Mit den Tags ‘Logik’ versehene Einträge
Donnerstag, 17. Dezember 2009 · 4 Kommentare
Weil ich mich über eine schlechte kirchenfeindliche Karikatur nicht über Gebühr errege, wurde mir kürzlich implizit braunes Mitläufertum vorgeworfen. Die Begründung: Wenn ich mich darüber nicht aufrege, dann hätte ich mich über antisemitische Karikaturen der 20er und 30er Jahre auch nicht aufgeregt.
Im Zusammenhang mit jenem Vorwurf mußte ich auch noch eine Art Aufrechnung lesen, wer schlimmer war in der Nazizeit, Protestanten oder Katholiken. Du lieber Himmel – hilfts der Wahrheit vielleicht auf die Beine, wenn wir ausrechnen, Angehörige welcher Konfession in welcher Zeitspanne mehr gesündigt haben? Sind die einen weniger erlösungsbedürftig als die anderen, und die wiederum weniger als die noch ganz anderen?
Solche Momente lassen mir die Kirche, der ich angehöre und aus deren Reihen diese absurden Anwürfe kamen, nicht als mit besonderer Gnade begabt erscheinen. Kurz gesagt: Was ich da von Katholiken lese, wetteifert in der Dummheit und Arroganz mit dem, was ich von aggresiv-atheistischer Seite über Katholiken (und andere Konfessionen und Religionen) lese. Wenn es so weitergeht, braucht es keine Atheisten, um die Kirche zu zerstören – die Christen können das ganz alleine.
Ich wäre gern Mitglied einer Kirche, die logisch denkt wie Augustinus und wie Paul Tillich, die liebt wie Thérèse von Lisieux und wie Paul Gerhardt, tapfer ist wie Karl Leisner und Dietrich Bonhoeffer. Stattdessen bin ich Mitglied einer Kirche, in der einige Mitglieder zur Bildungsferne fast ebenso viel beitragen wie ihre Gegner, die zwischen Engstirnigkeit und laissez-faire schwankt und die gute Eigenschaften gern der eigenen und schlechte der anderen Konfession zuschreibt. Ich bin sicher, daß ich dies, wäre ich Mitglied eines anderen Teils der Kirche, ebenso formulierte.
Dankbar bin ich dafür, kluge, geradlinige und aufrichtige Menschen verschiedener Konfessionen und konfessionsloser Überzeugungen zu meinen Freunden zählen zu dürfen. Das gibt Hoffnung und macht die adventlichen Tage des Wartens heller.
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Freitag, 13. November 2009 · 6 Kommentare

Vor 1655 Jahren – 41 Jahre nach der Legalisierung des Christentums – wurde Augustinus von Hippo geboren.
Ich tue mich in mancher Hinsicht schwer mit diesem Menschen. Daran ist nicht sein in jungen Jahren sehr liederlicher Lebenswandel schuld – den er bereute -, sondern seine so felsenfeste wie wirkmächtige Höllenlehre, die ewige Strafe für zeitliche Vergehen annimmt, seine Unterschätzung der Weiblichkeit (der er nur einen biologischen Sinn zugesteht), und in noch größerem Maße sein hochmütiger Antijudaismus.
Nichtsdestoweniger war er ein scharfer Denker, der Glauben und Logik verband und sich zeitlebens um Erkenntnis mühte. Damit ist der Kirchenvater der Kirche ein gutes Vorbild – dies alles soll sie tun, und damit das gelingt, hat sie sich (als Organisation ebenso wie in jedem einzelnen Mitglied) immer wieder diesen augustinischen Rat zu vergegenwärtigen:
dilige et quod vis fac – Liebe und tu, was du willst.
In epistulam Ioannis ad Parthos, tractatus VII, 8
Also erst einmal lieben – das heißt, den anderen ernst nehmen und sein Bestes wollen -, und dann tun, was man auf dieser Grundlage wollen kann: eine bessere Lebenshaltung ist nicht denkbar.
Zuletzt noch mein Lieblingszitat aus den Confessiones – das mir eine beständige Mahnung ist, wenn ich mich wieder mal nicht danach richte:
optimus minister tuus est, qui non magis intuetur hoc a te audire quod ipse voluerit, sed potius hoc velle quod a te audierit
zu Deutsch:
Dein bester Diener ist nicht, der lieber von dir zu hören begehrt, was er selbst will, sondern der eher das will, was er von dir hört.
