Rätselhafte Fassade

Eine Friedenauer Fassade ausschweifigsten Stils ist mir ein ikonographisches Rätsel.
Links ein Rabe vor Weinreben; rechts eine Eule mit Spiegel vor Hopfenranken; in der Mitte ein vor (halbwegs in) einem Faß stehender fidel nach oben weisender und zugleich mit der anderen Hand den Rand des Fasses haltender Mönch (der Tracht nach Franziskaner) über dem erhaben gemeißelten Baujahr 1899. Über ihm eine geflügelte Sanduhr, darüber eine mit Strahlen oder strahlenartigen Zweigen umkränzter lachender männlicher Kopf.
Mönch, Rabe und Eule

Weiter unten wird das Erdgeschoß von drei Drachen (zwei davon übrigens deutlich weiblich) bewacht – das erstaunt nicht besonders; Hausmeister und besonders Hausmeisterinnen stehen ja im Rufe großer Grimmigkeit und haben eine gewisse Macht, der Drache ist also als Schutzherr bzw. -dame für ein Haus nicht abwegig.
Drachen wachen

Der Rabe ist unter anderem Symbol der Weisheit, wie die Eule auch, die hier durch den „Eulenspiegel“ eher den Part des (weisen) Narren hat.
Reben und Hopfen stehen für Wein und Bier. Was beides mit der ein oder anderen Form von Weisheit zu tun hat, erschließt sich mir nicht.
Der strahlenbekränzte Männerkopf könnte Chronos sein, das paßt zu der geflügelten Sanduhr (der davonfliegenden Zeit). Der Mönch, ob er nun Bier braut oder Wein keltert, mag mit einem Lächeln auf die Vergänglichkeit hinweisen und zugleich auf die (mehr oder weniger weise) Nutzung irdischer Güter. Aber ich bin mir durchaus nicht sicher mit meiner Interpretation und freue mich über genauere Auskünfte oder Anregungen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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Eine Antwort zu Rätselhafte Fassade

  1. Försterliesel schreibt:

    liebe Claudia,
    leider fällt mir dazu nur ein Bauherr der sein Vermögen mit Bier gemacht haben könnte, ein … aber es ist schön mit Deinen Augen mitsehen zu dürfen!
    Die Drachen sind Hausmeistergottheiten, jajaja!

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