Um meine Leser und mich selbst zu erfreuen und zu erbauen, habe ich einen lyrischen Fastenkalender zusammengestellt; der Link befindet sich in der Kopfzeile.
Lesend und schreibend kann man eigene Gedanken klären, fremde kennenlernen – das ist, denke ich, eine gute Beschäftigung in einer Zeit, die der neuen Ausrichtung auf die Liebe dienen soll.
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Mein lyrischer Fastenkalender
Mittwoch, 25. Februar 2009 · Kommentar schreiben
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Zum ersten Advent
Sonntag, 30. November 2008 · 8 Kommentare
Allen Lesern wünsche ich eine frohe und zuversichtliche Adventszeit.
Heute früh werde ich als Taufpatin eines Dreizehnjährigen in der Kirche sein und freue mich sehr darauf. Und heute Nachmittag werde ich Weihnachtsgeschichten lesen. Ein guter Auftakt für diese Zeit!
Mein wachsender Adventskranz wird an jedem Adventsonntag eine weitere Kerze bekommen. Diese erste ist die Osterkerze des vergangenen Kirchenjahres.

Friedrich Schiller
HoffnungEs reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Thoren.
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren;
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
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Franziskaner in Friedenau
Samstag, 15. November 2008 · Kommentar schreiben
Zwar habe ich in Friedenau kein Kloster der tierlieben Mönche gefunden, aber eine Stadtvilla, die von einem ihrer Sympathisanten erbaut wurde.
Hier liest Antonius von Padua einem Fisch die Frohbotschaft vor,

und hier predigt Franziskus von Assisi den Tieren.

Und mitten zwischen den beiden demütigen Brüdern sind zwei Pfauen mit dem Inhalt einer Bodenvase beschäftigt.

Ich stehe spirituell vermutlich etwa zwischen den Pfauen und den Franziskanern. (Ähnlich wohl der Erbauer jenes Hauses, der sicher nicht dem franziskanischen Armutsideal verpflichtet war.) Damit ich nicht ganz vergesse, daß es noch etwas anderes als Ruhm und Ehre gibt, hängt mein Adventskalender nicht weit vom Computer.

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Der Advent naht
Samstag, 8. November 2008 · 6 Kommentare
Ich kann gerade vor Lampenfieber nicht schlafen und stelle schon heute die Anleitung für den von mir entworfenen ultimativen Adventskalender ins Netz.
Du brauchst mehrere Bogen schönes Papier (z.B. Elefantenhaut), einen gleich großen oder etwas größeren Bogen farbigen Zeichenkarton, ein Stück Geschenkband o.ä., Klebstoff.
Teile den Bogen für das Deckblatt folgendermaßen ein: Innerhalb eines Randes zeichne ein Rechteck und unterteile dies in vier mal sieben Rechtecke, zwischen denen du schmale Streifen frei läßt. (Für ein DIN-A-4-Blatt eignet sich eine Größe von 3,5 x 4 cm pro Rechteck mit Zwischenräumen von 0,5 cm vertikal und 1 cm horizontal.)

Nun schneide mit einem Cutter die linken, oberen und unteren Linien der Rechtecke ein (von der Vorzeichnung aus gesehen; wenn du das ganze umdrehst, wird links zu rechts). Dabei die Zwischenstreifen unbedingt ganz lassen! Ritze die rechte Seite jedes Türchens vorsichtig (sie lassen sich dann besser knicken), dann knicke den Ausschnitt nach hinten.

Schneide schmale Papierstreifen zurecht und klebe sie von hinten auf die einzelnen Türchen, so daß sie als Riegel überstehen.


Querstreifen und Ränder des Deckblattes versieh auf der Rückseite mit Leim und klebe es auf den Zeichenkarton.

