Mein Leben als Rezitatorin

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Avaritia und Klimawandel

Donnerstag, 15. Oktober 2009 · 6 Kommentare

Zwar glaube ich nicht, daß ein bereits in Gang gesetzter Klimawandel rückgängig gemacht werden kann. Aber möglich ist wohl, ihn nicht weiter zu beschleunigen und zu verschlimmern.

Die größten Klimaschädlinge sind deshalb so erfolgreich, weil ohne jedes Maß und Ziel konsumiert wird – mein Auto, mein Motorboot, meine Flugreise, mein sinnfreies Superwunderdingsda. Denn, machen wir uns nichts vor, es gibt keine umweltfreundliche, sondern nur mehr oder weniger umweltschädliche Produktion von Gütern. (Nicht einmal die Produktion von Brot und Büchern ist umwelt- und klimafreundlich, weil beide den Einsatz von Maschinen erfordern und nach der Ernte transportiert werden müssen – spätestens dann kommen klimaschädliche Stoffe ins Spiel.)
Als einen Hauptgrund für die Zerstörung der Umwelt und des Klimas (die beiden kann man ja nicht trennen) sehe ich die sieben wesentlichen Charakterfehler.

Superbia, der Hochmut, eine gefährliche Sonderform der Dummheit, sieht sich selbst als so viel bedeutender denn alle anderen, daß sie sich ein Recht auf alles mögliche zuspricht – und das führt in vielen Fällen geradewegs zu
Luxuria, der Genußsucht. Sie nimmt für den eigenen Genuß viel in Kauf; mal eben konsumieren, was ohne jede Schonung des Klimas produziert wurde, mal eben eine völlig überflüssige Spritztour machen, statt die Öffentlichen zu nutzen, ihr ist alles recht. Nicht weit davon entfernt sind
Avaritia, die Gier, die von allem etwas haben will, und
Gula, die Maßlosigkeit, die von allem, was sie bekommt, immer mehr haben will, sowie
Invidia, der Neid, die nicht erträgt, selbst zu entbehren, was ein anderer hat.
Acedia, die geistige Trägheit, weigert sich, einen Gedanken an schonsames Verhalten zu verschwenden – denn einfacher ist es, so weiterzumachen wie bisher.
Ira, die Wut, folgt Acedia und Invidia auf dem Fuße – sie verschleudert Ressourcen und bedroht das Klima mit Waffenproduktion und Krieg. Sie wird außerdem ins Spiel kommen, wenn waffenfähige Menschen um die letzten Ressourcen streiten, bis es – wieder einmal – so aussieht:

Friedrich von Logau
Krieg und Hunger

Krieg und Hunger, Kriegs Genoß,
Sind zwey ungezogne Brüder,
Die durch ihres Fusses Stoß
Treten, was nur stehet, nieder.
Jener führet diesen an;
Wann mit morden, rauben, brennen,
Iener hat genug gethan,
Lernt man diesen recht erst kennen;
Dann er ist so rasend kühn,
So ergrimmet und vermessen,
Daß er, wann sonst alles hin,
Auch den Bruder pflegt zu fressen.

So altmodisch das klingt, wird uns nichts anderes übrigbleiben, als die Hauptlaster zu bekämpfen, wenn wir die vollständige Klimakatastrophe mit Versinken und Verbrennen weiter Teile der Erde abwenden wollen.
Brot und Bücher brauchen wir wirklich, und noch eine Menge anderer Dinge, um sozial und kultiviert zu leben. Das heißt, wir können bereits durch unser bloßes Dasein und mehr noch durch ein gewisses kulturelles Niveau gar nicht umhin, Umwelt und Klima zu bedrohen.
Aber bei sehr vielen Dingen lohnt es schon, sich wenigstens einmal im Monat zu fragen: Muß das sein? Und sehr oft lohnt die Frage: Ist von diesem oder jenem Produkt die billigere Variante die schonendere? Kann ich mir wirklich nicht leisten, einige Euro mehr auszugeben für eine Version, deren Produktion weniger Schaden angerichtet hat?

Heimische Produkte statt gleichartiger Produkte von fernher, umweltschonende Fortbewegung (Füße, Fahrrad, Öffentliche), Achtsamkeit beim Energieverbrauch sind Grundsätze, mit denen wir vielleicht noch verhindern können, daß der Klimawandel für einen großen Teil der Menschheit das Ende bedeutet.

Mit diesem Artikel beteilige ich mich Blog Action Day.

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Eis und Pasta

Donnerstag, 13. November 2008 · 3 Kommentare

Da Monica heißt die hübsche kleine (aber rollstuhlgerechte) Gelateria am Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau. Solange es warm ist, kann man an dieser sehr ruhigen Ecke herrlich draußen sitzen, aber auch innen ist es geräumiger, als es zunächst wirkt, sehr hübsch und gemütlich. Und da man in der kalten Jahreszeit nicht unbedingt Lust auf ein leckeres hausgemachtes gemischtes Eis mit Sahne hat, gibt es auch anderes zu genießen, von mancherlei Frühstück über den klassischen italienischen Vorspeisenteller bis hin zu Pasta in verschiedenen Variationen. Dies alles wird liebevoll zubereitet und mit einem stets freundlichen Lächeln serviert. Und natürlich fließt der Kaffee in Strömen.
Hier habe ich schon manche Seite meiner Konzepthefte vollgeschrieben, ein wesentlicher Teil der nächsten Leseveranstaltung ist hier entstanden. Aber auch Faulheit gelingt hier gut.

