Mein Leben als Rezitatorin

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Zum vierten Advent

Sonntag, 20. Dezember 2009 · 6 Kommentare

Allen Lesern wünsche ich einen schönen, ruhigen, friedvollen Adventssonntag und einen stressarme, sinnreichen Ausklang der Adventszeit.
Zum vierten Advent

Der Garten sieht festlich aus im Schnee.
Dezembergarten 1
Dezembergarten 2
Dezembergarten 3
Physalis im Schnee

Einige Fensterscheiben erhöhen die Pracht.
Eisblumen 1
Eisblumen 2
Eisblumen 4
Eisblumen 3

Eine Narzisse versucht zu blühen – aber das geht ja nun gar nicht.
Narzissenknospe im Dezember 2
Narzissenknospe im Dezember 1

Nicht nur der Kopf des Denkers ist kühl.
Kühler Denker

Das Popokapitel trägt eine Mütze. Der Rhododendron faltet die Händchen.
Popokapitel im Schnee

Gartenfreunde hinterlassen Spuren.
Vogelspuren im Schnee 2
Vogelspuren im Schnee 1

Auf dem Weg ragt ein Buchenzweig mit leeren Eckernhüllen in den Himmel.
Buchenzweig im Dezember

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Hohe Nacht der morschen Knochen

Samstag, 19. Dezember 2009 · 5 Kommentare

Über die keinesfalls immer segensreiche musikalische Tradition habe ich bereits vor einem Jahr berichtet.
Zu meinem fassungslosen Entsetzen ist in diesem Jahr eine CD mit dem Titel Hohe Nacht der klaren Sterne im Handel.
1936 verfaßte der damalige Referent der Reichsjugendführung, Hans Baumann, neben dem unsäglichen Marschlied Es zittern die morschen Knochen auch dies Lied:

Hohe Nacht der klaren Sterne,
Die wie weite Brücken stehn
Über einer tiefen Ferne,
D’rüber unsre Herzen geh’n,

Hohe Nacht mit großen Feuern,
Die auf allen Bergen sind,
Heut’ muß sich die Erd’ erneuern,
Wie ein junggeboren Kind!

Mütter, euch sind alle Feuer,
Alle Sterne aufgestellt;
Mütter, tief in euren Herzen
Schlägt das Herz der weiten Welt!

Hoch, weit, tief, groß – Adjektive erheblicher Ausdehnung prägen dies Lied; wer sich die bildende Kunst und Architektur der Nazizeit zu Gemüte führt, sieht schnell, daß der Blick auf das Zarte, Kleine ihr fremd war. Klar - in seiner ganzen Bedeutungsspanne von fleckenlos, rein, hell, unverfälscht – werden die Sterne genannt, aber die Verbindung (die Brücke!) zu den Herzen wird unmittelbar und überdeutlich geschlagen; sie werden klar gedacht wie die Sterne.
Die zweite Strophe beginnt mit dem in der Naziliteratur häufigen Bild des Feuers; der urtümliche Brauch der Sonnenwendfeuer wird assoziiert. (Tatsächlich brannten solche Feuer natürlich viel eher in den Ebenen als auf den Bergen, wo sowohl Menschen als auch Brennholz knapp waren. Aber Berge wirken halt mehr.) Der naturreligiöse Gedanke der Erneuerung der Erde in der längsten Nacht des Jahres wird mit dem der Geburt eines Kindes verknüpft; das Fest der Christgeburt mit seiner Lichtmetaphorik wird ersetzt durch ein unmittelbar den natürlichen Jahreskreis illustrierendes Fest. Mit der Wortschöpfung junggeboren (als ginge das Geborenwerden auch anders als jung) wird zugleich der in der Nazizeit starke Jugendwahn und die Idee der „Verjüngung des Volkes“ bedient.
In der dritten Strophe werden die Mütter geradezu heiliggesprochen. Hier werden verschiedene Bilder, durch die die Mutter Jesu beschrieben und verehrt wird (Sternenkrone, Herz Mariae, Maria auf der Weltkugel), in pervertierter Weise auf „die Mütter“ angewandt – und man ahnt schon, daß bei diesem Bild nicht an eine Jüdin gedacht wird.
Das Lied beschreibt nicht die Bewunderung und Ehrfurcht vor dem bestirnten Himmel, sondern erhebt den Sänger oder Zuhörer, entrückt ihn scheinbar zu den Sternen (in seiner Eigensicht weit über das neugeborene Kind, um das es den Sängern anderer Lieder zu dieser Zeit geht), läßt ihn sich als Übermenschen fühlen.
Kurz, in diesem Machwerk wird mit künstlich-volkstümlichem Geschwurbel ein erhabenes und selbsterhebendes Gefühl beschworen, Naturverbundenheit, mystisches Gewaber und Mutterkult werden verwoben in einem den Verstand mißachtenden und vernebelnden Lied.

