Mein Leben als Rezitatorin

Mit den Tags ‘Märchen’ versehene Einträge

Sommerbilder

Donnerstag, 4. Juni 2009 · 1 Kommentar

Endlich ist meine Kamera wieder heil! Um sie abzuholen, mußte ich in die unphotogenste aller Berliner Gegenden fahren – aber auf dem letzten Stück Heimweg und auf dem Balkon gelangen doch einige Bilder von dem so üppigen Frühsommer.

Auf dem Mittelstreifen blüht die Ackerwinde in zartem Weiß und Rosa – ungeachtet sie von allen Seiten mit Abgasen bedampft und mit Müll beworfen wird.
Ackerwinde 2

Doppelt floral ist das nachbarliche Tor – im Winter zwar nur aus Metall, aber auch schön, und nun mit fürstlichen Rosen geschmückt.
Rosenpforte

Philadelphus gehört zu meinen Lieblingen unter den Sträuchern
Philadelphus

Vor einer kleinen modernen Galerie blüht das Geißblatt.
Geißblatt

Auf meinem Balkon blühen Klatschmohn und Koriander.
Klatschmohn
Koriander

Die Ackerwinde ist in den Sieben Kinderlegenden der Brüder Grimm erwähnt:

Muttergottesgläschen

Es hatte einmal ein Fuhrmann seinen Karren, der schwer mit Wein beladen war, festgefahren, so daß er ihn troz aller Mühe nicht wieder losbringen konnte. Nun kam gerade die Mutter Gottes des Weges daher und als sie die Noth des armen Mannes sah, sprach sie zu ihm: „ich bin müd und voll Durst, gib mir ein Glas Wein, und ich will deinen Wagen dir frei machen.“ „Gerne, antwortete der Fuhrmann, aber ich habe kein Glas, worin ich dir den Wein geben könnte.“ Da brach die Mutter Gottes ein weißes Blümchen mit rothen Streifen, das Feldwinde heißt, ab, und das einem Glase sehr ähnlich sieht und reichte es dem Fuhrmann. Der füllte es mit Wein und die Mutter Gottes trank ihn und in dem Augenblick war der Wagen auch los. Das Blümchen heißt noch immer Mutter-Gottes-Gläschen.

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Aschenputtels Vater

Montag, 12. Januar 2009 · 3 Kommentare

Charles Perrault

Vor 381 Jahren wurde Charles Perrault geboren, der als Jurist, Kulturbeamter, Schriftsteller und Mitglied der Académie Française bekannt wurde und bleibenden Ruhm durch die mit charmante, augenzwinkernde Niederschrift von Volksmärchen erlangte. Einiges, was die Brüder Grimm als deutsche Volksmärchen aufschrieben, hatten sie von ihm übernommen.
Eine entzückende Ausgabe von 1926 hat die Universität Braunschweig digitalisiert.
Lieb wäre es mir, auch heute Menschen mit Rechtsbewußtsein, Bildung und sprachlichem Witz in Kultusministerien zu finden.

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Zum zweiten Advent

Sonntag, 7. Dezember 2008 · 2 Kommentare

Allen Lesern wünsche ich einen guten und frohen Adventssonntag!
Zweiter Advent - Kranz

Hoffnungsgrün ist die zweite Kerze. Und mein Adventskalender zeigt auch wieder ein gutes Tagesmotto.
Zweiter Advent - Kalender

Am Nachmittag werde ich im Internetcafé für die Kinder der Kunden – wenn welche kommen – Märchen lesen. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen bin ich nicht ganz sicher, ob dieser hervorragende Service angenommen wird – aber immerhin gebe ich nicht auf.