Eiscafé da Monica 1
Eiscafé da Monica 2
Eiscafé da Monica 3
Eiscafé da Monica 4
Eiscafé da Monica 5
Eiscafé da Monica 6

Ich könnte mir durchaus vorstellen, hier gelegetlich eine Märchenlesung für Kinder zu halten.

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Rotgoldener Sonntag

Sonntag, 28. September 2008 · 6 Kommentare

Es ist mild genug, auf dem Balkon den Frühstückskaffee zu trinken! Stark, schwarz und mit einer Prise Kardamom.
Kaffee zum Frühstück 1

Der Wilde Wein leuchtet in mannigfachen Rottönen.
Weinlaub 1
Weinlaub 2
Weinlaub 3
Weinlaub 4

Der Koriander wagt noch eine dritte Blüte in diesem Jahr.
Korianderblüte im Herbst

Dies seltsame Blümchen ist eine Primel, aber vielleicht sollte ich sie in Ultimel umbenennen! Sie begann Anfang September mit der zweiten Blüte und tut seitdem, als sei frühes Frühjahr.
Primel im Herbst

Durchaus in der Zeit sind meine schönen kleinwüchsigen Sonnenblumen.
Sonnenblumen

Das fünffingrige Blatt ist eine Christrose; sie wurde mir im Sommer geschenkt, hat dann die Blätter abgestoßen, wächst und grünt nun aber tapfer. Mit etwas Glück wird sie zu Weihnachten blühen.
Christrose

Georg Heym
Der Herbst

Viele Drachen stehen in dem Winde,
Tanzend in der weiten Lüfte Reich.
Kinder stehn im Feld in dünnen Kleidern,
Sommersprossig und mit Stirnen bleich.

In dem Meer der goldnen Stoppeln segeln
Kleine Schiffe, weiß und leicht erbaut;
Und in Träumen seiner leichten Weite
Sinkt der Himmel wolkenüberblaut.

Weit gerückt in unbewegter Ruhe
Steht der Wald wie eine rote Stadt.
Und des Herbstes goldne Flaggen hängen
Von den höchsten Türmen schwer und matt.

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Sommerabend

Freitag, 1. August 2008 · 5 Kommentare

Wenn es tagsüber unerträglich heiß ist, kann der Abend auf dem Balkon noch sehr angenehm werden!
Photobucket

Otto Julius Bierbaum
Traumsommernacht
(Ein Lied für Hans Thoma.)

Sommernacht, Traumsommernacht …
Die Brunnen rauschen leise,
Die Trauerweide wiegt sich sacht;
Nun steigt der Mond in voller Pracht
Empor zur Wolkenreise.

Traum und Frieden …
Was hienieden
Unruhvoll das Herz verstört,
Senkt sich in des Traumes Tiefen.
Und der Ruhe Geigentöne,
Die in Tages Lärme schwiegen,

In der heißen Helle schliefen,
Seelentiefe, seelenschöne,
Kommen nun heraufgestiegen,
Werden nun gehört.

Sommernacht, Traumsommernacht …
Ein Rauschen lieb und leise,
Die Seele wiegt sich süß und sacht
Nach ihrer Geigenweise:

Traum und Frieden …
Hingeschieden
Alles was uns traurig macht.
Sterne glimmen,
Wolken schwimmen,
Und das Märchen ist erwacht.

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Spatzen

Freitag, 11. Juli 2008 · 6 Kommentare

Haussperlinge
Sie sind nicht so fein wie ihre zierliche und zurückhaltende Verwandtschaft, die in vornehmer Eleganz Männer und Frauen gleich kleidet; sie sind dreist und proletenhaft, zänkisch und futterneidisch, und ihr Tschilpen läßt sich mit drei Wörtern gut übertragen: Weg!, Meins! und Mehr!
Aber sie sind süß. Und entgegen aller ökologischen Vernunft bekommen sie auch von mir Krümel.
Haussperlinge auf Stuhllehne
Haussperlinge - Männchen und Weibchen
Haussperling auf Stuhllehne

Daß die Spatzen früher nicht so dreist waren wie heute – sich also wohl irgendwie an das Leben in dieser Welt gewöhnt haben – beweist ein Gedicht:

Christian Morgenstern
Der Sperling und das Känguruh

In seinem Zaun das Känguruh -
es hockt und guckt dem Sperling zu.

Der Sperling sitzt auf dem Gebäude -
doch ohne sonderliche Freude.

Vielmehr, er fühlt, den Kopf geduckt,
wie ihn das Känguruh beguckt.

Der Sperling sträubt den Federflaus -
die Sache ist auch gar zu kraus.

Ihm ist, als ob er kaum noch säße . . .
Wenn nun das Känguruh ihn fräße?!

