Am Wege wachsen weiße Schneebeeren

und schwarze Ligusterbeeren.

Schwarz mit etwas Weiß ist außerdem Lena, meine treue Hausgenossin.



Rainer Maria Rilke
Schwarze Katze
Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,
dran dein Blick mit einem Klange stößt;
aber da, an diesem schwarzen Felle
wird dein stärkstes Schauen aufgelöst:
wie ein Tobender, wenn er in vollster
Raserei ins Schwarze stampft,
jählings am benehmenden Gepolster
einer Zelle aufhört und verdampft.
Alle Blicke, die sie jemals trafen,
scheint sie also an sich zu verhehlen,
um darüber drohend und verdrossen
zuzuschauern und damit zu schlafen.
Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,
ihr Gesicht und mitten in das deine:
und da triffst du deinen Blick im geelen
Amber ihrer runden Augensteine
unerwartet wieder: eingeschlossen
wie ein ausgestorbenes Insekt.
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Dienstag, 17. November 2009 · 9 Kommentare
Nicht zum ersten Male bin ich mit der Erstellung eines Leseprogramms bis kurz vor dem Ernstfall beschäftigt. Keine Jutta von Sponheim, kein Volmar hilft mir dabei – aber das soll mich nicht abhalten, am Samstagabend eine wahrhaft spannende Frau vorzustellen.
Die Frau ist ein Quell der Weisheit und ein Quell der Freudenfülle.
Hildegard von Bingen
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Sonntag, 15. November 2009 · 13 Kommentare
… und wieder habe ich einen literarischen Adventskalender angerichtet, den meine Leser in der Kopfleiste finden. Wie immer ist Mogeln unmöglich; alle Einträge sind auf Termin gelegt – einstweilen müßt Ihr mit dem Engel vorliebnehmen.
Wer einen Kalender basteln möchte, findet dafür zahlreiche Anleitungen im Netz – auch hier.
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Samstag, 14. November 2009 · 4 Kommentare
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Freitag, 13. November 2009 · 6 Kommentare

Vor 1655 Jahren – 41 Jahre nach der Legalisierung des Christentums – wurde Augustinus von Hippo geboren.
Ich tue mich in mancher Hinsicht schwer mit diesem Menschen. Daran ist nicht sein in jungen Jahren sehr liederlicher Lebenswandel schuld – den er bereute -, sondern seine so felsenfeste wie wirkmächtige Höllenlehre, die ewige Strafe für zeitliche Vergehen annimmt, seine Unterschätzung der Weiblichkeit (der er nur einen biologischen Sinn zugesteht), und in noch größerem Maße sein hochmütiger Antijudaismus.
Nichtsdestoweniger war er ein scharfer Denker, der Glauben und Logik verband und sich zeitlebens um Erkenntnis mühte. Damit ist der Kirchenvater der Kirche ein gutes Vorbild – dies alles soll sie tun, und damit das gelingt, hat sie sich (als Organisation ebenso wie in jedem einzelnen Mitglied) immer wieder diesen augustinischen Rat zu vergegenwärtigen:
dilige et quod vis fac – Liebe und tu, was du willst.
In epistulam Ioannis ad Parthos, tractatus VII, 8
Also erst einmal lieben – das heißt, den anderen ernst nehmen und sein Bestes wollen -, und dann tun, was man auf dieser Grundlage wollen kann: eine bessere Lebenshaltung ist nicht denkbar.
Zuletzt noch mein Lieblingszitat aus den Confessiones – das mir eine beständige Mahnung ist, wenn ich mich wieder mal nicht danach richte:
optimus minister tuus est, qui non magis intuetur hoc a te audire quod ipse voluerit, sed potius hoc velle quod a te audierit
zu Deutsch:
Dein bester Diener ist nicht, der lieber von dir zu hören begehrt, was er selbst will, sondern der eher das will, was er von dir hört.
Confessiones 10,37
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Der Übersichtlichkeit halber habe ich meine Seiten etwas geordnet.
Mein Argonauten-Hörbuch ist nicht in der Versenkung verschwunden, sondern unter Veröffentlichungen zu finden – wie noch einiges andere, was dunkle, gruselige, heimelige, adventliche, vor- und nachweihnachtliche Tage schöner macht.
Meinem erklärten Liebling, dem Archipoeta, bin ich nicht untreu geworden, sondern habe ihn unter Eigene Werke – Übersetzungen einquartiert.
Eine neue Seite ist dazugekommen: Ergänzend zur Hausseite sind die Termine für meine öffentlichen Rezitationen unter der Überschrift Lesungen zu finden.
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Mittwoch, 11. November 2009 · 5 Kommentare

