Mit den Tags ‘Dank’ versehene Einträge
Montag, 9. November 2009 · 8 Kommentare
Manchmal fällt mir auch ein sehr boshaftes Zitat ein:
Niederträchtig, aber einig,
Und in letzter Hinsicht, mein ich,
Immerhin noch zu verehren;
Doch wie lange wird das währen?
Bösewicht mit Bösewicht –
Auf die Dauer geht es nicht.
Wilhelm Busch, Plisch und Plum
Doch trotz allem Ärger über den real existierenden Kapitalismus, über politische und andere Dummheiten, über Machtgeilheit, Bildungsferne und -feindlichkeit (insbesondere in höheren Etagen) und was mich sonst noch erzürnt – heute will ich mich einfach nur freuen, daß die Mauer, dies Monster, nicht mehr steht und langsam, langsam auch in den Hirnen überwunden wird.
Gestern besuchte ich eine Lesung. Bettina Buske las aus dem Buch Mauerstücke, in dem Schriftsteller aus Ost und West ihre Sicht der Mauer und des Mauerfalls beschreiben. Ein lebendiges Geschichtsbuch ist das, in dem Angst und Unverständnis angesichts des „antifaschistischen Schutzwalls“ ebenso beschrieben sind wie die naive Bewunderung, die ein Kind für einen Soldaten der Volksarmee hegt; die Erfahrung von Ablehnung durch die jeweils „anderen“ und auch Versöhnung und wachsendes Verständnis werden in zahlreichen Geschichen melancholisch und humorvoll, zornig und fröhlich geschildert.
Patricia Koelle und Bettina Buske haben beide nicht nur selbst höchst lesenswerte Geschichten beigetragen, sondern auch die ungeheure Arbeit der Herausgabe geleistet.
Den Anhang des Buches bildet eine bunte und kuriose Photogalerie der Mauer von der Westseite.

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Samstag, 7. November 2009 · 4 Kommentare
Die Eichen hören einfach nicht auf, Laub abzuwerfen. Ich weiß, sie meinen es nicht böse und können nicht anders – aber langsam weiß ich nicht mehr, wohin damit!

Vom Walnußbaum kommt dafür nicht mehr viel herunter.

Versöhnt werde ich durch das wundervoll gefärbte Laub der Zaubernuß

und das der Mahonie, das jedes Jahr andere Farbspiele macht – diesmal gesprenkelt.

Reizende blaue Früchtchen stehen in einem Beet.

Die Fruchthüllen der Physalis sind zum Teil bereits nicht mehr orangefarben, sondern falbe filigrane Gebilde.

Die weiße Rose welkt edel vor sich hin (allerdings hat sie noch eine Knospe). Gegen den Himmel angeschaut, wirkt sie besonders schön.

Die roten Rosen nehmen den Spätherbst noch nicht zur Kenntnis.


Trotz der anstrengenden Arbeit – und obwohl ich langsam wirklich kein Laub mehr harken mag – liebe ich diesen Garten und bin dankbar, daß ich ihn bearbeiten darf.
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Donnerstag, 8. Oktober 2009 · 11 Kommentare
Freundinnen meiner Mutter haben sie und mich auf zwei Wochen eingeladen – nach Oxford!
Es ist unfaßbar, ich habe wenig Geld und reise ständig. Mein Dienst als Rollstuhlschieber ist bei dieser Reise unverzichtbar – da trifft sich gut, daß ich ebenso gerne in Museen und Landschaftsparks gehe wie meine Mutter.
Zwei Wochen lang werde ich kein Telephon haben und auch kein Internet – vielleicht schaue ich gelegentlich mal in ein Internetcafé. Selbstverständlich werde ich danach berichten.
Vorgefertigte Artikel werden während meiner Abwesenheit erscheinen, Hinschauen lohnt!
Gehabt Euch wohl, liebe Leser.
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Sonntag, 4. Oktober 2009 · 7 Kommentare
Es geht hier nicht um in Plastik eingeschweißte Scheiben aus 450-Mehl und allerhand eigentlich nicht eßbaren Stoffen, und es geht nicht um mit großem Aufwand gebackene Leckereien aus einer Art Brotteig, Nüssen, Rosinen und Gewürzen. Es geht um ein im wesentlichen aus Mehl und Wasser bestehendes Grundnahrungsmittel und den Umgang damit.
Brot steht sehr oft überhaupt für Nahrung; kein Brot haben heißt so viel wie hungern. Bon comme le pain, gut wie Brot, nennt man in Frankreich einen herzensguten und hilfsbereiten Menschen.
Vor dem Anschneiden zeichnen viele Leute mit dem Messer ein Kreuz in das Brot. Das mutet archaisch an, apotropäisch, abergläubisch – und vielleicht ist es das in einigen Fällen. Aber unabhängig von der Ausprägung und Form des Glaubens ist diese Geste zunächst ein Innehalten; es wird einen winzigen Moment gezögert, ehe es ans Essen geht, eine halbe Sekunde lang wenigstens ansatzweise bedacht, was es bedeutet, das Grundnahrungsmittel schlechthin auf dem Tisch zu haben. Ob man das auf diese oder eine andere Weise tut, ist im Grunde unwichtig – aber ein ganz kurzes Nachdenken, ehe man Brot ißt, kann nicht schaden.
Friedrich Wilhelm Weber
In der Winternacht
Es wächst viel Brot in der Winternacht,
Weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
Erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
Spürst du, was Gutes der Winter tat. –
Und deucht die Welt dir öd und leer,
Und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht:
Es wächst viel Brot in der Winternacht.
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Sonntag, 20. September 2009 · 4 Kommentare
Die klaren Worte fand ich auf dem Weg durch die Stadt. Bis zur Unverständlichkeit umständliches Behördendeutsch ist so allgegenwärtig, daß ein Hinweis wie dieser wohltuend auffällt.

