Johnny Cash – The Beast in Me

Das Kleine Theater hat mir einen wundervollen Abend beschert. Die Bühne ist winzig, der Zuschauerraum nicht viel größer – und auf diesem kleinsten Raum findet ein ganzes Leben statt.
Man muß kein ausgesprochener Country-Liebhaber sein, um diese Hommage an Johnny Cash zu genießen!
Erik Hansen, Roland Heinrich
Erik Hansen in der Titelrolle singt und erzählt sein Leben, zwischen Deutsch und Englisch wechselnd, beginnend mit den Erinnerungen an die winzige Farm und die Hilfsarbeiten, an den Unfalltod seines Bruders, an eine Überschwemmung – eine schwierige und abenteuerliche Kindheit und Jugend, geprägt von der tiefen pietistischen Frömmigkeit seiner Mutter und von den Spirituals, die zu Hause und in der Gemeinde erklangen. Flucht in die Musik, Ruhm und Flucht in die Tablettensucht folgen, und, nach beinahe gelungenem Selbstmordversuch, die Rettung aus dem Tablettensumpf, das neue Aufleben. Der Tod ist endlich ein ganz zartes Herüberwinken, ein Lied vom Jordanufer.
Roland Heinrich und Sabine Schwarzlose spielen die wichtigsten ihn umgebenden Menschen, seine Eltern, Freunde, seinen Produzenten. Cashs Lieder und zahlreiche Spirituals mit zugleich naiven und todessüchtigen Texten durchziehen das Stück. Hierbei zeichnet sich besonders Sabine Schwarzlose aus mit einer wunderbar klaren und vollen Stimme und unglaublicher schauspielerischer Wandlungsfähigkeit; in Minutenschnelle wechselt sie vom verschüchterten Teenager zur energischen und doch leidenden Frau, von der an Johnnys Sucht fast zerbrechenden zur durch Liebe und praktischen Verstand rettenden Gefährtin.
Eine hoch spannende Biographie ist es, eine Geschichte voll Pathos und Sentimentalität, und genau dies macht sie so überzeugend: Ein solches Leben zwischen Sucht und Religiosität, zwischen Scheitern und Erfolg ist eben pathetisch und sentimental, es ist der Amerikanische Traum und bitterste Wirklichkeit zugleich.
Mich hat ein einziges Detail gestört: die Schauspieler benutzten Mikrophone. Das ist bei einem so kleinen Raum völlig überflüssig; ich bin sicher, auch ohne Verstärkung hätte man alles gehört.
Für Schnellentschlossene gibt es noch drei Möglichkeiten, diese Aufführung zu erleben: heute, morgen und übermorgen, jeweils um 20.00 Uhr. Alle anderen schauen halt etwas anderes im Kleinen Theater an!

Zuletzt noch zwei Aufnahmen des echten Johnny Cash:

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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