Was aber steht in den bei einem großen Buchversand abrufbaren Kritiken zu der CD?

„Alte, teils heute nur noch wenig bekannte Winter- und Weihnachtslieder, die das Wesen der deutschen Weihnacht so eindrucksvoll widerspiegeln, werden in traditioneller Art dargeboten und damit aufkommender Vergessenheit entrissen…“
„In der neuzeitlichen, vorweihnachtlichen Reizüberflutung á la „Jingle Bells“ und „White Christmas“ führt diese Sammlung sowohl bekannter als auch beinahe vergessener deutscher Weihnachtslieder zurück in die ersehnte Besinnlichkeit der schönsten Zeit im Jahre.“
„Das ist wirklich Volksmusik und nicht dieses „Volkstümliche“ getue. Und auch nicht diese Lieder, die man im Radio nur noch in ihrer verfremdeten englischen Version höhrt. Sehr empfehlenswert für Jung und alt kann ich da nur sagen. Und Außerdem auch eine Weihnachts CD, die auch nicht-Christen ohne bedenken bestellen können.“ [Orthographie wie im Originaltext]
„Ich habe die CD für meine Oma erworben, da sie sich noch aus ihrer Kindheit an das Lied „Hohe Nacht der klaren Sterne“ erinnern konnte, es aber seitdem nicht mehr gehört hat.“
„Generell sind die musikalischen Qualitäten hier im unteren Bereich angesiedelt, hier waren anscheinend Laien am Werk.
Schade um die schönen, alten Lieder…“
„Wie kann man sich trauen, diese schönen, alten Weihnachtslieder in einer solch diletantischen Art und Weise zu singen und dafür auch noch Geld zu kassieren.“

(Hervorhebungen von mir)

Keine der Kritiken zeigt auch nur einen Anhauch von Einsicht, daß es sich zumindest bei dem titelgebenden Lied um schlechte Literatur handelt.
Meine Leser wird es nicht erstaunen, daß ich mich über die beklagte schlechte Gesangsqualität der CD ingrimmig freue.

In einem Artikel des Historisch-kritischen Liederlexikons heißt es:


III. Der Erfolg des Liedes beruhte darauf, dass hier Schüsselbegriffe des Nationalsozialismus wie „Naturmystik, Mutterkult und Neugeburt“ (Esther Gajek) zusammengebracht wurden. Der Rezeptionshorizont war sogar für Christen offen, weil das Lied seine Ideologie nicht kämpferisch, sondern sublim vortrug. Der „Schein des Bekannten“ ermöglichte eine Aufnahme auch bei denjenigen, die nicht aktiv für die nationalsozialistische Weltanschauung eintraten. Das gilt auch für die formal durchaus gelungene Melodie, die ebenfalls von Baumann geschaffen wurde.

V. Nach 1945 riss die Rezeption des Liedes nicht ab: In der Deutschen Demokratischen Republik fand es als Kindergartenlied Verwendung, weil dort christliche Weihnachtslieder verpönt waren. Im Westen wurde das Lied in verschiedenen Liederbüchern abgedruckt, etwa in der Sammlung „Unser fröhlicher Gesell“ (Wolfenbüttel 1956). Selbst in einem Liederbuch des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Essen 1948) ist „Hohe Nacht der klaren Sterne“ enthalten.

Hans Baumann schrieb auch einige ganz niedlich und harmlos klingende Liedtexte, die ich in der Grundschule lernte. Als Jugendbuchautor war er nach Kriegsende sehr produktiv.
Man kann argumentieren, er war sehr jung, als er die genannten Unsäglichkeiten veröffentlichte. Auch ich habe im jugendlichen Alter schlechte Gedichte geschrieben (die aber, Gott sei Dank, nicht veröffentlicht wurden und auch keine Diktatur unterstützten). Aber es wird mir nicht mehr möglich sein, jene niedlichen Frühlingslieder zu hören, ohne an die hohe Nacht und die morschen Knochen zu denken. Eine eindeutige Abkehr des Autors von seinem Jugendwerk ist mir nicht bekannt.

