Mein Leben als Rezitatorin

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Ich bete an die Macht der Liebe

Mittwoch, 25. November 2009 · 3 Kommentare

Vor 312 Jahren wurde Gerhard Tersteegen geboren.
Obwohl sprachlich hochbegabt – er beherrschte neben seiner Muttersprache Deutsch die lateinische, griechische, hebräische, holländische und französische Sprache und lernte auch Spanisch und Italienisch – konnte er mangels Geld nicht studieren. Aber dichten konnte er!

Gott, du bist Licht und wohnst im Licht;
ach mach mich licht und rein,
zu schauen, Herr, dein Angesicht
und dir vereint zu sein.

So lass mich wandeln, wo ich bin,
vor deinem Angesicht;
mein Tun und Lassen, all mein Sinn
sei lauter, rein und licht.

Dein Auge leite meinen Gang,
dass ich nicht irregeh;
ach bleib mir nah mein Leben lang,
bis ich dich ewig seh.

Eigentlich widerstrebt mir der Pietismus. Aber Tersteegens Lieder, die so realistisch von menschlicher Hinfälligkeit sprechen und so überzeugt von Gottes Liebe – die lese, höre und singe ich gern. Tersteegen ging durch Selbstzweifel, Zweifel an Gott und Religion, und fand zu einer überzeugenden kontemplativen Religiosität und tätigen Nächstenliebe. Er sah das eigene Gewissen, die eigene Vernunft als hohe Instanz an, aber er sah zugleich klar die ständige Möglichkeit des Irrtums – und glaubte an eine irrtumslose Instanz über den Fähigkeiten menschlichen Geistes.
Daß er kein Sektierer war, zeigt auch folgender Satz (zu dem ich leider keine genaue Quellenangabe machen kann):

Ich glaube, dass sowohl in der Partei der Römisch-Katholischen als unter den Lutheranern, Reformierten, Mennoniten die Seelen zu dem höchsten Gipfel der Heiligung und Vereinigung mit Gott gelangen können.

Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesu offenbart;
Ich geb mich hin dem freien Triebe,
wodurch ich Wurm geliebet ward;
Ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

Für Dich sei ganz mein Herz und Leben,
Mein süßer Gott, und all mein Gut!
Für Dich hast Du mir’s nur gegeben;
In Dir es nur und selig ruht.
Hersteller meines schweren Falles,
für Dich sei ewig Herz und alles!

Ich liebt und lebte recht im Zwange,
wie ich mir lebte ohne Dich;
Ich wollte Dich nicht, ach so lange,
doch liebest Du und suchtest mich,
mich böses Kind aus bösem Samen,
im hohen, holden Jesusnamen.

Des Vaterherzens tiefste Triebe
in diesem Namen öffnen sich;
ein Brunn der Freude, Fried und Liebe
quillt nun so nah, so mildiglich.
Mein Gott, wenn’s doch der Sünder wüsste! -
sein Herz alsbald Dich lieben müsste.

Wie bist Du mir so zart gewogen,
und wie verlangt Dein Herz nach mir!
Durch Liebe sanft und tief gezogen,
neigt sich mein Alles auch zu Dir.
Du traute Liebe, gutes Wesen,
Du hast mich und ich Dich erlesen.

Ich fühls, Du bist’s, Dich muss ich haben,
ich fühls, ich muss für Dich nur sein;
Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben,
mein Ruhplatz ist in Dir allein.
Hier ist die Ruh, hier ist Vergnügen;
drum folg ich Deinen selgen Zügen.

Ehr sei dem hohen Jesusnamen,
in dem der Liebe Quell entspringt,
von dem hier alle Bächlein kamen,
aus dem der Selgen Schar dort trinkt.
Wie beugen sie sich ohne Ende!
Wie falten sie die frohen Hände!

O Jesu, dass Dein Name bliebe
im Grunde tief gedrücket ein!
Möcht Deine süße Jesusliebe
in Herz und Sinn gepräget sein!
Im Wort, im Werk, in allem Wesen
sei Jesus und sonst nichts zu lesen.

Eine schöne Vertonung dieses Gedichtes stammt von Dimitrij Bortnjanskij – dafür, daß sie in Deutschland Teil des Zapfenstreichs ist, kann weder der Komponist noch der Dichter, und vielleicht muß man sich einfach freuen, wenn selbst im Militär gelegentlich mal etwas Gutes, Wahres und Schönes gesagt wird.

