Unsäglich faul

ist meine Katze heute, und ich bin es ein wenig auch, aber nicht mit gleichem Genuß. Das kommt vom Gewissen, das ich habe und sie nicht, und auch daher, daß kein Mensch sich ohne Probleme fünf Stunden in eine Schublade legen kann.
Katze in Schublade

Rainer Maria Rilke
Schwarze Katze

Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,
dran dein Blick mit einem Klange stößt;
aber da, an diesem schwarzen Felle
wird dein stärkstes Schauen aufgelöst:

wie ein Tobender, wenn er in vollster
Raserei ins Schwarze stampft,
jählings am benehmenden Gepolster
einer Zelle aufhört und verdampft.

Alle Blicke, die sie jemals trafen,
scheint sie also an sich zu verhehlen,
um darüber drohend und verdrossen
zuzuschauern und damit zu schlafen.

Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,
ihr Gesicht und mitten in das deine:
und da triffst du deinen Blick im geelen
Amber ihrer runden Augensteine
unerwartet wieder: eingeschlossen
wie ein ausgestorbenes Insekt.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Unsäglich faul

  1. Don Farrago schreibt:

    Mein alter Freund Compton Mackenzie hat mal gesagt:
    „Das einzig Rätselhafte an der Katze ist, warum sie sich jemals dazu entschieden hat, ein Haustier zu werden.“

    Und es war ihre Entscheidung.

  2. Claudia schreibt:

    Danke für den Hinweis auf einen weiteren großen Autor (der virtuelle Bücherstapel wächst ins Unermeßliche). Übrigens ist eine Folge des Lebens als Haustier die regelmäßige Versorgung mit Futter, auch im Winter. Das mag die Entscheidung der Katze beeinflußt haben.

Kommentare sind geschlossen.