Confessiones 10,37
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Mittwoch, 20. August 2008 · 4 Kommentare

… die Grenzlinie zwischen Philosophie und Theologie [ist] das Zentrum meines Denkens und Arbeitens.
Paul Tillich, Philosophie und Theologie, in: Auf der Grenze. Eine Auswahl aus dem Lebenswerk, Piper München Zürich
Vor 122 Jahren wurde Paul Tillich geboren. Als Religionsphilosoph und Theologe sagte er so deutlich seine Meinung, daß er 1933 seinen Lehrstuhl verlor.
Zeitlebens hat Tillich leidenschaftlich gern gedacht und seine Gedanken in klaren Worten mitgeteilt. Zur Feier des Tages noch ein Zitat über das Beste, was es überhaupt gibt:
Liebe verwandelt den Moralismus der Autorität in eine Moral des Wagnisses. Liebe ist schöpferisch, und Schaffen schließt Wagnis ein. Liebe zerstört faktische Autorität nicht aber sie befreit von jeder prinzipiellen Autorität.
Liebe ist die Quelle der Gnade. Liebe nimmt das Unannehmbare an und erneuert das alte Sein, so daß es zum Neuen Sein wird. Die mittelalterliche Theologie identifizierte Liebe und Gnade, und das mit Recht. Denn die Liebe ist es, die gnadenreich macht. Gnade ist zugleich Liebe, die vergibt und annimmt.
Dennoch ist Gerechtigkeit in der Liebe enthalten. Liebe ohne Gerechtigkeit ist wie ein Körper ohne Rückgrat. Die Gerechtigkeit in der Liebe macht es unmöglich, daß man im Namen der Liebe die Selbstzerstörung des anderen verlangt. Gerechtigkeit schützt die Unabhängigkeit derer, die in einer Liebesbeziehung stehen. Liebe schließt Gerechtigkeit gegen die anderen und gegen sich selbst ein. Liebe ist die Lösung des Problems: Moralismen und Moral.
Paul Tillich, Moralismen und Moral, a.a.O.
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Mittwoch, 28. Mai 2008 · 4 Kommentare
Im Zusammenhang mit der Tötung eines jungen Schauspielers in Großbritannien las ich wieder viele Forderungen nach der Todesstrafe. Die Argumente sind immer die gleichen: 1. sei es „gerecht“, einen Mörder oder Totschläger umzubringen, 2. wirke es abschreckend.
Zu 2. sage ich nur, was langsam wirklich jedem deutlich sein sollte, sogar denen, die das mit der unantastbaren Menschenwürde nicht verstehen: In Ländern mit Todesstrafe gibt es ganz allgemein höhere Raten der Schwerstkriminalität als in Ländern ohne Todesstrafe.
Zu 1. vermisse ich selbst von den besonnensten Gegnern der Todesstrafe ein wichtiges Argument. Bitte stellen Sie sich folgendes Partygespräch vor – und stellen Sie sich dabei vor, Sprecher 2 zu sein:
Sprecher 1: Ah, guten Abend! Wir haben uns ja ewig nicht gesehen. Was macht eigentlich Ihre bezaubernde Tochter? Die war ja, als wir uns das letzte Mal sahen, noch fast ein Kind…
Sprecher 2: Die ist in der Ausbildung, fast fertig. Hat gute Noten, ich bin stolz auf sie.
Sprecher 1: Oh, das ist ja fein. Was lernt sie denn?
Sprecher 2: Vollstreckerin. Seit der Strafrechtsreform ist das ja wirklich ein Beruf mit Zukunft.
Anders gesagt: Wer Todesstrafe will, will Henker. Er muß auch wollen, daß die Tochter Henkerin wird, oder einen Henker heiratet, oder mit den Kindern des Henkers spielt und auch mal bei ihnen übernachtet.
Oder will vielleicht jemand solche Zustände, wie dieser Text beschreibt?
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Aus Anlaß eines Amtsbesuches zur Genehmigung meines Umzuges in eine Wohnung, die weniger Miete kostet, als der Sozialsatz beträgt, habe ich große Lust, diesen Staat von seinem unterbeschäftigten Kopf auf seine überzarten Füße zu stellen.
Es geht um die Idee des Bürgergeldes, über das ich auch hier eine kurze Diskussion losgetreten hatte. Es geht um eine Idee, die die Grünen ebenso wie die CDU vertreten, wenn auch in etwas verschiedenen Abwandlungen.