Warum übrigens die schlechte Kopie eines guten Portraits von Ludwig Tieck als Portrait von Tersteegen durch das Netz geistert, weiß Gott allein.

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Wilde Klänge

Samstag, 17. Oktober 2009 · 3 Kommentare

Vor 160 Jahren starb Fréderic Chopin.
Ich bin in musikalischer Hinsicht zu ungebildet, um etwas Nennenswertes über ihn zu schreiben – aber man kann ihn ja auch einfach hören.


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Monika Gliszczynski singt Martin Sperlich

Freitag, 18. September 2009 · Kommentar schreiben

Das Konzert im Mittelhof war leider nicht eben üppig besucht – vielen Menschen, die in den schönen Raum noch gut gepaßt hätten, entging es.
Wundervollen lyrischen Jazz gab es wieder zu hören – in polnischer und deutscher Sprache, und in der gewohnten Bandbreite von beschwingt-fröhlich bis tieftraurig.
Besonders eine Komposition der Sängerin hat es mir angetan; sie hat Verse von Martin Sperlich auf originelle und dabei genau passende Art vertont.

Ist der Glanz der Gärten
Fern auch und verblaßt,
Tragen die Gefährten
Eigen Glück und Last,

Nach des Tages Drängen
Aus dem Sternenlicht
Neigt sich meinen Gängen
Wieder mein Gesicht.

Wie im Hauch des Windes
Warm dein Atem bebt
Lächeln eines Kindes
Mir entgegenschwebt

Bin ich ganz umfangen,
Ganz von dir erfüllt,
Bis sich schwarzverhangen
Stern auf Stern verhüllt.

***

Sprüht im Frühtau wunderbar
Tropfen des Gezweiges,
Wiegt der Weiden Silberhaar
Um den Rand des Teiches

Blitzt‘s im Grase tausendfach
Regenbogenfarben,
Schweben, wehn vom Wiesenbach
Nebel um die Garben.

Eben noch vom Schlafe schwer
Fröstelnd aufgesessen,
Haben Weg wir und Gewehr
Und die Zeit vergessen.

Ließen einen Atem lang
Selig uns entgleiten.
Ferner Donner, dumpf und bang
hieß uns wieder reiten.

© Cornelia Sperlich

Die wundervolle Melodie kann ich hier nicht vorstellen – aber Monika Gliszczynski wird noch viele Konzerte geben und hoffentlich auch bald eine CD anbieten.

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Gartenarbeit und Gesang

Samstag, 12. September 2009 · Kommentar schreiben

Die Gartenarbeit fiel heute etwas kürzer aus – gejätet habe ich und die Glyzinie beschnitten, die den Eingang nicht vollständig verdunkeln, sondern schmücken soll.
Pergola mit Glyzinie
Glyzinienabfall

Eibe und Mehlbeere sorgen für die Vögel.
Eibenbeeren
Mehlbeere 1

Die große Wunderblume auf der Terrasse ist die Mutterpflanze, aus der ich meine noch winzige Balkon-Jalapa gezogen habe. In diesem Jahr zeigt sie drei Farben; wenn ich nicht irre, waren es im letzten nur zwei.
Jalapa Mirabilis

Am frühen Nachmittag ging es zum Stadtkloster Segen zu einem hier bereits angekündigten Konzert. Es lief gut! Die Zusammenarbeit der beiden Chöre war eine große Freude für alle Mitwirkenden – und, wie wir am Applaus merkten, auch für die Zuhörer. Gregorianik ist immer hinreißend – ich bin froh und dankbar, daß ich hier mitsingen darf.
Das Stadtkloster Segen wird gerade sehr aufwendig restauriert. Das ist dringend notwendig; auch wenn ich die Putten und Schnörkel im Zuckerbäckerstil nicht mag, soll dieser so wichtige Bau in einer Häuserzeile mitten in der Stadt als Ort der Zuflucht, der Besinnung und der Kultur unbedingt erhalten bleiben.
Stadtkloster Segen 2
Stadtkloster Segen 4
Stadtkloster Segen 3

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Am Samstag wird gesungen!

Montag, 7. September 2009 · 2 Kommentare

Wer am 12. September in Berlin ist und Zeit hat, kann im Stadtkloster Segen um 15.30 Uhr gregorianische Gesänge hören. Unter der Leitung von Markus Krafczinski singt die Berliner Choralschola (der ich seit kurzem angehöre) gemeinsam mit dem liturgischen Chor Lauda Sion.

