Mein Leben als Rezitatorin

Mit den Tags ‘Hoffnung’ versehene Einträge

Ein Heiliger, wenn gar nichts mehr hilft

Mittwoch, 28. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Judas Thaddäus

Heute ist der Gedenktag eines Jüngers Jesu.

Joh. 14,22 Judas – nicht der Judas Iskariot – fragte ihn: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

Die Bibel überliefert neben der Tatsache, daß er einer der Apostel war, nur seine mit liebender Ungeduld gestellte Frage, warum Jesus nicht endlich allen klarmacht, worum es geht, und Jesu Antwort, daß Er genau das tut bei jedem, der liebt. Verschiedene Legenden haben in naiver Farbenpracht das Leben des Heiligen geschildert, ihn zum Märtyrer erhoben, der mit einer Keule erschlagen worden sein soll (und die zuweilen schwarzhumorige Ikonographie stellt ihn gerne mehr oder weniger lässig auf diese Keule gestützt dar).

Heiligen werden ja immer bestimmte Aufgabenbereiche zugewiesen, für die man sie in besonderer Weise befähigt hält. Der Zuständigkeitsbereich des Judas Thaddäus sind die hoffnungslosen Fälle – die Momente, in denen man am liebsten mit der Keule dreinschlagen möchte, obwohl man genau weiß, daß das auch nicht hilft.
Vielleicht hilft es in solchen Fällen tatsächlich, an den überlieferten Dialog zwischen Judas Thaddäus und Jesus zu denken – daran, daß es trotz allem sinnvoll ist, sich nach den von Jesus propagierten Lebensregeln zu richten. Zumindest kann der Versuch nicht schaden.

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Der Alarichplatz blüht

Freitag, 1. Mai 2009 · 12 Kommentare

Dieser liebliche Platz liegt ganz nah an einem weniger lieblichen Amt, und also kann man sich auf dem einen vom andern erholen. Da so gute Ideen kaum einer hat, konnte ich das alleine tun – zwar bereits gestern, aber die Bilder passen auch heute noch.
Mandelbaum (hier die gefüllt blühende Zierform)
Mandelblüte 2

Die Mahonien sind verblüht und haben nun wie lackiert glänzende junge Blätter.
Junges Mahonienlaub

Spiere
Spiere 1

Schwarzdorn
Schwarzdorn 1

Von diesem zartrosa blühenden Busch kenne ich den Namen nicht.
Rosablühender Busch

Von diesem mit gelben Blütentrauben und mit wundervoll roten Blättern – nur wo sie einander überlappen und wenig Sonne herankommt, sind sie dunkelgrün – weiß ich ebenfalls nicht, wie er heißt und wo er herkommt.
Gelbblühender Busch

Kastanien umstehen den Platz, weiße und rote.
Kastanienblüte 1Kastanienblüte 2Kastanienblüte 3Kastanienblüte 4

Und die Rosen blühen!
Gelbe Rosen 1
Gelbe Rosen 2

Es blühen auch die bescheideneren Blumen: Schöllkraut und Storchschnabel
SchöllkrautStorchschnabel

… und der so plebejische wie prächtige, gar nicht bescheidene Löwenzahn.
Löwenzahn 5Löwenzahn 4Löwenzahn 1Löwenzahn 3

Auch wenn ich auf eigenes Risiko nicht mehr arbeiten werde, hoffe ich durchaus auf gelegentliche Aufträge. Es wird bei meiner Arbeit als Rezitatorin wohl nie mehr als ein Taschengeld herausspringen, aber das ist ja auch was. Auch sonst gibt es wieder einiges an Hoffnung – und viel zu tun, Überfälliges und zugleich sehr Schönes.