Auf die Türchen schreibe die Zahlen 1-24 oder die genauen Daten, beginnend mit Montag, 1. Dezember (oder, wenn du magst, mit Sonntag, 30. November – 1. Advent). Außerdem kannst du auf jedes Rechteck ein Bild malen oder kleben.
Du kannst den Kalender auch im Computer gestalten, am besten in der Tabellenkalkulation. Wenn du Symbole als Bilder benutzen willst, kannst du sie im Zeichenprogramm erstellen und dann auf die Türchen kopieren.
Und wenn du mit der Feder schreibst, paß besser auf als ich und wische nicht mit dem Finger über die nasse Tinte (oder behaupte einfach, im Stundenbuch der Maria von Burgund gibt es auch irgendwo einen Patzer).

Teile einen weiteren Bogen längs in Streifen – etwas schmaler als die Türchen. Nun sind vierundzwanzig passende Gedichte, Bibelzitate, Spiele, Rezepte oder was dir sonst einfällt – vielleicht auch kleine Bilder? – aufzuschreiben und zu -malen. Wenn du am Computer arbeitest, geh ins Textprogramm und formatiere sechsspaltig.
Die Textstreifen für die einzelnen Tage kannst du nun, wenn sie zu lang sind, zieharmonikaähnlich zwei- bis dreimal falten. Mit einem Tropfen Leim klebst du jeden Text in das passende Türchen und steckst den Riegel unter dem Zwischenstreifen fest.

Für den Aufhänger schneide ein Stück Geschenkband ab, lege es doppelt zu einer Schlaufe und klebe es an den Zeichenkarton. Andere Möglichkeit: Wenn der Zeichenkarton größer ist und einen überstehenden Rand bildet, mit Hilfe eines Lochers mit Aufhängelöchern versehen; eine Kordel oder ein schönes Band durchziehen.
Ich habe jetzt alle Textstellen für meinen Adventskalender herausgesucht, nur abschreiben und einkleben muß ich sie noch. Dazu ist noch genug Zeit.
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Der Garten am Karsamstag
Samstag, 22. März 2008 · Kommentar schreiben
macht die Grabesruhe keineswegs mit, im Gegenteil! Quicklebendig ist er im leichten Regen. Für die Gartenarbeit war es mir heute zu feucht, aber nicht für die grenzenlose Bewunderung der Natur.
Die ersten Tulpen blühen; leider ist das Photo im Orkus des Internet verschwunden, gemeinsam mit dem vom aufblühenden Scharbockskraut.
Hyazinthen, Lerchensporn und Narzissen



Lerchensporn und Immergrün sehen reizend zusammen aus.

Junges Rosenlaub und eine Hagebutte vom Vorjahr – und seltsamerweise beißen sich die Farbtöne nicht.

Primeln und die verwandten Himmelsschlüssel sind sehr ausdauernd.


Sommer ist zwar noch nicht, trotzdem fallen mir zwei Strophen eines Liedes von Paul Gerhardt ein:
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser lieben Sommerszeit
An deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.Die Bäume stehen voller Laub,
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünem Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.
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XXII
Samstag, 22. März 2008 · 2 Kommentare

Hinrichtung
Die Wolken reißen auf. Tief steht die Sonne.
Die Fieberhitze wird zur Liebesglut.
Ich rufe meinen Vater, und im Augenblick
ist Mama da in einem: warmen Schuppen,
Arbeiter, die ihr Brot und Decken bringen -
die Wüste dann… wir müssen eilig weiter -
die Alten dann, die mir, dem Jungen, lauschen -
die Hochzeit dann… die Sorge um den Wein -
die schöne Frau (sie scheint mich zu erkennen) -
der Garten, wo mein Freund mir Blumen pflückte -
der Garten, wo mein Vater mich besuchte -
der Garten, wo ich gestern erst gebetet -
das Abendbrot… es gab so viel zu sagen -
Jehuda, Freund, hat es so müssen sein?
@ Claudia Sperlich
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Nachbarschaft, heilig und profan
Freitag, 21. März 2008 · Kommentar schreiben
Die Friedrich-Wilhelm-Kirche auf dem gleichnamigen Platz ist ein schönes Beispiel für gute Architektenroutine des 19. Jhs. – in dieser Art wurden hunderte Kirchen gebaut, eher noch tausende, sie ist nichts Besonderes – und doch ein guter, funktioneller, als Kirche von weitem erkennbarer Bau von schlichter Schönheit. Nun gut, die Jesus-Figuren des 19. Jhs. sind nicht unbedingt mein Fall, unser Herr sieht da immer so humorlos aus und so deutsch. Aber ich möchte diese Art der Kirchenbauten nicht missen.

