Mein Leben als Rezitatorin

Mit den Tags ‘Liebe’ versehene Einträge

Allerseelen

Montag, 2. November 2009 · 7 Kommentare

Zwar glaube ich nicht, daß die Toten auf die Fürbitte der Lebenden angewiesen sind. Aber sinnvoll ist es, wenigstens einmal im Jahr mit so viel Liebe wie möglich an die Gestorbenen zu denken, auch an jene, die im Leben nicht eben engelhaft waren.

Friedrich Hebbel
Requiem

Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Todten!

Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,
Und in den heiligen Gluten,
Die den Armen die Liebe schürt,
Athmen sie auf und erwarmen,
Und genießen zum letzten Mal
Ihr verglimmendes Leben.

Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Todten!

Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,

Und wenn du dich erkaltend
Ihnen verschließest, erstarren sie
Bis hinein in das Tiefste.
Dann ergreift sie der Sturm der Nacht,
Dem sie, zusammengekrampft in sich,
Trotzten im Schooße der Liebe,
Und er jagt sie mit Ungestüm
Durch die unendliche Wüste hin,
Wo nicht Leben mehr ist, nur Kampf
Losgelassener Kräfte
Um erneuertes Sein!

Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Todten!

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Ein Freund der Armen im Geiste

Samstag, 10. Oktober 2009 · 5 Kommentare

Johann Heinrich Peter Beising

Vor 204 Jahren wurde Johann Heinrich Peter Beising geboren.
Er studierte Theologie und schrieb seine Dissertation zum Thema „Die Bildung des Menschen ist allenthalben durch Raum- und Zeitverhältnisse bedingt“ – wie ich finde, ein bedenkenswerter Satz, da es immer wieder die Neigung gibt, Menschen gering zu achten, weil sie in einem anderen Umfeld oder zu einer anderen Zeit denken lernten.

1830 wurde er in Köln zum Priester geweiht. Siebzehn Jahre später wurde er Pfarrer in Essen. Die Industrialisierung hatte ein starkes Wachstum der Gemeinde zur Folge, und durch kluge Verhandlungen gelang es Beising – trotz der staatlichen ablehnenden Haltung gegenüber der katholischen Kirche – mehrere Kirchenbauten durchzusetzen.

Die Armenfürsorge lag ihm am Herzen; er war fast fünfzig Jahre lang Mitglied der Armendeputation.
Als Gründungs- und Vorstandsmitglied des „Verein zur Erziehung und Pflege katholischer Schwachsinniger Kinder in der Rheinprovinz“ setzte Beising – wiederum gegen starke Widerstände von staatlicher Seite – die Gründung eines Heimes durch. (Das Franz Sales Haus in Essen besteht auch heute noch.) Bildung war ihm überhaupt ein Anliegen; lange Zeit war er nicht nur als Kurator im Königlichen Gymnasium, sondern sorgte auch als Kreisschulinspektor für den sinnvollen Unterrichtsablauf in Volksschulen – bis die Kulturkampfgesetze ihm diese Form der Bildungsarbeit im Namen der Aufklärung unmöglich machten. Das, obwohl Beising durchaus staatstreu war, Politik und Religion nicht vermengte (wenn man von der durch Nächstenliebe bewegten und nicht völlig unpolitischen Aktion einer Schulgründung für Behinderte mal absieht) und sich hitzigen Diskussionen fernhielt; Bismarcks Politik war hier überhaupt nicht aufklärerisch, sondern bildungshemmend.

Fünfzig Jahre lang war Beising im Dienst Behinderter tätig und sorgte für Bildung und Erziehung von Menschen, denen man zu seiner Zeit in der Regel dergleichen nicht gewährte, nicht einmal zutraute.

Beising wurde von Welt und Kirche hoch dekoriert. An seinem Begräbnis nahmen die Honoratioren der Stadt, der evangelischen und katholischen Kirche sowie der Synagoge teil – beinahe schon ein Zeichen von Ökumene. In Essen wird sein Andenken wach gehalten.

Das Wort behindert wird heute immer wieder als Schimpfwort mißbraucht. Diese sprachliche Verwahrlosung geht Hand in Hand mit einer kulturellen und spirituellen Verwahrlosung, die Menschen mit seelischen und geistigen Störungen nur noch als lächerlich und unangenehm empfindet. Das Gedenken an Menschen wie Peter Beising kann helfen, solcher Dumpfheit zu begegnen.