Wenn jeder Bürger von Geburt bis Tod ein Grundeinkommen erhält – zunächst nach Alter gestaffelt, von der Volljährigkeit in voller Höhe – so verliert nicht nur die Arbeitslosigkeit ihren Schrecken. Finanziert werden kann das Bürgergeld aus den Mitteln, die durch es selbst überflüssig würden: Arbeitslosengeld I und II, Bafög, Kindergeld – und natürlich durch das Ende des Verwaltungsaufwandes. Es wäre steuerfrei und bedingungslos und würde bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze gezahlt (diese Grenze ist nötig, um nicht Reichen noch mehr in den Rachen zu schieben).
Es ist nicht wahr, daß unter solchen Umständen niemand mehr Müllkutscher werden würde. Denn die Grundsicherung ist nicht so hoch, daß man leichten Herzens auf einen Zuverdienst verzichten kann. Außerdem wollen die meisten Menschen arbeiten! Wer aber keine Arbeit findet – und das werden weiterhin immer mehr Leute, daran ändert kein politisches Programm etwas! -, der wird nicht ins Abseits geschoben. Auch müßten Menschen mit Kinderwunsch nicht mehr überlegen, ob sie sich ein Kind „leisten können“ – denn das Kind hätte ja von der Geburt an ein Grundeinkommen. Dies alles müßte auch nicht mit langwierigen Amtsgängen immer neu durchkämpft werden, sondern würde ohne jeden Antrag unbürokratisch geleistet.
Soweit die Theorie. Leider hat sich diese einfache und gute Idee bis jetzt nicht durchgesetzt. Stattdessen werden Menschen, die auf öffentliche Hilfe angewiesen sind, zu endlosem bürokratischen Aufwand genötigt und sozial geächtet.
Jetzt frage ich in die Runde: Was können Leute, die keine politische Macht haben, tun, um diese gute Idee durchzusetzen? Wo und auf welche Weise kann man sinnvoll auf Bürgergeld drängen? Und wer macht mit? Es muß ja nicht immer so weitergehen:
Heinrich Heine
Weltlauf
Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das wenige genommen.
Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben –
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur, die etwas haben.
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Freitag, 28. Dezember 2007 · 2 Kommentare
Vier Wochen noch, dann gibt es aus der Rezitationswerkstatt Kalliope mal etwas gar nicht Belletristisches. Ich sitze an der Vorbereitung und bin ziemlich kribbelig – eben so was ganz, ganz anderes als das oder das oder das.
Eine Frau, die mir in vielem widerstrebt – und die ich für ihre klare Sprache und ihre Leidenschaft für die Wahrheit bewundere.

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Mittwoch, 14. November 2007 · 2 Kommentare
Wie ein bedeutendes Weblog bereits andeutete, scheint ein Spiel zu nahen. Es verspricht spannend zu werden, ich bin dabei – muß allerdings sehr aufpassen, nicht immer nur zu spielen.
Mir ist es dabei nicht wichtig, daß es sich vermutlich um eine Werbekampagne handelt – ich tüftle gern, und dabei ist mir nur wichtig, daß das ARG gut ist, d.h. mit intelligenten Rätseln und einer Geschichte, die mir gefällt.
Der abwärtsfahrende Aufzug ist sehr düster, und die Geräuschkulisse klingt auch nicht eben heimelig. Nun ja, es ist ja bei ARGs üblich, daß die Spieler die Welt oder zumindest ein paar ihrer Bewohner retten müssen.
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Montag, 22. Oktober 2007 · 1 Kommentar

Dies Schild an der Einfahrt eines Ruderclubs amüsiert mich schon seit Kindertagen. Noch heute komme ich da mindestens einmal wöchentlich vorbei, und es ist noch das gleiche Schild, steht nur etwas schiefer.
Ein Protektor ist einer, der schützt. Für alle, die das nicht tun, ist hier die Durchfahrt verboten. Insofern beinhaltet das Schild eine allgemeingültige Aussage; jedem mündigen Menschen obliegt der Schutz von irgendjemandem oder irgendetwas (Menschen, Umwelt, Sprache, Kultur…), und es ist nicht legitim, sich dem zu entziehen.
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Mit Tag(s) versehen: Gelächter, Kultur, Liebe, Logik, Sprache, Umwelt
Sonntag, 14. Oktober 2007 · 3 Kommentare
Kategorien: Allgemeines
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