Vor 526 Jahren – einen Tag nach seiner Geburt – wurde Martin Luther getauft.
Von mir aus hätte man ihn ja heilig sprechen können, schon allein für eines der schönsten, innigsten Weihnachtslieder und für das so tapfere wie ergreifende Lied von der festen Burg. Aber das wird dem Mann, um den sich so schöne Legenden ranken, wohl kaum widerfahren.
Seine Bibelübersetzung ist in ihrer Sprachgewalt und gleichzeitigen Lesbarkeit bis heute unerreicht und hat unsere Sprache geprägt. Ein gemeinsames Hochdeutsch gab es zu Luthers Zeit nicht; Gebildete unterhielten sich auf Latein, und Ungelehrte aus so verschiedenen Gegenden wie Hamburg und München konnten sich – wenn sie sich überhaupt trafen – kaum verständigen. Luthers Übersetzungswerk ist damit auch ein bis heute wirkmächtiges Bildungswerk (und sehr zu hoffen ist, daß innerhalb wie außerhalb der Kirchen sich wieder mehr Menschen um Bildung und Freude an der Sprache bemühen). Bildung war dem Reformator überhaupt eine Herzensangelegenheit, so trat er für eine allgemeine Schulpflicht ein.
Den außergewöhnlichen Erfolg konnte Luthers Übersetzung nur durch den kurz vorher erfundenen Buchdruck haben. Das machte Bücher zwar noch nicht billig: der handwerkliche Aufwand einer Druckerei war groß, Papier war teuer, Buchbinderei aufwendig. Aber erheblich günstiger als in Zeiten der Skriptorien waren die gedruckten Bücher doch, und Auflagen von mehreren hundert, ja von über tausend Stück waren kein Ding der Unmöglichkeit mehr.
Urheberrechte gab es noch nicht, und gegen Raubdrucke war Luther machtlos – es hat sich wohl kaum einer die Warnung an die Buchdrucker zu Herzen genommen.
DEr selbige verfluchte Geitz / hat vnter allen andern Vbeln / so er treibt / sich auch an vnsere Erbeit gemacht / darin seine bosheit vnd schaden zu vben. Denn nach dem vns allhie zu Wittemberg / der barmhertzige Gott seine vnaussprechliche gnade gegeben hat / Das wir sein heiliges Wort / vnd die heilige Biblia hell vnd lauter in die deudsche Sprache bracht haben / Daran wir (wie das ein jglicher Vernünfftiger wol dencken kan) treffliche grosse Erbeit (doch alles durch Gottes gnaden) gethan.
SO feret der Geitz zu / vnd thut vnsern Buchdrückern diese schalckheit vnd büberey / Das andere flugs balde hernach drücken / Vnd also der unsern Erbeit vnd Vnkost berauben zu jrem Gewin / Welchs eine rechte grosse öffentliche Reuberey ist / die Gott auch wol straffen wird / vnd keinem ehrlichen Christlichen Menschen wol ansteht. Wiewol meinet halben daran nichts gelegen / Denn ich habs vmb sonst empfangen / vmb sonst hab ichs gegeben / vnd begere auch dafur nichts / Christus mein HErr hat mirs viel hundert tausentfeltig vergolten.
ABer das mus ich klagen vber den Geitz / Das die geitzigen Wenste vnd reubische Nachdrücker mit vnser Erbeit vntrewlich vmbgehen. Denn weil sie allein jren Geitz suchen / fragen sie wenig darnach / wie recht oder falsch sie es hin nachdrücken / Vnd ist mir offt widerfaren / das ich der Nachdrücker druck gelesen / also verfelschet gefunden / das ich meine eigen Erbeit / an vielen Orten nicht gekennet / auffs newe habe müssen bessern. Sie machens hin rips raps / Es gilt gelt. So doch (wo sie anders rechte Drücker weren) wol wissen vnd erfaren solten haben / Das kein vleis gnugsam sein kan in solcher Erbeit / als die Drückerey ist / Des wird mir Zeugnis geben / wer jemals versucht hat / was vleisses hie zugehöret.