Den Mitarbeitern des Franz Sales Hauses danke ich herzlich für die unbürokratische und schnelle Art, mir Informationen über Beising zukommen zu lassen.

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Affäre im Gras

Montag, 21. September 2009 · 10 Kommentare

Auf einem kargen Stück ungepflegten Grüns zwischen einem ungeheuren Parkplatz und einer lebensfeindlich lauten Straße war ein Liebespaar zu Gange, und ich war indiskret genug, eine Serie Photos zu schießen – was die beiden überhaupt nicht störte.
Es handelte sich um eine Biene und ein Stauden-Löwenmäulchen, beide von Natur eher wortkarg und vermutlich ohne moralische Bedenken.
Löwenmäulchen 1Löwenmäulchen 2
Biene an Löwenmäulchen 3
Biene an Löwenmäulchen 1
Biene an Löwenmäulchen 2
Biene in Löwenmäulchen 3
Biene in Löwenmäulchen 1
Biene in Löwenmäulchen 2
Biene an Löwenmäulchen 4

Die Marienkäfer sind – vermutlich von Vergleichbarem – bereits etwas müde.
Marienkäfer

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ראֹשׁ הַשָּׁנָה‎ 5770 – frohes Neujahr!

Samstag, 19. September 2009 · 3 Kommentare

Heute beginnt für Juden ein neues Jahr. Gebe der Ewige allen Menschen, gleich welchen Glaubens oder welcher Überzeugung, zwölf gute Monate, in denen Liebe und Einsicht wachsen.

Ps. 122
Ein Wallfahrtslied. Von David.
Ich freue mich an denen, die zu mir sagen: Lasset uns zum Hause des HERRN gehen!
Unsre Füße stehen in deinen Toren, Jerusalem!
Jerusalem, du bist gebaut als eine Stadt, die fest in sich geschlossen ist,
wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des HERRN (ein Zeugnis für Israel), zu preisen den Namen des HERRN!
Denn dort sind Stühle gesetzt zum Gericht, die Stühle des Hauses David.
Bittet für den Frieden Jerusalems! Es gehe wohl denen, die dich lieben!
Friede sei in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!
Um meiner Brüder und Freunde willen sage ich: Friede sei in dir!
Um des Hauses des HERRN, unsres Gottes, willen will ich dein Bestes suchen!

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Wehmut

Samstag, 15. August 2009 · 9 Kommentare

Die eigenartige Stimmung des Spätsommertages war es wohl nicht allein; mir ist heute seltsam.
Dabei war im Garten wieder vieles und Schönes zu tun und zu betrachten.
Den Brombeeren habe ich Licht verschafft (die Balsaminen werden langsam frech und müssen zum Teil ausgerupft werden).
Brombeeren

Die Staudensonnenblumen vergehen langsam mit einem zarten Bronzeschimmer. Der weiße Phlox sieht noch sehr prächtig aus.
Welkende Staudensonnenblumen
Welkende Staudensonnenblumen und weißer Phlox

Die weißen Rosen sind schon recht marode – aber auf eigentümliche Art besonders schön.
Vergehende weiße Rosen

Eine späte Campanula hat gerade eine Affaire.
Campanula mit Biene 1

Die Chinesische Anemone blüht noch prächtig, ebenso die Goldrute.
Chinesische Anemone 2
Chinesische Anemone 1
Chinesische Anemone 3
Chinesische Anemone und Goldrute 1

Der erste Natternkopf ist erblüht.
Natternkopf

Federn wie diese liegen gelegentlich im Garten herum; wir wissen nicht, wer die verliert.
Feder

hora incerta

Wahrscheinlich werd ich viele überleben,
die meinem Herzen nahe sind. Schon lange
sind Freunde tot. Um andre ist mir bange.
Mir fehlt die Zeit, zu lieben und zu geben

in einem Maße, das gerecht bemessen.
Ich bat um Hilfe und ich nahm die Gaben
und fürchte mich, vor euch versagt zu haben -
hab allzu oft gezögert und vergessen.

