Mein Leben als Rezitatorin

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Dank sei Hildegard!

Samstag, 21. November 2009 · 7 Kommentare

Das Rezitationsprogramm mit Texten von Hildegard von Bingen wurde gestern vormittag fertig. Heute abend war die Veranstaltung. Ich hatte Lampenfieber, und ich hatte Bedenken. Was für Leute kommen in so einen Mittelalterladen? Kommen überhaupt welche?

Es kamen – genau die richtigen und nicht zu wenige.

Zunächst las ich aus dem Buch Sci Vias – Wisse die Wege, einem Wechsel von Visionen und deren Erläuterungen. Nach einer Pause trug ich Gedichte Hildegards vor, und zwar im Wechsel die lateinischen Originale und meiner Übertragungen. Ich hatte ganz umsonst Bedenken gehabt – zwar konnte fast keiner meiner Hörer Latein, aber alle genossen den schönen Klang der Sprache. Auch waren alle bereit, sich auf das mittelalterliche Denken einzulassen, und die poetische Sprache der Visionen wurde gern gehört.
Viele versprachen schon heute, zu meiner nächsten Lesung im Anno Domini zu kommen.

Ich bin gerade sehr dankbar, sehr froh und nebenbei etwas reicher.

O ignee spiritus,
laus tibi sit,
qui in timpanis et citharis
operaris.

Mentes hominum de te flagrant,
et tabernacula animarum eorum
vires ipsarum continent.

Inde voluntas ascendit
et gustum anime tribuit,
et eius lucerna est desiderium.

Intellectus te in dulcissimo sono advocat
ac edificia tibi
cum racionalitate parat,
que in aureis operibus sudat.

Tu autem semper gladium
habes illud abscindere,
quod noxiale pomum
per nigerrimum homicidium profert.

Quando nebula voluntatem
et desideria tegit,
in quibus anima volat
et undique circuit.

Sed mens est ligatura
voluntatis
et desiderii.

Cum vero animus se ita erigit,
quod requirit pupillam mali videre
et maxillam nequicie,
tu eum citius in igne comburis,
cum volueris.

Sed et cum racionalitas
se per mala opera
ad prona declinat,
tu eam, cum vis,
stringis et confringis et reducis
per infusionem experimentorum.

Quando autem malum
ad te gladium suum educit,
tu illud in cor illius refringis,
sicut in primo perdito angelo fecisti,
ubi turrim superbie illius
in infernum deiecisti.

Et ibi aliam turrim
in publicanis et peccatoribus elevasti,
qui tibi peccata sua
cum operibus suis confitentur.

Unde omnes creature,
que de te vivunt, te laudant,
quia tu preciosissimum ungentum es
fractis et fetidis vulneribus,
ubi illa in preciosissimas gemmas convertis.

Nunc dignare nos omnes
ad te colligere
et ad recta itinera dirigere.
Amen.

Zu Deutsch:

Geist des Feuers, sei gepriesen,
in Pauken wirkst du und in Zithern.

Durch dich lodert der Verstand des Menschen,
seines Herzens Kammern bergen
die ihm eignen Kräfte.

Von dort steigt der Wille auf,
gibt Geschmack der Seele,
und Verlangen ist sein Licht.

Nach dir ruft das Denken mit zarter Stimme,
rüstet dir mit der Vernunft ein Gebäude,
die sich um goldene Werke müht.

Aber immer trägst du ein Schwert,
abzuschneiden, was schädliche Frucht
vorbringt durch finstersten Mord,

wenn Nebel verhüllen
Verlangen und Willen,
die Seele in ihnen
flattert und kreist.

Verstand aber zügelt
Verlangen und Willen.

Begehrt das empörte Gemüt,
das Auge des Bösen zu sehen,
und Zähne der Nichtswürdigkeit,
brennst du es zu Asche
nach deinem Begehr.

Da auch Vernunft sich neigt zum Abgrund
durch böse Werke,
zügelst und brichst du sie nach deinem Willen,
führst sie zurück, besprengt mit Erfahrung.