Gute Ernte fand ich im Garten. Die Winterbirnen sind sehr lecker, und der Baum ist wohl auch froh, die Last los zu sein. Walnüsse sind ebenfalls ein Genuß, den uns allerdings eine Horde Eichhörnchen nach Kräften streitig macht – aber wer will das übelnehmen!

Die Aster wird noch lange blühen und knospen.


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Freitag, 18. September 2009 · 5 Kommentare
Wegen sehr großen Ärgers über sehr törichte Menschen (mich selbst nicht ausgenommen) mußte ich heute unbedingt einen längeren Spaziergang machen. Das half; es ist ein erlesener Herbsttag, und die Vorgärten der Umgebung zeigen sich von ihrer schönsten Seite.
Verwildert ein Garten, sind Hopfen und Disteln unter den erfolgreichsten Besetzern.


Dahlien zeigen mit besonderer Farbkraft, daß das Leben im Herbst nicht einfach zu Ende geht.


Immer wieder faszinieren mich die im Herbst ergrünenden Hortensien – hier ein besonderes Prachtexemplar.

Max Dauthendey
Die gelb’ und roten Dahlien spiegeln sich
Die gelb’ und roten Dahlien spiegeln sich
Im flachen Wasser, das im Parkgrün glänzt;
Die Luft ist wie das Wasser unbewegt.
Die Seele allen Bäumen längst entwich,
Sie stehen nur noch unbewußt bekränzt;
Das Uferbild sich matt zum Spiegel legt.
Schwertlilienkraut fiel um, sein Grün verblich;
Und von metallnen Wolken eng begrenzt
Ein Stückchen Blau sich wie ein Auge regt,
Ein blauer Blick, der sich zum Wasser schlich.
Manch’ Wolke, wie ein Drache wild beschwänzt,
Mit grauem Leib den blauen Fleck durchfegt.
Und unter Wolken treffen Menschen Dich
Denen die Lieb’ den Sommer neu ergänzt,
Daß ihn kein Herbst aus ihrem Auge schlägt,
Denen das Leben dann wie nur ein Tag verstrich.
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Freitag, 4. September 2009 · 5 Kommentare
Heute gibt es für meinen Lieblingsmonat Bilder und ein Gedicht.


September
Noch sommerheiß und herbstlich welk zugleich.
Die Blasenesche plustert falbe Früchte.
Vorm Blau stehn kahle Äste wie Gerüchte.
Die Äpfel röten sich und werden weich.
Die Tage sind nun kürzer, aber heller.
Durch Laub fällt Licht, aus Blättern fällt das Grün.
Die ersten Schwalben werden wanderkühn.
Die Stunden schwinden sanfter, aber schneller.
Am nächsten Tage fließt ein kühler Regen
gemächlich, pausenlos, mit leisem Rauschen.
Die Vogelbeeren leuchten ihm entgegen.
Gelegenheit zum Dank will ich ergreifen.
Ich möchte diese Zeit mit keiner tauschen,
den frühen Herbst voll Schwinden und voll Reifen.
© Claudia Sperlich
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Samstag, 29. August 2009 · 5 Kommentare
In der griechischen und römischen Mythologie ist jeder Baum von einer Nymphe bewohnt und beseelt. Fällt man den Baum, stirbt die Nymphe. Fällt man frevelhafter Weise in einem heiligen Hain, kann es sein, daß der Baum blutet.
Im Falle dieser schönen Eiche besteht die Gefahr des Sakrilegs nicht; weder rächende Gottheiten noch ergrimmte Germanen muß man fürchten – denn sie bleibt, Demeter sei Dank, stehen. Ein Fachkundiger vom Baumdienst erklärte folgendes: Leidet eine Eiche unter Trockenheit, so ändern sich in den besonders exponierten Ästen die Spannungsverhältnisse, und sie brechen. An dem abgebrochenen Astriesen erkennt der Fachmann, daß genau dieser Fall vorliegt; er ist nicht morsch, sondern trocken. Es lohnt, an trockenen Tagen einige Stunden lang den Boden an der Eiche stetig berieseln zu lassen – einfach einen Gartenschlauch ganz wenig aufdrehen und neben den Baum legen. Daß dieser Baum nun merklich schief steht, können wir uns nur durch den starken Ruck und die veränderten Gewichtsverhältnisse in der Krone erklären; bedrohlich ist es nicht!
Um die tapfere Nymphe der Eiche zu ehren, gibt es heute neben Photos einige Gedichte; die beiden von mir sind noch in der Gewißheit ihres nahen Todes entstanden.

