Mein Leben als Rezitatorin

Beiträge vom Juni 2008

Mehr Licht

Sonntag, 29. Juni 2008 · 5 Kommentare

Der üppige alte Efeu ist zwar sehr romantisch – macht aber in allzu großer Menge den Garten zu düster. Und zwei Rhododendren haben kümmerliche und tote Äste. Also galt es heute sägen, sägen, sägen!
Gelichteter Efeu

Aber nun wirkt der Garten viel freundlicher.
Ein ruhebedürftiger Kohlweißling läßt sich auf dem Baldrian nieder.
Kohlweißling auf Baldrianblüte

Die Funkie blüht.
Vogeltränke mit Funkie

Rosen in allen Stadien von der Knospe zur welkenden Blüte.
Welkende weiße Rosen
Gelbe Rosen
Rote Zwergrose

Die Staudensonnenblume guckt nach Süden, also zur Gartenmauer. Sie kann nicht anders! Man muß in das Beet treten, um sie in voller Pracht zu sehen.
Staudensonnenblume

Diese Vexiernelken sind von einem geradezu gewalttätigen Rosa.
Rosa Nelken

Dezenter ist die Glockenblume.
Glockenblume

Darauf eine Ruhepause. Neben Rosen sitzen, Füße ausstrecken, Kaffee trinken und über ein Buch in den Garten schauen.
Rosa Rosen
Ruhende Füße
Blick von der Gartenbank

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Weisheit und Torheit

Freitag, 27. Juni 2008 · 2 Kommentare

Erstere in Gestalt der Athene hat hier offenbar ihr Haus gebaut.
Haustür mit Athene
Athene als Wächterin

Und letztere ist vermutlich Ursache dafür, daß ein tadelloses Fahrrad so aufgefunden wird. Andererseit steht es an diesem Ort und in diesem Zustand nicht ganz verkehrt.
Vergessenes Fahrrad 1
Und daß es umblüht wird von der blauen Blume, der Wegwarte, ist für das am Weg wartende Fahrrad durchaus passend.
Vergessenes Fahrrad 2

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , ,

Veröffentlichungen und Rezitation

Donnerstag, 26. Juni 2008 · 3 Kommentare

Das Buch Der Füllfederhalter des Grauens. Gruselgeschichten, Ronald Henss Verlag, wird voraussichtlich ab 26. September 2008 für 11,80 € käuflich sein. Und es wird – dies steht fest – vierzehn Geschichten enthalten, darunter eine von mir.
Eine andere Veröffentlichung ist noch immer in der Schwebe: mein Hörbuch Die Argonauten. Ich weiß nicht, welcher böse Geist hier im Spiel ist, aber jetzt hat das Programm zwei Dateien vertauscht und weigert sich, die rechte Ordnung wieder herzugstellen.
Aber die Stimme ist in Ordnung. Morgen wird rezitiert!

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , ,

Verwunderlich ist mir mein Sein

Donnerstag, 26. Juni 2008 · 1 Kommentar

Vor fünf Jahren starb der Kunsthistoriker Martin Sperlich.

Martin Sperlich
Das Portrait schuf Joachim Dunkel im Jahre 1966.

Er war nicht nur ein energischer Hüter der Kunst, sondern auch ein Dichter.

Verwunderlich ist mir mein Sein
und seltsam, daß ich Dieser bin
und daß ich bin und daß mein Sinn
und Leben ist nur mir allein -

(und bin doch nicht, wenn nicht umher
die Lieben sind von meiner Art
und Freundschaft, die sich um mich schart,
sonst wär ich blind und taub und leer)

- und daß das Leid und daß der Glanz
abfordert unsre Tageswerke
und unsre Trauer, Lust und Stärke
im Lebensschritt und Totentanz.

Es war nicht immer einfach, ihn zum Vater zu haben. Vererbt hat er mir unter anderem einen Anteil seines ostpreußischen Dickschädels und Bollerkopps – der Dialog zwischen zwei so ausgestatteten Menschen verlief manchmal heftig. Aber er war ein sehr liebevoller und herzlicher Mensch, und er hat mir die Freude an und Leidenschaft für Kunst und Literatur vermittelt – zu diesen und zu ihm bleibt mir auch in trübsten Zeiten eine große Liebe.

Immer mehr mache ich mir dies Gedicht meines Vaters zu eigen, das er mehr als ein Jahrzehnt vor seinem Tode schrieb:

Wer hat die gezählten Tage gezählt,
wer hat die gefälschte Waage gewählt,
wer zinkte die Karten?
Dies Leben ist noch nicht zuende gelebt,
wo soll ich stehn, wenn der Vorhang sich hebt
vor den Genarrten?

