Totensonntag

Wie alle Welt war ich heute auf dem evangelischen Friedhof Weißensee, obwohl dort kein mir bekannter Mensch begraben liegt. Es herrschte eine geradezu heitere Stimmung trotz des trüben Wetters, die Leute kommen mit Blumen in einen autofreien stillen Park, den sie selbst mitgestalten. Eine alte Frau kam mit einem Strauß roter Rosen.
Auf der Friedhofsmauer wuchert das Schöllkraut, es sieht sehr frisch aus und hat sogar schon Knospen.
Schöllkraut
Auch andere Kräuter wachsen aus dem Backstein, ich frage mich, mit wie wenig Nährstoff sie auskommen können.
Friedhofsmauer mit Gras
Eine schöne Grabfigur, die ich immer betrachte, wenn ich hier spazierengehe.
Grabfigur

Andreas Gryphius
Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Totensonntag

  1. blogsgesang.de schreibt:

    Ausnahmen bestätigen eben immer noch die Regel, denn:

    http://www.blogsgesang.de/2007/11/25/der-totensonntag-stoert/

  2. Claudia schreibt:

    Der Totensonntag stört, das siehst Du richtig, die sonst recht ungebremste Kommerz- und Konsumwut. Da störe ich gerne mit!

  3. Strabo schreibt:

    Was könnte die wohlgeformete junge Frau wohl sagen…?

    Sehet mich an: Ich habe eine kleine Zeit Mühe und Arbeit gehabt, und habe großen Trost gefunden.

    (Sirach 51, 35; im Deutschen Requiem von Joh. Brahms)

  4. Pingback: Spaziergang auf dem Friedhof Weißensee « Mein Leben als Rezitatorin

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