Ach bliebet ihr. Doch wird es wohl geschehen,
und eines Tages muß ich um euch klagen
und ohne euch mit Mühe mich gedulden.

Die Stunde kommt, ob mit, ob ohne Flehen,
vielleicht auch wird erst meine Stunde schlagen -
doch wenn ihr geht, erlaßt mir meine Schulden!

© Claudia Sperlich

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vivat Latinitas!

Sonntag, 2. August 2009 · 9 Kommentare

Eine Woche Amöneburg war nicht wirklich ausreichend, meine unersättliche Gier nach lateinischer Sprache und Kultur zu stillen. Aber weit besser als nichts!
Ausschließlich Latein zu sprechen, gelang zwar nicht – abends spät, oder bei sehr komplizierten Gesprächen, für die mein lateinischer Wortschatz nicht ausreicht, oder bei Gesprächen mit Jugendlichen, wurde auch mal geschummelt und Deutsch gesprochen. Allerdings wurde insgesamt wirklich fast nur Latein gesprochen, geplaudert, gelernt, diskutiert und gesungen.
Der Ablauf der Lateinwoche ist recht straff organisiert: Nach dem Frühstück finden Kurse statt; jeder Teilnehmer entscheidet sich am ersten Tag für einen (ein Wechsel ist notfalls möglich). Ich entschied mich für einen Kurs, in dem Literatur zum Thema Erziehung gelesen wurde – höchst witzig und mit angeregten Diskussionen. Die Kurse wurden zum Mittagessen unterbrochen und nachmittags wieder aufgenommen. Nach dem Abendbrot trafen sich die greges artificium, die Hobbygruppen; es gab einen Chor, eine weitere Musikgruppe, eine, die Fabeln las und schrieb, eine Spielgruppe (in der natürlich ebenfalls Latein gesprochen wurde), und eine Theatergruppe, der ich mich anschloß. Spät abends traf man sich zum geselligen Spiel und Schwatz.
Eine Exkursion führte uns in das unter Wilhelm II rekonstruierte Römerkastell Saalburg.

Römerkastell Saalburg 1Römerkastell Saalburg 2Römerkastell Saalburg 3Römerkastell Saalburg 4Römerkastell Saalburg 5Römerkastell Saalburg 6Römerkastell Saalburg 7Römerkastell Saalburg - LegionärsbarackeRömerkastell Saalburg - Öfen

Altäre
Römerkastell Saalburg - AltarRömerkastell Saalburg - Weihestein für IuppiterWeihestein für die Aufanischen Muttergottheiten

Feldzeichen
Römerkastell Saalburg - Feldzeichen

Grabmale
Römerkastell Saalburg - Grabmal eines OffiziersRömerkastell Saalburg - Grabmal 1

Am Donnerstag bereiteten wir ein dreigängiges Menü nach dem Kochbuch des Apicius vor – und verzehrten es mit großer Freude.

Freitag abend fanden die Darbietungen der greges artificium Aufmerksamkeit; es war ein sehr gelungener Abend! Wundervolle Musik verschiedenster Richtungen war zu hören, darunter ein von einem Jugendlichen gedichtetes und komponiertes Lied in lateinischer Sprache mit Gitarrenbegleitung sowie zwei mit großem Temperament und hohem Können auf dem Klavier gespielte Stücke Ragtime. Ich las zwei mittelalterliche Gedichte sowie ein eigenes, was sehr gut aufgenommen wurde (und vermutlich hat außer mir niemand gemerkt, daß ich vor Lampenfieber wie verrückt gezittert habe). Dann führte die Schauspielertruppe nicht völlig pannenfrei, aber mit großer und ansteckender Begeisterung ihr Stück auf. (Ich hatte die Rolle der Magd und mußte zwar nicht viel sagen, aber um so mehr herumlaufen – nicht ganz einfach mit noch vom Rezitieren weichen Knien, aber es ging gut.) Die Fabulierer lasen ihre Werke vor, und dann ging es in ein Grillfest über.

Am Tag des Abschiedes feierten wir in einer Kapelle einen ökumenischer Gottesdienst – wobei ich zum ersten Mal in meinem Leben Lesung und Predigt in lateinischer Sprache hörte. Und schließlich gab es noch einen Vortrag über Varus zu hören, der vor zweitausend Jahren eine so schreckliche Niederlage verkraften mußte.