Ich will noch den nächsten Wind überm Schnee,
ich will noch die spritzenden Tropfen vom See
in meine Poren,
ich will noch dies Jahr und dieses Jahrzehnt
mit dem Rücken fest an die Wand gelehnt,
ein Tor unter Toren.

© der Gedichte: Cornelia Sperlich

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Was ich besonders mag

Mittwoch, 25. Juni 2008 · 1 Kommentar

fragt Piri. Zehn Dinge, nicht Menschen, sollen es sein. Die Reihenfolge sagt nichts über das Maß an Wertschätzung!

1. Schreiben

Friedrich von Logau
Poetinnen.

OB Weiber mügen Verse schreiben?
Diß Ding zu fragen lasse bleiben
Wer Sinnen hat: Dann/ solten Sinnen
Nicht auch die Weiber brauchen künnen?

Poetinnen.

Wann Weiber Reime schreiben/ ist dupelt ihre Zier/
Dann ihres Mundes Rose bringt nichts als Rosen für.

2. Photographieren

Peter Altenberg
Revolutionär

Beim Photographen roch es nach «Photographen». Die Tapeten waren japanisch und Alles war wie bei einem genialen Tapezirer.
«Wir gehören doch zur Kunst, doch und doch -» schrieen diese überladenen Räume. Sie mussten eben ein Übriges thun und vor künstlerischem Geschmacke strotzen.

3. Rezitieren

William Shakespeare
As You Like It (II,7)

All the world’s a stage,
And all the men and women merely players:
They have their exits and their entrances;
And one man in his time plays many parts,
His acts being seven ages.

4. Lesen

Friedrich von Logau
Bücher=Glücke.

Bücher haben auch jhr Glücke: Wann sie nicht gesaltzen seyn/
Fasst man dennoch gute Würtze/ Pfeffer oder Saffran drein:
Kümmt es dir/ ich bin zu friede/ liebes Buch/ nur auch so gut/
Wann mit dir nur in geheime/ niemand was verschämtes thut.

5. Garten

Arno Holz

Kleine, sonnenüberströmte Gärten
mit bunten Lauben, Kürbissen und Schnittlauch.
Noch blitzt der Thau.
Über den nahen Häuserhorizont ragen Thürme.
Durch das monotone Geräusch der Neubauten,
ab und zu,
pfeifen Fabriken,
schlagen Glocken an.
Auf einer Hopfenstange sitzt ein Spatz.
Ich stehe gegen einen alten Drahtzaun gelehnt
und sehe zu, wie über einem Asternbeet
zwei Kohlweißlinge taumeln.

6. Kaffee

Arabischer Anonymus (um 1511)

O Kaffee! Du verscheuchst jeden Kummer, das Ziel aller Wünsche des Gelehrten bist du.
Er ist das Getränk der Gottesfreunde; er gibt denen Gesundheit, die in seinem Dienst nach Weisheit streben.
Bereitet aus der einfachen Schale der Beere, hat er den Duft von Moschus und die Farbe der Tinte.
Der verständige Mann, der Tassen voll schäumenden Kaffees leert, er allein kennt die Wahrheit.
Möge Gott dem Wahnwitzigen dieses Getränk entziehen, der es mit unverbesserlichem Eigensinn verdammt.
Kaffee ist unser Gold. Wo immer er aufgetragen wird, erfreut man sich der Gesellschaft der trefflichsten und edelsten Männer.
O Trank! Harmlos wie reine Milch, von der du dich nur durch deine Schwärze unterscheidest.

7. Katze

Johann Wolfgang von Goethe
Italienische Reise

Rom 1786, den 25. Dezember.