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hurolob ni habe dû

Donnerstag, 12. März 2009 · Kommentar schreiben

Ein neuer Titel ist in der Kopfzeile dazugekommen.
Mit Anzeigen im Stellenmarkt wird nach Leuten gesucht, die 25 Jahre alt sind, ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium aufweisen können sowie mehrere Auslandspraktika, Mandarin in Wort und Schrift beherrschen und bereit sind, ihren Wohnsitz jährlich zu wechseln.
Das alles trifft auf mich nicht zu. Aber ich habe einige Fähigkeiten und Kenntnisse, und weisere Leute als ich behaupten, ich sei nicht völlig dumm.
Mit meiner freiberuflichen Arbeit als Rezitatorin und Übersetzerin kann ich nicht annähernd genug verdienen, um ohne amtliche Hilfe auszukommen – so gerne ich das täte. Ich kann mir mehr freiberufliche oder selbständige Arbeit ebenso gut vorstellen wie eine Anstellung – aber Ausschreibungen sind niemals so formuliert, daß sie mir irgendeine Chance zur Vorstellung lassen. Deshalb versuche ich es nun auf dem ungewöhnlichen Wege der Initiativbewerbung im Netz.
Mir ist klar, daß für mich die Wahrscheinlichkeit, eine Anstellung zu bekommen, ähnlich hoch ist wie die, vom Blitz getroffen zu werden. Aber sage niemand, ich habe mich nicht bemüht – um Arbeit, nicht um Blitzschlag.

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Darstellung des Herrn

Montag, 2. Februar 2009 · 5 Kommentare

Vierzig Tage nach Weihnachten wird dieses Fest gefeiert – mancherorts noch heute mit viel Brauchtum verbrämt. Die heutige Lesung enthält für mich einen der schönsten Sätze überhaupt; ich hoffe, ihn einst sagen zu können.

Epiphanias

Peter Cornelius
Simeon

Das Knäblein nach acht Tagen
Ward gen Jerusalem
Zum Gotteshaus getragen
Vom Stall in Bethlehem.

Da kommt ein Greis geschritten,
Der fromme Simeon,
Er nimmt in Tempels Mitten
Vom Mutterarm den Sohn;

Vom Angesicht des Alten
Ein Strahl der Freude bricht,
Er preiset Gottes Walten
Weissagungsvoll und spricht:

„Nun lässest du in Frieden,
Herr, deinen Diener gehen,
Da du mir noch beschieden,
Den Heiland anzusehn,

Den du der Welt gesendet,
Daß er dem Heidentum
Des Lichtes Helle spendet
Zu deines Volkes Ruhm!“

Mit froh erstaunten Sinnen
Vernimmt’s der Eltern Paar,
Dann tragen sie von hinnen
Das Knäblein wunderbar.

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Auf nach London!

Sonntag, 28. Dezember 2008 · 6 Kommentare

Eine Woche lang werde ich gemeinsam mit meiner Mutter London besichtigen, mir die Augen voll William Turner und griechischer und römischer Kunst gucken, durch die Stadt streifen und meine Kamera mit Bildern füttern. Wer weiß, vielleicht werde ich sogar berichten. Zu Sylvester und Neujahr sind Beiträge vorbereitet.
Aber vor London hat die moderne Technik das Flugzeug gesetzt, das ich zwar ohne Panikatacken, aber trotzdem nur sehr ungern besteige.

Joachim Ringelnatz
Flugzeuggedanken
Einem ängstlich Einsteigenden

Flieg zu, Insasse!
Und lasse
Lasse dich
Nur äußerlich
Von andern lenken.

Du mußt denken:
Deine Linie geht
Nach deinem Willen
Und im stillen
Wie ein arglos Gebet.

Selbstverständlich interessiere dich
Sehr für Wetter, Höhenmesser,
Richtung, Zeit etcetera. Jedoch:
Weite Gedanken tragen dich
Noch höher und noch besser
Als es deine Maschine tut.

Fliege gut!

