Mein Leben als Rezitatorin

Mit den Tags ‘Friedrich Hölderlin’ versehene Einträge

Rosen und Wein

Donnerstag, 1. Oktober 2009 · 9 Kommentare

Nachbars Rosen und der Wein an der Wand machen den Herbst zu einer vollendet schönen Zeit.
Weinlaub 1
Weinlaub 2
Lachsfarbene Rose
Weinlaub 3
Rosa Rosen 1
Weinlaub 4
Rosa Rosen 2
Weinlaub 5
Weinlaub 6

Friedrich Hölderlin
Der Herbst

Die Sagen, die der Erde sich entfernen,
Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret,
Sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen
Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.

Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen
Von der Natur, als wie die Tag’ verblassen
Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder,
Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.

In kurzer Zeit hat vieles sich geendet,
Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget,
Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget,
In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.

Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret
Ist wie die Wolke nicht, die abends sich verlieret,
Es zeiget sich mit einem goldnen Tage,
Und die Vollkommenheit ist ohne Klage.

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Eichenschicksal

Samstag, 22. August 2009 · 1 Kommentar

Ein nicht einmal schwerer Sturm hat in der vergangenen Nacht einen ungeheuren Ast von der jüngeren der beiden Eichen gerissen. Zum Glück blieben Haus und Menschen unbeschädigt – aber der Vorgarten ist zu zwei Dritteln voll Eichenast, und die Eiche steht vollkommen schief und scheint auch irgendwo einen Knick im Stamm zu haben. Das heißt, der arme Baum, den ich seit vierzig Jahren kenne und der früher einmal meine Schaukel trug, wird vermutlich gefällt – und damit wird ein Stück Lebensraum für hunderte kleiner Wesen weggenommen.
Eichenunglück 2
Eichenunglück 3
Eichenunglück 4
Eichenunglück 5
Eichenunglück 6
Eichenunglück 7

Ein Trost: die andere Eiche, die seit Jahren etwas kränkelt, steht trotzdem weiter aufrecht und vollständig.
Eichengarten

Der Efeu wucherte auf dieser Mauer so, daß die Rose weder Licht noch Luft bekam. Nun sieht die Mauer erst einmal etwas kahl aus – aber die Rose kann wachsen (und der Efeu wird wiederkommen, eher als es mir lieb ist).
Vom Efeu befreite Mauer

Der Garten beginnt, herbstlich auszusehen. Ein erstes Frühherbststräußchen schmückt das Buffet.
Habichtskraut und Hagebutten

Friedrich Hölderlin
Die Eichbäume

Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt’ und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Untereinander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen!

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Verschneite Gärten

Dienstag, 17. Februar 2009 · 7 Kommentare

Der morgendliche Blick über die nachbarlichen Gärten ist wieder einmal hinreißend, als wolle der Februar mich über die Tatsache trösten, daß er ziemlich kalt ist.
Blick über Nachbarsgärten 2

Mein tapferer Rosmarin trotzt der Kälte.
Rosmarin im Schnee

Friedrich Hölderlin

Wenn bleicher Schnee verschönert die Gefilde,
Und hoher Glanz auf weiter Ebne blinkt,
So reizt der Sommer fern, und milde
Naht sich der Frühling oft, indes die Stunde sinkt.

Die prächtige Erscheinung ist, die Luft ist feiner,
Der Wald ist hell, es geht der Menschen keiner
Auf Straßen, die zu sehr entlegen sind, die Stille machet
Erhabenheit, wie dennoch alles lachet.

Der Frühling scheint nicht mit der Blüten Schimmer
Dem Menschen so gefallend, aber Sterne
Sind an dem Himmel hell, man siehet gerne
Den Himmel fern, der ändert fast sich nimmer.

Die Ströme sind, wie Ebnen, die Gebilde
Sind, auch zerstreut, erscheinender, die Milde
Des Lebens dauert fort, der Städte Breite
Erscheint besonders gut auf ungemeßner Weite.

