nach Osten das Gärtchen der Nachbarin unter mir,

nach Süden ein weiterer Nachbargarten.

Aus dem Schlafzimmerfenster habe ich den Blick auf die Hälfte des winzigen Hofgärtchens, die romantisch überwucherten Mülltonnen und ein Stück Hof.

Aus dem efeugerahmten Badezimmerfenster sehe ich den prächtigen Efeu des rechten Seitenflügels.

Aus der Küche sehe ich den ökologischen Fuhrpark des Hauses.

Überall sehe ich viel Grün im Grau des Novembertages.
Ich reiche das Stöckchen nicht weiter, wer mag, kann es aufheben.
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Dienstag, 3. November 2009 · 11 Kommentare
In dem beständigen sachten Regen, unter dem dunkelgrauen Himmel leuchtet im Garten hie und da etwas auf:
Pfaffenhütchen (diese zwar, wie ich bereits einmal bemerkte, in diesem Jahr etwas blasser als sonst)

Physalis

Hagebutte

Der November wird so viel gescholten. Aber ohne ihn wäre das Jahr nicht vollständig; der vom Blühen und Fruchten erschöpfte Boden braucht Ruhe und Regen, und zauberhaft kann es gerade an einem solchen grauen Regentag duften und leuchten!
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Montag, 2. November 2009 · 7 Kommentare
Zwar glaube ich nicht, daß die Toten auf die Fürbitte der Lebenden angewiesen sind. Aber sinnvoll ist es, wenigstens einmal im Jahr mit so viel Liebe wie möglich an die Gestorbenen zu denken, auch an jene, die im Leben nicht eben engelhaft waren.
Friedrich Hebbel
Requiem
Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Todten!
Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,
Und in den heiligen Gluten,
Die den Armen die Liebe schürt,
Athmen sie auf und erwarmen,
Und genießen zum letzten Mal
Ihr verglimmendes Leben.
Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Todten!
Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,
Und wenn du dich erkaltend
Ihnen verschließest, erstarren sie
Bis hinein in das Tiefste.
Dann ergreift sie der Sturm der Nacht,
Dem sie, zusammengekrampft in sich,
Trotzten im Schooße der Liebe,
Und er jagt sie mit Ungestüm
Durch die unendliche Wüste hin,
Wo nicht Leben mehr ist, nur Kampf
Losgelassener Kräfte
Um erneuertes Sein!
Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Todten!
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Sonntag, 1. November 2009 · 10 Kommentare
Glyzinien soll man, damit sie nicht nach allen Richtungen wachsen, sondern nach oben, und schöne Blüten machen, gelegentlich radikal beschneiden – das hat mein Bruder geleistet (dem an dieser Stelle Dank sei). Es sieht jetzt sehr kahl aus, aber Glyzinien wachsen schnell – und die gesunden Stämme lehnen noch an der Pergola.

Den Parthenocissus wollte er nur ein bißchen zurückstutzen – aber an einem Stamm hängt so viel, daß es hier ganz versehentlich zum Kahlschlag kam. Nun, auch Parthenocissus wächst schnell, und es hatten sich in einem Gewurstel von Tot- und Lebendholz Taschen mit gammelndem Laub gebildet. Der Denker wirkt ganz anders ohne die umwuchernden Blätter.

Die Beete harke ich in diesem Jahr nicht mehr, sondern lasse das Laub als Schutzschicht liegen. Aber der Rasen muß freigelegt werden.


Winterfest ist der Garten nun: eine Bank mit einer Plastikplane zugedeckt, die Sitzfläche der anderen im Keller verstaut, und im Keller sind auch die Gartenschläuche.


Ein Enkel Leonardos steht auf dem Mäuerchen einer Terrasse.

Der Wächter des Gartens, den im Sommer Schaublatt und Balsaminen verbergen, ist nun wieder sichtbar.

Dem Spätherbst trotzen zwei Rosen, die sogar noch knospen.



