Mein Leben als Rezitatorin

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Blühen, Fruchten und Vergehen

Sonntag, 22. November 2009 · 6 Kommentare

Vom Silberblatt sind hie und da nur noch die fadendünnen Ränder der Fruchtstände zu sehen.
Vergehendes Silberblatt 3Vergehendes Silberblatt 2

Bei den Monatserdbeeren geht es noch ganz üppig zu.
Monatserdbeere im November 1Monatserdbeere im November 2Monatserdbeere im November 3

Fruchtstände der Japanischen Anemone und einer mir unbekannten Blume sowie Parthenocissusbeeren.
FruchtständeParthenocissusbeeren

Eine Rote Lichtnelke hat noch nicht gemerkt, daß der Sommer vorbei ist, eine Aster hält ungewöhnlich lange durch.
Rote Lichtnelke im NovemberNovemberastern

Das Geranienlaub errötet beim Welken.
Welkendes Geranienblatt

Löchriges und junges Rosenlaub,
Altes RosenlaubJunges Rosenlaub im November

welkes Rosenlaub vor der schönen, aber zur Zeit nicht benutzbaren Gartenbank,
Gartenbank und Rosenstrauch im November

und unermüdliche Rosen.
Novemberrose 1Novemberrose 2Novemberrose 3Novemberrose 4

Manch einer arbeitet im Garten und kann dessen Schönheit doch nicht wahrnehmen.
Unerwünschte Gartenarbeit

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Dank sei Hildegard!

Samstag, 21. November 2009 · 7 Kommentare

Das Rezitationsprogramm mit Texten von Hildegard von Bingen wurde gestern vormittag fertig. Heute abend war die Veranstaltung. Ich hatte Lampenfieber, und ich hatte Bedenken. Was für Leute kommen in so einen Mittelalterladen? Kommen überhaupt welche?

Es kamen – genau die richtigen und nicht zu wenige.

Zunächst las ich aus dem Buch Sci Vias – Wisse die Wege, einem Wechsel von Visionen und deren Erläuterungen. Nach einer Pause trug ich Gedichte Hildegards vor, und zwar im Wechsel die lateinischen Originale und meiner Übertragungen. Ich hatte ganz umsonst Bedenken gehabt – zwar konnte fast keiner meiner Hörer Latein, aber alle genossen den schönen Klang der Sprache. Auch waren alle bereit, sich auf das mittelalterliche Denken einzulassen, und die poetische Sprache der Visionen wurde gern gehört.
Viele versprachen schon heute, zu meiner nächsten Lesung im Anno Domini zu kommen.

Ich bin gerade sehr dankbar, sehr froh und nebenbei etwas reicher.

O ignee spiritus,
laus tibi sit,
qui in timpanis et citharis
operaris.

Mentes hominum de te flagrant,
et tabernacula animarum eorum
vires ipsarum continent.

Inde voluntas ascendit
et gustum anime tribuit,
et eius lucerna est desiderium.

Intellectus te in dulcissimo sono advocat
ac edificia tibi
cum racionalitate parat,
que in aureis operibus sudat.

Tu autem semper gladium
habes illud abscindere,
quod noxiale pomum
per nigerrimum homicidium profert.

Quando nebula voluntatem
et desideria tegit,
in quibus anima volat
et undique circuit.

Sed mens est ligatura
voluntatis
et desiderii.

Cum vero animus se ita erigit,
quod requirit pupillam mali videre
et maxillam nequicie,
tu eum citius in igne comburis,
cum volueris.

Sed et cum racionalitas
se per mala opera
ad prona declinat,
tu eam, cum vis,
stringis et confringis et reducis
per infusionem experimentorum.

Quando autem malum
ad te gladium suum educit,
tu illud in cor illius refringis,
sicut in primo perdito angelo fecisti,
ubi turrim superbie illius
in infernum deiecisti.

Et ibi aliam turrim
in publicanis et peccatoribus elevasti,
qui tibi peccata sua
cum operibus suis confitentur.

Unde omnes creature,
que de te vivunt, te laudant,
quia tu preciosissimum ungentum es
fractis et fetidis vulneribus,
ubi illa in preciosissimas gemmas convertis.

Nunc dignare nos omnes
ad te colligere
et ad recta itinera dirigere.
Amen.