Wann immer das Böse
sein Schwert gegen dich führt,
bohrst du es in sein eigenes Herz,
wie du getan dem ersten gefallenen Engel,
da du den Turm seines Stolzes
warfst in die Hölle.

Doch einen anderen Turm
hast du errichtet
Dirnen und Sündern, die ihre Taten
vor dir gestehen.

Alle Geschöpfe, die durch dich leben,
loben dich,
kostbarstes Salböl bist du den Verletzten,
stinkende Wunden wandelst du
in edelste Perlen.

Nun gewähre uns allen,
um dich uns zu sammeln,
leite uns auf die rechten Pfade.
Amen.

© der Nachdichtung: Claudia Sperlich

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Einig und recht frei

Montag, 9. November 2009 · 8 Kommentare

Manchmal fällt mir auch ein sehr boshaftes Zitat ein:

Niederträchtig, aber einig,
Und in letzter Hinsicht, mein ich,
Immerhin noch zu verehren;
Doch wie lange wird das währen?
Bösewicht mit Bösewicht –
Auf die Dauer geht es nicht.

Wilhelm Busch, Plisch und Plum

Doch trotz allem Ärger über den real existierenden Kapitalismus, über politische und andere Dummheiten, über Machtgeilheit, Bildungsferne und -feindlichkeit (insbesondere in höheren Etagen) und was mich sonst noch erzürnt – heute will ich mich einfach nur freuen, daß die Mauer, dies Monster, nicht mehr steht und langsam, langsam auch in den Hirnen überwunden wird.

Gestern besuchte ich eine Lesung. Bettina Buske las aus dem Buch Mauerstücke, in dem Schriftsteller aus Ost und West ihre Sicht der Mauer und des Mauerfalls beschreiben. Ein lebendiges Geschichtsbuch ist das, in dem Angst und Unverständnis angesichts des „antifaschistischen Schutzwalls“ ebenso beschrieben sind wie die naive Bewunderung, die ein Kind für einen Soldaten der Volksarmee hegt; die Erfahrung von Ablehnung durch die jeweils „anderen“ und auch Versöhnung und wachsendes Verständnis werden in zahlreichen Geschichen melancholisch und humorvoll, zornig und fröhlich geschildert.

Patricia Koelle und Bettina Buske haben beide nicht nur selbst höchst lesenswerte Geschichten beigetragen, sondern auch die ungeheure Arbeit der Herausgabe geleistet.
Den Anhang des Buches bildet eine bunte und kuriose Photogalerie der Mauer von der Westseite.
Koelle und Buske 3

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Viel zu viel Laub

Samstag, 7. November 2009 · 4 Kommentare

Die Eichen hören einfach nicht auf, Laub abzuwerfen. Ich weiß, sie meinen es nicht böse und können nicht anders – aber langsam weiß ich nicht mehr, wohin damit!
Zu viel Laub

Vom Walnußbaum kommt dafür nicht mehr viel herunter.
Walnußblatt

Versöhnt werde ich durch das wundervoll gefärbte Laub der Zaubernuß
Zaubernuß im November

und das der Mahonie, das jedes Jahr andere Farbspiele macht – diesmal gesprenkelt.
Mahonienlaub im November

Reizende blaue Früchtchen stehen in einem Beet.
Blaue Früchtchen

Die Fruchthüllen der Physalis sind zum Teil bereits nicht mehr orangefarben, sondern falbe filigrane Gebilde.
Physalis in zwei Zuständen

Die weiße Rose welkt edel vor sich hin (allerdings hat sie noch eine Knospe). Gegen den Himmel angeschaut, wirkt sie besonders schön.
Welke weiße Rose

Die roten Rosen nehmen den Spätherbst noch nicht zur Kenntnis.
Rote Rosen im November 1
Rote Rosen im November 2

Trotz der anstrengenden Arbeit – und obwohl ich langsam wirklich kein Laub mehr harken mag – liebe ich diesen Garten und bin dankbar, daß ich ihn bearbeiten darf.

