Mein Leben als Rezitatorin

Beiträge vom Oktober 2009

Ein Geistesentdecker

Samstag, 31. Oktober 2009 · 2 Kommentare

Bruno Snell

Vor 23 Jahren starb Bruno Snell.
Er war ein außergewöhnlicher Meister der Klassischen Philologie, mit hohem Sprachwitz und Humor ausgestattet und dazu ein politisch wacher Mensch, der dem braunen Ungeist wehrte, wo immer er konnte. Obwohl er die Möglichkeit hatte, nach Amerika auszuwandern, und einige Zeit später die Universität von Salamanca seine Mitarbeit wünschte, blieb er in Hamburg. Das soll wesentlich seiner Mutter zu verdanken sein, die ihn aufforderte: „Bleib du hier, Bruno, sonst sind gar keine Vernünftigen mehr in Deutschland“. Ihr sei an dieser Stelle Dank gesagt!

Snell unterließ es die ganze Nazizeit lang, „pflichtgemäß“ mit erhobener Hand und Diktatorensegenswunsch zu grüßen. Als Hamburg bombardiert wurde, bewahrten er und seine Frau Hertha Snell ihre Töchter vor Kinderlandverschickung und regimekonformem Drill, indem sie sie im Allgäu bei Bauern unterbrachten.

Daß man auch mit subversivem Witz (den kein Zensor verstand) gegen die herrschende Unkultur sprechen konnte, zeigt Snells kurzer Artikel „Über das I-ah des goldenen Esels“. Snell erläuterte 1935 (also im Jahr nach der unseligen Volksabstimmung) an literarischen Quellen, daß im Griechischen der Eselslaut mit οὐ = nein wiedergegeben wird und schließt den Artikel:

Es stellt sich also heraus, daß das einzige wirkliche Wort, das ein griechischer Esel sprechen konnte, das Wort für ‘nein’ war, während kurioserweise die deutschen Esel gerade umgekehrt immer nur ‘ja’ sagen.

Gesammelte Schriften, Vandenhoeck und Ruprecht, S. 201

Seinen Kollegen Paul Maas überzeugte Snell, daß er auswandern müsse – Maas hatte trotz seiner großen Klugheit die Gefährlichkeit der Nazibande zunächst nicht ernst genommen. Auf Snells Drängen ging er nach Oxford und blieb am Leben.

Als Dekan der Philosophischen Fakultät in Hamburg half Snell in den ersten Nachkriegsjahren dem klaren Denken wieder auf. Den Dialog mit Kollegen, die vorher keine eindeutige Position gegen die Nazis bezogen hatten, verweigerte er lebenslang.

Sein 1946 erschienenes Hauptwerk Die Entdeckung des Geistes. Studien zur Entstehung des europäischen Denkens bei den Griechen erscheint in diesem Jahr in der 9. Auflage; es gehört immer noch zur Standardlektüre junger Philosophen. Trotz der zahlreichen griechischen Zitate ist es auch für Menschen, die kein Griechisch verstehen, ein wenn auch nicht ganz einfaches, doch höchst lesenswertes Buch.

In der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. [v. Chr.] kommt es zur ersten Auseinandersetzung zwischen Theorie und Praxis in einer uns verloren gegangenen Tragödie des Euripides, der Antiope. Aus der großen Diskussion, die zwei Brüder, Zethos, der Krieger, und Amphion, der Sänger, führten, ist durch Zitate so viel erhalten, daß wir erkennen, mit welchen Argumenten jeder seine Lebensform verteidigt, – es sind solche, die bis in die Gegenwart immer wieder auftauchen, obwohl Euripides in seiner Tragödie als Vertreter des theoretischen Lebens keinen Philosophen oder wissenschaftlichen Forscher auftreten lassen kann: er muß sich an die Figuren der Sage halten und da steht ihm nur ein Dichter zur Verfügung. Zethos spricht, wie noch heute ein solider und besorgter Vater spricht, wenn sein Sohn bedenkliche Neigungen zu Kunst und Wissenschaft zeigt: Solch unnütz-weibisches Leben taugt nicht für die harte Wirklichkeit, es führt zu Trägheit und Lotterei, es hilft nicht für ein wohlgegründetes Hauswesen und erst recht nicht für den Staat. Ähnliche Vorwürfe äußert die gleichzeitige Komödie gegen die, die sich mit den Sophisten einlassen.
Amphion macht dagegen zweierlei geltend: Das musische Leben ist in Wahrheit viel nützlicher, außerdem macht es den Menschen glücklicher. Der größere Nutzen liegt darin, daß die Vernunft hilfreicher ist als ein starker Arm, denn sie nützt dem Haus und dem Staat viel mehr; selbst im Krieg ist sie mehr wert als rohe Kraft. Hier ist besonders deutlich, daß Amphion nicht nur die Dichtkunst und die Musik verteidigt, sondern das Geistige als solches. Das größere Glück besteht aber darin, daß geistige Tätigkeit frei ist von der Unruhe und Gefahr der politischen Kämpfe, daß sie in einer sicheren und bescheidenen Existenz beständigere und höhere Freuden gewinnen kann.