Zu Deutsch:

Geist des Feuers, sei gepriesen,
in Pauken wirkst du und in Zithern.

Durch dich lodert der Verstand des Menschen,
seines Herzens Kammern bergen
die ihm eignen Kräfte.

Von dort steigt der Wille auf,
gibt Geschmack der Seele,
und Verlangen ist sein Licht.

Nach dir ruft das Denken mit zarter Stimme,
rüstet dir mit der Vernunft ein Gebäude,
die sich um goldene Werke müht.

Aber immer trägst du ein Schwert,
abzuschneiden, was schädliche Frucht
vorbringt durch finstersten Mord,

wenn Nebel verhüllen
Verlangen und Willen,
die Seele in ihnen
flattert und kreist.

Verstand aber zügelt
Verlangen und Willen.

Begehrt das empörte Gemüt,
das Auge des Bösen zu sehen,
und Zähne der Nichtswürdigkeit,
brennst du es zu Asche
nach deinem Begehr.

Da auch Vernunft sich neigt zum Abgrund
durch böse Werke,
zügelst und brichst du sie nach deinem Willen,
führst sie zurück, besprengt mit Erfahrung.

Wann immer das Böse
sein Schwert gegen dich führt,
bohrst du es in sein eigenes Herz,
wie du getan dem ersten gefallenen Engel,
da du den Turm seines Stolzes
warfst in die Hölle.

Doch einen anderen Turm
hast du errichtet
Dirnen und Sündern, die ihre Taten
vor dir gestehen.

Alle Geschöpfe, die durch dich leben,
loben dich,
kostbarstes Salböl bist du den Verletzten,
stinkende Wunden wandelst du
in edelste Perlen.

Nun gewähre uns allen,
um dich uns zu sammeln,
leite uns auf die rechten Pfade.
Amen.

© der Nachdichtung: Claudia Sperlich

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Hildegard kommt am Wochenende

Dienstag, 17. November 2009 · 14 Kommentare

Nicht zum ersten Male bin ich mit der Erstellung eines Leseprogramms bis kurz vor dem Ernstfall beschäftigt. Keine Jutta von Sponheim, kein Volmar hilft mir dabei – aber das soll mich nicht abhalten, am Samstagabend eine wahrhaft spannende Frau vorzustellen.

Die Frau ist ein Quell der Weisheit und ein Quell der Freudenfülle.

Hildegard von Bingen

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Neue Ordnung

Donnerstag, 12. November 2009 · Kommentar schreiben

Der Übersichtlichkeit halber habe ich meine Seiten etwas geordnet.

Mein Argonauten-Hörbuch ist nicht in der Versenkung verschwunden, sondern unter Veröffentlichungen zu finden – wie noch einiges andere, was dunkle, gruselige, heimelige, adventliche, vor- und nachweihnachtliche Tage schöner macht.

Meinem erklärten Liebling, dem Archipoeta, bin ich nicht untreu geworden, sondern habe ihn unter Eigene Werke – Übersetzungen einquartiert.

Eine neue Seite ist dazugekommen: Ergänzend zur Hausseite sind die Termine für meine öffentlichen Rezitationen unter der Überschrift Lesungen zu finden.

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Viel zu viel Laub

Samstag, 7. November 2009 · 4 Kommentare

Die Eichen hören einfach nicht auf, Laub abzuwerfen. Ich weiß, sie meinen es nicht böse und können nicht anders – aber langsam weiß ich nicht mehr, wohin damit!
Zu viel Laub

Vom Walnußbaum kommt dafür nicht mehr viel herunter.
Walnußblatt

Versöhnt werde ich durch das wundervoll gefärbte Laub der Zaubernuß
Zaubernuß im November

und das der Mahonie, das jedes Jahr andere Farbspiele macht – diesmal gesprenkelt.
Mahonienlaub im November

Reizende blaue Früchtchen stehen in einem Beet.
Blaue Früchtchen

Die Fruchthüllen der Physalis sind zum Teil bereits nicht mehr orangefarben, sondern falbe filigrane Gebilde.
Physalis in zwei Zuständen

Die weiße Rose welkt edel vor sich hin (allerdings hat sie noch eine Knospe). Gegen den Himmel angeschaut, wirkt sie besonders schön.
Welke weiße Rose

Die roten Rosen nehmen den Spätherbst noch nicht zur Kenntnis.
Rote Rosen im November 1
Rote Rosen im November 2

Trotz der anstrengenden Arbeit – und obwohl ich langsam wirklich kein Laub mehr harken mag – liebe ich diesen Garten und bin dankbar, daß ich ihn bearbeiten darf.

