Bogenspannerin

Ferdinand Lepcke schuf sie, das Original steht seit 1910 in Bydgoszcz / Bromberg. Der Abguß in Berlin-Nikolassee war verschollen; ein neuer steht seit 1997 da.
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Sie ist zweifellos wohlgeformt, aber ich traue ihr nicht zu, mit einem Bogen umzugehen. Allzu sehr sieht sie nach großbürgerlicher Hausfrau des 19. Jhs. aus. Es ist nicht nur die Hochsteck-Frisur, die damals Mode war, sondern auch das Gesicht, der Ausdruck, die ganze Art, wie sie da steht – eine Bürgerfrau steht ihrem Gatten Modell, brav und ordentlich.
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Wohlgeformt sind auch die Füße in zweifellos hübschen antikisierenden Sandalen, aber sie sind ohne jede Dynamik!
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Und dieser schöne Körperteil ist mit dem entsprechenden einer Ἀφροδίτη Καλλίπυγος gar nicht zu vergleichen – irgendwie habe ich hier nicht die gleichen anmutigen Gedanken wie dort.
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Trotzdem will ich die Dame nicht missen. Man muß ein Kunstwerk nicht unbedingt vollkommen finden, um es dort, wo es ist, richtig zu finden – und die Bogenspannerin ist für mein Gefühl genau richtig zwischen dem herrlich verrückten Bahnhof Nikolassee und dem strengen, hohen Rathaus Nikolassee.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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3 Antworten zu Bogenspannerin

  1. loreley schreibt:

    Stimmt. Es fehlt die Dynamik in den Beinen der Bogenschützin. Es ist übrigens sehr schwer einen Bogen auch nur zu spannen. Ich hab’s mal probiert. Allerdings mit dem Bogen eines Mannes, der einige 10 kg schwerer ist als ich. Es war mir fast nicht möglich.

  2. Strabo schreibt:

    Trotz eines vielleicht durch die Körperhaltung bedingten gewissen Mangels an Kallipygie eine attraktive Frau! Ich wollte, sie wäre in meinem Garten! 🙂 🙂

  3. Claudia schreibt:

    Sollte ich jemals schwer reich werden, Strabo mi, bekommst Du einen Abguß.

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