Das beste eingewanderte Wort

Eben komme ich von einem Empfang mit wunderbarer Musik und klugen Worten (ja, das gibt es, jedenfalls wenn Jutta Limbach und Wolfgang Thierse sie sprechen).
Bis zum 29.2.2008 lief ein Wettbewerb des Goethe-Instituts. Die Aufgae war, das persönliche Lieblingswort unter den aus fremden Sprachen eingewanderten Wörtern vorzustellen – mit einer Begründung, warum gerade dies Wort so besonders schön ist.
Nun wurden im Bodemuseum die Preise verliehen. Die illustre Jury setzte sich zusammen aus
Prof. Dr. Hans Barkowski – Germanist, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Vicco von Bülow alias Loriot – Komödiant und Zeichner
Prof. Dr. Jutta Limbach – Präsidentin des Goethe-Instituts
Wolfgang Thierse – Vizepräsident des Deutschen Bundestages
Dr. Matthias Wermke – Verlagsleiter / Leiter der Dudenredaktion
Anne Will – Journalistin und Moderatorin

Gewinner des Jugend-Wettbewerbs ist Sandro Plonka mit einer hinreißend komischen Argumentation für das Wort Chaos. Gewinner des Schul-Wettbewerbs ist die Klasse 8a des Paul-Klee-Gymnasiums mit einem leckeren Milchshake. Der ungarische Tollpatsch, der griechische Engel und die tamilisch-deutsche Wortehe der Currywurst waren ebenfalls siegreich – wie ich finde, allesamt mit sehr schönen Begründungen.

Der Hueber Verlag hat in einem sehr schön aufgemachten, von Marie Marcks illustrierten Buch – Eingewanderte Wörter – die schönsten Wortvorschläge veröffentlicht (ISBN 978-3-19-207891-0). Es findet sich auch mein Vorschlag darin:

Pergola – dies melodisch von den Lippen rollende Wort für ein Element der Baukunst, weder Haus noch Garten, ein zierliches Gerüst, dessen einziger Zweck darin besteht, unter Rankpflanzen zu verschwinden, ein Stück Architektur, das mehr aus nichts als aus etwas besteht – ein spielerisches Ding, das weniger Kühle und Schatten gibt als ein Säulengang, keinen Schutz vor Regen, nicht die Heimlichkeit einer Laube, das nichts zu tragen hat außer der Last von Glyzinien, Clematis oder Wein, die alle auch ohne dies Gerüst sehr gut wüchsen. Scheinbar nichts als poetischer Unfug, zauberisch Sinnloses, läßt die Pergola sinnendes Gehen besser zu als Garten oder Wald mit ihren tausenderlei Ablenkungen: der Boden ist ein schön gepflasterter Fußweg ohne Pfützen oder Staub, die grünen Säulen umrankter Streben sind nicht so mächtig und vordringlich wie Bäume, durch die kreuz und quer über das offene Dach hängenden Ranken dringt viel mehr Sonnenlicht und Himmelsbläue als durch eine Baumkrone. Im Winter ist die Pergola Skelett, zeichnet sich scharf und dunkel vor dem blassen Himmel ab; wir sehen die überraschend starken Stämme des so zart wirkenden Bewuchses: die eigentliche Kraft der Pergola ist nicht gebaut, sondern gewachsen – wie die Sprache, in deren Gerüst das schöne klingende Wort aufgenommen wurde als eine fremdländische Blume – schöner Fremdling zwischen Haus und Garten: Per-go-la…

Bitte beachten: Die Rechte für den zitierten Absatz sind beim Hueber Verlag.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Das beste eingewanderte Wort

  1. Strabo schreibt:

    ……et hoc quoque loco, optima mea Claudia:

    Pergula! – Quid dicam? Summis te laudibus orno;
    Pergula! – Res hortos quae melius decorat?

  2. Claudia schreibt:

    Damit Strabos folgender Kommentar verständlich bleibt, hier ein Hinweis über den gelöschten Kommentar:
    An dieser Stelle stand eine ebenso lange wie wirre Hetzrede gegen den Papst sowie gegen das Judentum. Der Verfasser gehört einem obskuren Verein an, der sich für die “eigentliche”, “wahre” katholische Kirche hält und das Vatikanum II für eine Erfindung des Teufels.
    Ich zitiere:

    … Pseudopapst Belzebub-Rattzinger …
    Das aktuelle Gerotze dieses Gesetzlosen in einer New Yorker Synagoge (denken wir bitte daran, dass allein schon der Besuch einer Synagoge eine apostatische Handlung ist) ist einmal mehr ein eindeutiger Beweis für den Satanismus des Belzeratzes und seiner NOSS. … Besuch der talmudistischen Satanssynagoge in New York City…

    Ich wünsche hier keinen Antijudaismus, keine irgendwie geartete Konfessionshetze und keine Verleumdungen.

  3. Strabo schreibt:

    Was haben diese „geistigen“ E………….e mit dem Thema zu tun?

  4. Claudia schreibt:

    gratias tibi, Strabo mi optime, pro versibus aptis. ne turbatus sis illius fanatici causa; fortasse non est dignus iræ sed miserationis.

  5. Pingback: Botanische und literarische Blüten « Mein Leben als Rezitatorin

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