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Netz für Große, Märchen für Kleine

Montag, 10. November 2008 · 2 Kommentare

Das Internetcafé MacBeam in der Kanzowstraße in Prenzlauer Berg bietet in der Adventszeit einen besonderen Service: an den vier Samstagen vor Weihnachten (29. November, 6., 13. und 20. Dezember) lese ich dort den Kindern Märchen vor, während ihre Eltern in aller Ruhe ihre Weihnachtsmails schreiben, Geschenke bestellen und was sonst kurz vorm Fest am Computer und im Netz zu erledigen ist. Ich bin sehr gespannt und freue mich, mal wieder für Kinder zu arbeiten. Bei all meiner Liebe zur „erwachsenen“ Literatur lese ich sehr gerne für die Kleineren.
gemütlich

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Tag der toten Erzähler

Dienstag, 15. Juli 2008 · 2 Kommentare

gottfried keller
Vor 118 Jahren starb der schweizerische Erzähler Gottfried Keller, der witzige und fromme Realist, der starke Frauen und schwache Männer mit Freude am Detail schildert. Selbst in dem Märchen Spiegel das Kätzchen und in seinen Sieben Legenden herrscht eine Atmosphäre der Aufklärung (bis hin zu der augenzwinkernden Frechheit, daß die Musen nicht in den mittelalterlichen Himmel kommen). Dabei wirkt er niemals trocken und belehrend; seine Gestalten stehen deutlich vor dem Leser und sind – Gute wie Böse – mit einem vollwertigen und glaubwürdigen Charakter ausgestattet.

Spiegel das Kätzchen

… Vor mehreren hundert Jahren, heißt es, wohnte zu Seldwyla eine ältliche Person allein mit einem schönen, grau und schwarzen Kätzchen, welches in aller Vergnügtheit und Klugheit mit ihr lebte und niemandem, der es ruhig ließ, etwas zuleide tat. Seine einzige Leidenschaft war die Jagd, welche es jedoch mit Vernunft und Mäßigung befriedigte, ohne sich durch den Umstand, daß diese Leidenschaft zugleich einen nützlichen Zweck hatte und seiner Herrin wohlgefiel, beschönigen zu wollen und allzusehr zur Grausamkeit hinreißen zu lassen. Es fing und tötete daher nur die zudringlichsten und frechsten Mäuse, welche sich in einem gewissen Umkreise des Hauses betreten ließen, aber diese dann mit zuverlässiger Geschicklichkeit; nur selten verfolgte es eine besonders pfiffige Maus, welche seinen Zorn gereizt hatte, über diesen Umkreis hinaus und erbat sich in diesem Falle mit vieler Höflichkeit von den Herren Nachbaren die Erlaubnis, in ihren Häusern ein wenig mausen zu dürfen, was ihm gerne gewährt wurde, da es die Milchtöpfe stehen ließ, nicht an die Schinken hinaufsprang, welche etwa an den Wänden hingen, sondern seinem Geschäfte still und aufmerksam oblag und, nachdem es dieses verrichtet, sich mit dem Mäuslein im Maule anständig entfernte. Auch war das Kätzchen gar nicht scheu und unartig, sondern zutraulich gegen jedermann und floh nicht vor vernünftigen Leuten; vielmehr ließ es sich von solchen einen guten Spaß gefallen und selbst ein bißchen an den Ohren zupfen, ohne zu kratzen; dagegen ließ es sich von einer Art dummer Menschen, von welchen es behauptete, daß die Dummheit aus einem unreifen und nichtsnutzigen Herzen käme, nicht das mindeste gefallen und ging ihnen entweder aus dem Wege oder versetzte ihnen einen ausreichenden Hieb über die Hand, wenn sie es mit einer Plumpheit molestierten. …

tschechow
Vor 104 Jahren starb Anton Pawlowitsch Tschechow, der aus einfachen Verhältnissen kam und zum gefeierten Schriftsteller wurde. Seine Erzählungen beschreiben seine Zeit, zeigen, bald ernst und bald komisch, Lächerlichkeit und Schändlichkeit ebenso wie Güte und Liebe. Immer wieder ist Tschechow auf Seiten der Schwachen, der Benachteiligten – und nicht nur als Literat. Er richtete eine Schule für Bauernkinder – Mädchen wie Jungen – ein, behandelte als Arzt die Bauern kostenlos, berichtete über die Gefangeneninsel Sachalin.
Er starb bei einem Kuraufenthalt in Badenweiler an der Tuberkulose, an der er seit seiner Jugend litt.

