Einkaufen gegen die Sklaverei

Der tägliche Kaffee, geradezu unverzichtbar für viele, gibt den meisten in Anbau und Produktion Beschäftigten nicht einmal genug Geld, sich ausreichend zu ernähren – geschweige denn sich zu bilden. Mit der Armut geht die Kinderarbeit einher. Zudem erholt sich der Markt erst seit neuestem von einem jahrelangen Preisverfall, der die Kaffeebauern verarmen ließ.
Fairer Handel, bei dem langfristige Kooperationen zwischen Kaffeebauern und Abnehmern garantiert werden sowie ein über dem Weltmarktpreis liegender Preis – der leider trotzdem schwankt – schafft hie und da Abhilfe. Jedoch haben die ausbeuterisch handelnden Großröstereien immer noch bei weitem das Übergewicht auf dem Markt. Dabei unterscheiden sich die Preise für eine selbstgebraute Tasse Kaffee aus ausbeuterischem oder fairem Handel nur um wenige Cent.
Näheres hier und hier und hier.

Ein Rosenstrauß ist ein schönes Geschenk. Sehr unschön sind die Bedingungen, unter denen die meisten in Deutschland verkauften Schnittrosen gezogen wurden. Die Blumenfrauen werden unregelmäßig und schlecht bezahlt und haben überlange, oft pausenlose Arbeitszeiten. Der hemmungslose Pestizideinsatz führt zu Kopf- und Bauchschmerzen und teilweise zu Sterilität.
Hier schafft das Flower Label Program Abhilfe; es ist durchaus möglich, Blumen auf menschenschonende Weise anzubauen!
Mehr dazu hier und hier und hier.

Schokolade versüßt zwar dem Verbraucher das Leben – nicht unbedingt dem Plantagenarbeiter. Auch bei dieser Plackerei ist Kinderarbeit häufig. Man kann inzwischen mühelos gerecht gehandelte Schokolade erstehen – meist in sehr hoher Qualität.
Mehr dazu hier und hier und hier.

Baumwollhemdchen mit Paillettenstickerei werden seit Jahren gerne getragen. Leider kann man einem in Europa gekauften Kleidungsstück nicht ansehen, wo es hergestellt wurde. Denn die Worte made in Germany (oder wo immer) sagen nichts darüber aus, in welchem Land die Pailletten auf das fertige Hemdchen gestickt wurden – und von wem.
Nicht nur Billigware wird zum Teil von indischen oder pakistanischen Kindersklaven bestickt, die vierzehn Stunden in ungelüfteten Baracken schuften und mißhandelt werden, wenn sie schlappmachen oder versuchen, zu fliehen. Manche armen Familien verkaufen Kinder, um deren Geschwister ernähren zu können – die Käufer, deren Kapital eine Baracke und ein Vertrag mit einem Textilproduzenten ist, zahlen zehn Dollar und behaupten, das Kind werde dann genug verdienen, um der Familie zu helfen. Es geschieht selten, daß die Kinder überhaupt irgendwelches Geld sehen.
Ob es paillettenbestickte Kleidung mit Fair-Trade-Siegel gibt, weiß ich nicht. Man kann auf Paillettenstickerei aber ganz gut verzichten.
Mehr dazu hier und hier und hier.

Beim Kauf von Teppichen kann man heute sicher gehen, keine Kinderarbeit zu finanzieren, wenn man auf dies Siegel achtet. Als ich vor Jahren einen Teppich kaufen wollte, tat ein Händler ohne Rugmark-Siegel die Kinderarbeit in Teppichknüpfereien überlegen lächelnd als urbane Legende ab. Ich verließ das Geschäft ohne Teppich. Meinen Rugmark-Teppich hatte ich wenige Stunden später; ich besitze ihn immer noch.
Mehr dazu hier.

Die bekanntesten Bewegungen zum gerechten Handel sind wohl gepa und Transfair.
Ein Portal für ökologisch sinnvollen und gerechten Handel gibt es hier.

Dieser Artikel ist Teil des Blog Action Day 2008.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Einkaufen gegen die Sklaverei

  1. Sterntau schreibt:

    Kaffee gibt es hier seit Jahren nur noch in Bio- und FairTrade-Qualität. Dafür nehme ich die Mehrkosten sehr gern in Kauf 🙂

  2. Claudia schreibt:

    Mit solchen Gewohnheiten kann man vielleicht mehr bewirken als mit einzelnen Spenden oder Aktionen, und man kann so auch handeln, wenn man selbst eher wenig Geld hat. Ich bin froh über jeden, der mitmacht!

  3. Sterntau schreibt:

    Och du… ich kaufe generell viel in Bio-Qualität und das geht auch mit ALG2 und ohne, dass ich zur Tafel gehen muss. Alles nur eine Frage von gutem Finanzmanagement bzw. Prioritätensetzung 😉

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