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Hofgärtlein im August

Dienstag, 5. August 2008 · Kommentar schreiben

Die Nachbarin, die das Hofgärtlein sonst so fleißig bewässert, ist verreist, und so kümmere ich mich (und werde sie fragen, ob ich das öfter darf).
Die rosa Hortensien sind kurz vorm Welken grün geworden, die blauen changieren nach Graugrün.
Welkende Hortensien 1
Welkende Hortensien 2

Ein schöner Kater treibt sich manchmal hier herum.
Nachbars Kater 2

Der Hibiscus blüht auf.
Hibiscus

Ein kleiner Spaziergang läßt mich an der Straße die schwarz werdenden Beeren der Sarococca hookeriana entdecken.
Sarcococca 1
Sarcococca 2

Friedrich Hölderlin
Der Sommer

Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert
Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel
In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert,
Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.

Die Pfade gehn entfernter hin, der Menschen Leben,
Es zeiget sich auf Meeren unverborgen,
Der Sonne Tag ist zu der Menschen Streben
Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.

Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite,
Der Mensch verwundert sich, dass sein Bemühn gelinget,
Was er mit Tugend schafft, und was er hoch vollbringet,
Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.

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XIX

Mittwoch, 19. März 2008 · Kommentar schreiben

Friedrich Hölderlin
Der Frühling VII

Die Sonne kehrt zu neuen Freuden wieder,
Der Tag erscheint mit Strahlen, wie die Blüte,
Die Zierde der Natur erscheint sich dem Gemüte,
Als wie entstanden sind Gesang und Lieder.

Die neue Welt ist aus der Tale Grunde,
Und heiter ist des Frühlings Morgenstunde,
Aus Höhen glänzt der Tag, des Abends Leben
Ist der Betrachtung auch des innern Sinns gegeben.

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XII

Mittwoch, 12. März 2008 · 2 Kommentare

Friedrich Hölderlin
Der Frühling VI

Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben,
Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben
Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder
Und festlich machen sich Gesang und Lieder.

Das Leben findet sich aus Harmonie der Zeiten,
Daß immerdar den Sinn Natur und Geist geleiten,
Und die Vollkommenheit ist Eines in dem Geiste,
So findet vieles sich, und aus Natur das Meiste.

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VII

Freitag, 7. März 2008 · Kommentar schreiben

Friedrich Hölderlin
Der Frühling V

Es kommt der neue Tag aus fernen Höhn herunter,
Der Morgen der erwacht ist aus den Dämmerungen,
Er lacht die Menschheit an, geschmückt und munter,
von Freuden ist die Menschheit sanft durchdrungen.

Ein neues Leben will der Zukunft sich enthüllen,
Mit Blüten scheint, dem Zeichen froher Tage,
Das große Tal, die Erde sich zu füllen,
Entfernt dagegen ist zur Frühlingszeit die Klage.

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III

Montag, 3. März 2008 · Kommentar schreiben

Friedrich Hölderlin
Der Frühling I

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,

O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh’ und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.

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Nichts Neues unter der Sonne

Montag, 15. Oktober 2007 · 7 Kommentare

Zum Blog Action Day habe ich einige Hinweise, daß die Menschheit schon seit längerem an der Vernichtung der Erde arbeitet.

So heißt es in der Antigone des Sophokles (hier in der Übersetzung von Friedrich Hölderlin):
Ungeheuer ist viel. Doch nichts
ungeheurer als der Mensch.
Denn der, über die Nacht
des Meeres, wenn gegen den Winter weht
der Südwind, fährt er aus
in geflügelten, wogenumrauschten Häusern.
Und der Himmlischen erhabene Erde,
die unverderbliche, unermüdete
reibt er auf; mit dem strebenden Pfluge,
von Jahr zu Jahr,
bricht er sie um mit dem Rossegeschlecht.
Leichtträumender Vögel Welt
bestrickt er, und jagt sie,
und wilder Tiere Zug,
und des Meeres salzbelebte Natur
mit gesponnenen Netzen,
der kundige Mann.
Und fängt mit Künsten das Wild,
das auf Bergen übernachtet und schweift.
Und dem rauhmähnigen Rosse wirft er um
den Nacken das Joch, und dem Berge
bewandelnden unbezähmten Stier.

