Mein Leben als Rezitatorin

Mit den Tags ‘Eigene Werke’ versehene Einträge

Morgen wird rezitiert

Mittwoch, 9. Dezember 2009 · 10 Kommentare

Ich kenne Lampenfieber ja nun zur Genüge, aber kennen und überwinden ist zweierlei. Gestern habe ich noch etwas an dem Programm für morgen verbessert. Und jetzt sitze ich mitten in der Nacht herum und habe so unnütze Gedanken wie „Es darf nicht zu routiniert klingen“, „Zweite Strophe von Carmen I unbedingt richtig betonen“, „Husten ist illegal“. Dazwischen sagt mir ein guter Geist (der Rainald von Dassels? oder des Erzpoeten selbst? Oder am Ende Genesius von Rom?) leicht genervt, ich solle mich nicht so anstellen.
Übrigens, so viel sei trotz allen Lampenfiebers mit Sicherheit gesagt: Es wird gut. Der Archipoeta ist ein wundervoller Dichter, meine Nachdichtungen sind keineswegs schlecht, und die Geschichte, die ich um diesen Menschen, von dem wir außer einigen Gedichten nichts kennen, gesponnen habe, hat es in sich.
Schon gut. Ich geh wieder schlafen.

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Wieder naht mein Lieblingsdichter

Montag, 30. November 2009 · 5 Kommentare

Wer immer am 10. Dezember in Berlin ist und ein Faible für Mittelalterliches hat oder einfach nur für spannende Geschichten und schöne Gedichte, mag sich an meiner Rezitation im Anno Domini freuen.
Wir wissen über den Archipoeta zwar nur das, was aus seinen wenigen erhaltenen Gedichten zu schließen ist. Aber wo das akkurate Wissen fehlt, ist die Phantasie gefragt – und so habe ich dem Mann eine Geschichte erdacht. Selbstverständlich kommt auch er selbst zu Wort in meiner Übertragung seiner Gedichte.

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carpe diem!

Freitag, 27. November 2009 · 1 Kommentar

Horaz

Vor 2017 Jahren starb der Dichter, dem wir eines der meiststrapazierten Zitate verdanken – und wahrlich noch erheblich mehr an guter Literatur.

Eine märchenhafte Karriere machte der Mann mit den Segelohren (sein Beiname Flaccus, Schlappohr, läßt ausgeprägte Ohrwascheln vermuten). Sein Vater war als Freigelassener wohlhabend genug geworden, seinen klugen Sohn in Athen studieren zu lassen. Die schon berühmten Dichter Vergil und Varius bemerkten sein Talent und stellten ihn dem Kunstförderer Mæcenas vor, der den jungen Mann sehr schätzte und ihm ein Landgut spendierte, in dem Horaz sehr fleißig schrieb.
Das zum geflügelten Wort gewordene Zitat pflücke den Tag stammt aus folgendem reizenden Gedicht, in dem er seine Freundin vor dem abergläubischen Vertrauen auf Horoskope warnt:

tu ne quæsieris – scire nefas -, quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Leuconoë, nec Babylonios
temptaris numeros! Ut melius, quidquid erit, pati,
seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
quæ nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum: sapias ! vina liques et spatio brevi
spem longam reseces! Dum loquimur, fugerit invida
ætas: carpe diem, quam minimum credula postero!

zu Deutsch:

Frag nicht, Leukonoë – Wissen ist Frevel -,
was für ein Ende mir oder dir
zugedacht haben die Götter; versuche
auch Babyloniens Sternkunde nicht.
Ist es doch besser, was kommt, zu ertragen,
ob es noch viele Winter sind, ob
Jupiter uns diesen letzten gewähre,
der an dem widerständgen Geklüft
schon bricht die Kraft des Thyrrenischen Meeres.
Weise sei! Klär den Wein und bemiß
auf eine kürzere Spanne die lange
Hoffnung! Es flieht die neidische Zeit,
während wir sprechen: Pflücke den Tag,
traue so wenig als möglich dem Morgen!

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Bald beginnt die Adventszeit

Sonntag, 15. November 2009 · 13 Kommentare

… und wieder habe ich einen literarischen Adventskalender angerichtet, den meine Leser in der Kopfleiste finden. Wie immer ist Mogeln unmöglich; alle Einträge sind auf Termin gelegt – einstweilen müßt Ihr mit dem Engel vorliebnehmen.
Wer einen Kalender basteln möchte, findet dafür zahlreiche Anleitungen im Netz – auch hier.