Heute abend wird hier übrigens die Johannes-Passion von Bach gespielt, ich freue mich sehr darauf!
Ein berühmter scharfzüngiger Literat wohnte in der Nachbarschaft. Sein lyrisches Werk ist nicht so mein Fall, ich glaube auch, er wird literarisch etwas überschätzt. Aber sein klarer Kopf und seine Integrität in politischer Hinsicht sind unbezweifelbar. – Übrigens löste er als Herausgeber der Weltbühne Siegfried Jacobsohn ab, nach dem die Straße heißt, in der ich bis vor einer knappen Woche wohnte.

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XXI
Freitag, 21. März 2008 · Kommentar schreiben

Rainer Maria Rilke
Der Ölbaum-Garten
Er ging hinauf unter dem grauen Laub
ganz grau und aufgelöst im Ölgelände
und legte seine Stirne voller Staub
tief in das Staubigsein der heißen Hände.
Nach allem dies. Und dieses war der Schluss.
Jetzt soll ich gehen, während ich erblinde,
und warum willst Du, dass ich sagen muss
Du seist, wenn ich Dich selber nicht mehr finde.
Ich finde Dich nicht mehr. Nicht in mir, nein.
Nicht in den andern. Nicht in diesem Stein.
Ich finde Dich nicht mehr. Ich bin allein.
Ich bin allein mit aller Menschen Gram,
den ich durch Dich zu lindern unternahm,
der Du nicht bist. O namenlose Scham…
Später erzählte man: ein Engel kam – .
Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht
und blätterte gleichgültig in den Bäumen.
Die Jünger rührten sich in ihren Träumen.
Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht.
Die Nacht, die kam, war keine ungemeine;
so gehen hunderte vorbei.
Da schlafen Hunde und da liegen Steine.
Ach eine traurige, ach irgendeine,
die wartet, bis es wieder Morgen sei.
Denn Engel kommen nicht zu solchen Betern,
und Nächte werden nicht um solche groß.
Die Sich-Verlierenden läßt alles los,
und sie sind preisgegeben von den Vätern
und ausgeschlossen aus der Mütter Schoß.
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XX
Donnerstag, 20. März 2008 · Kommentar schreiben

Nur was aufsteigt, kann sich senken,
nur was niederfällt, kann steigen.
Nur weil Gott als Mensch gelebt hat
und gelitten, konnte Er erstehen.
Nur das Sanfte widersteht dem Harten,
nur das Licht durchdringt das Dunkel.
Nur die Lehre, die erleuchtet,
kann die Bitterkeit besiegen.
© Claudia Sperlich
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XIX
Mittwoch, 19. März 2008 · Kommentar schreiben

Friedrich Hölderlin
Der Frühling VII
Die Sonne kehrt zu neuen Freuden wieder,
Der Tag erscheint mit Strahlen, wie die Blüte,
Die Zierde der Natur erscheint sich dem Gemüte,
Als wie entstanden sind Gesang und Lieder.
Die neue Welt ist aus der Tale Grunde,
Und heiter ist des Frühlings Morgenstunde,
Aus Höhen glänzt der Tag, des Abends Leben
Ist der Betrachtung auch des innern Sinns gegeben.
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