Anlaß ist der Tag des offenen Denkmals. Also, liebe Musikfreunde in und um Berlin – laßt Euch das Stadtkloster zeigen und taucht in die wunderschönen Klänge der Gregorianik ein.

Um 17.00 Uhr gibt es am gleichen Ort Klezmer- und Jazz-Musik zu hören, um wieder auf die Erde zu kommen.

Und da ich schon beim Werben bin, weise ich auf ein weiteres Konzert hin: Monika Gliszczynski tritt am 18. September um 20.00 Uhr mit ihrer Band im Café Mittelhof auf. Es lohnt sich immer wieder, dieser facettenreichen Sängerin zu lauschen.

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Barocker Himmelstürmer

Montag, 10. August 2009 · 1 Kommentar

Philipp_Nicolai_2[1]

Vor 453 Jahren wurde der Pfarrerssohn Philipp Nicolai geboren. Er sollte nicht nur Hofprediger werden, sondern auch einer der bis heute bekannten Kirchenliedautoren: die Choräle Wie schön leuchtet der Morgenstern und Wachet auf, ruft uns die Stimme gehören zu den Dauerbrennern in evangelischen wie katholischen Gesangbüchern.

Ein weniger bekanntes Lied über den 42. Psalm stelle ich in Originalorthographie vor. Mehr himmelsüchtige Weltflucht, mehr überschwengliche Gottesliebe ist kaum möglich!

Der Welt Abdanck / für eine himmeldürftige Seele: Gestelt vber den 42. Psalm Dauids / Im Thon: So wündsch ich jhr ein gute Nacht.

So wündsch ich nun eine gute Nacht
Der Welt/ vnd laß sie fahren/
Ob sie mir gleich viel Jammers macht/
Gott wirdt mich wol bewahren/
Ich meynt die Welt/ wer eytel Gold/
Befind es nun viel anders.

Ein Hirsch von Schlangen angesteckt/
Nach frischem Wasser schreyet/
Also hat mich zum Durst erweckt/
Die Welt vermaledeyet/
Auch thät mir bang/ die alte Schlang/
Daß ich zu Gott muß schreyen.

Wenn komm ich in dein Paradeiß/
Da schon viel Christen wohnen?
Vnd singen dir Lob/ Ehr vnd Preiß/
Bekleidet mit der Sonnen?
Wenn holstu mich/ ins Himmelreich?
Da ich dein Antlitz schauwe.

Mein Seel hat noht/ vnd leidet Qual/
Daß ich so lang muß harren/
Gespannet auff dem Jammerthal/
Als zög ich schwere Karren.
Da treibt jhrn Spott/ Die falsche Rott/
Mit mir in meinen Nöthen.

Sie fragen/ Ja wo bleibt dein Gott?
Ja daß er dir erscheine.
Der Hohn kränckt mir mein Hertz vnd Blut/
Daß ich vor Trübsal weine.
Ey komm doch bald/ Mein Auffenthalt/
Vnd reiß mich von der Erden.

Ey nimm mich in den Frewdensaal/
Von dir bereitet droben/
Da dich die Patriarchen all/
Mit den Propheten loben:
Vnd da die Schar der Engel klar/
Vmb deinen Thron herschweben.

Was kränckstu dich mein arme Seel?
Sey still vnd thue nicht wancken:
Gott ist mein Burg/ mein Trost vnd Heyl/
Deß werd ich ihm noch dancken.
Drück dich/ vnd leid/ ein kleine Zeit/
Nach Angst kompt Freuwd vnd Wonne.

Das Kräutlein patientia,
Wächst nicht in allen Garten/
Ach Gott/ schaff du mirs jmmerdar/
Daß ich könn deiner warten.
Sonst bin ich sehr/ betrübt vnd schwer
Von Angst auff dieser Erden.

Ich sehe/ daß dein Zorn/ wie ein Flut
Dem gantzen Land begegnet:
Vnd daß es schrecklich brausen thut/
Wo sich dein Grimm erhebet.
Die Wellen gar/ ich auch erfahr
Sampt deinen Wasserwogen.

Darumb bin ich der Welt so müd/
All Tag vnd Nacht ich weine:
Vnd laß nicht ab/ biß deine Güt
Verheissen mir/ erscheine:
Nun eyl doch fort/ mein trawter Hort/
Vnd nim mich hin in Frieden.

