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Mittwoch, 4. November 2009 · 5 Kommentare
Die Rezi-Tante reichte mir ein Stöckchen, das ich dankend annehme. Ich sollte meine Kamera aus dem Fenster halten und losknipsen.
Bei dem Fenster, vor dem ich sitze, gestaltet sich das schwierig. Um es zu öffnen, müßte ich den Schreibtisch abrücken, und dazu müßte ich ihn abräumen. Also gibt es hier kein Photo – dafür zwei vom Balkon:
Nach Osten das Gärtchen der Nachbarin unter mir,

nach Süden ein weiterer Nachbargarten.

Aus dem Schlafzimmerfenster habe ich den Blick auf die Hälfte des winzigen Hofgärtchens, die romantisch überwucherten Mülltonnen und ein Stück Hof.

Aus dem efeugerahmten Badezimmerfenster sehe ich den prächtigen Efeu des rechten Seitenflügels.

Aus der Küche sehe ich den ökologischen Fuhrpark des Hauses.

Überall sehe ich viel Grün im Grau des Novembertages.
Ich reiche das Stöckchen nicht weiter, wer mag, kann es aufheben.
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Donnerstag, 1. Oktober 2009 · 9 Kommentare
Nachbars Rosen und der Wein an der Wand machen den Herbst zu einer vollendet schönen Zeit.









Friedrich Hölderlin
Der Herbst
Die Sagen, die der Erde sich entfernen,
Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret,
Sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen
Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.
Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen
Von der Natur, als wie die Tag’ verblassen
Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder,
Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.
In kurzer Zeit hat vieles sich geendet,
Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget,
Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget,
In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.
Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret
Ist wie die Wolke nicht, die abends sich verlieret,
Es zeiget sich mit einem goldnen Tage,
Und die Vollkommenheit ist ohne Klage.
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Dienstag, 1. September 2009 · 3 Kommentare
Eine winzige Mirabilis jalapa blüht auf meinem Balkon. Anfang April hatte ich den im letzten Jahr aus dem Muttergarten genommenen Samen eingetopft und dann gegossen, gewartet und gehofft. Erst Mitte Mai kamen Keimblätter, und dann zierte die Pflanze sich noch recht lange, bis sie eine ernstzunehmende Größe erreichte. Nun zeigt sie neben der Blüte neun Knospen!
Jalapa, die Staunenswerte, öffnet die Blüten erst abends und schließt sie, wenn es ganz hell ist.


Am Bahndamm gedeiht eine kleine Kolonie des Gemeinen Stechapfels, Datura stramonium, dem E.T.A. Hoffmann unter dem Titel des früheren botanischen Namens Datura fastuosa ein schaurig-schönes Denkmal gesetzt hat.

Die Heckenrose knospt, welkt und fruchtet zugleich.


Ich möchte auf keinen Monat des Jahres verzichten. Aber der September ist mir in besonderer Weise lieb.
Eduard Mörike
Septembermorgen
Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
Im warmen Golde fließen.
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Freitag, 28. August 2009 · 2 Kommentare
Auf meinem Balkon blühen die kleinen Sonnen unter der großen.


Der Weg zur Arbeit führt mich an einem kuriosen Fensterchen vorbei – die bis zur weinberankten Wand aufgerissene Holztür eines alten Fabrikgebäudes bietet diesen Anblick.

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Montag, 24. August 2009 · 5 Kommentare
Ich ahnte schon immer, daß sie lesen kann. Nur hoffe ich, sie gewöhnt sich nicht auch das Kaffeetrinken an.

Natürlich muß sie bei der Lektüre eines christlichen Magazins auch mal nach oben schauen.

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Ein seltsamer Gast fand sich auf einer der knospenden Sonnenblumen meines Balkons ein: ein Marienkäfer in Fehlfarben.

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Mittwoch, 10. Juni 2009 · 1 Kommentar
Der Sommermonat hat sich besonnen und besonnt den Balkon – und ich bestaune wieder einmal, was da blüht und der Kälte, dem Wind und Regen der letzten Wochen bei aller unfaßbaren Zartheit trotzt.
Koriander, das angenehme, aber sparsam zu verwendende Gewürz mit den schönen Blüten, ziehe ich seit Jahren selbst – wer mag, kann eine Tüte Samen haben, wenn sie soweit sind. Die unglaublichen Massen, die ich ganz mühelos erhalte, kann ich im Leben nicht verbrauchen.