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Ich darf schon wieder reisen!

Donnerstag, 8. Oktober 2009 · 11 Kommentare

Freundinnen meiner Mutter haben sie und mich auf zwei Wochen eingeladen – nach Oxford!
Es ist unfaßbar, ich habe wenig Geld und reise ständig. Mein Dienst als Rollstuhlschieber ist bei dieser Reise unverzichtbar – da trifft sich gut, daß ich ebenso gerne in Museen und Landschaftsparks gehe wie meine Mutter.
Zwei Wochen lang werde ich kein Telephon haben und auch kein Internet – vielleicht schaue ich gelegentlich mal in ein Internetcafé. Selbstverständlich werde ich danach berichten.
Vorgefertigte Artikel werden während meiner Abwesenheit erscheinen, Hinschauen lohnt!
Gehabt Euch wohl, liebe Leser.

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Brot

Sonntag, 4. Oktober 2009 · 7 Kommentare

Es geht hier nicht um in Plastik eingeschweißte Scheiben aus 450-Mehl und allerhand eigentlich nicht eßbaren Stoffen, und es geht nicht um mit großem Aufwand gebackene Leckereien aus einer Art Brotteig, Nüssen, Rosinen und Gewürzen. Es geht um ein im wesentlichen aus Mehl und Wasser bestehendes Grundnahrungsmittel und den Umgang damit.

Brot steht sehr oft überhaupt für Nahrung; kein Brot haben heißt so viel wie hungern. Bon comme le pain, gut wie Brot, nennt man in Frankreich einen herzensguten und hilfsbereiten Menschen.

Vor dem Anschneiden zeichnen viele Leute mit dem Messer ein Kreuz in das Brot. Das mutet archaisch an, apotropäisch, abergläubisch – und vielleicht ist es das in einigen Fällen. Aber unabhängig von der Ausprägung und Form des Glaubens ist diese Geste zunächst ein Innehalten; es wird einen winzigen Moment gezögert, ehe es ans Essen geht, eine halbe Sekunde lang wenigstens ansatzweise bedacht, was es bedeutet, das Grundnahrungsmittel schlechthin auf dem Tisch zu haben. Ob man das auf diese oder eine andere Weise tut, ist im Grunde unwichtig – aber ein ganz kurzes Nachdenken, ehe man Brot ißt, kann nicht schaden.

Friedrich Wilhelm Weber
In der Winternacht

Es wächst viel Brot in der Winternacht,
Weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
Erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
Spürst du, was Gutes der Winter tat. –
Und deucht die Welt dir öd und leer,
Und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht:
Es wächst viel Brot in der Winternacht.

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Klare Worte und gute Ernte

Sonntag, 20. September 2009 · 4 Kommentare

Die klaren Worte fand ich auf dem Weg durch die Stadt. Bis zur Unverständlichkeit umständliches Behördendeutsch ist so allgegenwärtig, daß ein Hinweis wie dieser wohltuend auffällt.
Vorsicht Loch im Boden!

Gute Ernte fand ich im Garten. Die Winterbirnen sind sehr lecker, und der Baum ist wohl auch froh, die Last los zu sein. Walnüsse sind ebenfalls ein Genuß, den uns allerdings eine Horde Eichhörnchen nach Kräften streitig macht – aber wer will das übelnehmen!
Ernte

Die Aster wird noch lange blühen und knospen.
Aster 2
Aster 1

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Trostspaziergang

Freitag, 18. September 2009 · 5 Kommentare

Wegen sehr großen Ärgers über sehr törichte Menschen (mich selbst nicht ausgenommen) mußte ich heute unbedingt einen längeren Spaziergang machen. Das half; es ist ein erlesener Herbsttag, und die Vorgärten der Umgebung zeigen sich von ihrer schönsten Seite.

