Tempelhof und die Logik

Friedbert Pflüger ist heute, ich wage mal die Prognose, ungehalten, enttäuscht, traurig. Da hat er sich zusammen mit der ICAT so viel Mühe gegeben, und nun ist die Abstimmung aus Sicht der Befürworter des Flughafenbetriebs in Tempelhof gescheitert. Es gibt keine Möglichkeit mehr, dies dem Senat anzulasten.
Grund für das Ergebnis kann nur sein, daß die Mehrheit der Wähler logisch denken kann. Mehr ist nicht nötig, um das tränenselige Argument „Aber die Luftbrücke hat uns gerettet“ zu entkräften.
An dieser Stelle verneige ich mich vor den Organisatoren und Fliegern der Berliner Luftbrücke. Sie sollen weiterhin geehrt werden!
Lucius D. Clay
Zu dieser Ehrung gibt es in Berlin einerseits das Luftbrückendenkmal, mit dem die CDU/ICAT so fleißig warb, sowie die denkmalgeschützten Gebäude des Flughafens (die Idee der Grünen, in denselben ein Museum einzurichten, ist hoffentlich durchführbar), die Benennung der Clayallee und der Clay-Schule sowie den Lehrplan der Schulen in Deutschland, der die Information über die Berliner Luftbrücke beinhaltet. Zum anderen schlage ich zur Ehrung jener Hilfsbereiten vor, sich besonders um Anstand, Wahrhaftigkeit und Hilfsbereitschaft zu bemühen sowie um logisches Denken (letzteres ist nicht nur für Piloten und Strategen notwendig).
Meiner Bitte, mir zu erklären, warum ohne Flugbetrieb die Ehrung jener Braven nicht mehr gewährleistet sei, kamen von zehn CDU- und drei FDP-Anhängern genau Null nach. Stattdessen habe ich vor der Abstimmung eine Menge sentimentalen Unsinn und handfeste Lügen gehört (denn daß Wowereit undemokratisch handelt, indem er einen mangelhaft durchgeführten Volksentscheid ohne Gesetzesentwurf als nicht bindend erklärt, ist eine populistische Unterstellung). Und da ich von Populismus spreche: Ein Plakat der ICAT zeigte eine Frau mit angstgeweiteten Augen, eine ihr den Mund zuhaltende Männerhand, und darüber die Worte: Wir lassen uns nicht den Mund verbieten. Dadurch wurden alle Gegner des Flugbetriebs in Tempelhof – auch ich – als Vergewaltiger dargestellt. Das erfüllt meiner Meinung nach den Tatbestand der Volksverhetzung, Höchststrafe: fünf Jahre Knast. Die von der CDU propagierte Falschaussage, Nichtwähler stimmen automatisch mit Nein, ist nach StGB § 108 a eine Wählertäuschung.

(1) Wer durch Täuschung bewirkt, daß jemand bei der Stimmabgabe über den Inhalt seiner Erklärung irrt oder gegen seinen Willen nicht oder ungültig wählt, wird mit der Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.

Daß ich keine Zeit und keine Nerven hatte, mich um eine einstweilige Verfügung zu kümmern, tut mir herzlich leid. Aber das Abstimmungsergebnis hat gezeigt, daß immer noch stimmt, was ich als Kind gelernt habe:

Nimm dich alle Zeit in Acht,
Lüge hält nicht über Nacht.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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