… was für eine Freude bringt es, zu einem Gipsgießer hineinzutreten, wo man die herrlichen Glieder der Statuen einzeln aus der Form hervorgehen sieht und dadurch ganz neue Ansichten der Gestalten gewinnt… Ich habe mich nicht enthalten können, den kolossalen Kopf eines Jupiters anzuschaffen. Er steht meinem Bette gegenüber wohl beleuchtet, damit ich sogleich meine Morgenandacht an ihn richten kann, und der uns, bei aller seiner Großheit und Würde, das lustigste Geschichtchen veranlaßt hat.
Unserer alten Wirtin schleicht gewöhnlich, wenn sie das Bett zu machen hereinkommt, ihre vertraute Katze nach. Ich saß im großen Saale und hörte die Frau drinne ihr Geschäft treiben. Auf einmal, sehr eilig und heftig, gegen ihre Gewohnheit, öffnet sie die Türe und ruft mich, eilig zu kommen und ein Wunder zu sehen. Auf meine Frage: was es sei, erwiderte sie, die Katze bete Gott Vater an. Sie habe diesem Tiere wohl längst angemerkt, daß es Verstand habe wie ein Christ, dieses sei aber doch ein großes Wunder. Ich eilte mit eigenen Augen zu sehen, und es war wirklich wunderbar genug. Die Büste steht auf einem hohen Fuße, und der Körper ist weit unter der Brust abgeschnitten, so daß also der Kopf in die Höhe ragt. Nun war die Katze auf den Tisch gesprungen, hatte ihre Pfoten dem Gott auf die Brust gelegt und reichte mit der Schnauze, indem sie die Glieder möglichst ausdehnte, gerade bis an den heiligen Bart, den sie mit der größten Zierlichkeit beleckte und sich weder durch die Interjektion der Wirtin, noch durch meine Dazwischenkunft im mindesten stören ließ. Der guten Frau ließ ich ihre Verwundrung, erklärte mir aber diese seltsame Katzenandacht dadurch, daß dieses scharf riechende Tier wohl das Fett möchte gespürt haben, das sich aus der Form in die Vertiefungen des Bartes gesenkt und dort verhalten hatte.

8. Wandern

Joseph Freiherr von Eichendorff
Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. -

9. Musik

Martin Luther

Wer sich die Musik erkiest,
hat ein himmlisch Werk gewonnen;
denn ihr erster Ursprung ist
von dem Himmel selbst gekommen,
weil die lieben Engelein
selber Musikanten sein.

10. Laudes

iam lucis orto sidere,
Deum precemur supplices,
ut in diurnis actibus
nos servet a nocentibus.

Linguam refrenans temperet,
ne litis horror insonet,
visum fovendo contegat,
ne vanitates hauriat.

Sint pura cordis intima,
absistat et vecordia:
carnis terat superbiam
potus cibique parcitas.

Ut cum dies abscesserit,
noctemque sors reduxerit,
mundi per abstinentiam
ipsi canamus gloriam.

Deo Patri sit gloria,
eiusque soli Filio,
cum Spiritu Paraclito,
nunc et per omne saeculum.
Amen.

Zu Deutsch:

Schon zieht herauf des Tages Licht,
wir flehn zu Gott voll Zuversicht:
Bewahre uns an diesem Tag
vor allem, was uns schaden mag.

Bezähme unsrer Zunge Macht,
dass sie nicht Hass und Streit entfacht;
lass unsrer Augen hellen Schein
durch Böses nicht verdunkelt sein.

Rein sei das Herz und unversehrt
und allem Guten zugekehrt.
Und gib uns jeden Tag das Brot
für unsre und der Brüder Not.

Dich, Vater, Sohn und Heil´ger Geist,
voll Freude alle Schöpfung preist,
der jeden neuen Tag uns schenkt
und unser ganzes Leben lenkt.
Amen.

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

memento mori

Sonntag, 22. Juni 2008 · 5 Kommentare

Bei brüllender Hitze suchte ich heute etwas Abkühlung und fand in der Stubenrauchstraße das Kolumbarium von Hans Altmann, das diesem Zweck durchaus dienen kann.
Zuoberst über dem Haupteingang steigt Phönix aus den Flammen – zugleich ist er aber, der Gestalt nach, ein Pelikan und damit in der christlichen Ikonographie Symbol der Nächstenliebe.
Urnenhalle Portal Detail
Man tritt ein unter dem Auge Gottes – und unter ihm wird auch mancher hineingetragen.
Zu beiden Seiten betrachtet je ein ernster Putto den Eintretenden.
Urnenhalle 4
Blumen und Eidechsen schmücken den oberen Teil des Kolumbariums, erstere als Vanitassymbol, letztere Symbol der Hinwendung zu Christus und der Auferstehung aus der Annahme, sie könnten ihre Altersblindheit durch den direkten Blick in die Sonne heilen; ebenso solle der Mensch sich zum Licht Christi hinwenden. (Solche lustigen Sachen stehen im Physiologus und haben die christliche Kunst stark beeinflußt.)
Urnenhalle 5
Hier ein Blick auf die unterirdischen Urnengräber.
Urnenhalle 2
Und hier ein zweiter aus größerer Nähe.
Urnenhalle 1
Besonders haben mich die leeren Nischen fasziniert.
Urnenhalle 10Urnenhalle 9Urnenhalle 8Urnenhalle 6Urnenhalle 3
Aber draußen steht auf hübschen Beinen ein ganz lebendig wirkender Engel.
Friedhofsengel 1