Entdeckung des Geistes, Vandenhoeck und Ruprecht, S. 278

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Blau, Gold und Rot

Freitag, 30. Oktober 2009 · 2 Kommentare

Die erste Tageshälfte war strahlend schön – nach den schon novembrigen letzten Tagen eine Überraschung, vielleicht ein freundlicher Abschied des Goldenen Herbstes.
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Herbstliche Hecke

Barthold Heinrich Brockes
Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst

In einem angenehmen Herbst, bey ganz entwölktem heiterm Wetter,
Indem ich im verdünnten Schatten, bald Blätter-loser Bäume, geh’,
Und des so schön gefärbten Laubes annoch vorhandnen Rest beseh’;
Befällt mich schnell ein sanfter Regen, von selbst herabgesunkner Blätter.
Ein reges Schweben füllt die Luft. Es zirkelt, schwärmt’ und drehte sich
Ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer; doch selten im geraden Strich.
Es schien die Luft, sich zu bemühn, den Schmuck, der sie bisher gezieret,
So lang es möglich, zu behalten, und hindert’ ihren schnellen Fall.
Hiedurch ward ihre leichte Last, im weiten Luft-Kreis überall,
In kleinen Zirkelchen bewegt, in sanften Wirbeln umgeführet,
Bevor ein jedes seinen Zweck, und seiner Mutter Schooß, berühret;
Um sie, bevor sie aufgelöst, und sich dem Sichtlichen entrücken,
Mit Decken, die weit schöner noch, als persianische, zu schmücken.

Ich hatte diesem sanften Sinken, der Blätter lieblichem Gewühl,
Und dem dadurch, in heitrer Luft, erregten angenehmen Spiel,
Der bunten Tropfen schwebendem, im lindem Fall formiertem, Drehn,
Mit offnem Aug’, und ernstem Denken, nun eine Zeitlang zugesehn;
Als ihr von dem geliebten Baum freywilligs Scheiden (da durch Wind,
Durch Regen, durch den scharfen Nord, sie nicht herabgestreifet sind;
Nein, willig ihren Sitz verlassen, in ihren ungezwungnen Fällen)
Nach ernstem Denken, mich bewog, sie mir zum Bilde vorzustellen,
Von einem wohlgeführten Alter, und sanftem Sterben; Die hingegen,
Die, durch der Stürme strengen Hauch, durch scharfen Frost, durch schwehren Regen
Von ihren Zweigen abgestreift und abgerissen, kommen mir,
Wie Menschen, die durch Krieg und Brand und Stahl gewaltsam fallen, für.

Wie glücklich, dacht’ ich, sind die Menschen, die den freywillgen Blättern gleichen,
Und, wenn sie ihres Lebens Ziel, in sanfter Ruh’ und Fried’, erreichen;
Der Ordnung der Natur zufolge, gelassen scheiden, und erbleichen!

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Fünfzehn Jahre Stille am Brandenburger Tor

Mittwoch, 28. Oktober 2009 · 10 Kommentare

Eine Einladung zu einer Feier des Förderkreises Raum der Stille in Berlin e.V. nahm ich erstaunt und erfreut zur Kenntnis, bin ich dort doch nicht Mitglied, sondern durfte nur letztes Jahr einen Freund vertreten (der leider auch gestern nicht dabei war). Man war offenbar der freundlichen Meinung gewesen, für meinen damaligen Artikel habe ich eine Einladung verdient – und ich wurde auch gleich um den nächsten gebeten.

Zum fünfzehnten Jubiläum des Raumes der Stille sprach Prof.Dr. Laurenz Demps über Altes und Neues vom Brandenburger Tor. Ich versuche, das Gelernte so gut als möglich wiederzugeben.

Die früheste Abbildung des Brandenburger Tores stammt von Daniel Chodowiecki (1764) und zeigt einen noch bescheidenen Bau mit zwei Pylonen, die eher nichtssagende Figuren tragen.
Angeblich soll Friedrich Wilhelm II bei Ausritten in den Tiergarten geäußert haben, das alte Tor sei dem Ort und seiner Feierlichkeit nicht angemessen. Trotz dieser Legende entstand die Idee zum Bau des Tores wohl schon zur Zeit seines Vorgängers, Friedrich II.

