Spatzen

Haussperlinge
Sie sind nicht so fein wie ihre zierliche und zurückhaltende Verwandtschaft, die in vornehmer Eleganz Männer und Frauen gleich kleidet; sie sind dreist und proletenhaft, zänkisch und futterneidisch, und ihr Tschilpen läßt sich mit drei Wörtern gut übertragen: Weg!, Meins! und Mehr!
Aber sie sind süß. Und entgegen aller ökologischen Vernunft bekommen sie auch von mir Krümel.
Haussperlinge auf Stuhllehne
Haussperlinge - Männchen und Weibchen
Haussperling auf Stuhllehne

Daß die Spatzen früher nicht so dreist waren wie heute – sich also wohl irgendwie an das Leben in dieser Welt gewöhnt haben – beweist ein Gedicht:

Christian Morgenstern
Der Sperling und das Känguruh

In seinem Zaun das Känguruh –
es hockt und guckt dem Sperling zu.

Der Sperling sitzt auf dem Gebäude –
doch ohne sonderliche Freude.

Vielmehr, er fühlt, den Kopf geduckt,
wie ihn das Känguruh beguckt.

Der Sperling sträubt den Federflaus –
die Sache ist auch gar zu kraus.

Ihm ist, als ob er kaum noch säße . . .
Wenn nun das Känguruh ihn fräße?!

Doch dieses dreht nach einer Stunde
den Kopf aus irgend einem Grunde,

vielleicht auch ohne tiefern Sinn,
nach einer andern Richtung hin.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Spatzen

  1. Strabo schreibt:

    Wie niedlich, Calliope nitidissima! 🙂 Wer denkt da nicht an Catull 2: Passer deliciae meae puellae? Hier Text und Übersetzung: http://www.decemsys.de/catull/c-2int.htm

  2. piri schreibt:

    Spatzen sind frech und deswegen mag ich diese Vögel auch sehr gerne leiden!

    Denkst du an heute vor einer Woche?

  3. Claudia schreibt:

    Natürlich! Und ich denke sehr gerne daran! Grüße auch Deine beiden Spatzen von mir.

  4. Noah schreibt:

    Diese Bilder machen mir richtig Freude!!

    (Neugier ließ mich deinen Blog aufsuchen nach deinem originellen Kommentar bei Michael Blume: „Gott hat den Menschen geschaffen, das geht nicht ohne einen (vielleicht etwas schrägen) Humor.“ Finde ich klasse!).

  5. Claudia schreibt:

    Mich freut’s, wenn ich Freude machen kann!

  6. Sterntau schreibt:

    Übrigens, zu dem Thema fällt mir ein Gedicht von Christian Morgenstern ein, was mein Kind letzten Winter für die Schule gelernt hat.

    Die drei Spatzen von Christian Morgenstern

    In einem leeren Haselstrauch,
    da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.
    Der Erich rechts und links der Franz
    und mittendrin der freche Hans.

    Sie haben die Augen zu, ganz zu,
    und obendrüber, da schneit es, hu!
    Sie rücken zusammen dicht, ganz dicht.
    So warm wie der Hans hat`s niemand nicht.

    Sie hör`n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
    Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

    Ist das nicht wunderbar? Ich liebe dieses Gedicht!

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