Ich habe kurze Zeit damit verbracht, nach einigen anderen Liedtexten besagter CD (die ich nicht erwerben und nicht hören will) zu forschen. Diese Arbeit mußte ich wegen lektürebedingter akuter Übelkeit aufgeben.

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Seltsame Vorwürfe

Donnerstag, 17. Dezember 2009 · 4 Kommentare

Weil ich mich über eine schlechte kirchenfeindliche Karikatur nicht über Gebühr errege, wurde mir kürzlich implizit braunes Mitläufertum vorgeworfen. Die Begründung: Wenn ich mich darüber nicht aufrege, dann hätte ich mich über antisemitische Karikaturen der 20er und 30er Jahre auch nicht aufgeregt.
Im Zusammenhang mit jenem Vorwurf mußte ich auch noch eine Art Aufrechnung lesen, wer schlimmer war in der Nazizeit, Protestanten oder Katholiken. Du lieber Himmel – hilfts der Wahrheit vielleicht auf die Beine, wenn wir ausrechnen, Angehörige welcher Konfession in welcher Zeitspanne mehr gesündigt haben? Sind die einen weniger erlösungsbedürftig als die anderen, und die wiederum weniger als die noch ganz anderen?

Solche Momente lassen mir die Kirche, der ich angehöre und aus deren Reihen diese absurden Anwürfe kamen, nicht als mit besonderer Gnade begabt erscheinen. Kurz gesagt: Was ich da von Katholiken lese, wetteifert in der Dummheit und Arroganz mit dem, was ich von aggresiv-atheistischer Seite über Katholiken (und andere Konfessionen und Religionen) lese. Wenn es so weitergeht, braucht es keine Atheisten, um die Kirche zu zerstören – die Christen können das ganz alleine.

Ich wäre gern Mitglied einer Kirche, die logisch denkt wie Augustinus und wie Paul Tillich, die liebt wie Thérèse von Lisieux und wie Paul Gerhardt, tapfer ist wie Karl Leisner und Dietrich Bonhoeffer. Stattdessen bin ich Mitglied einer Kirche, in der einige Mitglieder zur Bildungsferne fast ebenso viel beitragen wie ihre Gegner, die zwischen Engstirnigkeit und laissez-faire schwankt und die gute Eigenschaften gern der eigenen und schlechte der anderen Konfession zuschreibt. Ich bin sicher, daß ich dies, wäre ich Mitglied eines anderen Teils der Kirche, ebenso formulierte.

Dankbar bin ich dafür, kluge, geradlinige und aufrichtige Menschen verschiedener Konfessionen und konfessionsloser Überzeugungen zu meinen Freunden zählen zu dürfen. Das gibt Hoffnung und macht die adventlichen Tage des Wartens heller.

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Merkur in Berlin

Dienstag, 15. Dezember 2009 · 1 Kommentar

Der Gott der Händler und der Diebe hat in Berlin einen Tempel!
Oder wem sonst soll ein Markt mit einem solchen Eingang gewidmet sein?
Merkurtempel 1

Kannellierte Säulen, Kapitelle, Akanthen, Tympanon (wennzwar ein schlichtes) – alles vorhanden.
Merkurtempel 2

Ursprünglich ist das zwar kein Markt, und auch heute nicht nur. Aber Merkur ist ja auch für die Reisenden zuständig, ich bleibe also dabei, es war schon immer sein Tempel.
Merkurtempel 3

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Zum dritten Advent

Sonntag, 13. Dezember 2009 · 3 Kommentare

Allen Lesern wünsche ich einen gesegneten, friedvollen dritten Advent, Gerechtigkeit und Liebe.
Eine erste Weihnachtskarte habe ich bekommen – vielen Dank der Absenderin!

Dritter Advent

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Zum zweiten Advent

Sonntag, 6. Dezember 2009 · 6 Kommentare

Allen Lesern wünsche ich einen frohen, guten, gesegneten zweiten Adventssonntag!

