Im Hof blühen die so romantisch benannten Tränenden Herzen.

Die erste Kastanie in näherer Umgebung ist aufgeblüht. Seltsam, daß Kastanien auch in einer Allee immer sehr individuelle Blütezeiten haben.

Ein weißer Rhododendron steht unweit der Friedrich-Wilhelm-Kirche. Die Knospen sind zart rosa, der Kelchgrund ist gelb gesprenkelt. Wenn man diese Farbkombination in der Mode versucht, geht’s schief; die Natur kann das.

Und neben all diesen edlen Pflanzen wächst und gedeiht der proletarische Löwenzahn, Armeleutesalat (nur nicht gerade im städtischen Hundeauslaufgebiet), Drängler und Störer im Garten – aber eigentlich eine herrliche Blume, mit goldgelb strotzendem Blütenkorb und silbrig zarter Samenkrone.

Arno Holz
LöwenzahnMählich durchbrechende Sonne
Schönes,
grünes, weiches
Gras.
Drin
liege ich.
Inmitten goldgelber
Butterblumen!Über mir … warm … der Himmel:
Ein
weites, schütteres,
lichtwühlig, lichtblendig, lichtwogig
zitterndes
Weiß,
das mir die
Augen
langsam … ganz … langsam
schließt.Wehende … Luft … kaum merklich
ein Duft, ein
zartes . . . Summen.Nun bin ich fern
von jeder Welt,
ein sanftes Rot erfüllt mich ganz, und
deutlich . . . spüre ich . . . wie die
Sonne
mir durchs Blut
rinnt.Minutenlang.
Versunken
alles . . . Nur noch
ich.Selig!




9 Antworten bis hierher ↓
Strabo // Freitag, 2. Mai 2008 um 3.52
Ich vermisse in photographischer Hinsicht, o bellissima, Bellis perennis. Es sieht doch nett aus, das Gänseblümchen, und gerade in großer Zahl —- auch und gerade auf dem zu mähenden Rasen, denn da sind sie eine gewisse Hilfe zur Orientierung, einmal abgemäht zeigen sie die Fahrspur des Rasenmähers, und man mäht nicht noch etwas doppelt. Ziemlich nüchtern gesehen, ich weiß… Quod oro te mihi ignoscas.
Claudia // Freitag, 2. Mai 2008 um 4.02
Ich nehme mir diesen Wunsch zu Herzen, Strabo optime, und werde ihn so bald als möglich zu erfüllen suchen. Es ist ja wahr: die Ewig-Hübsche darf nicht fehlen!
Linda // Freitag, 2. Mai 2008 um 7.05
Hier ein Gedicht zu den Tränenden Herzen:
Horst Husner
Das Tränende Herz
In meinem Garten,
da wächst das Tränende Herz ,
ganz dicht an einem Wassergraben,
dieses spiegelt sich verträumt,
in dessen klarem Nass
und es leuchten ihre rötlichen Farben.
Vereinsamt und still,
aber wunderschön,
steht es aufrecht da im Sonnenlicht,
der Wind darf streicheln, ihre zarten Blüten,
doch küssen, – das darf er sie nicht.
Ihre Anmut lässt jeden Betrachter verharren,
denn nun wird seine Seele beglückt,
sie selber schaut aus
die meiste Zeit traurig,
aber das ist es – was so entzückt.
Früh morgens
kann man sie oft weinen sehen,
wenn verführt hat sie der frische Tau,
dennoch liebt die Zarte eben nur diesen Einen,
doch – jener nimmt das nicht so genau.
Also lässt sie sich trösten
und umarmen vom Wind,
aber richtig Freude bringt ihr das nie,
ich kann gut verstehen,
jene Sehnsucht der Blume,
ja, auch ich – wurd´ schon enttäuscht so wie sie.
Horst Husner
Claudia // Freitag, 2. Mai 2008 um 7.35
Vielen Dank, Linda! Ein Gedicht über das Tränende Herz kannte ich noch gar nicht. – Ich hoffe mal, der Autor ist einverstanden, daß er hier zitiert wird!
Linda // Freitag, 2. Mai 2008 um 7.39
Ja ich hoffe es auch. Ich konnte ihn leider nicht persönlich Fragen.
Gänseblümchen « Mein Leben als Rezitatorin // Samstag, 3. Mai 2008 um 5.02
[...] Der Wunsch nach Bildern von der so reizenden wie robusten Blume wurde an mich herangetragen – und ist mir Befehl! -, und [...]
Horst Husner // Donnerstag, 3. Juli 2008 um 11.47
Die Seerose
An einem Waldweg,
er ward kaum begangen,
lag ein See, der still und rein,
dieser hielt eine Seerose gefangen,
sie war schön,
doch auch stets allein.
Wie Schnee so weiß war ihre Blüte,
wenn sie sich sonnte,
im gleißenden Licht,
deren Anmut zeigte Liebe und Güte,
welche ewige Treue verspricht.
Ein Jüngling,
der sich tat drum verlieben,
wollt sie haben, für sich nur,
oh weh,
er sprang in das tiefe Wasser
und schwamm zu jener Rose im See.
Kein Laut
drang von ihr an sein Ohr, -
als sie umschlang seinen Leib voller Glück,
doch der See gab nicht frei diese Blume
und so kehrte er – nie mehr zurück.
Horst Husner
Claudia // Freitag, 4. Juli 2008 um 2.24
Danke, Horst! Das läßt mich an Jugendstil-Bilder denken, und auch an einen mir bekannten kleinen Seerosenteich – vielleicht stelle ich ihn mal vor!
Horst Husner // Donnerstag, 17. Juli 2008 um 3.06
Morgentau
Ganz unscheinbar
reckt sie ihr Blattwerk ins Licht,
vom Frühjahr bis zum Herbst,
wo dann der Wind wird rau,
an deren Ränder hängen Tränen,
doch es schämt sich dessen nicht,
jenes pflanzliche Wunder heißt Morgentau.
Sie wirkt so betörend
beim Glitzern in der Sonne
und spielt die verlassene Braut,
jeder Käfer, jede Fliege
die da kommen um zu trösten,
bleiben hängen an ihrer klebrigen Haut.
In der Fauna
gehört sie zu den grausamen Schönen,
doch tut sich schüchtern
und weinerlich geben,
die Insekten,
welche fallen auf dieses Trugbild rein,
verlieren dadurch nun ihr Leben.
Es ist kaum zu glauben,
aber sie kennt keine Gnade
und verzehrt ihre Opfer im Nu,
unter den Gräsern
bleibt sie stets ein Aussenseiter,
doch man schaut fasziniert dem zu.
Horst Husner