Klabund
Ode XI
Eiche,
Du fassest Wurzeln
Und stehst.
Uns aber treibt
Ein Unruh
Und Verlangen
Von hier nach dort.
Mir ruft die Höhe,
Mir ruft die Tiefe,
Der Engel der Mitte
Begnadet mich nicht.
Zerrissen, zerrissen,
Ich fasse am Ende
Die knochigen Hände
Des fraulichen Tods.
*
Aus meinem Grabe
Die Säfte sie steigen
In deine Wurzeln,
Beständige Eiche.
So finde ich Ruhe
Und Stärke
In dir.
Ich räumte die kleineren Äste von Eiche und Efeu aus dem Vorgarten und trug die großen, die mein Bruder verheizen wird, zusammen – nun sieht das Gärtlein nicht mehr so verwüstet aus.

quercum vulneravit tempestas
horti mei vetulam nympham
mihi notam ab prima ætate.
olim oscillum tenebat meum,
aquilegiæ floribus dabat
humum petentibus acerbam
obumbrabatque domum candentem.
nunc obliqua domum minatur,
mox cæsura est. lugeo quercum.
© Claudia Sperlich
In dem Efeu, der den abgefallenen Ast umwunden hatte, fand ich eine skelettierte Amsel. Vanitas vanitatum!



Heinrich von Kleist
Blutende Eiche
Blumen sind hervorgebrochen,
Die zittern voll Blut
Und können nicht sagen,
Was da war…
Klagende Farben…
Blutende Eiche.

Quercus robur
Die Eiche vor dem Haus in unserm Garten,
die alte Nymphe hat ein Sturm geschlagen.
Ich kenne sie seit meinen Kindertagen -
ein Ast trug einst von meiner Schaukel Scharten.
Ich war in ihrer Nähe viele Stunden
und glaubte sie für alle Zeit behütet.
Der Kleiber hat dort manches Jahr gebrütet.
Der Efeu hält sie immergrün umwunden.
Den Akeleien gab sie sauren Boden,
den Schatten für das Haus gab sie uns allen,
und niemand dachte, daß es enden werde.
Nun steht sie schief und droht aufs Haus zu fallen.
Man muß sie fällen, dann den Stubben roden.
Ich weine um die Eiche, um die Erde.
© Claudia Sperlich

Christian Morgenstern
Palmström
Palmström steht an einem Teiche
und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.
Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen, –
er gehört zu jenen Käuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schönen packt.
Zärtlich faltet er zusammen,
was er eben erst entbreitet.
Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
weil er ungeschneuzt entschreitet.

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Vor 199 Jahren wurde Giuseppe Vasi geboren, der Architekt und Graphiker werden sollte und das Rom seiner Zeit in akribischen Veduten abbildete. Seine zehn thematisch geordneten „Bilderbücher“ sind auf dieser Seite zu betrachten.
Giovanni Battista Piranesi war eine Zeitlang sein Schüler. In meinen Augen überflügelte Piranesi mit seinen düsteren Phantasien den Lehrer – vielleicht war das ein Grund für das Zerwürfnis zwischen den beiden.
Der kühler Stil des Lehrers berührt mich nicht so wie der des Schülers. Bei aller detailgetreuen Genauigkeit Vasis wird die Atmosphäre, der Geist der Gebäude weniger eindringlich dargestellt ist als in Piranesis schauervollen antiken Architektur- und Trümmerlandschaften. Aber Vasi ist ein unvergleichlicher Architekturkatalog des barocken Roms zu verdanken. Auch hat seinem zornigen Schüler ja etwas beigebracht; dafür sei ihm Dank.
Bei all meiner Mäkelei ist übrigens die Vedutenkunst ein schöner Hinweis darauf, wie anspruchsvoll Romtouristen – denn die waren die wichtigsten Kunden der Vedutenmaler und -stecher – vor zwei Jahrhunderten sein konnten. Heute begnügen sie sich mit kitschigen Postkarten.

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