Trotz der ständigen Tätigkeit war die Woche erholsam, freundschaftlich und liebevoll – und, wenn Gott will, komme ich im nächsten Jahr wieder.
MorgennebelAmöneburger Lateinwoche - Tür zu wegen der FliegenAmöneburg - Burggarten 2Amöneburg - Burggarten 3Amöneburg - Johannes Amöneburg - Johannes - Detail 1Amöneburg - Johannes - Detail 2Amöneburg - Johannes - Detail 3Amöneburg - Johannes - Detail 4Amöneburg - Burghof am Lindauer Tor 1
Amöneburg - HexenturmAmöneburg - Treppe vor der BurgruineAmöneburg - Grabmal 1Amöneburg - Grabmal 3Amöneburg - Stiftskirche St JohannAmöneburg 2Amöneburg - Blick von der Burgruine
Amöneburg - Martinsbrunnen 2
Amöneburg - Blick von der Burgruine 2

Nun wollte ich die Photos dazu einstellen und finde die Kamera nicht. Ein schlimmer Verdacht beschleicht mich: verloren, geklaut? Sie ist zwar versichert, d.h. ich bekomme im schlimmsten Falle eine neue, aber die Bilder wären dann weg. Nun, es hat Schlimmeres gegeben in meinem und jedem Leben – vielleicht taucht sie auf, dann liefere ich die Bilder nach, und sonst muß es ohne gehen.
Nachtrag: Heute morgen öffnete ich die Wohnungstür und erblickte vor mir meinen Photoapparat – unversehrt und faul auf der Treppe liegend. Ja, wenn man übermüdet von der Reise kommt…

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Nasser Garten

Samstag, 18. Juli 2009 · 2 Kommentare

Die ganze Nacht und den frühen Morgen lang hat es geregnet – was sehr nötig war. Sehr üppig ist es nun (auch das Wachstum von Giersch und Nesseln) und auf besondere Weise schön.
Birnen und Haselnüsse bereiten sich vor.
Nasse Birnen 2
Haselnüsse im Juli

Die Akeleien sind längst verblüht, aber ihr Laub ist schön, und die Tropfen liegen darauf wie Perlen.
Nasses Akeleienlaub 1
Nasses Akeleienlaub 2

Die Lilie Elodie geht langsam hinüber, die Staudensonnenblume wird noch eine Weile durchhalten.
Lilie und Staudensonnenblume nach Juliregen

Der Phlox kommt langsam, und die Chinesische Anemone zeigt ihre erste Blüte.
Nasser Phlox
Chinesische Anemone

Die Nelken blühen noch eine Weile hier und da, auch wenn die Hauptblütezeit vorbei ist.
Nelke nach Juliregen

Der abgeblühte Geißbart sieht noch lange schön aus.
Nasser Geissbart

Das Pfaffenhütchen läßt seine Fruchtfarbe noch nicht ahnen.
Pfaffenhütchen nach Juliregen

Der Wilde Wein benimmt sich respektlos.
Wilder Wein, respektlos

Das Trottoir macht eine Liebeserklärung, ich weiß nur nicht, wem.
Wasserherz

Ada Christen
Nach dem Regen

Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.

Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niedern Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.

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Ἰουλιανὸς ὁ Ἀποστάτης

Freitag, 26. Juni 2009 · 4 Kommentare

Julian Apostata

Vor 1646 Jahren starb Kaiser Julian II., genannt Apostata (der Abtrünnige).
Als arianischer Christ erzogen, hatte er sich bald der neuen Lehre entfremdet, die ihm auch wahrlich nicht befreiend präsentiert worden war: sein Vetter und Vormund hatte ihn ein Dreivierteljahr lang eingesperrt, um den philosophisch und religiös Interessierten dem Christentum zu erhalten.

Die Reaktion auf diese harsche Erziehungsmaßnahme konnte kaum anders ausfallen: Sobald er dazu Gelegenheit hatte, ließ Julian sich in die Eleusischen Mysterien einweihen und tat künftig alles dafür, die Welt der alten Götter Griechenlands wieder zum Leben zu erwecken. Er hatte dabei eine recht romantische und poetische Sicht auf die Götterwelt. Zugleich war er durch seine Liebe zur griechischen Philosophie, durch seine ständige Suche nach Wahrheit durch Bildung sowie durch seine hohe Selbstdisziplin und seine Abscheu vor dem unsinnigen Blutvergießen in der Arena dem Christentum wohl näher, als er wollte.