Man hätte das repräsentative Tor auch an anderer Stelle errichten können. Aber nur der Pariser Platz ist so schön rechteckig (beinahe quadratisch) – das kam dem Selbstverständnis des preußischen Staates entgegen. Der Staatsgedanke wird auch durch das streng rechtwinklig abschließende Tor ausgedrückt. Frühere Tore haben die Rundbogen römischer Tradition, Triumphbögen, die auch der Sakralbau der Gotik übernahm. Später wurde der Übergang vom profanen in den sakralen Raum gern mit Pylonen markiert – so beim Oranienburger Tor und beim Hamburger Tor.
Die Idee, Römisches zum Vorbild zu nehmen, erschöpfte sich; man strebte nach dem griechischen Ideal – fort mit den Rundbögen, her mit den eckigen Architekturformen.

Carl Gotthard Langhans schuf das Tor in der schlichten Schönheit, die seinem Stil eigen ist – und mit einer bemerkenswerten Aussage, nämlich als Zeichen des Friedens. Die obersten Reliefs im Tor (die man als Fußgänger nur mit einem sehr guten Fernglas erkennen kann) sind ebenso fein ausgearbeitet wie die ohne weiteres sichtbaren Teile und stellen die Überwindung des Krieges dar.
Mars, der Kriegsgott, steckt sein Schwert in die Scheide (ein Anatomieprofessor unserer Zeit wies nach, daß die Bewegung eindeutig ist und keinesfalls als Zücken des Schwertes interpretiert werden darf). Minerva, Göttin des Handels und der Wissenschaften, ist sein überlegenes Gegenüber. Einigkeit und Überfluß werden allegorisch dargestellt, ebenso die Künste (wobei der Tonkunst die Tapferkeit beigesellt ist, jeder Musiker wird es nachvollziehen können). Neid und Zwietracht werden vom keulenschwingenden Herakles vertrieben, die gastfreundlichen Lapithen bekämpfen die ungesitteten Kentauren.

Die Lenkerin der von Schadow geschaffenen Quadriga ist nicht, wie immer wieder behauptet wird, Nike, die Siegesgöttin – sondern Eirene, die Friedensgöttin: Der Friede zieht in die Stadt, und mit ihm Kultur und Wohlstand. (Zwar wird Nike immer, Eirene aber nur gelegentlich geflügelt dargestellt. Aber die oben beschriebenen Friedensattribute sind eindeutig genug.)

Der Tiergarten lag vor der Stadt. Das in wilhelminischer Zeit weißgestrichene Tor bot den Ausflüglern den Blick auf den grünen Garten – neben Schwarz/Weiß waren auch Grün/Weiß und Grün/Gold symbolträchtige Farben Preußens. Man zog nach dem Kirchgang hinaus vor die Stadt, um dann gestärkt und friedvoll in die Stadt wieder einzuziehen. (Tatsächlich gab es genaue kaiserliche Verlautbarungen über Kirch- und Spaziergang; beides war von höchster Stelle ausdrücklich gewünscht.)
Eine bis heute gültige Verordnung wurde am Brandenburger Tor eingeführt: der Rechtsverkehr! In einem Erlaß des Kaisers wird hier zum ersten Mal geregelt, daß entgegenkommende Kutschen nach rechts auszuweichen haben – und ganze 12 Pfennig kostete ein Verstoß (nach meiner Recherche ungefähr eine Wochenration Bier).

Im Nordflügel des Tores, dort, wo heute der Raum der Stille ist, war in wilhelminischer Zeit Militär untergebracht – durchaus unangebracht! Aber das Tor wurde immer wieder mit neuer (und immer der Langhansschen Idee völlig entgegenstehender) Symbolik belegt.

Als Napoleon Preußen geschlagen hatte, wurden ihm die Schlüssel vom Bürgermeister auf der Rückseite des Tores übergeben. Napoleon raubte 1806 die Quadriga; Friedrich Wilhelm III brachte sie acht Jahre später zurück – und nun erst, nach dem als Befreiungsschlag erlebten Sieg über Frankreich, wurde die Eirene zur Nike umgewidmet. Das 19. Jahrhundert stellte im (noch nicht nationalistischen) Befreiungstaumel eine Menge kurioser Devotionalien her – wieder war die Quadriga Symbol für etwas, was sie nicht bedeutete, noch dazu auf Mokkatäßchen und Schmucktellern! Im November 1813 wurden dem Kranz der Eirene/Nike ein Eisernes Kreuz und ein Adler beigefügt.

Als 1860 der Abriß der Zollmauer beschlossen wurde, da Berlin weit über sie hinausgewachsen war, wurde das Tor als Stadttor sinnlos; sein Abbruch war bereits geplant. Aber nach dem Sieg über Dänemark machte es sich unübertrefflich gut für den Einzug der Truppen (und wie schon einmal, wurde der Schlüssel durch den Bürgermeister übergeben).
Nichtsdestoweniger wurde einige Jahre später polizeilich der Abriß verordnet – aber ehe es dazu kam, siegte Preußen über Österreich, man brauchte schon wieder ein prachtvolles Einzugstor und hatte nichts Besseres. Unter den Linden wurde zur Via Triumphalis, das Tor wurde überreich geschmückt.