DERhalben / ob jemand diese vnser newe gebesserte Biblia fur sich selbs / oder auff eine Librarey begert zu haben / der sey von mir hiemit trewlich gewarnet / das er zusehe / was vnd wo er keuffe / vnd sich anneme vmb diesen Druck der von den vnsern corrigirt wird / vnd hie ausgehet. Denn ich gedencke nicht so lange zu leben / das ich die Biblia noch ein mal müge vberlauffen. Auch ob ich so lange leben müste /bin ich doch nu mehr zu schwach zu solcher Erbeit.
VND wündsche das ein jglicher bedencken wolt /das nicht leichtlich jemand anders solcher ernst sey an der Biblia / als vns allhie zu Wittemberg / als denen zum ersten die gnade gegeben ist / Gottes wort wider an den tag vngefelscht / vnd wol geleutert / zubringen. Hoffen auch / vnser Nachkomen werden in jrem nachdrücken / eben den selben vleis dran wenden / Da mit vnser Erbeit rein vnd völlig erhalten werde.
Ein Jammer, daß dieser kluge und tatkräftige Mann, der zunächst das Judentum so ernst nahm, sich später (vielleicht aus Enttäuschung darüber, daß die Juden nicht reihenweis konvertierten) zu einem so ungezügelten Haß auf die Juden hinreißen ließ. Das ist ein Punkt, den ich durchaus nicht verstehe – und für den ich auch kein Verständnis will. Aber trotz dieses furchtbaren Charakterfehlers kann ich nicht anders, als den Reformator, den Dichter, Musiker und Übersetzer zu achten.
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Montag, 9. November 2009 · 8 Kommentare
Manchmal fällt mir auch ein sehr boshaftes Zitat ein:
Niederträchtig, aber einig,
Und in letzter Hinsicht, mein ich,
Immerhin noch zu verehren;
Doch wie lange wird das währen?
Bösewicht mit Bösewicht –
Auf die Dauer geht es nicht.
Wilhelm Busch, Plisch und Plum
Doch trotz allem Ärger über den real existierenden Kapitalismus, über politische und andere Dummheiten, über Machtgeilheit, Bildungsferne und -feindlichkeit (insbesondere in höheren Etagen) und was mich sonst noch erzürnt – heute will ich mich einfach nur freuen, daß die Mauer, dies Monster, nicht mehr steht und langsam, langsam auch in den Hirnen überwunden wird.
Gestern besuchte ich eine Lesung. Bettina Buske las aus dem Buch Mauerstücke, in dem Schriftsteller aus Ost und West ihre Sicht der Mauer und des Mauerfalls beschreiben. Ein lebendiges Geschichtsbuch ist das, in dem Angst und Unverständnis angesichts des „antifaschistischen Schutzwalls“ ebenso beschrieben sind wie die naive Bewunderung, die ein Kind für einen Soldaten der Volksarmee hegt; die Erfahrung von Ablehnung durch die jeweils „anderen“ und auch Versöhnung und wachsendes Verständnis werden in zahlreichen Geschichen melancholisch und humorvoll, zornig und fröhlich geschildert.
Patricia Koelle und Bettina Buske haben beide nicht nur selbst höchst lesenswerte Geschichten beigetragen, sondern auch die ungeheure Arbeit der Herausgabe geleistet.
Den Anhang des Buches bildet eine bunte und kuriose Photogalerie der Mauer von der Westseite.