Der böse Knabe

… Der Barsch riß sich vom Haken los, begann auf dem Grase umher zu springen und fiel endlich mit einem Platsch in sein heimatliches Element zurück.
Während der Jagd nach dem Fische hatte Lapkin ganz in Versehen, statt des Fisches, Anna Ssemjonownas Hand ergriffen und sie unversehens an die Lippen geführt . . . Das junge Mädchen zog die Hand zwar zurück, aber es war schon zu spät: die Lippen hatten sich in Versehen zu einem Kusse vereinigt. Alles war so ganz unversehens gekommen. Auf den ersten Kuß folgte ein zweiter, dann kamen Schwüre, Beteuerungen . . . Glückliche Augenblicke!
Übrigens ein absolutes Glück giebt es hier auf der Erde nicht. Jedes Glück trägt entweder den Giftkeim in sich selbst, oder wird durch irgend etwas von außen Kommendes vergiftet. So war es auch hier. Während die jungen Leute sich noch küßten, erscholl plötzlich ein Gelächter. Sie sahen nach dem Fluß und erstarrten: dort stand bis zu den Hüften im Wasser ein nackter Knabe. Es war der Gymnasiast Kostja, Anna Ssemjonownas Bruder. Er stand im Wasser, blickte die jungen Leute an und lächelte diabolisch.
»A–a–a . . . Ihr küßt Euch?« sagte er. »Gut! Ich werde es Mama sagen.« …

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Suchbegriffe

Freitag, 30. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Die Statistik dieses Tagebuches sagt mir unter anderem, mit welchen Suchbegriffen dasselbe am häufigsten gefunden wird. Eine bemerkenswerte Liste ist das:
hekate pergamon – Freut mich, ich berichtete hier schon einige Male über die wunderbaren antiken Schätze in Berlin.
ich liebe ihn – Was für ein Suchbegriff! Und wie schön, daß meine Seiten mit diesen Worten aufgespürt werden.
welcher maler starb vor 368 jahren – Eine besonders originell formulierte Frage. 1640 starben Peter Paul Rubens, Giuseppe Cesari und Hendrick Cornelisz. Vroom.
job bei einem mangaverlag – Da kann ich leider nicht helfen, habe das Thema nur einmal kurz erwähnt. Jedem das Seine!
eichen läuse – Ich wußte gar nicht, daß es die gibt. Nun weiß ich’s: Die Eichenbaumlaus, lachnus roboris, war gesucht.
kirchentür – Klar, daß ich auch solche photographiere.
lebenslauf christoph probst – Ich bin wirklich froh, daß der entsprechende Artikel recht häufig gefunden wird.
stein maulwurf – Ja, beides gibt es auch im schönsten aller Gärten.
archipoeta – Schön, daß er gesucht wird! Schöner noch, daß er hier gefunden wird!
gedicht wenn der rotdorn blüht - Führt anderswo zu etwas, was ich als Kitsch bezeichne, bei mir zu Photos und Eichendorff.
kunst und natur – Ja, wovon soll ich sonst schreiben?
wannsee schule e.v. – Da siehe du zu. Ich geh nicht mehr in die Schule.
schaublatt – Mag ich sehr, man wird hier auf jeden Fall fündig!
cbm tür religion heilige 3 könige – Natürlich habe ich auch darüber schon berichtet.
kurze märchen – Und auch längere mag ich.
bettina buske – Meine Kollegin! Hier findet Ihr mehr über sie.
vortrag weinhändler lustig – Klingt nett, und tatsächlich habe ich schon mal in einem Weingeschäft eine Lesung über Wein gehalten. Es wurde ja viel geschrieben zu diesem feinen Getränk.
literatur über das leben – Ein sehr allgemein formulierter Suchbegriff! Damit findet man wahrscheinlich alles.
wasserhahn träne – Klingt hübsch, könnte ein Gedicht werden.