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Zum ersten Advent

Sonntag, 30. November 2008 · 8 Kommentare

Adventskalender 1

Allen Lesern wünsche ich eine frohe und zuversichtliche Adventszeit.
Heute früh werde ich als Taufpatin eines Dreizehnjährigen in der Kirche sein und freue mich sehr darauf. Und heute Nachmittag werde ich Weihnachtsgeschichten lesen. Ein guter Auftakt für diese Zeit!

Adventskalender 2

Mein wachsender Adventskranz wird an jedem Adventsonntag eine weitere Kerze bekommen. Diese erste ist die Osterkerze des vergangenen Kirchenjahres.
Adventskranz

Friedrich Schiller
Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Thoren.
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren;
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

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Der Advent naht

Samstag, 8. November 2008 · 7 Kommentare

Ich kann gerade vor Lampenfieber nicht schlafen und stelle schon heute die Anleitung für den von mir entworfenen ultimativen Adventskalender ins Netz.

Du brauchst mehrere Bogen schönes Papier (z.B. Elefantenhaut), einen gleich großen oder etwas größeren Bogen farbigen Zeichenkarton, ein Stück Geschenkband o.ä., Klebstoff.
Teile den Bogen für das Deckblatt folgendermaßen ein: Innerhalb eines Randes zeichne ein Rechteck und unterteile dies in vier mal sieben Rechtecke, zwischen denen du schmale Streifen frei läßt. (Für ein DIN-A-4-Blatt eignet sich eine Größe von 3,5 x 4 cm pro Rechteck mit Zwischenräumen von 0,5 cm vertikal und 1 cm horizontal.)
Adventskalender 1

Nun schneide mit einem Cutter die linken, oberen und unteren Linien der Rechtecke ein (von der Vorzeichnung aus gesehen; wenn du das ganze umdrehst, wird links zu rechts). Dabei die Zwischenstreifen unbedingt ganz lassen! Ritze die rechte Seite jedes Türchens vorsichtig (sie lassen sich dann besser knicken), dann knicke den Ausschnitt nach hinten.
Adventskalender 2

Schneide schmale Papierstreifen zurecht und klebe sie von hinten auf die einzelnen Türchen, so daß sie als Riegel überstehen.
Adventskalender 3
Adventskalender 4

Querstreifen und Ränder des Deckblattes versieh auf der Rückseite mit Leim und klebe es auf den Zeichenkarton.
Adventskalender 5

Auf die Türchen schreibe die Zahlen 1-24 oder die genauen Daten, beginnend mit Montag, 1. Dezember (oder, wenn du magst, mit Sonntag, 30. November – 1. Advent). Außerdem kannst du auf jedes Rechteck ein Bild malen oder kleben.
Du kannst den Kalender auch im Computer gestalten, am besten in der Tabellenkalkulation. Wenn du Symbole als Bilder benutzen willst, kannst du sie im Zeichenprogramm erstellen und dann auf die Türchen kopieren.
Und wenn du mit der Feder schreibst, paß besser auf als ich und wische nicht mit dem Finger über die nasse Tinte (oder behaupte einfach, im Stundenbuch der Maria von Burgund gibt es auch irgendwo einen Patzer).
Adventskalender 7

Teile einen weiteren Bogen längs in Streifen – etwas schmaler als die Türchen. Nun sind vierundzwanzig passende Gedichte, Bibelzitate, Spiele, Rezepte oder was dir sonst einfällt – vielleicht auch kleine Bilder? – aufzuschreiben und zu -malen. Wenn du am Computer arbeitest, geh ins Textprogramm und formatiere sechsspaltig.
Die Textstreifen für die einzelnen Tage kannst du nun, wenn sie zu lang sind, zieharmonikaähnlich zwei- bis dreimal falten. Mit einem Tropfen Leim klebst du jeden Text in das passende Türchen und steckst den Riegel unter dem Zwischenstreifen fest.
Adventskalender 6

Für den Aufhänger schneide ein Stück Geschenkband ab, lege es doppelt zu einer Schlaufe und klebe es an den Zeichenkarton. Andere Möglichkeit: Wenn der Zeichenkarton größer ist und einen überstehenden Rand bildet, mit Hilfe eines Lochers mit Aufhängelöchern versehen; eine Kordel oder ein schönes Band durchziehen.