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Novemberlichter

Dienstag, 3. November 2009 · 11 Kommentare

In dem beständigen sachten Regen, unter dem dunkelgrauen Himmel leuchtet im Garten hie und da etwas auf:

Pfaffenhütchen
(diese zwar, wie ich bereits einmal bemerkte, in diesem Jahr etwas blasser als sonst)
Pfaffenhütchen

Physalis
Physalis

Hagebutte
Hagebutte

Der November wird so viel gescholten. Aber ohne ihn wäre das Jahr nicht vollständig; der vom Blühen und Fruchten erschöpfte Boden braucht Ruhe und Regen, und zauberhaft kann es gerade an einem solchen grauen Regentag duften und leuchten!

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Kahlschlag

Sonntag, 1. November 2009 · 10 Kommentare

Glyzinien soll man, damit sie nicht nach allen Richtungen wachsen, sondern nach oben, und schöne Blüten machen, gelegentlich radikal beschneiden – das hat mein Bruder geleistet (dem an dieser Stelle Dank sei). Es sieht jetzt sehr kahl aus, aber Glyzinien wachsen schnell – und die gesunden Stämme lehnen noch an der Pergola.
Kahle Pergola

Den Parthenocissus wollte er nur ein bißchen zurückstutzen – aber an einem Stamm hängt so viel, daß es hier ganz versehentlich zum Kahlschlag kam. Nun, auch Parthenocissus wächst schnell, und es hatten sich in einem Gewurstel von Tot- und Lebendholz Taschen mit gammelndem Laub gebildet. Der Denker wirkt ganz anders ohne die umwuchernden Blätter.
Kahle Wand mit Denker

Die Beete harke ich in diesem Jahr nicht mehr, sondern lasse das Laub als Schutzschicht liegen. Aber der Rasen muß freigelegt werden.
Laubharken 1
Laubharken 2

Winterfest ist der Garten nun: eine Bank mit einer Plastikplane zugedeckt, die Sitzfläche der anderen im Keller verstaut, und im Keller sind auch die Gartenschläuche.
Winterfest 1
Winterfest 2

Ein Enkel Leonardos steht auf dem Mäuerchen einer Terrasse.
Leonardos Enkel

Der Wächter des Gartens, den im Sommer Schaublatt und Balsaminen verbergen, ist nun wieder sichtbar.
Kleiner Gartenwächter

Dem Spätherbst trotzen zwei Rosen, die sogar noch knospen.
Rosa Rose
Weiße Rose 1
Weiße Rose 2

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Es wird wieder rezitiert!

Mittwoch, 7. Oktober 2009 · 9 Kommentare

Gleich von zwei Stellen – meinem Leibcafétier und einem schönen Laden für Mittelalterfreunde – wurde ich angesprochen.
Meine nächsten Termine:

Die heilige Hildegard war weit mehr als ein Kräuterweiblein! Dichterin und Denkerin war sie, und diese Punkte stelle ich hier vor:
Samstag, 21. November 2009, 19.00 Uhr – Anno Domini
Hildegard von Bingen – Dichterin und Philosophin

Am letzten Novemberwochendende stellen in Friedenau viele Künstler ihre Arbeit vor. Ateliers sind zu besichtigen, verschiedenerlei Kunst ist zu sehen und zu hören. In meinem Lieblingscafé ist wie üblich eine Ausstellung – und zwischen Bildern, Kaffee und Kuchen gibt es Kurzlesungen.