Zweiter Advent
Adventskalender

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Die erste Kerze

Sonntag, 29. November 2009 · 12 Kommentare

Allen Lesern wünsche ich eine frohe, stressarme, segensreiche, liebevolle Adventszeit!
Da mein virtueller Adventskalender sich erst am 1. Dezember öffnet, hier einige Photos meines heimischen Adventskalenders – der schon heute sein erstes Türchen öffnet.

Das Bücherregal ist ein guter Ort für einen Adventskalender, in dem es heuer Bibelzitate zu den Themen Weisheit und Liebe gibt.
Adventskalender 1
Adventskalender 2
Adventskalender 3

Auch ein Adventskranz muß sein, wie jedes Jahr. Die erste Kerze steht im Kranz, die anderen warten noch außerhalb.
Erster Advent

Ich liebe den Advent, Zeit zwischen Rummel und Einkehr, Kitsch und Kunst, Süßkram und Fasten, Sentimentalität und Religion – eine sicher nicht einfache Zeit, zumal in winterkalten Gegenden mit kurzen Tagen, aber ich möchte nicht auf diese schöne Zeit verzichten.
Nur angesichts der hausgroßen Plakate, die mit Weihnachtsmännern und Tannenbäumen für den Konsum ohne Sinn und Verstand werben – da könnte ich zuweilen zur Bilderstürmerin werden. Allein, das nützt ja auch nichts – also: tief durchatmen, ein unfreundliches Wort denken und das beworbene Dingsda nicht kaufen.

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Ich bete an die Macht der Liebe

Mittwoch, 25. November 2009 · 3 Kommentare

Vor 312 Jahren wurde Gerhard Tersteegen geboren.
Obwohl sprachlich hochbegabt – er beherrschte neben seiner Muttersprache Deutsch die lateinische, griechische, hebräische, holländische und französische Sprache und lernte auch Spanisch und Italienisch – konnte er mangels Geld nicht studieren. Aber dichten konnte er!

Gott, du bist Licht und wohnst im Licht;
ach mach mich licht und rein,
zu schauen, Herr, dein Angesicht
und dir vereint zu sein.

So lass mich wandeln, wo ich bin,
vor deinem Angesicht;
mein Tun und Lassen, all mein Sinn
sei lauter, rein und licht.

Dein Auge leite meinen Gang,
dass ich nicht irregeh;
ach bleib mir nah mein Leben lang,
bis ich dich ewig seh.

Eigentlich widerstrebt mir der Pietismus. Aber Tersteegens Lieder, die so realistisch von menschlicher Hinfälligkeit sprechen und so überzeugt von Gottes Liebe – die lese, höre und singe ich gern. Tersteegen ging durch Selbstzweifel, Zweifel an Gott und Religion, und fand zu einer überzeugenden kontemplativen Religiosität und tätigen Nächstenliebe. Er sah das eigene Gewissen, die eigene Vernunft als hohe Instanz an, aber er sah zugleich klar die ständige Möglichkeit des Irrtums – und glaubte an eine irrtumslose Instanz über den Fähigkeiten menschlichen Geistes.
Daß er kein Sektierer war, zeigt auch folgender Satz (zu dem ich leider keine genaue Quellenangabe machen kann):

Ich glaube, dass sowohl in der Partei der Römisch-Katholischen als unter den Lutheranern, Reformierten, Mennoniten die Seelen zu dem höchsten Gipfel der Heiligung und Vereinigung mit Gott gelangen können.

Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesu offenbart;
Ich geb mich hin dem freien Triebe,
wodurch ich Wurm geliebet ward;
Ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

Für Dich sei ganz mein Herz und Leben,
Mein süßer Gott, und all mein Gut!
Für Dich hast Du mir’s nur gegeben;
In Dir es nur und selig ruht.
Hersteller meines schweren Falles,
für Dich sei ewig Herz und alles!

Ich liebt und lebte recht im Zwange,
wie ich mir lebte ohne Dich;
Ich wollte Dich nicht, ach so lange,
doch liebest Du und suchtest mich,
mich böses Kind aus bösem Samen,
im hohen, holden Jesusnamen.