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Neue Ordnung

Donnerstag, 12. November 2009 · Kommentar schreiben

Der Übersichtlichkeit halber habe ich meine Seiten etwas geordnet.

Mein Argonauten-Hörbuch ist nicht in der Versenkung verschwunden, sondern unter Veröffentlichungen zu finden – wie noch einiges andere, was dunkle, gruselige, heimelige, adventliche, vor- und nachweihnachtliche Tage schöner macht.

Meinem erklärten Liebling, dem Archipoeta, bin ich nicht untreu geworden, sondern habe ihn unter Eigene Werke – Übersetzungen einquartiert.

Eine neue Seite ist dazugekommen: Ergänzend zur Hausseite sind die Termine für meine öffentlichen Rezitationen unter der Überschrift Lesungen zu finden.

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Oxforder Nachlese

Montag, 26. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Damit meine Leser nicht glauben, ich höre im Urlaub einfach mit dem Dichten auf, hier mein neuestes Sonett:

Englischer Friedhof

Im Grase stehen Steine schräg und sinken
im Lauf der Zeiten langsam in den Boden.
Gedenken schwindet, und aus tausend Toden
wird gute Erde, werden Blüten blinken.

Ein Schädel zwischen grünen Büscheln mahnte
in Augenhöhe vor vierhundert Jahren,
ein Name drunter und ein Sinnspruch waren
noch sichtbar, als den Toten nichts mehr ahnte.

Dann schwanden jenes Spruches letzte Worte,
die ersten später, und zuletzt der Name.
Die Erde sog sie ein. Das Gras verdorrte.

Die Erde saugt und sprießt, die niemals Zahme.
Noch blickt der Schädel in ihr wildes Mühen.
Auch er wird schwinden – und das Gras wird blühen.

© Claudia Sperlich

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Es wird wieder rezitiert!

Mittwoch, 7. Oktober 2009 · 9 Kommentare

Gleich von zwei Stellen – meinem Leibcafétier und einem schönen Laden für Mittelalterfreunde – wurde ich angesprochen.
Meine nächsten Termine:

Die heilige Hildegard war weit mehr als ein Kräuterweiblein! Dichterin und Denkerin war sie, und diese Punkte stelle ich hier vor:
Samstag, 21. November 2009, 19.00 Uhr – Anno Domini
Hildegard von Bingen – Dichterin und Philosophin

Am letzten Novemberwochendende stellen in Friedenau viele Künstler ihre Arbeit vor. Ateliers sind zu besichtigen, verschiedenerlei Kunst ist zu sehen und zu hören. In meinem Lieblingscafé ist wie üblich eine Ausstellung – und zwischen Bildern, Kaffee und Kuchen gibt es Kurzlesungen.

Samstag, 28. November, ab 16.30 Uhr – Café Engelmann-Tarabichi
Kurzlesungen zum Thema „Wein“

Sonntag, 29. November, ab 16.30 Uhr – Café Engelmann-Tarabichi
Kurzlesungen zum Thema „Katzen“

Eine fiktive Lebensbeschreibung meines Lieblingsdichters und eine Vorstellung seines Werkes gibt es hier zu hören:
Donnerstag, 10. Dezember, 19.00 Uhr – Anno Domini
Archipoeta – ein Dichter für Barbarossas Erzkanzler

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Wahlsiegerrede

Freitag, 25. September 2009 · 11 Kommentare

Reden werden selten spontan gehalten. So hat vermutlich jede Partei bereits seit einiger Zeit zwei Reden in der Schublade, eine für die katastrophale Niederlage und eine für ein günstiges Ergebnis.
Mir wurde eben anonym eine Siegerrede zugespielt. Hört selbst:

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Sonettenwette, Ruhmsucht und mehr

Donnerstag, 24. September 2009 · 7 Kommentare

Seit einiger Zeit schreibe ich mit Begeisterung Sonette zu allen möglichen Themen. Die letzten beiden sind

Ruhmsucht

Auch ich erträume manchmal Ruhm und Ehre
und – was damit zusammenhängt – viel Zaster.
(Ich weiß schon, Habsucht ist ein schlimmes Laster,
doch schlimmer lastet meiner Börse Leere.)

