Armer Bahnhof!

Seit Jahrzehnten liegt einer der beiden Bahnsteige des verträumten S-Bahnhofes im wohlhabenden Berlin-Zehlendorf brach. Es gab bereits mehrfach finanzierbare Vorschläge, den für die Bahn nicht mehr sinnvollen Bahnsteig zu einer kleinen altmodischen Ladenzeile umzufunktionieren – aber ach, das war den Herren und Damen in der Zehlendorfer Bezirksregierung nicht wichtig genug. So rottet dieser Bahnsteig weiter vor sich hin, während der benutzte Zwilling, von dem aus ich photographierte, gut frequentiert ist. Bald wird dies übrigens denkmalgeschützte Schmuckstück irreparabel hinüber sein.

Bahnhof Berlin-Zehlendorf 1
Bahnhof Berlin-Zehlendorf 2
Bahnhof Berlin-Zehlendorf 3

Einst muß es hier etwa so gewesen sein:

Christian Morgenstern
Der Bahnvorstand

Der Bahnvorstand des kleinen Orts
bedünkt vom Rang sich eines Lords.

Ein Vorort-, Fern- und Güterzug
zu gleicher Zeit (!) – das ist genug.

Er steckt die Hand vorn in die Brust
und blickt mit wahrer Feldherrnlust.

Er streckt den Arm bald her, bald hin:
Sein Leben hat nun wirklich Sinn …

Zum Größten sprach sein Herz nun: Komm!
Hier steht ein Mensch, voilà un homme!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Armer Bahnhof!

  1. The Exit schreibt:

    Der Bahnsteig würde reaktiviert, wenn man die Stammbahn wieder aufgebaut würde. Vom Potsdamer Platz über Steglitz, Zehlendorf, Dreilinden nach Potsdam. Dafür hat man sogar schon die Ausfädelung nach dem Tiergartentunnel gebaut.

    Leider rechnet sich die Stammbahn nicht, denn es fahren ja genügend Züge auf der Kanonenbahn von Berlin nach Potsdam.

    Was vielleicht mal passieren könnte, wäre der Wiederaufbau der S-Bahn nach Düppel.

  2. Claudia schreibt:

    Das ist zu schlimm um unwahr zu sein: Man hat etwas gebaut, um etwas zu ermöglichen, was sich nicht rechnen wird. Vielleicht hätte ein Blick in ein schon älteres Buch (14,28-32) geholfen.

  3. Pingback: Gebautes in Zehlendorf | Mein Leben als Rezitatorin und Verlegerin

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