Der Klatschmohn sonnt sich; daß diese Blüte auch Stürmen standhält, werde ich nie begreifen.

Diese stämmiger wirkende Blume ist wohl eine Art Kreuzkraut, ich bin mir aber nicht ganz sicher.

Fein geädert ist dies rosa Blümchen, vielleicht eine Art Seifenkraut, aber auch hier weiß ich es nicht genau. (Das oben links erkennbare Grün gehört nicht dazu, das ist Koriander!)

Eine lyrische Erwähnung des Korianders habe ich auch gefunden:
Rainer Maria Rilke
Die Sonnenuhr
Selten reicht ein Schauer feuchter Fäule
aus dem Gartenschatten, wo einander
Tropfen fallen hören und ein Wander-
vogel lautet, zu der Säule,
die in Majoran und Koriander
steht und Sommerstunden zeigt;
nur sobald die Dame (der ein Diener
nachfolgt) in dem hellen Florentiner
über ihren Rand sich neigt,
wird sie schattig und verschweigt -.
Oder wenn ein sommerlicher Regen
aufkommt aus dem wogenden Bewegen
hoher Kronen, hat sie eine Pause;
denn sie weiß die Zeit nicht auszudrücken,
die dann in den Frucht- und Blumenstücken
plötzlich glüht im weißen Gartenhause.
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Donnerstag, 4. Juni 2009 · 1 Kommentar
Endlich ist meine Kamera wieder heil! Um sie abzuholen, mußte ich in die unphotogenste aller Berliner Gegenden fahren – aber auf dem letzten Stück Heimweg und auf dem Balkon gelangen doch einige Bilder von dem so üppigen Frühsommer.
Auf dem Mittelstreifen blüht die Ackerwinde in zartem Weiß und Rosa – ungeachtet sie von allen Seiten mit Abgasen bedampft und mit Müll beworfen wird.

Doppelt floral ist das nachbarliche Tor – im Winter zwar nur aus Metall, aber auch schön, und nun mit fürstlichen Rosen geschmückt.

Philadelphus gehört zu meinen Lieblingen unter den Sträuchern

Vor einer kleinen modernen Galerie blüht das Geißblatt.

Auf meinem Balkon blühen Klatschmohn und Koriander.


Die Ackerwinde ist in den Sieben Kinderlegenden der Brüder Grimm erwähnt:
Muttergottesgläschen
Es hatte einmal ein Fuhrmann seinen Karren, der schwer mit Wein beladen war, festgefahren, so daß er ihn troz aller Mühe nicht wieder losbringen konnte. Nun kam gerade die Mutter Gottes des Weges daher und als sie die Noth des armen Mannes sah, sprach sie zu ihm: „ich bin müd und voll Durst, gib mir ein Glas Wein, und ich will deinen Wagen dir frei machen.“ „Gerne, antwortete der Fuhrmann, aber ich habe kein Glas, worin ich dir den Wein geben könnte.“ Da brach die Mutter Gottes ein weißes Blümchen mit rothen Streifen, das Feldwinde heißt, ab, und das einem Glase sehr ähnlich sieht und reichte es dem Fuhrmann. Der füllte es mit Wein und die Mutter Gottes trank ihn und in dem Augenblick war der Wagen auch los. Das Blümchen heißt noch immer Mutter-Gottes-Gläschen.
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Die Frühblüher schlafen längst in Zwiebelform im Schrank bis zum nächsten Frühjahr. Wiesensaat und Sonnenblumen sind etwas spät ausgebracht; ich hoffe auf reichliche Blüte und freue mich einstweilen am Aufwuchs!

Die Minze entwickelt sich gut.

Der Koriander, der Orientale, hat den sommerwarmen April offensichtlich genossen: so unglaublich üppig war er noch nie.

Der wilde Wein ist noch ganz zart rot gerändert – sogar das Loch im Blatt wird wie eine Ziernarbe zur Schau getragen.