Fest steht, daß manche mich schon Dichter nannten.
Doch das mit unvergänglich hellem Ruhm
ergibt wahrscheinlich sich nicht mal postum
zugunsten meiner armen Anverwandten.

Sonette lesen ist nicht à la mode,
es ist verrückt und hat nicht mal Methode,
es dient nicht dem Erfolg und macht nicht schlank.

Ob ich die Welt aus der Reserve hole?
Ob sie mir dafür gibt so Ruhm als Kohle?
Es wär ein durchaus angemessner Dank.

© Claudia Sperlich

und, einem Dichterkollegen zu Ehren,

Sonettenwette

Wo je im Tode und im prallen Leben,
in schwerer und in holder Zeit dazwischen
die einen trennen und die andern mischen,
zerreißen hier und anderswo verweben -

wo immer möglich, schreibe ich Sonette
von allen Fährnissen und Lieblichkeiten,
um so das Leben dichtend zu begleiten -
mit einem Dichterfreunde um die Wette.

Und wenn wir einst als grau gewordne Greise,
mit Zitterhänden scheun vor Tastaturen,
im Körper schwach, im Geist nur scheinbar weise -

dann werden unsre Pfleger sorglich zählen
die Verse, die ins Netz gebannten Spuren,
und einen zum Sonettenfürsten wählen.

© Claudia Sperlich

Unter Eigene Werke – Gedichte gibt es noch mehr davon.

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Schenken und Lesen

Mittwoch, 16. September 2009 · 4 Kommentare

Zwar ist es noch nicht ganz so weit. Aber was man zu Weihnachten verschenkt, liest und vorliest, kann man zur Vermeidung vorweihnachtlicher Rennerei schon jetzt bedenken.
Im Dr. Ronald Henss Verlag erscheinen Ende September zwei Weihnachtsbücher.

In diesem bin ich mit einem Sonett vertreten:

Weihnachtsgeschichten

Weihnachten
Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte

Illustrationen Hilde Bergmann
ISBN 978-3-939937-09-8
11,80 Euro

Erscheint Ende September.

Diesen schönen Gedichtband für Advent und Weihnachten habe ich herausgegeben; er enthält auch mehrere Gedichte von mir:

Weihnachtsgedichte

Weihnachtsgedichte
Hrsg. Claudia Sperlich

Illustrationen Katja Spannuth
ISBN 978-3-939937-10-4
11,80 Euro

Erscheint Ende September.

Mitte August bei brüllender Hitze in einem Café zu sitzen und das Lektorat eines Weihnachtsbuches abzuschließen war ein eigentümliches Erlebnis.
Bereits im Juli hatte ich Autoren angeschrieben, Änderungsvorschläge gemacht, um Einverständnis zur Veröffentlichung gebeten – und mich mit Schneeflocken, Weihnachtsbäumen, -männern, -wichteln und -geschenken, mit Weihnachtsmuffeln und -liebhabern – und natürlich mit dem neugeborenen Gottessohn samt Familie und Freunden beschäftigt. Dabei erfuhr ich auch, daß freundschaftliche Lektorate im Forum, wenn man gerade Zeit und Lust hat, sich von Lektoraten unter Zeitdruck (es ist schon Juli – Weihnachten naht!) unterscheiden. Die Sache bleibt zwar die gleiche, und die immer wieder auftauchenden Probleme auch (wundervolles Gedicht, aber ein abgenutzter Reim, eine metrische Ungenauigkeit – Änderungsvorschlag, ohne diktatorisch zu wirken und ohne den Stil des Autors zu verfälschen).
Nur saßen bei dieser sommerlichen Beschäftigung Merkur und Chronos zu meinen Seiten; der eine sagte hin und wieder „Großartiges Gedicht, aber auf keinen Fall für dies Weihnachtsbuch geeignet“ oder „Die meisten Kunden mögen den Weihnachtsmann“, der andere hielt mir nur demonstrativ ein Stundenglas vor die Nase.
So entstand ein Gedichtband mit Adventlichem und Weihnachtlichem für jedermann.

Über den Verlag lassen sich beide Bücher schon jetzt bestellen, ebenso über amazon und über den Versand der Buchhandlung Schwericke. Bei Schwericke werden sie bald auch ausliegen.

Liebe Leser – wagt Neues! Lest und verschenkt Bücher, die nicht in jeder Buchhandlung vorne stehen. Fündig werdet Ihr auch auf meiner Seite Veröffentlichungen.

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