Klugheit, Ehrgeiz spornten ihn lebenslang an und ließen ihn Zeiten überstehen, in denen sein Onkel, der Kaiser Konstantius, ihn als Marionette zu benutzen suchte.
Im umkämpften Gallien zeigte er sich als kluger und tapferer Feldherr, vermied es, seine Soldaten unnötig zu gefährden, und war von auffälliger Milde gegenüber seinen Gegnern; Kriegsgefangene ließ er anständig behandeln und vermied es, Unterlegene unnötig zu demütigen.

Endlich selbst Kaiser, bekannte er sich öffentlich zum Mithraskult und versuchte verstärkt, die antike Götterwelt wieder aufleben zu lassen. Er muß ein sehr sensibler und phantasiebegabter Mensch gewesen sein; mehrmals erschienen ihm Gottheiten im Traum und sprachen zu ihm.
Er tat viel für die Bildung und verbesserte die Infrastruktur erheblich. Seine Toleranzedikte sahen zwar keine Gleichberechtigung der Religionen vor, aber bei allem Zorn über die Christen ließ er sie nie aktiv verfolgen und lud sogar christliche Gelehrte ein. Die Juden hatten es unter ihm wesentlich leichter als unter den meisten Fürsten vor und nach ihm. Selbst Religionsfrevler – Christen, die heidnische Statuen und Heiligtümer geschändet oder gestohlen hatten – verurteilte er in der Regel nur zu Schadensersatz und sprach sich energisch gegen die von einigen Beamten leider auch praktizierte Lynchjustiz aus.

Julian fiel mit nur 32 Jahren in einem sinnlosen Krieg. Die Renaissance der alten Götter war auch zu seinen Lebzeiten wenig mehr als ein Gedankenspiel gewesen; das Christentum erwies sich als lebenskräftiger.
Vielleicht hätte er mit klügeren und duldsameren Christen in seinem unmittelbaren Umfeld ein Heiliger werden können. Mir scheint, die schon damals so schwierige, uneinige Entwicklung des Christentums und die Entfernung von der befreienden Grundidee, daß es auf nichts so ankommt wie auf die Liebe, ist wenigstens zum Teil Schuld an Julians Aufbegehren und damit auch an seinem schrecklichen Tod.

Julian schrieb vieles, und verschiedene Zeitgenossen schrieben über ihn; daher kann man eine Menge über seine Person erschließen. Seine Geschichte wurde von dem belgischen Altphilologen Joseph Bidez erforscht und in einem sehr gut zu lesenden Werk veröffentlicht: La vie de l’Empereur Julien (dt. Julian der Abtrünnige).

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Noch mehr Pfingsten

Montag, 1. Juni 2009 · 2 Kommentare

Auch wenn (oder gerade weil) Geist oftmals nicht leicht wahrnehmbar ist, oftmals auch gänzlich vermißt wird – heute wird er den zweiten Tag gefeiert. Möge der Gefeierte uns befeuern!

Kirche

Geschmückt wie eine Braut
mit Rosen und mit Bändern,
auf Gottes Geist gebaut,
der kommt, die Welt zu ändern,

mit lieblichem Gesang,
mit Volk von vielen Orten:
Die Zeit wird uns nicht lang
mit Gottes guten Worten.

© Claudia Sperlich

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Frohe Pfingsten!

Sonntag, 31. Mai 2009 · 2 Kommentare

Allen Parthern, Medern und Elamitern, allen, die wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und an den Enden von Lybien bei Kyrene, allen Ausländern von Rom, Juden und Judengenossen, Kretern und Arabern sowie allen Krefeldern und Berlinern wünsche ich geistvolle und frohmachende Tage!

Gott, laß mich eine Flamme sein,
laß mich mit Deinem Feuer brennen,
Dein Licht und Deine Wärme laß mich strahlen,
brenn Du in mir, damit ich für Dich leuchte.

© Claudia Sperlich

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