Jalapa mirabilis versuche ich aus dem Samen zu ziehen, bisher sieht man aber noch gar nichts – sie läßt sich Zeit mit dem Keimen.
Novalis
Es färbte sich die Wiese grün…
Es färbte sich die Wiese grün
Und um die Hecken sah ich blühn,
Tagtäglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Und immer dunkler ward der Wald
Auch bunter Sänger Aufenthalt,
Es drang mir bald auf allen Wegen
Ihr Klang in süßen Duft entgegen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Es quoll und trieb nun überall
Mit Leben, Farben, Duft und Schall,
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Daß alles möchte lieblich scheinen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Vielleicht beginnt ein neues Reich –
Der lockre Staub wird zum Gesträuch
Der Baum nimmt tierische Gebärden
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Wie ich so stand und bei mir sann,
Ein mächtger Trieb in mir begann.
Ein freundlich Mädchen kam gegangen
Und nahm mir jeden Sinn gefangen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Sie ging vorbei, ich grüßte sie,
Sie dankte, das vergeß ich nie –
Ich mußte ihre Hand erfassen
Und Sie schien gern sie mir zu lassen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Uns barg der Wald vor Sonnenschein
Das ist der Frühling fiel mir ein.
Kurzum, ich sah, daß jetzt auf Erden
Die Menschen sollten Götter werden.
Nun wußt ich wohl, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
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Ein Pflänzchen – seinen Namen weiß ich nicht – schiebt sich ans Licht mit unglaublich zarten Blättern in feinem Farbenspiel.

Der Koriander wirft die Samenkapseln ab.

Max Dauthendey
Frühling
In tauiger Nacktheit eine junge Wiese, dünne silberne Stämme nackt, kühle Blütenblässe in der Luft.
Ein rothaariges Mädchen nackt bis zu den Hüften. Nur um die Füße ein Gewand blaugrau aus Sonnenrauch. Durch die Wiese langsam ein glattes Wasser, entlang Weidengefaser, Röhricht, so um den Weiher und den Hügel hinauf.
Eine bleiche Reifstarre, ein Frösteln im Grün und über den rotvioletten Buschweiden. Aber im zarten Wasser ein milchsüßes Blau und ein Rosa wie Mandelblüten, das Spiegelecho singender Wolken.
Primelstille, Veilchenwärme und erregter Erdduft ringsum.
In allem geht das halbreife Kind mit den schmächtigen keimenden Brüsten. Ein schmales Lächeln, das Lächeln des Kindes geht im Goldschein über die Wiese, durch stille Bäume und klingt im rosigen blauen Wasser.
Sie greift nach den dünnen leeren Zweigen, das Reis saugt ihre Wärme.
Um sie im Blaßblau und Rosa und Grün drängt ein weiches Erschließen, ein gelockertes Keimen.
Silberiger Duft ist fern über die Höhe geweht, Samtstaub von Blüten, tauender Reifhauch über allen Farben.
Das Goldgrün und das bereifte Blaugrün lispeln ein Sonnenscheinlied, das blaurote Gestrüpp wispert es und die grünweißen Schneeglöckchen neigen sich, schaukeln in daunenweichen Lüften.
Der Zug der Zwergweiden trottelt den Hügel hinauf. Nur die Nächsten warten, lauschen mit dünnem, sehnsüchtigem blauen Blut und zittern in der Wärme, die von dem Leibe des Kindes strömt.
Sein Fleisch ist blau und kühl, und nur vom roten Haar strahlt Wärme und aus den Augen.
Braune Knospenaugen, noch von keinem Geschehnis geritzt.
Die Lippen von den Zähnen gezogen, zwischen den Zähnen lispelt sie das Sonnenlied.
Die braunen Augen horchen den Lippen und flüstern und lächeln mit den Lippen.
Sie geht mit weichem kosenden Schritt. Sie vergißt keinen und grüßt alle.
Sie ist eben erst erwacht aus dem reifdünnen Grase ohne Staunen, ohne Wundern – es ist Frühling und sie streichelt ihn und lächelt mit seinem Rosa, seinem Blau, seinem Grün und seinem Silber.
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