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Gartengedanken

Samstag, 21. Juni 2008 · 2 Kommentare

Theodor Storm
Im Garten

Hüte, hüte den Fuß und die Hände,
Eh sie berühren das ärmste Ding!
Denn du zertrittst eine häßliche Raupe
Und tötest den schönsten Schmetterling.

Ein seltsamer kleiner Schmetterling, fast golden, mit übereinander angeordneten Flügeln, sitzt auf der Astilbe.
Schmetterling

Diese Rose wirkt wie mit Wasserfarben besprenkelt.
Weiße Rose mit rosa Sprenkeln

Die Dalmatische Glockenblume ist ein so hübscher wie anspruchsloser Bodendecker.
Campanula 2

Der Baldrian scheint aus sich zu leuchten.
Baldrian

Einige der zu Pfingsten gesetzten Lilien sind schon ziemlich groß.
Lilie 2
Lilie 1

Diese reizende kleinblütige Rose an der romantischsten aller Gartenbänke wird bis weit in den Herbst blühen.
Gartenbank mit rosa Rose

Ich sollte mal wieder nur zum Träumen in den Garten gehen. Heute habe ich ziemlich viel geschafft, mehrere Kubikmeter Unkraut gerupft und einige Mahonien umgesetzt – aber ein Garten sollte ja auch der Ruhe dienen, nicht nur der Arbeit. Wobei ich letztere sehr gerne mache – aber die schöne Gartenbank, die ich alle paar Jahre neu streiche, deren Rose ich vorsichtig mit Bast hochbinde, unter der ich Giersch und Efeu rupfe, deren hölzerne Sitzfläche ich winters im Keller verwahre und im Frühjahr wieder vorhole, habe ich zu ihrem eigentlichen Zweck, dem beschaulichen Sitzen, lange nicht benutzt.

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Junger Eichelhäher

Freitag, 20. Juni 2008 · 6 Kommentare

Dieser kleine Kerl wurde mir von Spaziergängern anvertraut, die ihn auf der Straße gefunden hatten.
Junger Eichelhäher 2
Ich glaube zwar nicht, daß er überlebt, aber vielleicht rappelt er sich ja doch noch auf.
Junger Eichelhäher 3
Wenigstens überrollt ihn hier kein Auto.
Junger Eichelhäher 1

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , ,

Johnny Cash – The Beast in Me

Freitag, 20. Juni 2008 · 1 Kommentar

Das Kleine Theater hat mir einen wundervollen Abend beschert. Die Bühne ist winzig, der Zuschauerraum nicht viel größer – und auf diesem kleinsten Raum findet ein ganzes Leben statt.
Man muß kein ausgesprochener Country-Liebhaber sein, um diese Hommage an Johnny Cash zu genießen!
Erik Hansen, Roland Heinrich
Erik Hansen in der Titelrolle singt und erzählt sein Leben, zwischen Deutsch und Englisch wechselnd, beginnend mit den Erinnerungen an die winzige Farm und die Hilfsarbeiten, an den Unfalltod seines Bruders, an eine Überschwemmung – eine schwierige und abenteuerliche Kindheit und Jugend, geprägt von der tiefen pietistischen Frömmigkeit seiner Mutter und von den Spirituals, die zu Hause und in der Gemeinde erklangen. Flucht in die Musik, Ruhm und Flucht in die Tablettensucht folgen, und, nach beinahe gelungenem Selbstmordversuch, die Rettung aus dem Tablettensumpf, das neue Aufleben. Der Tod ist endlich ein ganz zartes Herüberwinken, ein Lied vom Jordanufer.
Roland Heinrich und Sabine Schwarzlose spielen die wichtigsten ihn umgebenden Menschen, seine Eltern, Freunde, seinen Produzenten. Cashs Lieder und zahlreiche Spirituals mit zugleich naiven und todessüchtigen Texten durchziehen das Stück. Hierbei zeichnet sich besonders Sabine Schwarzlose aus mit einer wunderbar klaren und vollen Stimme und unglaublicher schauspielerischer Wandlungsfähigkeit; in Minutenschnelle wechselt sie vom verschüchterten Teenager zur energischen und doch leidenden Frau, von der an Johnnys Sucht fast zerbrechenden zur durch Liebe und praktischen Verstand rettenden Gefährtin.
Eine hoch spannende Biographie ist es, eine Geschichte voll Pathos und Sentimentalität, und genau dies macht sie so überzeugend: Ein solches Leben zwischen Sucht und Religiosität, zwischen Scheitern und Erfolg ist eben pathetisch und sentimental, es ist der Amerikanische Traum und bitterste Wirklichkeit zugleich.
Mich hat ein einziges Detail gestört: die Schauspieler benutzten Mikrophone. Das ist bei einem so kleinen Raum völlig überflüssig; ich bin sicher, auch ohne Verstärkung hätte man alles gehört.
Für Schnellentschlossene gibt es noch drei Möglichkeiten, diese Aufführung zu erleben: heute, morgen und übermorgen, jeweils um 20.00 Uhr. Alle anderen schauen halt etwas anderes im Kleinen Theater an!