Wie lang soll ich hie trawrig gehn/
Da mich die Feinde plagen?
Es ist ein Mord in meinem Bein/
Daß sie gantz höhnlich fragen/
Sag an/ wo ist dein Jesus Christ?
Ja daß er dich erlöse?

Gedult/ Gedult du trawrige Seel/
Gedult ist hie von Nöhten/
Biß daß vns der lieb Immanuel
Von diesen argen Kröten/
Wol zu sich reiß ins Paradeiß.
Da werden wir im dancken.

Mich berührt dabei besonders die 8. Strophe – Das Kräutlein patientia, Wächst nicht in allen Garten - auch in meinem nicht, wie ich allzu gut weiß.

Ein Digitalisat des 1599 unter dem Eindruck der Pest in Unna erschienenen Werkes FrewdenSpiegel deß ewigen Lebens hat die Bayerische Staatsbibliothek dankenswerterweise ins Netz gestellt.

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Anno Domini

Mittwoch, 18. März 2009 · 4 Kommentare

… heißt ein seit Ende Februar bestehender feiner kleiner Laden für Liebhaber des Mittelalters mit einer angrenzenden Taverne, in der es ganz neuzeitlichen (frisch gemahlenen, hervorragenden) Kaffee ebenso gibt wie einige nach alten Rezepten zubereitete Speisen und Met.
Neben Accessoirs wie in so professioneller wie liebevoller Handarbeit hergestellten Hauben und Mützen, Gürteln und Börsen und verschiedenen kunsthandwerklichen Gegenständen aus schönen Materialien wie Horn und Messing gibt es eine Auswahl an CDs mittelalterlicher Musik und einiges an Büchern und Noten.
Auch verschiedene Veranstaltungen werden geboten – Spielleute und Handwerker zeigen ihr Können gerne öffentlich und können auch einiges dazu erklären.
Abgesehen davon macht es nicht nur der schönen Dinge wegen Freude, in diesem Laden zu sein: Die Inhaber sind freundlich, und es hat seinen besonderen Reiz, mit den Worten „Seid gegrüßt“ empfangen zu werden von einem mittelalterlich gekleideten Paar. (Auch hat es mich innig gefreut, daß mein „Salve“ beim Eintreten durchaus schicklich gefunden wurde.)
Möglicherweise wird es hier auch zu einer gelegentlichen Zusammenarbeit kommen. Daß überhaupt hier war, hat seinen Grund in meiner Hoffnung, mein Plakat für die Veranstaltung am 29. April möge hier beachtet werden.

archipoeta-plakat1

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Glasklare Klänge

Samstag, 14. März 2009 · 4 Kommentare

Vor 328 Jahren wurde Georg Philipp Telemann geboren, der so wunderbar klare und liebliche Musik schrieb. Hier wird sie von Frans Brüggen interpretiert:

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Voz e violao

Donnerstag, 12. Februar 2009 · 1 Kommentar

war der Titel eines Konzertes in der Buchhandlung meines Vertrauens; das ist der brasilianische Ausdruck für die Darbietung einer Person mit Stimme und Gitarre.
Hier waren es zwei: die Sängerin Ina Frerichs und der Gitarrist Gregor Zimball. Kompositionen von diesen beiden und anderen waren zu hören, brasilianisch geprägte, heitere Musik zum Wohlfühlen in mir zwar sehr fremden, aber unmittelbar angenehmen Klangmustern. Der Synthesizer sorgte gelegentlich für den Eindruck einer sechsköpfigen Band – aber ohne „maschinell“ zu klingen.
Mir gefiel besonders eine Komposition Zimballs über ein Gedicht eines brasilianischen Autors (dessen Name mir leider entfallen ist), Virtuao, das – wie der Musiker mir in der Pause erklärte – von virtuellen Welten handelt. Es war für mich das Stück mit der größten Tiefe und Bedeutung, über das bloße Wohlgefühl angenehmer Klänge weit hinausgehend.
Zimball spielt auch in den temperamentreichsten Passagen mit Zartheit und Charme. Frerichs’ Stimme ist unbestreitbar schön und warm, aber im ersten Teil des Konzerts hatte ich das Gefühl, die Sängerin kontrolliere sich ständig selbst. Im zweiten Teil wurde sie wagemutiger.
Die portugiesischen Texte verstehe ich zwar nicht, habe aber den Klang dieser Sprache sehr genossen. Frerich sang auch eigene Kompositionen über Gedichte von William Butler Yeats – eine gute Gelegenheit, diesen Dichter mal zur Kenntnis zu nehmen! -; schön zu hören wie alles an diesem Abend, vielleicht ein wenig zu lieblich für diese wehmütigen Texte.

