Rote Blüten

Daß im Mai der Frühlingsblüher Rotdorn in der Rotdornstraße blüht, ist sehr schön, aber nicht eigentlich ein Wunder.
Blühender Rotdorn 2
Wennzwar himmlisch anzuschauen.
Blühender Rotdorn 1
Daß aber der Mittelstreifen einer stark befahrenen Straße im Frühling so sommerlich und schön und sauber aussieht, grenzt schon eher ans Wunderbare.
Blühendes Gras und Klatschmohn

Dort wo der Krieg ein Loch schlug in die Stadt,
wo nun die mörderischen Wagen hetzen,
wo rechts und links mit seinen bösen Netzen
Herr Merkur seine Menschenfallen hat,

wo Türme voller Geld den Blick besetzen
wo Hast und Unruh herrschen, süß und platt
Reklame macht uns willig, dumm und matt,
daß wir den eignen Geist uns gern verletzen –

dort blüht, inmitten von Gestank und Eile,
der rote Mohn, das weiß bebuschte Gras,
für eines ganzen langen Sommers Weile.

Sechs Autospuren und ein Mittelstreifen,
und darauf blühts, im Tosen und im Gas,
und unverletzt von tausend Autoreifen.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Rote Blüten

  1. derbaum schreibt:

    bei iper oder flic** würde ich jetzt ein sternchen vergeben – die mittelstreifen an viel befahrenen straßen sind ähnliche unberührte biotope wie früher der todesstreifen…

    schöne zeilen…

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