Nun wurde das Tor von der Zollmauer freigestellt, blieb stehen und war nur mehr nationales Jubelsymbol. (Zum Jammersymbol wurde es beim Tod des Kaisers: Obenauf standen vier Feuerschalen, und schwarz ausgeschlagene Tor trug ein Spruchband mit den Worten VALE SENEX IMPERATOR (Lebe wohl, alter Kaiser).

Zum Jubelzug mußte es nach der Schlacht von Sedan wieder dienen. Immer wieder wurde es in der späten Kaiserzeit fürchterlich überschmückt und sollte sogar durch einen unsäglichen wilhelminischen Überbau zum Triumphbogen werden. Hierzu hätte man allerdings Max Liebermanns Wohnhaus und Atelier direkt neben dem Tor abreißen müssen. Der Künstler prozessierte, und eine Bausünde blieb uns erspart.

Im September 1914 zog man mit erbeuteten Kanonen durch das Friedenstor ein – das schmucklos blieb, vielleicht nur, weil die Zeit nicht gelangt hatte.
Im Januar 1919 wurde das Tor von Regierungstruppen besetzt; zu Füßen der Quadriga war ein Maschinengewehr aufgebaut.
Der unselige Fackelzug 1934 führte auch wieder durch das Tor – ebenso der Einmarsch nach dem Sieg über Frankreich.

Ein russisches Plakat kurz vor Kriegsende zeigt einen strahlenden Rotarmisten, die Worte Vorwärts nach Berlin zum Sieg! und im Hintergrund – nicht etwa den Reichstag, sondern wieder einmal das Brandenburger Tor.
Der Beschuß des Brandenburger Tores war strategisch völlig sinnlos – aber als Zerstörung eines Symbols von hoher Bedeutung.

Die DDR hatte verschiedene Vorschläge zum Ersatz der Quadriga – bis hin zu Picassos Friedenstaube. Es wäre also ein ursprüngliches Friedenssymbol durch ein Friedenssymbol ersetzt worden, nur vermutlich mit weniger Anmut als das Original aufweist – zum Glück geschah dies nicht.
Einige Tage lang trug das Tor ein riesiges Transparent: BERLIN DIE HAUPTSTADT DEUTSCHLANDS SAGT AM 15. UND 16. MAI JA ZUM FRIEDEN UND ZUR EINHEIT.

Am 17. Juni 1953 besetzten Demonstranten das Tor und hißten statt der roten eine schwarz-rot-goldene Fahne.

Das Brandenburger Tor ist immer wieder gegen den ursprünglichen Sinn mit falscher Symbolik belegt worden; selbst die letzte geschilderte Aktion will mir, so viel Sympathie ich den Demonstranten des 17. Juni entgegenbringe, nicht vollständig einleuchten, einfach weil schon wieder dies Tor herhalten mußte.

Der Raum der Stille ist gerade deshalb genau an diesem Ort so gut untergebracht: Ein Ort des Friedens an einem Tor des Friedens.

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Ein Heiliger, wenn gar nichts mehr hilft

Mittwoch, 28. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Judas Thaddäus

Heute ist der Gedenktag eines Jüngers Jesu.

Joh. 14,22 Judas – nicht der Judas Iskariot – fragte ihn: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

Die Bibel überliefert neben der Tatsache, daß er einer der Apostel war, nur seine mit liebender Ungeduld gestellte Frage, warum Jesus nicht endlich allen klarmacht, worum es geht, und Jesu Antwort, daß Er genau das tut bei jedem, der liebt. Verschiedene Legenden haben in naiver Farbenpracht das Leben des Heiligen geschildert, ihn zum Märtyrer erhoben, der mit einer Keule erschlagen worden sein soll (und die zuweilen schwarzhumorige Ikonographie stellt ihn gerne mehr oder weniger lässig auf diese Keule gestützt dar).

Heiligen werden ja immer bestimmte Aufgabenbereiche zugewiesen, für die man sie in besonderer Weise befähigt hält. Der Zuständigkeitsbereich des Judas Thaddäus sind die hoffnungslosen Fälle – die Momente, in denen man am liebsten mit der Keule dreinschlagen möchte, obwohl man genau weiß, daß das auch nicht hilft.
Vielleicht hilft es in solchen Fällen tatsächlich, an den überlieferten Dialog zwischen Judas Thaddäus und Jesus zu denken – daran, daß es trotz allem sinnvoll ist, sich nach den von Jesus propagierten Lebensregeln zu richten. Zumindest kann der Versuch nicht schaden.