Und die Rede und den luftigen
Gedanken und städtebeherrschenden Stolz
hat er erlernt, und er weiß, wie er
unwirtliche Kälte meidet
und die Pfeile des Regens. Allbewandert,
unbewandert. Zu nichts kommt er.
Der Toten künftigen Ort
zu fliehen weiß er nicht.
Von Weisem etwas, und das Geschickte der Kunst
mehr, als er hoffen kann, besitzend,
kommt er einmal auf Schlimmes, dann wieder zu Gutem.
Die Gesetze kränkt er, der Erde und Naturgewalten
beschworenes Gewissen:
Nicht sei am Herde mit mir,
noch gleichgesinnt,
wer solches tut.

Ein jüngerer Zeitgenosse des Sophokles schreibt im Κριτίας 111 a – e):
Das ganze Land erstreckt sich ja vom übrigen Festlande weg wie ein Vorgebirge weit ins Meer hinaus, und das Meeresbecken ringsum fällt nahe der Küste in große Tiefe ab. In den 9000 Jahren – so viele sind es nämlich seit jener Zeit gewesen – ereigneten sich zahlreiche gewaltige Überschwemmungen, und in dieser langen Zeit und unter diesen Ereignissen hat die Erde, die von den Höhen herabgeschwemmt wurde, nicht etwa einen mächtigen Damm gebildet, wie das an anderen Orten geschieht, sondern sie wurde jeweils ringsum getrieben und verschwand in der Tiefe. Wie man das bei den kleinen Inseln sehen kann, ist also, wenn man den heutigen Zustand mit dem damaligen vergleicht, gleichsam noch das Knochengerüst eines Leibes übrig, der von einer Krankheit verzehrt wurde: ringsum ist aller fette und weiche Boden weggeschwemmt worden, und nur das magere Gerippe des Landes ist übriggeblieben. Aber damals war dieses Land noch unversehrt, mit hohen, von Erde bedeckten Bergen, und die Ebenen, die man heute als rauh und steinig bezeichnet, hatten fetten Boden in reichem Maße, und auf den Höhen gab es weite Wälder, von denen heute noch deutliche Spuren sichtbar sind. Einige von diesen Bergen bieten jetzt einzig den Bienen noch Nahrung; es ist aber gar nicht so lange her, da waren von den großen Häusern, für deren Bedachung man dort die Bäume gefällt hatte, die Dächer noch wohlerhalten. Und auch sonst trug das Land hohe Fruchtbäume in großer Zahl, und den Herden bot es unbeschreiblich reiche Weideplätze. Und vor allem bekam es von Zeus jedes Jahr sein Wasser, und dieses ging nicht wie heute verloren, wo es aus dem kärglichen Boden ins Meer fließt, sondern weil das Land reichlich Erde hatte und das Wasser damit auftrank und es in dem lehmhaltigen Boden bewahrte, ließ es das Nass von den Höhen herab in die Talgründe fließen und bot allerorten in Brunnen und Bächen reichlich Bewässerung.

In Historia Naturæ beschreibt Plinius maior vielerorts die Zerstörung der Natur.
Man durchgräbt die Erde auf der Jagd nach Reichtum (…) Wir durchforsten alle Adern der Erde und leben auf ihr dort, wo sie ausgehöhlt ist, und wundern uns noch, dass sie zuweilen auseinander bricht und zittert, als ob dies nicht in Wahrheit aus dem Unwillen der Mutter Erde gedeutet werden könnte. Wir dringen in ihre Eingeweide und suchen am Sitz der Schatten nach Schätzen, so als ob sie dort, wo man auf ihr gehen kann, nicht genügend gütig und fruchtbar wäre.
(nat. hist. 33,1. 33,33. 33,73)

Vielleicht ändern wir ja mal die Richtung.

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Programm für Trauerklöße?

Mittwoch, 5. September 2007 · Kommentar schreiben

Ich überlege in letzter Zeit ernsthaft die Erstellung eines Lyrikprogramms mit Trakl, Hölderlin und weiteren grauschwarzen Literaturen – so für die düsteren Tage im November. Ob so was ankommt?

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