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Heinzelmännchen und Önnerbänkissen

Montag, 26. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Der fröhlichste Geisterseher der deutschen Romantik wurde vor 209 Jahren geboren.
Kopisch
Die Heinzelmännchen zu Köln kennen wohl alle; weniger bekannt sind ihre Cousins:

Die Önnerbänkissen

Die Önnerbänkischen sind kleine Leut
Und wohnten sonst vom Strande nicht weit
In grünen Dünen.
Sie kamen hervor, wenn das Wetter klar,
Bald sichtbar und bald unsichtbar,
In Sternennächten.
Sie planschten und wuschen im Wässerlein
Und bleichten die Wäsche wie Schnee so rein
Im Mondenscheine.
Man sah sie nicht kochen, doch blauen Rauch,
Und hört im Berg ihre Stimmchen auch,
Musik und Singen.
Oft klangen die Fideln und sang ein Chor:
Wipp, schlüpften sie aus dem Berg hervor
Zu Ringeltänzchen,
Und ringelten hin und ringelten her,
Als ob hier lustige Hochzeit wär,
Am grünen Strande.
Sie nannten den Himmel Tropfensaal
Und flohn vor dem Donner allzumal
Wie weggestoben! –
Im Winter, wenn frisches Eis im Teich,
So kamen sie auf Schlittschuhn gleich,
Und schoben Kegel:
Purr! schnurrte die Kugel, und fiel was um,
So blieb das kleine Volk nicht stumm,
Schrie: Alle Neune!
Die Kegel, die Kugel, die sah man dort,
Doch nicht die Leutchen am selben Ort;
Nur Schlittschuhblinken.
Man sah das Blinken und Spur hingehn,
Manch zierliche Eisfigur entstehn:
Die konnten Künste!
Fiel einer und fiel sein Käppchen vom Kopf,
Da sah man liegen den armen Tropf
Und hört ein Lachen!
Rings, rings klein kleine Stapfen im Schnee.
Im Sommer tropfte der Tau vom Klee,
Worauf sie gingen.
Die Blümchen aber bogen sich kaum:
Sie traten auf so leicht wie ein Traum,
Mit Geisterfüßchen.
Sie buken Kuchen mit süßem Kern:
Da riefen die Kinder – sie aßen sie gern –
Gebt Kuchen, Kuchen!
Das Önnerbänkischen keiner sah;
Doch lag auf einmal ein Kuchen da
Mit süßem Kerne.
Auch Teller und Schüsselchen liehn sie aus
Zur Kindtauf oder zum Hochzeitsschmaus
Von blankem Golde:
Man ging nur und klopfte und fing davon an,
So schleppten die kleinen Leute schon an:
Man brachts dann wieder,
Und legt ein kleines Geschenk dazu
Und drehte sich um, da verschwands im Nu,
Recht wie ein Wunder. –
Man sagt, um Mittag schlafen sie fest,
Da krochen einst hinein in ihr Nest
Zwei kleine Kinder:
Die fanden dort eine glitzernde Pracht,
Die Kammern von Edelstein gemacht
Und Betten von Seide.
Die fühlten sich an wie Flaum so weich:
Das Volk lag drauf wie im Himmelreich
Und schlief so selig!
Ihr König der Alte, der schnarcht so fest,
Daß einer der Knaben sich locken läßt,
Nimmt einen Becher,
Und läuft mit dem Becher stracks hinaus,
Läuft und läuft und kommt nach Haus
Und zeigt das Wunder.
Der Becher von Golde war so schön,
Die ganze Welt war drauf zu sehn
In bunten Spiegeln:
Man sah da hundert Fabelein,
Meermänner, Riesen, Nixen und Fein,
Mit Feuerdrachen.
Und Ritterkampf und Ritterpreis
Und Liebeshistörchen tausendweis,
Ganz allerliebste!
Kurz, aller bunten Zeiten Lauf,
Ja selbst Unmögliches war darauf,
Schön wie Karfunkel.
Da gabs ein Kucken, ein Wenden und Drehn,
Ein jeder wollte was andres sehn,
Und alle sprachen:
Kind, wahre den Becher, der bringt dir Glück!
Nein! sprach das Kind, ich trag ihn zurück
Zur grünen Düne;
Und lief schnurstracks in den Berg hinein
Und setzt auf das Tischchen von Marmelstein
Ihn wieder nieder:
Und wollte davon in vollem Lauf;
Da wachten die Önnerbänkischen auf
Und sahn das Kindchen:
Was laufst du, lieb ehrlich Bübelein?
Weil noch in unserm Hübelein,
Laß dir was schenken! –
Da gaben dem Kinde sie tausendviel,
Zuletzt ein wunderlich Saitenspiel,
Das klang gar eigen!
Und als das Kind das Klimpern verstand,
Klimpimperten immer in seine Hand
Blitzblanke Taler. –
Die Önnerbänkischen sind wahrlich gut;
Doch leiden sie keinen Übermut,
Von keinem Menschen;