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Herbstliches vom Balkon

Dienstag, 27. Oktober 2009 · 3 Kommentare

Hyazinthen-, Tulpen- und Narzissenzwiebeln habe ich in die Balkonkästen gesetzt (bis zu interessanten Photos wird es aber noch dauern).
Dieser Ingwer ist mir im Schrank so hoch ausgetrieben, daß ich ihn versuchsweise schon vor Wochen eingepflanzt habe – was ihm bisher nicht ganz schlecht zu bekommen scheint.
Ingwer auf dem Balkon

So bunt ist der Blick vom Balkon auch vor einem ebenmäßig Grauweiß verhangenen Tag!
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Parthenocissus ist immer wieder schön – und hilft den Vögeln über den Winter.
Parthenozissus
Parthenozissusbeeren
Parthenozissus
Parthenozissus

Eine späte Sonnenblume beleuchtet den Balkon.
Späte Sonnenblume

Karl Friedrich Mezger
Im Spätherbst

Die letzten milden Sonnentage
Nimm dankbar und zufrieden hin,
Und laß nicht Raum der bittren Klage,
Weil Lenz und Sommer nun dahin.

Freu dich der blassen Himmelsferne,
Die mild der Sonne Schein durchdringt,
Wenn sie statt Rosen – Astersterne,
Statt sengend Feuer – Purpur bringt!

Und laß dir tief dein Herz durchfluten
Vom späten Glück, das sich dir naht;
Von später Liebe milder Gluten
Laß sanft vergolden deinen Pfad!

Ist reicher auch der Schönheit Fülle
Im Lenz und in der Sommerzeit,
So hat doch Frucht in reicher Fülle
Der goldne Herbst nun ausgestreut.

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Oxforder Nachlese

Montag, 26. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Damit meine Leser nicht glauben, ich höre im Urlaub einfach mit dem Dichten auf, hier mein neuestes Sonett:

Englischer Friedhof

Im Grase stehen Steine schräg und sinken
im Lauf der Zeiten langsam in den Boden.
Gedenken schwindet, und aus tausend Toden
wird gute Erde, werden Blüten blinken.

Ein Schädel zwischen grünen Büscheln mahnte
in Augenhöhe vor vierhundert Jahren,
ein Name drunter und ein Sinnspruch waren
noch sichtbar, als den Toten nichts mehr ahnte.

Dann schwanden jenes Spruches letzte Worte,
die ersten später, und zuletzt der Name.
Die Erde sog sie ein. Das Gras verdorrte.

Die Erde saugt und sprießt, die niemals Zahme.
Noch blickt der Schädel in ihr wildes Mühen.
Auch er wird schwinden – und das Gras wird blühen.

© Claudia Sperlich

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Spitzbögen und Colleges

Freitag, 23. Oktober 2009 · 8 Kommentare

Blick vom University Garden auf Oxford 2
Zwei Wochen Oxford waren wundervoll, allerdings auch etwas anstrengend, da ich in dieser Zeit meine Mutter samt Rollstuhl etwa zweihundert Kilometer weit geschoben habe – von dem netten kleinen Vorort, in dem wir wohnten, in die Stadt, durch dieselbe und wieder zurück, und einige Male durch riesige Parks. Erschwerend kam hinzu, daß am ersten Tag ein Reifen des brandneuen Gefährtes platt wurde – und es blieb, da wir nicht wußten, wo in Oxford ein Rollstuhl repariert werden kann. Aber lohnend war es!

Untergebracht waren wir in Old Marston, einem Vorort von Oxford. Der nahe Fluß überflutet jedes Frühjahr die Wiesen – zwischen Old Marston und Oxford kann nicht gebaut werden, ein wundervoller grüner Gürtel bleibt erhalten.
Die Dorfkirche St Nicholas stammt im Kern aus dem 12. Jh. – obwohl sie später erweitert wurde, ist sie von der wuchtigen normannischen Bauweise geprägt. Die Grabsteine, aufrechtstehende Platten, sinken ganz langsam in den Boden – ein poetisches Zeichen für das Vergehen auch der Erinnerung. Wie hier werden auch in Oxford selbst die alten Grabsteine nicht entfernt oder mit Schildchen der Friedhofsverwaltung versehen, sondern sich selbst überlassen.
Old Marston - St Nicholas 2Old Marston - St Nicholas 3Old Marston - St Nicholas 12Old Marston - St Nicholas 11

Oxford ist eine ganz unzerstörte Stadt; die ältesten Kirchen sind im Kern normannisch (12. Jh.). Im 13. Jh. wurde der Spitzbogen erfunden und ist hier fast ohne Unterbrechung bis ins späte 19. Jh. populär geblieben; es ist oft schwer, die Gebäude zu datieren. Gewissermaßen hat hier die Gotik siebenhundert Jahre gewährt – mit gelegentlichen barocken und gründerzeitlichen Einsprengseln.