Ich habe jetzt alle Textstellen für meinen Adventskalender herausgesucht, nur abschreiben und einkleben muß ich sie noch. Dazu ist noch genug Zeit.

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Einkaufen gegen die Sklaverei

Mittwoch, 15. Oktober 2008 · 4 Kommentare

Der tägliche Kaffee, geradezu unverzichtbar für viele, gibt den meisten in Anbau und Produktion Beschäftigten nicht einmal genug Geld, sich ausreichend zu ernähren – geschweige denn sich zu bilden. Mit der Armut geht die Kinderarbeit einher. Zudem erholt sich der Markt erst seit neuestem von einem jahrelangen Preisverfall, der die Kaffeebauern verarmen ließ.
Fairer Handel, bei dem langfristige Kooperationen zwischen Kaffeebauern und Abnehmern garantiert werden sowie ein über dem Weltmarktpreis liegender Preis – der leider trotzdem schwankt – schafft hie und da Abhilfe. Jedoch haben die ausbeuterisch handelnden Großröstereien immer noch bei weitem das Übergewicht auf dem Markt. Dabei unterscheiden sich die Preise für eine selbstgebraute Tasse Kaffee aus ausbeuterischem oder fairem Handel nur um wenige Cent.
Näheres hier und hier und hier.

Ein Rosenstrauß ist ein schönes Geschenk. Sehr unschön sind die Bedingungen, unter denen die meisten in Deutschland verkauften Schnittrosen gezogen wurden. Die Blumenfrauen werden unregelmäßig und schlecht bezahlt und haben überlange, oft pausenlose Arbeitszeiten. Der hemmungslose Pestizideinsatz führt zu Kopf- und Bauchschmerzen und teilweise zu Sterilität.
Hier schafft das Flower Label Program Abhilfe; es ist durchaus möglich, Blumen auf menschenschonende Weise anzubauen!
Mehr dazu hier und hier und hier.

Schokolade versüßt zwar dem Verbraucher das Leben – nicht unbedingt dem Plantagenarbeiter. Auch bei dieser Plackerei ist Kinderarbeit häufig. Man kann inzwischen mühelos gerecht gehandelte Schokolade erstehen – meist in sehr hoher Qualität.
Mehr dazu hier und hier und hier.

Baumwollhemdchen mit Paillettenstickerei werden seit Jahren gerne getragen. Leider kann man einem in Europa gekauften Kleidungsstück nicht ansehen, wo es hergestellt wurde. Denn die Worte made in Germany (oder wo immer) sagen nichts darüber aus, in welchem Land die Pailletten auf das fertige Hemdchen gestickt wurden – und von wem.
Nicht nur Billigware wird zum Teil von indischen oder pakistanischen Kindersklaven bestickt, die vierzehn Stunden in ungelüfteten Baracken schuften und mißhandelt werden, wenn sie schlappmachen oder versuchen, zu fliehen. Manche armen Familien verkaufen Kinder, um deren Geschwister ernähren zu können – die Käufer, deren Kapital eine Baracke und ein Vertrag mit einem Textilproduzenten ist, zahlen zehn Dollar und behaupten, das Kind werde dann genug verdienen, um der Familie zu helfen. Es geschieht selten, daß die Kinder überhaupt irgendwelches Geld sehen.
Ob es paillettenbestickte Kleidung mit Fair-Trade-Siegel gibt, weiß ich nicht. Man kann auf Paillettenstickerei aber ganz gut verzichten.
Mehr dazu hier und hier und hier.