Auch selbst im Spaß kein kleines Geneck:
Beim Spiel nahm jemand ein Kegelchen weg
Und hielts in die Höhe –
Da kam das Völkchen mit Zeterschrein
Und zwickte den langen Kerl ins Bein;
Da mußt ers lassen.
Er wurde mit Kneifen fast abgepellt,
Bis er den Kegel genau gestellt,
Wie er gestanden!
Ein andrer hörts, zieht Stiefeln an,
Damit ihn das Volk nicht kneifen kann,
Leibhohe Stiefeln.
Dem Manne gehörte das Stückchen Land,
Und nahm nun Spaten und Hacke zur Hand
Und wollte graben,
Will sehn, was da für Wirtschaft ist,
Ob man da wird Jud, Heid oder Christ? –
Er gräbt und hacket,
Und gräbt und hackt schon tiefer hinein –
Da klingt es hohl, da hört er schrein:
»O weh o wehe!
Du hackst ins Dach, es fällt unser Haus!
Es fällt auf uns!« – So geht heraus!
Begann der Bauer. –
»Mensch! Gerne geht wohl keiner heraus,
Wenn lang er gewohnt in einem Haus –
Erklangs da wieder.
Wir wohnten hier schon, eh man Haber gesät,
Wir wohnten hier schon, eh man Gras gemäht;
Laß uns mit Frieden! –
Wir wohnten hier schon, eh man Bier gebraut,
Wir wohnten hier schon, eh man Häuser gebaut;
Laß uns mit Frieden! –
Wir wohnten hier, eh ein Mensch noch kam
Und eine Rübe vom Felde nahm;
Laß uns mit Frieden! –
Und hörst du nicht auf, du Übermut,
So sieh dich um! – Sieh zu wies tut,
Sein Haus verlieren!
Ja, sieh dich um! Sieh zu wies tut!« –
Da sieht er sein Haus in heller Glut,
In lohen Flammen!
Vor Schrecken der Mann sich selbst nicht kennt
Und rennt und rennt und rennt und rennt
Hinein zum Dorfe.
Ihm nach erklingts: »Du Übermut,
Da sieh wies tut! da sieh wies tut!«
Viel tausend Stimmchen.
Der Mann schreit Feuer im Dorf herum,
Doch niemand kümmerte sich darum,
Die Bauern lachten.
Sie sprachen: Wir sehn nicht Rauch, nicht Schein:
Du kommst wohl eben vom süßen Wein?
Du bist betrunken!
Da sprach er: so muß ich löschen allein,
Und schöpft einen Eimer Wasser ein
Und läuft zum Hause.
Da kommt sein Weib aus dem Keller hervor –
Platsch! gießt er den Eimer ihr übers Ohr,
Sie auszulöschen,
Und schöpft aufs neu, Großmutter kommt,
Kein Reden hilft, kein Bitten frommt;
Er gießts ihr über!
Er sieht allein die Flammen nur,
Begießt Tisch, Bett, Stuhl, Bank und Flur,
Stall, Küh und Kälber,
Den Hund an der Kette, die Ziegen im Gras:
Das war für alle Leute ein Spaß
Im ganzen Dorfe!
Und endlich fing man den tollen Hans
Und begoß ihn selber: das war ein Tanz!
Nun ward ihm anders. –
Da stand und glotzt und gaffte der Mann
Und sah das nasse Haus sich an,
Und lachte selber.
Er merkte, das Feuer war Geistertrug,
Und dachte: das war nun Spaß genug,
Und ließ das Graben.
Und verkaufte das Geisteräckerchen gern,
Er gabs für ein Ei und drei Mandelkern,
Und mied die Düne.
Die Önnerbänkissen meiden sie auch,
Man sieht nur selten noch blauen Rauch,
Sie ziehn sich tiefer.
Es rumpelte so die eine Nacht,
Da, sagt man, haben sie weggebracht
Den Drachenkasten.
Noch hat man im Land ein eigen Lied,
Das sich auf der Geister Ziehn bezieht,
Die Kinder singens.
Weiß niemand, wer es die Kinder gelehrt,
Man glaubt, sie habens am Strande gehört,
Dort in der Düne.
Es lautet: »Welt, Welt, Welt entweich!
Zieht ein, zieht ein ins Niederreich,
Da blühn die Felder!
Da tobt nicht Krieg, nicht Sturm, nicht See,
Da tut der Winter mit Schnee nicht weh,
Da fließts von Bächen!
Und Bäume wachsen und Früchte bunt,
So süß wie ein Kuß von Kindesmund,
Und Vöglein singen,
Und Hasen springen und Hirsche im Strauch,
Und Ringeltänzchen tanzen wir auch
Auf grünen Auen.
Was brauchen wir Sonn und Mondenschein?
Uns leuchtet ja der Karfunkelstein
Allmächtig, prächtig. –
Nun trippelt und trappelt hinab, hinab!
Laß keiner keine Nebelkapp
Im Winkel liegen!«
Dies Liedelein, sagt man, sangen sie
Im Ziehn, doch ganz entwichen sie nie:
Es gibt noch welche.
Und manchmal kommt noch eines heraus
Und wohnet bei guten Leuten im Haus:
Sie tun viel Gutes.