Die Town Hall – das Rathaus – ist von geradezu hemmungsloser Stuckatur und Ausstattung.
Townhall 1Townhall 5Townhall 7

Oberhaupt der Church of England ist – seit Heinrich VIII. das so einrichtete – die Krone. Auf jeder Münze ist es zu lesen: Elizabeth II D(eo) G(ratia) Reg(ina) F(idei) D(efendrix) – von Gottes Gnaden Königin, Verteidigerin des Glaubens.
Deo Gratia Fidei Defendrix

Studenten und Dozenten leben, lernen und lehren zumeist in einem College. Das älteste und größte gehört zur Christ Church. Jedes andere College hat eine eigene Kapelle.

Christ Church Cathedral und College
Christ Church - AltarChrist Church - Epitaph Philipp BartonChrist Church - Epitaph John CorbetChrist Church - Brunnen von Robert Sandell 2008Christ Church - Gefäß für Ölbaum von Robert Sandell 2008Christ Church - Epitaph GoodwinChrist Church - gekrönte RoseChrist Church - KapitälChrist Church - Gewölbe 4Christ Church College 1Christ Church College 3Christ Church College 4

Lincoln College
Lincoln College 1Lincoln College 4Lincoln College 5Lincoln College 6Lincoln College 7Lincoln College 8Lincoln College 10Lincoln College 11Lincoln College 12Lincoln College 13Lincoln College - Rector's Lodgings

Magdalen College
Magdalen College 3Magdalen College 7Magdalen College  8Magdalen College 9Magdalen College 10Magdalen College 11

New College
New College 2New College 4New College 5New College 6New CollegeNew CollegeNew CollegeNew CollegeNew CollegeNew CollegeNew CollegeNew College

Trinity College
Trinity College 2Trinity College - WasserspeierTrinity College 6Trinity College 8
Trinity College 10Trinity College - John Henry Newman

In der Bodleian Library war eine wunderschöne Ausstellung über Buchbinderkunst zu sehen – ein Sammler hat seine wahrlich bemerkenswert gebundenen Bücher zur Verfügung gestellt. Photographieren darf man die lichtempfindlichen Exponate selbstverständlich nicht – aber das Gebäude ist auch ohne Ausstellung bemerkenswert genug.
Bodleian Library 1Bodleian Library 5Bodleian Library 3Bodleian Library 4

Die Radcliffe Camera beherbergte früher eine medizinische Bibliothek; heute ist sie ein universitärer Lesesaal.
Radcliffe Camera 1

Das Museum of Natural History entstand Mitte des 19. Jahrhunderts; ein eindrucksvoller Bau ist es und zugleich didaktisch hervorragend – auch für die jüngsten Besucher, die bestimmte Exponate streicheln dürfen und Gelegenheit zum Zeichnen und Raten bekommen.
Museum of Natural History 2Museum of Natural History 3Museum of Natural History 4Museum of Natural History - DarwinMuseum of Natural History - NewtonMuseum of Natural History 11

Das Sheldonian Theatre ist eine von Christopher Wren erbaute Konzerthalle (Theatre bedeutet hier Rundbau). Um den seinerzeit unerhört modernen Dachstuhl zu konstruieren, stellte Wren einen Mathematiker an. Von der Kuppel hat man einen einzigartigen Blick weit über die ganze Stadt. Die unzweifelhaft etwas komischen Köpfe auf dem Gitter davor – meine Mutter fühlte sich an Turandot erinnert – sind späteren Datums.
Sheldonian Theatre 1Sheldonian Theatre 5Sheldonian Theatre 6Sheldonian Theatre - Blick von der Kuppel 1Sheldonian Theatre - Blick von der Kuppel 4Sheldonian Theatre - Blick von der Kuppel 6Sheldonian Theatre - Blick von der Kuppel 8Sheldonian Theatre - DachstuhlSheldonian Theatre 9Zwischen Sheldonian Theatre und Bodleian Library

Der Covered Market ist eine riesenhafte gründerzeitliche Markthalle (wobei an dieser Stelle vermutlich schon im 9. Jh. ein Markt, wenn auch unter freiem Himmel, existierte).
Bei Ricardo’s bekommt man ausgezeichnete Sandwiches – und als ich das dritte Mal dort war, spendierte der Chef mir einen Kaffee. Also, liebe Oxfordfahrer, schaut bei Ricardo und seiner Frau vorbei – es lohnt.
Covered Market - Ricardo's 2Covered Market - Ricardo's 4