Never Give All the Heart

Never give all the heart, for love
Will hardly seem worth thinking of
To passionate women if it seem
Certain, and they never dream
That it fades out from kiss to kiss;
For everything that’s lovely is
But a brief, dreamy, kind delight.
O never give the heart outright,
For they, for all smooth lips can say,
Have given their hearts up to the play.
And who could play it well enough
If deaf and dumb and blind with love?
He that made this knows all the cost,
For he gave all his heart and lost.

The Countess Cathleen In Paradise

All the heavy days are over;
Leave the body’s coloured pride
Underneath the grass and clover,
With the feet laid side by side.
Bathed in flaming founts of duty
She’ll not ask a haughty dress;
Carry all that mournful beauty
To the scented oaken press.
Did the kiss of Mother Mary
Put that music in her face?
Yet she goes with footstep wary,
Full of earth’s old timid grace.
‘Mong the feet of angels seven
What a dancer glimmering!
All the heavens bow down to Heaven,
Flame to flame and wing to wing.

Auch wenn ich ein mit landestypischer Sinnsucht zuhöchst behafteter Mensch bin, hat mir dieser Abend gefallen. Sich einfach nur wohlzufühlen ist ja nicht eben ein Fehler.

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Ein Musikmeister in allen Lebenslagen

Dienstag, 27. Januar 2009 · 3 Kommentare

Mozart

Des Mannes Bedürfnisse waren sehr vielfach, seine Neigung zumal für gesellige Freuden außerordentlich groß. Von den vornehmsten Häusern der Stadt als unvergleichliches Talent gewürdigt und gesucht, verschmähte er Einladungen zu Festen, Zirkeln und Partien selten oder nie. Dabei tat er der eigenen Gastfreundschaft innerhalb seiner näheren Kreise gleichfalls genug. Einen längst hergebrachten musikalischen Abend am Sonntag bei ihm, ein ungezwungenes Mittagsmahl an seinem wohlbestellten Tisch mit ein paar Freunden und Bekannten, zwei-, dreimal in der Woche, das wollte er nicht missen. Bisweilen brachte er die Gäste, zum Schrecken der Frau, unangekündigt von der Straße weg ins Haus, Leute von sehr ungleichem Wert, Liebhaber, Kunstgenossen, Sänger und Poeten. Der müßige Schmarotzer, dessen ganzes Verdienst in einer immer aufgeweckten Laune, in Witz und Spaß, und zwar vom gröberen Korn, bestand, kam so gut wie der geistvolle Kenner und der treffliche Spieler erwünscht. Den größten Teil seiner Erholung indes pflegte Mozart außer dem eigenen Hause zu suchen. Man konnte ihn nach Tisch einen Tag wie den andern am Billard im Kaffeehaus und so auch manchen Abend im Gasthof finden. Er fuhr und ritt sehr gerne in Gesellschaft über Land, besuchte als ein ausgemachter Tänzer Bälle und Redouten und machte sich des Jahrs einige Male einen Hauptspaß an Volksfesten, vor allen am Brigitten-Kirchtag im Freien, wo er als Pierrot maskiert erschien.

Eduard Mörike, Mozart auf der Reise nach Prag

Er war unglaublich vielfältig – derb und komisch, weich und wehmütig, angstvoll und zuversichtlich, und konnte diese seelische Vielfalt immer in wundervoller Musik ausdrücken.

Hier ein aus einem einfachen Liedchen entstandenes lustiges, aber keineswegs banales Klavierstück,

hier eine häufig geäußerte, aber selten befolgte Aufforderung in Form eines sechsstimmigen Kanons (beachte die Präposition; Goethe benutzt sie in diesem Zusammenhang auch),

hier ein entzückender Chor aus der Zauberflöte,

und auch das Dies Iræ, dies gewaltige Gedicht über die Angst, wurde von Mozart musikalisch interpretiert – ohne Beschönigung, von einem Menschen, der die Angst offenbar gut kannte.

253 Jahre alt wäre er heute – und seine Musik ist immer noch so, daß sie fast alle Menschen unmittelbar anspricht.

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