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Auch noch Lampenfieber

Dienstag, 18. März 2008 · 5 Kommentare

Nach den unsäglich anstrengenden letzten drei Tagen habe ich nun auch eine Veranstaltung vor mir! Morgen abend ist es so weit, und ich habe nicht übermäßig viel geprobt. Nun ja, dafür steht die Hälfte der Bücher in den Regalen, das inspiriert.

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Undines Vater hat Geburtstag

Dienstag, 12. Februar 2008 · 3 Kommentare

Vor 231 Jahren wurde Friedrich de la Motte-Fouqué geboren.
motte-fouqué
Sein bekanntestes Werk, Undine, ist die zauberhafte und tragische Geschichte einer Nixe, die einen Menschen liebt. Mir gefällt daran, daß Undine die sympathische Figur ist: sie, nicht der Mensch Huldbrand, ist treu und ehrlich, dabei auch selbstbewußt; sie versucht am Ende die Katastrophe zu verhindern – vergeblich, weil die Menschen nicht auf sie hören.

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Himmlisches in Prenzl’berg

Sonntag, 13. Januar 2008 · Kommentar schreiben

Ein Sonntagsspaziergang führt mich zu einem Engel,
Putto
zu einer franziskanisch gesonnenen Madonna,
Sistina Berolinensis
zu einer Versöhnung zwischen Welt und Kirche – beide sagen im Grunde das Gleiche!,
Allet Gute kommt von oben
zu einem Rosenwunder im Arnimpark,
Rose im Januar
zu den Magnolienknospen daselbst,
Magnolienknospen
zu der nicht neuen Erkenntnis, das Clemens Brentano und Bettina von Arnim nicht von allen geehrt werden,
Brentano und B.v. Arnim
und zu einem Denkmal der Muße ebenso wie der Muse.
Muße für Muse

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