Wirtshäuser haben oft ausschweifige Zeichen! Auch kenne ich kein anderes Land, das an ein einstiges Wirtshaus erinnert, dessen Hauptruhm in einem blutig beendeten Studentenkrawall im Jahre 1355 wegen der schlechten Qualität des Weines besteht.
Swindlestock TavernKuh als TürhüterinVictoria ArmsVictoria Arms 2Victoria Arms 3Dogge über Wirtshaustür

Der Logik eine Gasse!
Logic Lane

Die meisten Leute sind höflich und freundlich, die Straßen sauber. Keine Fassade ist mit Graffiti verschmiert, die wenigen Hundehalter entsorgen die Hinterlassenschaften ihrer Tiere. Oxford ist nicht nur sehr schön – es ist auch gastfreundlich, zumindest wenn man gehen kann. Nur Rollstuhlfahrer haben es ein wenig schwer: Es gibt wenige Aufzüge und viele komplizierte Eingänge, und die Tore der Parks sind vielfach für Rollstuhlfahrer unpassierbar. Aber wer einen erfahrenen Rollstuhlschieber parat hat, kommt fast überall hin.

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Wilde Klänge

Samstag, 17. Oktober 2009 · 3 Kommentare

Vor 160 Jahren starb Fréderic Chopin.
Ich bin in musikalischer Hinsicht zu ungebildet, um etwas Nennenswertes über ihn zu schreiben – aber man kann ihn ja auch einfach hören.


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Avaritia und Klimawandel

Donnerstag, 15. Oktober 2009 · 6 Kommentare

Zwar glaube ich nicht, daß ein bereits in Gang gesetzter Klimawandel rückgängig gemacht werden kann. Aber möglich ist wohl, ihn nicht weiter zu beschleunigen und zu verschlimmern.

Die größten Klimaschädlinge sind deshalb so erfolgreich, weil ohne jedes Maß und Ziel konsumiert wird – mein Auto, mein Motorboot, meine Flugreise, mein sinnfreies Superwunderdingsda. Denn, machen wir uns nichts vor, es gibt keine umweltfreundliche, sondern nur mehr oder weniger umweltschädliche Produktion von Gütern. (Nicht einmal die Produktion von Brot und Büchern ist umwelt- und klimafreundlich, weil beide den Einsatz von Maschinen erfordern und nach der Ernte transportiert werden müssen – spätestens dann kommen klimaschädliche Stoffe ins Spiel.)
Als einen Hauptgrund für die Zerstörung der Umwelt und des Klimas (die beiden kann man ja nicht trennen) sehe ich die sieben wesentlichen Charakterfehler.

Superbia, der Hochmut, eine gefährliche Sonderform der Dummheit, sieht sich selbst als so viel bedeutender denn alle anderen, daß sie sich ein Recht auf alles mögliche zuspricht – und das führt in vielen Fällen geradewegs zu
Luxuria, der Genußsucht. Sie nimmt für den eigenen Genuß viel in Kauf; mal eben konsumieren, was ohne jede Schonung des Klimas produziert wurde, mal eben eine völlig überflüssige Spritztour machen, statt die Öffentlichen zu nutzen, ihr ist alles recht. Nicht weit davon entfernt sind
Avaritia, die Gier, die von allem etwas haben will, und
Gula, die Maßlosigkeit, die von allem, was sie bekommt, immer mehr haben will, sowie
Invidia, der Neid, die nicht erträgt, selbst zu entbehren, was ein anderer hat.
Acedia, die geistige Trägheit, weigert sich, einen Gedanken an schonsames Verhalten zu verschwenden – denn einfacher ist es, so weiterzumachen wie bisher.
Ira, die Wut, folgt Acedia und Invidia auf dem Fuße – sie verschleudert Ressourcen und bedroht das Klima mit Waffenproduktion und Krieg. Sie wird außerdem ins Spiel kommen, wenn waffenfähige Menschen um die letzten Ressourcen streiten, bis es – wieder einmal – so aussieht:

Friedrich von Logau
Krieg und Hunger

Krieg und Hunger, Kriegs Genoß,
Sind zwey ungezogne Brüder,
Die durch ihres Fusses Stoß
Treten, was nur stehet, nieder.
Jener führet diesen an;
Wann mit morden, rauben, brennen,
Iener hat genug gethan,
Lernt man diesen recht erst kennen;
Dann er ist so rasend kühn,
So ergrimmet und vermessen,
Daß er, wann sonst alles hin,
Auch den Bruder pflegt zu fressen.

