Mein Leben als Rezitatorin

Beiträge vom April 2008

Verschwindende Übermalung

Mittwoch, 30. April 2008 · 2 Kommentare

Wie aufgespannter und dann zerfetzter Stoff hängt die über laienhafte Graffiti gepinselte Farbe (Farbton Watteausches Incarnat) von der Mauer auf dem S-Bahnhof Feuerbachstraße. Es sieht fast aus, als sei es so gemeint.

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Tulipan

Dienstag, 29. April 2008 · 5 Kommentare

Am Straßenrand zwischen Hundedreck und Bonbonpapier blühen Prachtblumen.
Tulpen

Es gibt eine schaurig-schöne Ballade über einen durch eine Tulpe aufgedeckten Mord, aber da die Autorin den Blut-und-Boden-Unfug der Nazis und die Perversion des Christentums durch die „Deutschen Christen“ vorbereitet hat, wird sie hier nicht zitiert. Zu schade, daß auch charakterschwache Leute zuweilen gute Gedichte schreiben! Oder soll man sagen, ein Glück, daß selbst schlechte Leute zuweilen was Schönes zustande bringen?

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Tempelhof und die Logik

Montag, 28. April 2008 · Kommentar schreiben

Friedbert Pflüger ist heute, ich wage mal die Prognose, ungehalten, enttäuscht, traurig. Da hat er sich zusammen mit der ICAT so viel Mühe gegeben, und nun ist die Abstimmung aus Sicht der Befürworter des Flughafenbetriebs in Tempelhof gescheitert. Es gibt keine Möglichkeit mehr, dies dem Senat anzulasten.
Grund für das Ergebnis kann nur sein, daß die Mehrheit der Wähler logisch denken kann. Mehr ist nicht nötig, um das tränenselige Argument „Aber die Luftbrücke hat uns gerettet“ zu entkräften.
An dieser Stelle verneige ich mich vor den Organisatoren und Fliegern der Berliner Luftbrücke. Sie sollen weiterhin geehrt werden!
Lucius D. Clay
Zu dieser Ehrung gibt es in Berlin einerseits das Luftbrückendenkmal, mit dem die CDU/ICAT so fleißig warb, sowie die denkmalgeschützten Gebäude des Flughafens (die Idee der Grünen, in denselben ein Museum einzurichten, ist hoffentlich durchführbar), die Benennung der Clayallee und der Clay-Schule sowie den Lehrplan der Schulen in Deutschland, der die Information über die Berliner Luftbrücke beinhaltet. Zum anderen schlage ich zur Ehrung jener Hilfsbereiten vor, sich besonders um Anstand, Wahrhaftigkeit und Hilfsbereitschaft zu bemühen sowie um logisches Denken (letzteres ist nicht nur für Piloten und Strategen notwendig).
Meiner Bitte, mir zu erklären, warum ohne Flugbetrieb die Ehrung jener Braven nicht mehr gewährleistet sei, kamen von zehn CDU- und drei FDP-Anhängern genau Null nach. Stattdessen habe ich vor der Abstimmung eine Menge sentimentalen Unsinn und handfeste Lügen gehört (denn daß Wowereit undemokratisch handelt, indem er einen mangelhaft durchgeführten Volksentscheid ohne Gesetzesentwurf als nicht bindend erklärt, ist eine populistische Unterstellung). Und da ich von Populismus spreche: Ein Plakat der ICAT zeigte eine Frau mit angstgeweiteten Augen, eine ihr den Mund zuhaltende Männerhand, und darüber die Worte: Wir lassen uns nicht den Mund verbieten. Dadurch wurden alle Gegner des Flugbetriebs in Tempelhof – auch ich – als Vergewaltiger dargestellt. Das erfüllt meiner Meinung nach den Tatbestand der Volksverhetzung, Höchststrafe: fünf Jahre Knast. Die von der CDU propagierte Falschaussage, Nichtwähler stimmen automatisch mit Nein, ist nach StGB § 108 a eine Wählertäuschung.