Des Vaterherzens tiefste Triebe
in diesem Namen öffnen sich;
ein Brunn der Freude, Fried und Liebe
quillt nun so nah, so mildiglich.
Mein Gott, wenn’s doch der Sünder wüsste! -
sein Herz alsbald Dich lieben müsste.

Wie bist Du mir so zart gewogen,
und wie verlangt Dein Herz nach mir!
Durch Liebe sanft und tief gezogen,
neigt sich mein Alles auch zu Dir.
Du traute Liebe, gutes Wesen,
Du hast mich und ich Dich erlesen.

Ich fühls, Du bist’s, Dich muss ich haben,
ich fühls, ich muss für Dich nur sein;
Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben,
mein Ruhplatz ist in Dir allein.
Hier ist die Ruh, hier ist Vergnügen;
drum folg ich Deinen selgen Zügen.

Ehr sei dem hohen Jesusnamen,
in dem der Liebe Quell entspringt,
von dem hier alle Bächlein kamen,
aus dem der Selgen Schar dort trinkt.
Wie beugen sie sich ohne Ende!
Wie falten sie die frohen Hände!

O Jesu, dass Dein Name bliebe
im Grunde tief gedrücket ein!
Möcht Deine süße Jesusliebe
in Herz und Sinn gepräget sein!
Im Wort, im Werk, in allem Wesen
sei Jesus und sonst nichts zu lesen.

Eine schöne Vertonung dieses Gedichtes stammt von Dimitrij Bortnjanskij – dafür, daß sie in Deutschland Teil des Zapfenstreichs ist, kann weder der Komponist noch der Dichter, und vielleicht muß man sich einfach freuen, wenn selbst im Militär gelegentlich mal etwas Gutes, Wahres und Schönes gesagt wird.

Warum übrigens die schlechte Kopie eines guten Portraits von Ludwig Tieck als Portrait von Tersteegen durch das Netz geistert, weiß Gott allein.

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Bald beginnt die Adventszeit

Sonntag, 15. November 2009 · 13 Kommentare

… und wieder habe ich einen literarischen Adventskalender angerichtet, den meine Leser in der Kopfleiste finden. Wie immer ist Mogeln unmöglich; alle Einträge sind auf Termin gelegt – einstweilen müßt Ihr mit dem Engel vorliebnehmen.
Wer einen Kalender basteln möchte, findet dafür zahlreiche Anleitungen im Netz – auch hier.

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Der Denker des Abendlandes

Freitag, 13. November 2009 · 6 Kommentare

Augustinus

Vor 1655 Jahren – 41 Jahre nach der Legalisierung des Christentums – wurde Augustinus von Hippo geboren.

Ich tue mich in mancher Hinsicht schwer mit diesem Menschen. Daran ist nicht sein in jungen Jahren sehr liederlicher Lebenswandel schuld – den er bereute -, sondern seine so felsenfeste wie wirkmächtige Höllenlehre, die ewige Strafe für zeitliche Vergehen annimmt, seine Unterschätzung der Weiblichkeit (der er nur einen biologischen Sinn zugesteht), und in noch größerem Maße sein hochmütiger Antijudaismus.

Nichtsdestoweniger war er ein scharfer Denker, der Glauben und Logik verband und sich zeitlebens um Erkenntnis mühte. Damit ist der Kirchenvater der Kirche ein gutes Vorbild – dies alles soll sie tun, und damit das gelingt, hat sie sich (als Organisation ebenso wie in jedem einzelnen Mitglied) immer wieder diesen augustinischen Rat zu vergegenwärtigen:

dilige et quod vis fac – Liebe und tu, was du willst.

In epistulam Ioannis ad Parthos, tractatus VII, 8

Also erst einmal lieben – das heißt, den anderen ernst nehmen und sein Bestes wollen -, und dann tun, was man auf dieser Grundlage wollen kann: eine bessere Lebenshaltung ist nicht denkbar.

Zuletzt noch mein Lieblingszitat aus den Confessiones – das mir eine beständige Mahnung ist, wenn ich mich wieder mal nicht danach richte:

optimus minister tuus est, qui non magis intuetur hoc a te audire quod ipse voluerit, sed potius hoc velle quod a te audierit

zu Deutsch:

Dein bester Diener ist nicht, der lieber von dir zu hören begehrt, was er selbst will, sondern der eher das will, was er von dir hört.

Confessiones 10,37

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