Doch dieses dreht nach einer Stunde
den Kopf aus irgend einem Grunde,

vielleicht auch ohne tiefern Sinn,
nach einer andern Richtung hin.

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Mehr Licht

Sonntag, 29. Juni 2008 · 5 Kommentare

Der üppige alte Efeu ist zwar sehr romantisch – macht aber in allzu großer Menge den Garten zu düster. Und zwei Rhododendren haben kümmerliche und tote Äste. Also galt es heute sägen, sägen, sägen!
Gelichteter Efeu

Aber nun wirkt der Garten viel freundlicher.
Ein ruhebedürftiger Kohlweißling läßt sich auf dem Baldrian nieder.
Kohlweißling auf Baldrianblüte

Die Funkie blüht.
Vogeltränke mit Funkie

Rosen in allen Stadien von der Knospe zur welkenden Blüte.
Welkende weiße Rosen
Gelbe Rosen
Rote Zwergrose

Die Staudensonnenblume guckt nach Süden, also zur Gartenmauer. Sie kann nicht anders! Man muß in das Beet treten, um sie in voller Pracht zu sehen.
Staudensonnenblume

Diese Vexiernelken sind von einem geradezu gewalttätigen Rosa.
Rosa Nelken

Dezenter ist die Glockenblume.
Glockenblume

Darauf eine Ruhepause. Neben Rosen sitzen, Füße ausstrecken, Kaffee trinken und über ein Buch in den Garten schauen.
Rosa Rosen
Ruhende Füße
Blick von der Gartenbank

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Schöner Sonntag

Sonntag, 18. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Die Amsel flötet seit Stunden von Nachbars Schornstein, ich habe einen neuen Veranstaltungsort gefunden (nettes Café, mit dem Fahrrad 10 sec. von hier), es ist – bis auf den unentwegten Lärm des Schwarzgefiederten – vollkommen ruhig, und der Balkonbewuchs gedeiht, zu meiner Freude auch der kürzlich gekaufte Elfenspiegel.
Zwar alles ist eitel, aber schön ist es doch.
Elfenspiegel und Fliege

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Ein Abschiedsspaziergang

Montag, 10. März 2008 · Kommentar schreiben

Der Umzug rückt nah. Heute wollte ich einen Zweitschlüssel für die neue Wohnung machen lassen, aber der Rohling (Metall, nicht Mensch) war nicht vorrätig. Das hat zur Folge, daß die Fenster erst nach meinem Einzug gestrichen werden – ich werde es verkraften.
Die Gelegenheit war günstig zu einem Spaziergang zum Kollwitzkiez.
Die beiden nehmen den Baulärm mit stoischer Ruhe hin.
Stuckdamen und Kran
Diese Gestrenge ist eine von zwei Torhüterinnen.
Kariatyde
Ihr Kollege sieht trotz der Hörner ganz lecker aus!
Faun
Sehr appetitlich wirkt auch diese mollige Dame mit Rosengirlanden.
Stuckdame mit Rosen
Der kleine Wonneproppen könnte ihr Kind sein.
Putto
Diese Kariatyde hat einen Anflug von Korsettfigur! Die daraus resultierenden Schmerzen bekommt sie nur mit Opiaten in den Griff, wie die Mohnkapseln unter der Ärmsten andeuten.
Kariatyde mit Korsettfigur
Leider gibt es diesen Fuhrbetrieb nicht mehr, aber das Schild wird geliebt, geachtet und geehrt.
Fuhrbetrieb Nante

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Sonntagsspaziergang

Sonntag, 10. Februar 2008 · 2 Kommentare

Bei frühlingshaftem Wetter gönne ich mir einen Spaziergang durch das alte Weißensee.
Das Gewerbegebiet ist heruntergekommen, aber nicht ohne Charme.
Fabrikhalle
Tür
Manche Eingänge tragen noch alte Firmenaufschriften.
InschriftInschrift
Der Friedensengel ist etwas heruntergekommen, aber Fülle und Weisheit sind frisch renoviert, und die Faune haben sich sonntäglich fein gemacht.
FriedensengelFüllhornfigurEuleFaune
Unter dem Himmel gibt es ordentlichen Stuck…
Stuckleiste
… und anarchisches Moos, das die Diebsschreck-Bemühungen sabotiert.
Moos und Glas
Die meisten Schutzvorrichtungen sind ohnehin nur Schatten.
Schutzschatten
Am Ende siegt das scheinbar Schwache…
Unkraut
… sagt man hier, und ich halte es für wahr.
Kirchentür

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Volle Kraft voraus!

Samstag, 5. Januar 2008 · Kommentar schreiben

Mit dem Treibstoff Kaffee komme ich endlich wieder in die Puschen – und habe vieles für fertig Gehaltene noch einmal überarbeitet. Ich bin etwas ungehalten über mich, weil ich gegen Ende des alten Jahres schlicht faul war und in der nächsten Zeit die Rechnung dafür zu zahlen habe in Form von härterer Arbeit, als bei regelmäßigem Fleiß notwendig gewesen wäre. Aber vielleicht kann ich anders nicht Lyrik übersetzen.
Wie auch immer: Es geht voran.

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