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Samstag, 31. Oktober 2009 · 2 Kommentare

Vor 23 Jahren starb Bruno Snell.
Er war ein außergewöhnlicher Meister der Klassischen Philologie, mit hohem Sprachwitz und Humor ausgestattet und dazu ein politisch wacher Mensch, der dem braunen Ungeist wehrte, wo immer er konnte. Obwohl er die Möglichkeit hatte, nach Amerika auszuwandern, und einige Zeit später die Universität von Salamanca seine Mitarbeit wünschte, blieb er in Hamburg. Das soll wesentlich seiner Mutter zu verdanken sein, die ihn aufforderte: „Bleib du hier, Bruno, sonst sind gar keine Vernünftigen mehr in Deutschland“. Ihr sei an dieser Stelle Dank gesagt!
Snell unterließ es die ganze Nazizeit lang, „pflichtgemäß“ mit erhobener Hand und Diktatorensegenswunsch zu grüßen. Als Hamburg bombardiert wurde, bewahrten er und seine Frau Hertha Snell ihre Töchter vor Kinderlandverschickung und regimekonformem Drill, indem sie sie im Allgäu bei Bauern unterbrachten.
Daß man auch mit subversivem Witz (den kein Zensor verstand) gegen die herrschende Unkultur sprechen konnte, zeigt Snells kurzer Artikel „Über das I-ah des goldenen Esels“. Snell erläuterte 1935 (also im Jahr nach der unseligen Volksabstimmung) an literarischen Quellen, daß im Griechischen der Eselslaut mit οὐ = nein wiedergegeben wird und schließt den Artikel:
Es stellt sich also heraus, daß das einzige wirkliche Wort, das ein griechischer Esel sprechen konnte, das Wort für ‘nein’ war, während kurioserweise die deutschen Esel gerade umgekehrt immer nur ‘ja’ sagen.
Gesammelte Schriften, Vandenhoeck und Ruprecht, S. 201
Seinen Kollegen Paul Maas überzeugte Snell, daß er auswandern müsse – Maas hatte trotz seiner großen Klugheit die Gefährlichkeit der Nazibande zunächst nicht ernst genommen. Auf Snells Drängen ging er nach Oxford und blieb am Leben.
Als Dekan der Philosophischen Fakultät in Hamburg half Snell in den ersten Nachkriegsjahren dem klaren Denken wieder auf. Den Dialog mit Kollegen, die vorher keine eindeutige Position gegen die Nazis bezogen hatten, verweigerte er lebenslang.
Sein 1946 erschienenes Hauptwerk Die Entdeckung des Geistes. Studien zur Entstehung des europäischen Denkens bei den Griechen erscheint in diesem Jahr in der 9. Auflage; es gehört immer noch zur Standardlektüre junger Philosophen. Trotz der zahlreichen griechischen Zitate ist es auch für Menschen, die kein Griechisch verstehen, ein wenn auch nicht ganz einfaches, doch höchst lesenswertes Buch.
In der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. [v. Chr.] kommt es zur ersten Auseinandersetzung zwischen Theorie und Praxis in einer uns verloren gegangenen Tragödie des Euripides, der Antiope. Aus der großen Diskussion, die zwei Brüder, Zethos, der Krieger, und Amphion, der Sänger, führten, ist durch Zitate so viel erhalten, daß wir erkennen, mit welchen Argumenten jeder seine Lebensform verteidigt, – es sind solche, die bis in die Gegenwart immer wieder auftauchen, obwohl Euripides in seiner Tragödie als Vertreter des theoretischen Lebens keinen Philosophen oder wissenschaftlichen Forscher auftreten lassen kann: er muß sich an die Figuren der Sage halten und da steht ihm nur ein Dichter zur Verfügung. Zethos spricht, wie noch heute ein solider und besorgter Vater spricht, wenn sein Sohn bedenkliche Neigungen zu Kunst und Wissenschaft zeigt: Solch unnütz-weibisches Leben taugt nicht für die harte Wirklichkeit, es führt zu Trägheit und Lotterei, es hilft nicht für ein wohlgegründetes Hauswesen und erst recht nicht für den Staat. Ähnliche Vorwürfe äußert die gleichzeitige Komödie gegen die, die sich mit den Sophisten einlassen.
Amphion macht dagegen zweierlei geltend: Das musische Leben ist in Wahrheit viel nützlicher, außerdem macht es den Menschen glücklicher. Der größere Nutzen liegt darin, daß die Vernunft hilfreicher ist als ein starker Arm, denn sie nützt dem Haus und dem Staat viel mehr; selbst im Krieg ist sie mehr wert als rohe Kraft. Hier ist besonders deutlich, daß Amphion nicht nur die Dichtkunst und die Musik verteidigt, sondern das Geistige als solches. Das größere Glück besteht aber darin, daß geistige Tätigkeit frei ist von der Unruhe und Gefahr der politischen Kämpfe, daß sie in einer sicheren und bescheidenen Existenz beständigere und höhere Freuden gewinnen kann.
Entdeckung des Geistes, Vandenhoeck und Ruprecht, S. 278
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Freitag, 30. Oktober 2009 · 2 Kommentare
Die erste Tageshälfte war strahlend schön – nach den schon novembrigen letzten Tagen eine Überraschung, vielleicht ein freundlicher Abschied des Goldenen Herbstes.