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Vor 480 Jahren wurde Samuel Selfisch geboren.
Als gelernter Buchdrucker wurde er schon in jungen Jahren Verleger und Buchhändler, später eine Zeitlang Kämmerer (also eine Art Finanzbeamter); fast drei Jahrzehnte lang wurde er immer wieder entweder zum Bürgermeister von Wittenberg oder zu dessen Beisitzer gewählt und als schon älterer Mann zum Stadtrichter ernannt. Daß er neben den während des Dreißigjährigen Krieges (dessen Ende er leider nicht erleben durfte) sicher nicht einfachen Ämtern ein äußerst rühriger Verleger blieb, weist ihn als einen hart arbeitenden Menschen aus.
Selfischs Verlegermarke zeigt seinen Namenspatron Samuel, der den knienden David zum König salbt (1 Sam. 16,13).
Er verlegte Bibeln, Schriften von Luther, überhaupt eine große Menge theologischer Werke, aber auch andere Geistes- und Naturwissenschaften, die großen lateinischen und altgriechischen Autoren sowie altsprachliche Grammatiken. Zu seinen bedeutendsten Kunden zählte die Universitätsbibliothek Greifswald, die er über die ersten Jahrzehnte ihres Bestehens mit wissenschaftlichen Werken aller Disziplinen belieferte.
Der slowenische Theologe Jurij Dalmatin übersetzte nach Luthers Vorbild die Bibel in seine Muttersprache, und Selfisch verlegte die Übersetzung; sie sollte zur Grundlage der slowenischen Schriftsprache werden.
Im Selfisch-Haus in Wittenberg wurden kürzlich Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entdeckt. Selfisch zog dort zwar erst 1564 ein, hat sie also nicht selbst in Auftrag gegeben. Aber diese Malereien in einem bürgerlichen Hause sprechen von einem neu aufgekommenen Selbstbewußtsein der Bürger (bisher hatte es Wandmalereien nur in den Häusern von Adel und Klerus und in Kirchen gegeben). Die Bilder können durchaus den gebildeten und kunstsinnigen Bürger Selfisch zum Kauf gerade dieses Hauses bewegt haben.
Das Geschäft war überaus erfolgreich. Dabei vergaß Selfisch niemals seine soziale Verantwortung; großzügig spendete er für die Armen und für die Stadt Wittenberg. Seinen Bildungsauftrag nahm er zeitlebens ernst. Offensichtlich bekamen ihm Bildung und Fleiß hervorragend – er wurde 86 Jahre alt.
Leider überlebte sein Verlag ihn selbst nicht lange; schlechte Geschäftsführung und Krieg sowie die Aufteilung des Erbes unter zahlreiche Kindeskinder führten 1638, zwei Jahre nach Samuel Selfischs Tod, zum Konkurs.
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Samstag, 7. November 2009 · 4 Kommentare
Die Eichen hören einfach nicht auf, Laub abzuwerfen. Ich weiß, sie meinen es nicht böse und können nicht anders – aber langsam weiß ich nicht mehr, wohin damit!

Vom Walnußbaum kommt dafür nicht mehr viel herunter.

Versöhnt werde ich durch das wundervoll gefärbte Laub der Zaubernuß

und das der Mahonie, das jedes Jahr andere Farbspiele macht – diesmal gesprenkelt.

Reizende blaue Früchtchen stehen in einem Beet.

Die Fruchthüllen der Physalis sind zum Teil bereits nicht mehr orangefarben, sondern falbe filigrane Gebilde.

Die weiße Rose welkt edel vor sich hin (allerdings hat sie noch eine Knospe). Gegen den Himmel angeschaut, wirkt sie besonders schön.

Die roten Rosen nehmen den Spätherbst noch nicht zur Kenntnis.


Trotz der anstrengenden Arbeit – und obwohl ich langsam wirklich kein Laub mehr harken mag – liebe ich diesen Garten und bin dankbar, daß ich ihn bearbeiten darf.
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