Verwildert ein Garten, sind Hopfen und Disteln unter den erfolgreichsten Besetzern.
Hopfen
Distelsamen

Dahlien zeigen mit besonderer Farbkraft, daß das Leben im Herbst nicht einfach zu Ende geht.
Gelbe Dahlie
Rosa Dahlie

Immer wieder faszinieren mich die im Herbst ergrünenden Hortensien – hier ein besonderes Prachtexemplar.
Hortensie im September

Max Dauthendey
Die gelb’ und roten Dahlien spiegeln sich

Die gelb’ und roten Dahlien spiegeln sich
Im flachen Wasser, das im Parkgrün glänzt;
Die Luft ist wie das Wasser unbewegt.

Die Seele allen Bäumen längst entwich,
Sie stehen nur noch unbewußt bekränzt;
Das Uferbild sich matt zum Spiegel legt.

Schwertlilienkraut fiel um, sein Grün verblich;
Und von metallnen Wolken eng begrenzt
Ein Stückchen Blau sich wie ein Auge regt,

Ein blauer Blick, der sich zum Wasser schlich.
Manch’ Wolke, wie ein Drache wild beschwänzt,
Mit grauem Leib den blauen Fleck durchfegt.

Und unter Wolken treffen Menschen Dich
Denen die Lieb’ den Sommer neu ergänzt,
Daß ihn kein Herbst aus ihrem Auge schlägt,
Denen das Leben dann wie nur ein Tag verstrich.

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Gartenarbeit und Gesang

Samstag, 12. September 2009 · Kommentar schreiben

Die Gartenarbeit fiel heute etwas kürzer aus – gejätet habe ich und die Glyzinie beschnitten, die den Eingang nicht vollständig verdunkeln, sondern schmücken soll.
Pergola mit Glyzinie
Glyzinienabfall

Eibe und Mehlbeere sorgen für die Vögel.
Eibenbeeren
Mehlbeere 1

Die große Wunderblume auf der Terrasse ist die Mutterpflanze, aus der ich meine noch winzige Balkon-Jalapa gezogen habe. In diesem Jahr zeigt sie drei Farben; wenn ich nicht irre, waren es im letzten nur zwei.
Jalapa Mirabilis

Am frühen Nachmittag ging es zum Stadtkloster Segen zu einem hier bereits angekündigten Konzert. Es lief gut! Die Zusammenarbeit der beiden Chöre war eine große Freude für alle Mitwirkenden – und, wie wir am Applaus merkten, auch für die Zuhörer. Gregorianik ist immer hinreißend – ich bin froh und dankbar, daß ich hier mitsingen darf.
Das Stadtkloster Segen wird gerade sehr aufwendig restauriert. Das ist dringend notwendig; auch wenn ich die Putten und Schnörkel im Zuckerbäckerstil nicht mag, soll dieser so wichtige Bau in einer Häuserzeile mitten in der Stadt als Ort der Zuflucht, der Besinnung und der Kultur unbedingt erhalten bleiben.
Stadtkloster Segen 2
Stadtkloster Segen 4
Stadtkloster Segen 3

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Septemberjubel

Freitag, 4. September 2009 · 5 Kommentare

Heute gibt es für meinen Lieblingsmonat Bilder und ein Gedicht.
Septemberlaub
Bahndamm im September

September

Noch sommerheiß und herbstlich welk zugleich.
Die Blasenesche plustert falbe Früchte.
Vorm Blau stehn kahle Äste wie Gerüchte.
Die Äpfel röten sich und werden weich.

Die Tage sind nun kürzer, aber heller.
Durch Laub fällt Licht, aus Blättern fällt das Grün.
Die ersten Schwalben werden wanderkühn.
Die Stunden schwinden sanfter, aber schneller.

Am nächsten Tage fließt ein kühler Regen
gemächlich, pausenlos, mit leisem Rauschen.
Die Vogelbeeren leuchten ihm entgegen.

Gelegenheit zum Dank will ich ergreifen.
Ich möchte diese Zeit mit keiner tauschen,
den frühen Herbst voll Schwinden und voll Reifen.

