Mein Leben als Rezitatorin

Einig und recht frei

Montag, 9. November 2009 · 8 Kommentare

Manchmal fällt mir auch ein sehr boshaftes Zitat ein:

Niederträchtig, aber einig,
Und in letzter Hinsicht, mein ich,
Immerhin noch zu verehren;
Doch wie lange wird das währen?
Bösewicht mit Bösewicht –
Auf die Dauer geht es nicht.

Wilhelm Busch, Plisch und Plum

Doch trotz allem Ärger über den real existierenden Kapitalismus, über politische und andere Dummheiten, über Machtgeilheit, Bildungsferne und -feindlichkeit (insbesondere in höheren Etagen) und was mich sonst noch erzürnt – heute will ich mich einfach nur freuen, daß die Mauer, dies Monster, nicht mehr steht und langsam, langsam auch in den Hirnen überwunden wird.

Gestern besuchte ich eine Lesung. Bettina Buske las aus dem Buch Mauerstücke, in dem Schriftsteller aus Ost und West ihre Sicht der Mauer und des Mauerfalls beschreiben. Ein lebendiges Geschichtsbuch ist das, in dem Angst und Unverständnis angesichts des „antifaschistischen Schutzwalls“ ebenso beschrieben sind wie die naive Bewunderung, die ein Kind für einen Soldaten der Volksarmee hegt; die Erfahrung von Ablehnung durch die jeweils „anderen“ und auch Versöhnung und wachsendes Verständnis werden in zahlreichen Geschichen melancholisch und humorvoll, zornig und fröhlich geschildert.

Patricia Koelle und Bettina Buske haben beide nicht nur selbst höchst lesenswerte Geschichten beigetragen, sondern auch die ungeheure Arbeit der Herausgabe geleistet.
Den Anhang des Buches bildet eine bunte und kuriose Photogalerie der Mauer von der Westseite.
Koelle und Buske 3

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8 Antworten bis hierher ↓

  • Bettina // Montag, 9. November 2009 um 9.17

    Danke für den Beitrag Claudia. Wie ist denn das passiert, dass ich so riesig und Patricia so winzig auf dem Foto wirken, also wir sind schon größenmäßig unterschiedlich aber hier übertreibt die Linse doch, oder?

  • Claudia // Montag, 9. November 2009 um 9.29

    Gern geschehen.
    Die sonderbaren Größenverhältnisse kann ich mir auch nicht erklären. Natürlich steht der Tisch schräg, Patricia sitzt also etwas weiter weg – aber so weit auch wieder nicht!

  • piri // Montag, 9. November 2009 um 11.09

    Berlin kenne ich ja nun nicht wirklich, und schon deswegen interessiert mich das Buch. Ich denke, ich werde es mir gönnen …

  • theomix // Montag, 9. November 2009 um 1.17

    Mal wieder interessant. Und DIESEN Busch HEUTE, tse tse…

  • Claudia // Montag, 9. November 2009 um 3.04

    Piri: Gute Idee! Ist auch ein feiner Schmöker.
    Theomix: Zuweilen gewinnt mein Schandmaul Oberhand – auf daß es nicht allzu feinsinnig zugehe.

  • theomix // Montag, 9. November 2009 um 4.35

    Busch IST feinsinnig, selbst wenn er sich grob gibt…

  • stefanolix // Montag, 9. November 2009 um 9.30

    Einig? Gerecht? Frei? Da haben wir aber noch einiges zu tun. Ich freue mich trotzdem. Eine Alternative zur Vereinigung hat es nicht gegeben.

    Eine DDR mit Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft hätte ich auch ganz gut gefunden, aber sie hätte ihre Bewohner nicht mehr halten und die BRD hätte sie nicht abweisen können.

  • Claudia // Montag, 9. November 2009 um 9.52

    Deshalb sagte ich ja auch nur: recht frei. So im Verhältnis zu andern Ländern. ;-)
    Zu tun bleibt massenhaft. Aber heute darf man sich einfach mal freuen; das kann zum Handeln beschwingen.

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