So altmodisch das klingt, wird uns nichts anderes übrigbleiben, als die Hauptlaster zu bekämpfen, wenn wir die vollständige Klimakatastrophe mit Versinken und Verbrennen weiter Teile der Erde abwenden wollen.
Brot und Bücher brauchen wir wirklich, und noch eine Menge anderer Dinge, um sozial und kultiviert zu leben. Das heißt, wir können bereits durch unser bloßes Dasein und mehr noch durch ein gewisses kulturelles Niveau gar nicht umhin, Umwelt und Klima zu bedrohen.
Aber bei sehr vielen Dingen lohnt es schon, sich wenigstens einmal im Monat zu fragen: Muß das sein? Und sehr oft lohnt die Frage: Ist von diesem oder jenem Produkt die billigere Variante die schonendere? Kann ich mir wirklich nicht leisten, einige Euro mehr auszugeben für eine Version, deren Produktion weniger Schaden angerichtet hat?

Heimische Produkte statt gleichartiger Produkte von fernher, umweltschonende Fortbewegung (Füße, Fahrrad, Öffentliche), Achtsamkeit beim Energieverbrauch sind Grundsätze, mit denen wir vielleicht noch verhindern können, daß der Klimawandel für einen großen Teil der Menschheit das Ende bedeutet.

Mit diesem Artikel beteilige ich mich Blog Action Day.

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Die deutsche Sappho

Montag, 12. Oktober 2009 · 3 Kommentare

Karschin_bild[1]

Vor 218 Jahren starb Anna Louisa Karsch, genannt die Karschin.

Die kluge und sensible Frau mit den scharfen Zügen hatte kein leichtes Leben! Nach unglücklicher Kindheit wurde die Jugendliche einem brutalen Menschen verheiratet, der sie als Arbeitssklavin ausnutzte und die Hochschwangere verstieß, weil sie dichtete; kurz darauf zwang ihre Mutter sie zur Ehe mit einem Säufer und Schläger; nach der Trennung von diesem verliebte sich die schon Gefeierte höchst unglücklich in Johann Wilhelm Ludwig Gleim – der ihr den Namen jener antiken Dichterin als Ehrentitel verliehen hatte, aber über die kollegiale Bewunderung hinaus keine Gefühle für sie hegte. Zu alledem kam die Erfahrung von großem Mangel und dadurch begründeter Kränklichkeit, ehe sie zu einigem Geld kam.

Unter diesen kunstwidrigen Umständen fand sie zu einem anerkannten und erfüllten Leben als Dichterin. Zwei Gedichte aus ihrem vielfältigen Werk seien hier vorgestellt.

Ihr Leiden an ihrem zweiten Mann beschreibt sie so:

Verwünschte Heiligkeit der Ehe!
Ich zittre, wenn ich noch im Geist zurücke sehe,
Abscheulich war der Sclavenstand,
Ein nur mit Menschenhaut bezogner Höllenbrand

Trat herrisch vor mir hin und brüllte meine Klage
Mit bitterm Spotte nach, und war geborne Plage
Für mein so sanftes Herz; mein ewig Einerlei
Blieb er zehn volle Jahr, riß oft ein Blatt entzwei,
Ganz von Gedanken voll, denn dieser Mann, kein Denker,

War fehlbar durch den Rausch, war meines Lebens Henker,
Sein Gang, sein Wort, sein Blick, war alles meine Qual,
O Gott! behüte mich für eine Mannes-Wahl.

Der Krieg brachte sie auf einen wirklich guten Rat an den Kriegsgott – Make love, not war, wie man es viel später ausdrücken sollte:

Ein Gebet an den Mars.
1762.

Du Gott des Krieges, laß die Erde!
Die Schritt, mit Blut bemerkt, ist fürchterlich, ist schwer,
Verändre doch die schreckliche Gebärde,
Und schüttle länger nicht den Speer.

Dein wartet der Olymp, und Amor mit dem Bogen
Lauscht an der Mutter Fuß. Steig von des Mordens Bahn
Zur Göttin; dann betrüg’ den schlafenden Vulkan,
Wie er vor Zeiten ward betrogen.
Von Waffenschmieden ist er matt,

Wie Venus, die nach dir sechs Jahr geschmachtet hat.
Wie reizend liegt sie da im Elisäer Lenze!
Die Nymphe windet dir und Venus Mirtenkränze,
Mit Blumen untermengt. Schon gießt sie Nectartrank
In goldne Schaalen ein; und wenn auch Götter krank

Zur heißer Sehnsucht sind, so ist’s gewiß Cythere,
Horch im Getümmel auf, sie seufzet göttlich, höre!
Begieb vom Kampfplatz dich zurück,
Geharnischt wie du bist, an Haupt, an Arm und Fuße.
Cupido zieht dich aus, und deinem ersten Kusse

Dankt unsre ganze Welt ihr Glück.
Der Zorn in einer Frau rief, Mavors, dich hernieder,
Die Sehnsucht einer Frau hol’ dich den Göttern wieder,
Und ewig komm’ uns nicht zurück.

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