Zuletzt noch zwei Aufnahmen des echten Johnny Cash:

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Sagenhaft klassisch

Donnerstag, 19. Juni 2008 · 4 Kommentare

Gustav Schwab
Vor 216 Jahren wurde dieser Mann geboren, genauer: das Baby, aus dem er sich entwickeln sollte.
Ein Freund des hohen Pathos war er, ohne Blick auf das Mittelmaß – Männer sind Helden oder Schurken, Frauen sind züchtig oder verrucht, edel oder intrigant, gelebt und gestorben wird grundsätzlich mit Blitz und Donner, Pauken und Trompeten.

Der Feiertag
Romanze

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
In dumpfer Stube beysammen sind;
Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,
Großmutter spinnet, Urahne gebückt
Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl –
Wie wehen die Lüfte so schwül!

Das Kind spricht: „morgen ists Feiertag,
Wie will ich spielen im grünen Hag,
Wie will ich springen durch Thal und Höhn,
Wie will ich pflücken viel Blumen schön;
Dem Anger, dem bin ich hold!“ –
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Die Mutter spricht: „morgen ists Feiertag,
Da halten wir alle fröhlich Gelag,
Ich selber ich rüste mein Feierkleid;
Das Leben es hat auch Lust nach Leid,
Dann scheint die Sonne wie Gold!“ –
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Großmutter spricht: „morgen ists Feiertag,
Großmutter hat keinen Feiertag,
Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid,
Das Leben ist Sorg’ und viel Arbeit;
Wohl dem, der thät, was er sollt’!“ –
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Urahne spricht: „morgen ists Feiertag,
Am liebsten morgen ich sterben mag:
Ich kann nicht singen und scherzen mehr,
Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,
Was tu ich noch auf der Welt?“ –
Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?

Sie hören’s nicht, sie sehen’s nicht,
Es flammet die Stube wie lauter Licht:
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
Vom Strahl miteinander getroffen sind,
Vier Leben endet Ein Schlag –
Und morgen ists Feiertag.

Sein bis heute wirkmächtiges Hauptwerk sind die Sagen des klassischen Altertums. Niemand hatte vor ihm in Angriff genommen, fast die gesamte griechische Sagenwelt Menschen zugänglich zu machen, die weder Griechisch noch Latein beherrschten. Schwab richtete sich nach dem antiken Quellenmaterial, ohne zu übersetzen – er brachte die Sagen in die Sprache seiner Zeit. Dabei floß eine Menge 19. Jahrhundert ein; so ist Herakles bei Schwab nur der große edle Held, auch wenn er am Ende tragisch den Verstand verliert. Die griechische Sage stattet den Zeussohn durchaus mit waldschratähnlichen Zügen aus, die Schwab vornehm verschweigt. Aber auch wenn mir Schwabs fürnehmes Pathos etwas widerstrebt, rechne ich ihm hoch an, daß er die spannende, vielfältige, schöne und brutale Sagenwelt der Griechen auch den Menschen – und besonders Kindern und Jugendlichen – zugänglich gemacht hat, die keine humanistische Bildung genießen – oder erleiden.
Die Rezeptionen der griechischen Sagen durch Herta Snell, Anna Seghers, Franz Fühmann und andere hätten ohne Gustav Schwab vielleicht nicht stattgefunden – oder wären noch weniger zur Kenntnis genommen, als es leider der Fall ist.

Kategorien: Allgemeines
Mit Tag(s) versehen: , , , ,