Baumlandschaft

Auf dem eine Strecke waagerecht wachsenden Stamm einer Trauerweide in sonst reizloser Gegend Berlins kann man eine wildromantische Landschaft entdecken.
Trauerweide
Trauerweide
Trauerweide
Ein literarisches Denkmal setzte Shakespeare der Weide – und zugleich dem Maulbeerfeigenbaum, der hier nun wirklich nicht gedeiht:

The poor soul sat sighing by a sycamore tree,
Sing all a green willow:
Her hand on her bosom, her head on her knee,
Sing willow, willow, willow:
The fresh streams ran by her, and murmur’d her moans;
Sing willow, willow, willow;
Her salt tears fell from her, and soft’ned the stones;
Sing willow, willow, willow;
Sing all a green willow must be my garland.
Sing willow, willow, willow,
I call’d my love false love; but what said he then?
Sing willow, willow, willow:
If I court moe women, you’ll couch with moe men!

Das habe ich vorzeiten mal so übertragen:

Arm Mädchen saß weinend am Feigenbaum,
sing grüne grüne Weide,
die Hand auf dem Busen, das Haupt wie im Traum,
sing Weide Weide Weide,
kühl floß der Bach bei ihr, murmelt ihr Leid,
sing Weide Weide Weide,
das Salz ihrer Tränen hat Steine erweicht;
sing Weide Weide Weide,
sing grüne grüne Weide soll mein Kränzchen sein.
Meinen Schatz hab ich falsch genannt, was sagt er dann?
Sing Weide Weide Weide,
frei ich mehr als ein Weib, liebst du mehr als ein‘ Mann.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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