Der Wunsch nach Rache

Im Zusammenhang mit der Tötung eines jungen Schauspielers in Großbritannien las ich wieder viele Forderungen nach der Todesstrafe. Die Argumente sind immer die gleichen: 1. sei es „gerecht“, einen Mörder oder Totschläger umzubringen, 2. wirke es abschreckend.
Zu 2. sage ich nur, was langsam wirklich jedem deutlich sein sollte, sogar denen, die das mit der unantastbaren Menschenwürde nicht verstehen: In Ländern mit Todesstrafe gibt es ganz allgemein höhere Raten der Schwerstkriminalität als in Ländern ohne Todesstrafe.
Zu 1. vermisse ich selbst von den besonnensten Gegnern der Todesstrafe ein wichtiges Argument. Bitte stellen Sie sich folgendes Partygespräch vor – und stellen Sie sich dabei vor, Sprecher 2 zu sein:

Sprecher 1: Ah, guten Abend! Wir haben uns ja ewig nicht gesehen. Was macht eigentlich Ihre bezaubernde Tochter? Die war ja, als wir uns das letzte Mal sahen, noch fast ein Kind…
Sprecher 2: Die ist in der Ausbildung, fast fertig. Hat gute Noten, ich bin stolz auf sie.
Sprecher 1: Oh, das ist ja fein. Was lernt sie denn?
Sprecher 2: Vollstreckerin. Seit der Strafrechtsreform ist das ja wirklich ein Beruf mit Zukunft.

Anders gesagt: Wer Todesstrafe will, will Henker. Er muß auch wollen, daß die Tochter Henkerin wird, oder einen Henker heiratet, oder mit den Kindern des Henkers spielt und auch mal bei ihnen übernachtet.
Oder will vielleicht jemand solche Zustände, wie dieser Text beschreibt?

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Der Wunsch nach Rache

  1. loreley schreibt:

    Ist genau meine Meinung.

    Für die Arbeit im KZ wurden Leute auch vom Arbeitsamt vermittelt. Zumindest sagte das eine der Hauptangeklagten im Majdanek-Prozess.

  2. loreley schreibt:

    Man kann doch niemanden zum Töten verpflichten. Schlimm genug, dass man Soldaten braucht. Sterbehilfe dagegen sehe ich ein wenig anders.

  3. Claudia schreibt:

    Die Aussage im Majdanek-Prozeß war mir unbekannt – und ist extrem gruselig. – Sterbehilfe ist ein ganz anderes Thema; hier geht es ja nicht um Strafe oder Sühne. Allerdings sträubt sich in mir alles gegen aktive Sterbehilfe – aus verschiedenen Gründen, aber besonders wegen des so leichten Mißbrauchs. Passive Sterbehilfe hingegen ist das Unterlassen von überflüssiger und ekelhafter Quälerei.

  4. loreley schreibt:

    Das habe ich durch den Fechner-Film über den Prozess erfahren und fand es auch einigermassen überraschend.

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