Samstag, 28. November, ab 16.30 Uhr – Café Engelmann-Tarabichi
Kurzlesungen zum Thema „Wein“

Sonntag, 29. November, ab 16.30 Uhr – Café Engelmann-Tarabichi
Kurzlesungen zum Thema „Katzen“

Eine fiktive Lebensbeschreibung meines Lieblingsdichters und eine Vorstellung seines Werkes gibt es hier zu hören:
Donnerstag, 10. Dezember, 19.00 Uhr – Anno Domini
Archipoeta – ein Dichter für Barbarossas Erzkanzler

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Oktobergarten

Samstag, 3. Oktober 2009 · 1 Kommentar

Die Aster ist nun in voller Blüte und mußte ein wenig hochgebunden werden – die blütenschweren Zweige lagen schon am Boden.
Astern 3
Astern 2

Das Pfaffenhütchen leuchtet – nicht ganz so kräftig wie in manchen Jahren, aber doch schön!
Pfaffenhütchen

Die Chinesische Anemone ist verblüht; die Fruchtstände werden sich nun zu zarten weißen Pompons entwickeln, die fast den ganzen Winter lang halten.
Chinesische Anemone im Oktober
Fruchtstand der Chinesischen Anemone

Das Birnenlaub färbt sich kräftig,
Birnenlaub im Oktober 1
Birnenlaub im Oktober 2
Birnenlaub im Oktober 3

das der Rosen ist stockfleckig,
Rosenblatt im Oktober

das der Zaubernuß hat einen gelben Rand,
Herbstlaub der Zaubernuss 1
Herbstlaub der Zaubernuss 2

das der Pfingstrose kleidet sich in dezente Rottöne.
Pfingstrosenlaub im Oktober

Die Rote Lichtnelke blüht gewöhnlich von Juni bis August – dies Exemplar ist ein Sonderling.
Rote Lichtnelke im Oktober

Das Laub ist geharkt.
Garten im Oktober

Max Dauthendey
Jetzt ist es Herbst

Jetzt ist es Herbst,
Die Welt ward weit,
Die Berge öffnen ihre Arme
Und reichen dir Unendlichkeit.

Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,
Die Bäume sehen in den Staub,
Sie lauschen auf den Schritt der Zeit.
Jetzt ist es Herbst, das Herz ward weit.

Das Herz, das viel gewandert ist,
Das sich verjüngt mit Lust und List,
Das Herz muß gleich den Bäumen lauschen
Und Blicke mit dem Staube tauschen.
Es hat geküßt, ahnt seine Frist,
Das Laub fällt hin, das Herz vergißt.

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Blüte und Alter

Samstag, 26. September 2009 · 2 Kommentare

Die Zeit des Laubharkens hat begonnen – eine Arbeit, die ganz gemächlich aussieht, aber doch schweißtreibend sein kann. Die alte Eiche wirft wieder nicht nur Laub, sondern Unmengen kleiner Zweige ab. Sie kränkelt seit Jahren; die Krone wird immer lichter, aber sie bleibt stehen.
Laub harken

Von den nach Süden über die Mauer blickenden Topinambur-Blüten sind mir endlich mal Photos gelungen, die wirklich einen Eindruck ihrer Schönheit vermitteln.
Topinambur 3
Topinambur 4
Topinambur 5
Topinambur 6

Das Immergrün blüht von Februar bis April; diese eine Blüte hält sich nicht an derlei Konventionen.
Immergrünblüte im September

Schon etwas altersfleckig ist diese letzte Rose des Gartens.
Last Rose of the Summer

Sehr zart wirkt das Silberblatt – das seinen Namen von einer Wachstumsperiode hat, in der es seine Aufgabe erfüllt hat und nach dem Samenabwurf nur noch als totes Gerüst dasteht.
Silberblatt

Die Chrysanthemen hingegen könnten lebenskräftiger nicht sein.
Chrysanthemen

Der Feuerdorn ist hier mit Hopfenblüten gekrönt. Allerdings tragen die Gehölze in diesem Jahr alle nicht besonders gut; im vergangenen Jahr war der Feuerdorn weit prächtiger.
Feuerdorn mit Hopfenkrone

Ein sehr altes, schon ziemlich lädiertes Tagpfauenauge ließ sich von mir geduldig ablichten. Zwar leben Tagpfauenaugen im Gegensatz zu den meisten Schmetterlingen als Imago mehrere Jahre lang – im Winter sitzen immer einige regungslos an den dunklen Holztüren im Haus. Aber ewig leben sie nicht.
Altes Tagpfauenauge 1
Altes Tagpfauenauge 2
Altes Tagpfauenauge 4
Altes Tagpfauenauge 5
Altes Tagpfauenauge 6

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