© Claudia Sperlich

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Eichengedichte

Samstag, 29. August 2009 · 5 Kommentare

In der griechischen und römischen Mythologie ist jeder Baum von einer Nymphe bewohnt und beseelt. Fällt man den Baum, stirbt die Nymphe. Fällt man frevelhafter Weise in einem heiligen Hain, kann es sein, daß der Baum blutet.
Im Falle dieser schönen Eiche besteht die Gefahr des Sakrilegs nicht; weder rächende Gottheiten noch ergrimmte Germanen muß man fürchten – denn sie bleibt, Demeter sei Dank, stehen. Ein Fachkundiger vom Baumdienst erklärte folgendes: Leidet eine Eiche unter Trockenheit, so ändern sich in den besonders exponierten Ästen die Spannungsverhältnisse, und sie brechen. An dem abgebrochenen Astriesen erkennt der Fachmann, daß genau dieser Fall vorliegt; er ist nicht morsch, sondern trocken. Es lohnt, an trockenen Tagen einige Stunden lang den Boden an der Eiche stetig berieseln zu lassen – einfach einen Gartenschlauch ganz wenig aufdrehen und neben den Baum legen. Daß dieser Baum nun merklich schief steht, können wir uns nur durch den starken Ruck und die veränderten Gewichtsverhältnisse in der Krone erklären; bedrohlich ist es nicht!
Um die tapfere Nymphe der Eiche zu ehren, gibt es heute neben Photos einige Gedichte; die beiden von mir sind noch in der Gewißheit ihres nahen Todes entstanden.
Eiche

Klabund
Ode XI

Eiche,
Du fassest Wurzeln
Und stehst.

Uns aber treibt
Ein Unruh
Und Verlangen
Von hier nach dort.

Mir ruft die Höhe,
Mir ruft die Tiefe,
Der Engel der Mitte
Begnadet mich nicht.

Zerrissen, zerrissen,
Ich fasse am Ende
Die knochigen Hände
Des fraulichen Tods.

*

Aus meinem Grabe
Die Säfte sie steigen
In deine Wurzeln,
Beständige Eiche.
So finde ich Ruhe
Und Stärke
In dir.

Ich räumte die kleineren Äste von Eiche und Efeu aus dem Vorgarten und trug die großen, die mein Bruder verheizen wird, zusammen – nun sieht das Gärtlein nicht mehr so verwüstet aus.
Eiche

quercum vulneravit tempestas
horti mei vetulam nympham
mihi notam ab prima ætate.
olim oscillum tenebat meum,
aquilegiæ floribus dabat
humum petentibus acerbam
obumbrabatque domum candentem.
nunc obliqua domum minatur,
mox cæsura est. lugeo quercum.

© Claudia Sperlich

In dem Efeu, der den abgefallenen Ast umwunden hatte, fand ich eine skelettierte Amsel. Vanitas vanitatum!
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Heinrich von Kleist
Blutende Eiche

Blumen sind hervorgebrochen,
Die zittern voll Blut
Und können nicht sagen,
Was da war…
Klagende Farben…
Blutende Eiche.

Eiche

Quercus robur

Die Eiche vor dem Haus in unserm Garten,
die alte Nymphe hat ein Sturm geschlagen.
Ich kenne sie seit meinen Kindertagen -
ein Ast trug einst von meiner Schaukel Scharten.

Ich war in ihrer Nähe viele Stunden
und glaubte sie für alle Zeit behütet.
Der Kleiber hat dort manches Jahr gebrütet.
Der Efeu hält sie immergrün umwunden.

Den Akeleien gab sie sauren Boden,
den Schatten für das Haus gab sie uns allen,
und niemand dachte, daß es enden werde.

Nun steht sie schief und droht aufs Haus zu fallen.
Man muß sie fällen, dann den Stubben roden.
Ich weine um die Eiche, um die Erde.

© Claudia Sperlich

Eiche

Christian Morgenstern
Palmström

Palmström steht an einem Teiche
und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.

Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen, –
er gehört zu jenen Käuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schönen packt.

Zärtlich faltet er zusammen,
was er eben erst entbreitet.
Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
weil er ungeschneuzt entschreitet.

Gartenabfälle

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