Beim Kauf von Teppichen kann man heute sicher gehen, keine Kinderarbeit zu finanzieren, wenn man auf dies Siegel achtet. Als ich vor Jahren einen Teppich kaufen wollte, tat ein Händler ohne Rugmark-Siegel die Kinderarbeit in Teppichknüpfereien überlegen lächelnd als urbane Legende ab. Ich verließ das Geschäft ohne Teppich. Meinen Rugmark-Teppich hatte ich wenige Stunden später; ich besitze ihn immer noch.
Mehr dazu hier.

Die bekanntesten Bewegungen zum gerechten Handel sind wohl gepa und Transfair.
Ein Portal für ökologisch sinnvollen und gerechten Handel gibt es hier.

Dieser Artikel ist Teil des Blog Action Day 2008.

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Blog Action Day 2008

Freitag, 15. August 2008 · 2 Kommentare

Wie im vergangenen Jahr, gibt das Blog Action Day Team für den 15. Oktober ein Thema, zu dem jeder, der mag, einen Beitrag einstellen kann. 2007 ging es um die Umwelt, ihre Bedrohung und ihren Schutz. In diesem Jahr ist die Armut das Thema – und auch wenn keine Patentrezepte zu ihrer Beseitigung zu erwarten sind, mag es gut sein, wenn viele Menschen ihre Gedanken dazu vorstellen.
Wie wird mit Armut und mit Armen umgegangen? Kann man Armut überhaupt sinnvoll bekämpfen? Mit wie wenig Geld kann man auskommen? Gibt es eine einheitliche Definition von Armut?
Im letzten Jahr war das Ergebnis durchaus interessant, auch wenn ich viele Beiträge banal und lächerlich fand (vor allem Ratschläge, die Umwelt zu schonen, die sich darin erschöpften, man solle ein kleineres Auto fahren). Auch in diesem Jahr sehe ich den Beiträgen mit Spannung entgegen.

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Mauer

Mittwoch, 13. August 2008 · 3 Kommentare

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 wurde mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen. Ein halbes Jahr später wurde ich in Berlin-Westend geboren. Die ummauerte Stadt war für mich Normalität; ungewöhnlich war, in Westdeutschland oder im Ausland endlose Strecken zu fahren, ohne an eine Grenze zu kommen. Trotzdem empfand ich Zorn und Trauer über die gewaltsame Trennung der Stadt; zwar war unsere Familie nicht betroffen – die Verwandten lebten in Westdeutschland -, aber man bekam die tragischen Fluchtgeschichten mit. An einigen Stellen konnte man vom Westteil über die Mauer schauen – es war für mich ein Blick in eine Tristesse der 50er Jahre, über einen zum freien Schuß kahlrasierten Streifen hinweg, gespenstisch und bedrückend. Eine Zeitlang besuchte ich häufig den Ostteil Berlins, nicht nur um der Sehenswürdigkeiten willen, sondern auch im – nur zu einem winzigen Teil gelingenden – Versuch, die Stadt wirklich kennenzulernen mit ihrer Lebensart und Redeweise. Es war wie eine Reise in ein fremdes Land, und bei aller Kritik an der grellen Konsumsucht (die ich nichtsdestoweniger auch mitmachte) war ich dankbar, auf der in sehr vielem freieren Seite zu leben.
Mein Vater und seine Kollegen „im Osten“ kämpften als Kunsthistoriker mit großen Schwierigkeiten, zu einem wissenschaftlichen Austausch zu kommen – diese Schwierigkeiten wurden übrigens auch und zuweilen besonders hartnäckig von westlicher Seite gemacht!
Am Abend der Maueröffnung stand der Postdamer Kollege meines Vaters vor dessen Tür; die beiden fachsimpelten fast die ganze Nacht lang – das erste Mal ohne Blick auf die Uhr, ohne Sorge, die zugebilligte Zeit zu überschreiten.
Die Abschottung von Grenzen ist wissenschafts- und kunstfeindlich; das gilt nicht nur für die Berliner Mauer.

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