Barthold Heinrich Brockes
Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst
In einem angenehmen Herbst, bey ganz entwölktem heiterm Wetter,
Indem ich im verdünnten Schatten, bald Blätter-loser Bäume, geh’,
Und des so schön gefärbten Laubes annoch vorhandnen Rest beseh’;
Befällt mich schnell ein sanfter Regen, von selbst herabgesunkner Blätter.
Ein reges Schweben füllt die Luft. Es zirkelt, schwärmt’ und drehte sich
Ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer; doch selten im geraden Strich.
Es schien die Luft, sich zu bemühn, den Schmuck, der sie bisher gezieret,
So lang es möglich, zu behalten, und hindert’ ihren schnellen Fall.
Hiedurch ward ihre leichte Last, im weiten Luft-Kreis überall,
In kleinen Zirkelchen bewegt, in sanften Wirbeln umgeführet,
Bevor ein jedes seinen Zweck, und seiner Mutter Schooß, berühret;
Um sie, bevor sie aufgelöst, und sich dem Sichtlichen entrücken,
Mit Decken, die weit schöner noch, als persianische, zu schmücken.
Ich hatte diesem sanften Sinken, der Blätter lieblichem Gewühl,
Und dem dadurch, in heitrer Luft, erregten angenehmen Spiel,
Der bunten Tropfen schwebendem, im lindem Fall formiertem, Drehn,
Mit offnem Aug’, und ernstem Denken, nun eine Zeitlang zugesehn;
Als ihr von dem geliebten Baum freywilligs Scheiden (da durch Wind,
Durch Regen, durch den scharfen Nord, sie nicht herabgestreifet sind;
Nein, willig ihren Sitz verlassen, in ihren ungezwungnen Fällen)
Nach ernstem Denken, mich bewog, sie mir zum Bilde vorzustellen,
Von einem wohlgeführten Alter, und sanftem Sterben; Die hingegen,
Die, durch der Stürme strengen Hauch, durch scharfen Frost, durch schwehren Regen
Von ihren Zweigen abgestreift und abgerissen, kommen mir,
Wie Menschen, die durch Krieg und Brand und Stahl gewaltsam fallen, für.
Wie glücklich, dacht’ ich, sind die Menschen, die den freywillgen Blättern gleichen,
Und, wenn sie ihres Lebens Ziel, in sanfter Ruh’ und Fried’, erreichen;
Der Ordnung der Natur zufolge, gelassen scheiden, und erbleichen!
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Mit Tag(s) versehen: Barthold Heinrich Brockes, Eitelkeit, Literatur, Lyrik, Natur, Tod