(1) Wer durch Täuschung bewirkt, daß jemand bei der Stimmabgabe über den Inhalt seiner Erklärung irrt oder gegen seinen Willen nicht oder ungültig wählt, wird mit der Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.

Daß ich keine Zeit und keine Nerven hatte, mich um eine einstweilige Verfügung zu kümmern, tut mir herzlich leid. Aber das Abstimmungsergebnis hat gezeigt, daß immer noch stimmt, was ich als Kind gelernt habe:

Nimm dich alle Zeit in Acht,
Lüge hält nicht über Nacht.

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Ein Fohlen von René Sintenis

Sonntag, 27. April 2008 · 2 Kommentare

Dies hübsche Tierchen steht auf dem René-Sintenis-Platz in Berlin-Friedenau. Ich habe es noch nie ohne von Kinderhänden vorgelegtes Futter gesehen. Kruppe und Mähne sind blankgestreichelt. Heute hat es offenbar zum Sonntag etwas Besonderes bekommen, und ich kann den Kindern nicht einmal böse sein wegen der abgerupften Fliederblüten.
Grasendes Fohlen

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Tulpen und Vergißmeinnicht

Samstag, 26. April 2008 · Kommentar schreiben

Aus einem Meer von blauen Blumen
Vergißmeinnicht
ragen einige, die niemals blau sind.
Tulpe
Einige davon welken schon.
welkende Tulpe
welke Tulpe

Die Tulpen verstehen es, in Schönheit zu vergehen. Sie wandeln sich von Seidenatlas nach Crèpe de Chine.

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Das beste eingewanderte Wort

Freitag, 25. April 2008 · 5 Kommentare

Eben komme ich von einem Empfang mit wunderbarer Musik und klugen Worten (ja, das gibt es, jedenfalls wenn Jutta Limbach und Wolfgang Thierse sie sprechen).
Bis zum 29.2.2008 lief ein Wettbewerb des Goethe-Instituts. Die Aufgae war, das persönliche Lieblingswort unter den aus fremden Sprachen eingewanderten Wörtern vorzustellen – mit einer Begründung, warum gerade dies Wort so besonders schön ist.
Nun wurden im Bodemuseum die Preise verliehen. Die illustre Jury setzte sich zusammen aus
Prof. Dr. Hans Barkowski – Germanist, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Vicco von Bülow alias Loriot – Komödiant und Zeichner
Prof. Dr. Jutta Limbach – Präsidentin des Goethe-Instituts
Wolfgang Thierse – Vizepräsident des Deutschen Bundestages
Dr. Matthias Wermke – Verlagsleiter / Leiter der Dudenredaktion
Anne Will – Journalistin und Moderatorin

Gewinner des Jugend-Wettbewerbs ist Sandro Plonka mit einer hinreißend komischen Argumentation für das Wort Chaos. Gewinner des Schul-Wettbewerbs ist die Klasse 8a des Paul-Klee-Gymnasiums mit einem leckeren Milchshake. Der ungarische Tollpatsch, der griechische Engel und die tamilisch-deutsche Wortehe der Currywurst waren ebenfalls siegreich – wie ich finde, allesamt mit sehr schönen Begründungen.

Der Hueber Verlag hat in einem sehr schön aufgemachten, von Marie Marcks illustrierten Buch – Eingewanderte Wörter – die schönsten Wortvorschläge veröffentlicht (ISBN 978-3-19-207891-0). Es findet sich auch mein Vorschlag darin:

Pergola – dies melodisch von den Lippen rollende Wort für ein Element der Baukunst, weder Haus noch Garten, ein zierliches Gerüst, dessen einziger Zweck darin besteht, unter Rankpflanzen zu verschwinden, ein Stück Architektur, das mehr aus nichts als aus etwas besteht – ein spielerisches Ding, das weniger Kühle und Schatten gibt als ein Säulengang, keinen Schutz vor Regen, nicht die Heimlichkeit einer Laube, das nichts zu tragen hat außer der Last von Glyzinien, Clematis oder Wein, die alle auch ohne dies Gerüst sehr gut wüchsen. Scheinbar nichts als poetischer Unfug, zauberisch Sinnloses, läßt die Pergola sinnendes Gehen besser zu als Garten oder Wald mit ihren tausenderlei Ablenkungen: der Boden ist ein schön gepflasterter Fußweg ohne Pfützen oder Staub, die grünen Säulen umrankter Streben sind nicht so mächtig und vordringlich wie Bäume, durch die kreuz und quer über das offene Dach hängenden Ranken dringt viel mehr Sonnenlicht und Himmelsbläue als durch eine Baumkrone. Im Winter ist die Pergola Skelett, zeichnet sich scharf und dunkel vor dem blassen Himmel ab; wir sehen die überraschend starken Stämme des so zart wirkenden Bewuchses: die eigentliche Kraft der Pergola ist nicht gebaut, sondern gewachsen – wie die Sprache, in deren Gerüst das schöne klingende Wort aufgenommen wurde als eine fremdländische Blume – schöner Fremdling zwischen Haus und Garten: Per-go-la…

Bitte beachten: Die Rechte für den zitierten Absatz sind beim Hueber Verlag.

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Frühlingsgefühle

Mittwoch, 23. April 2008 · Kommentar schreiben

Der Wilde Wein hat hier noch Beeren vom Vorjahr – geht es den Vögeln zu gut?

Hier zeichnet er eine schöne Diagonale.

Auf dem Waldfriedhof in Wannsee blühen die Tulpen.

In der Stadt kann manch eine ihre Frühlingsgefühle gar nicht mehr zügeln. (Wozu auch?)

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Gute Wünsche und Kraniche

Dienstag, 22. April 2008 · Kommentar schreiben

Als (wenn auch zur Zeit nicht eben aktive) ARG-Liebhaberin schaue ich mir auch Patmos Seiten zu diesem faszinierenden Spieltyp an. Und da ist zur Zeit ein durchaus ernster – und zugleich auch für „Spielkinder“ passender! – Aufruf zu sehen, dem ganz realen und leider schwer kranken ARG-Meister Dave originelle Genesungswünsche zu senden. Meiner ist unterwegs.

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Nero läßt mich sitzen!

Montag, 21. April 2008 · 5 Kommentare

Gemeint ist ein Computerprogramm, mit dem man CDs brennt (mit dem Slogan: „burning ROM“), und leider wird es nun doch noch etwas dauern mit dem Hörbuch. Die Aufnahme ist fertig, aber Nero hat sich in den Kopf gesetzt, ein Drittel der Dateien mit bis zu siebenminütigen Pausen am Ende aufzustocken. Als dies Problem sich nicht lösen ließ, versuchte ich, ein Hörbuch ohne anwählbare Titel zu machen – mit dem Erfolg, daß einzelne Abschnitte wie im Heliumrausch gesprochen klangen und eine rätselhafte Warnung auftauchte, das Laufwerk, auf dem ich nicht gespeichert hatte, sei voll. Also muß ich die Welt vertrösten: das Hörbuch wird bestimmt, bestimmt bald fertig sein!
Die Rezitation findet natürlich trotzdem statt, wenn vorher nicht Berlin abbrennt oder eine Christenverfolgung stattfindet.

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Die Argonauten sind da!

Sonntag, 20. April 2008 · 4 Kommentare

Wieder einmal ist die Argonautensage hier zu hören – am Dienstagabend um 19.30 Uhr. Außerdem gibt es sie endlich auch als Hörbuch – drei CDs, zusammen 10,00 €. Mit dem Brennen bin ich vor wenigen Stunden fertig geworden und atme auf… Die Aufnahme hat nicht Tonstudioqualität, ist aber durchaus anhörbar (sagt die überkritische Rezitatorin).
Die Produktion hat Nerven gekostet, aber auch Freude gemacht. Ich bin mir recht sicher, daß es weitere Hörbücher aus dem Hause Kalliope geben wird. Übrigens werden dabei, so weit als möglich, auch Sonderwünsche meiner geneigten Hörerschaft berücksichtigt.

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