Architektonisches und Natürliches im Herbstlicht

Das kühle Licht eines wundervollen Oktobertages bringt ein fürstlich prächtiges Haus am Friedrich-Wilhelm-Platz besonders zur Geltung. Ein wenig schwierig war es, ein Photo ohne Autos zu machen – leider herrscht hier ein ziemlich reger Verkehr, was dem Platz einiges von seinem Charme nimmt. Ich bin recht froh, nicht in diesem Prachtstück zwischen zwei Hauptverkehrsstraßen zu wohnen.
Haus in Berlin-Friedenau

Das Vorgärtlein blüht dem fortgeschrittenen Herbst zum Trotz sehr prächtig mit Campanula und Eisenhut – letzterer wirkt tatsächlich beinah metallisch in diesem Licht.
Campanula im Oktober
Eisenhut im Oktober

Auf dem Balkon verheißt der üppig wachsende Koriander orientalische Küchenmomente.
Koriander im Oktober

Johann Heinrich Voß
Der Herbsttag

Die Bäume stehn der Frucht entladen,
Und gelbes Laub verweht ins Tal;
Das Stoppelfeld in Schimmerfaden
Erglänzt am niedern Mittagsstrahl.
Es kreist der Vögel Schwarm, und ziehet;
Das Vieh verlangt zum Stall, und fliehet
Die magern Aun, vom Reife fahl.

O geh am sanften Scheidetage
Des Jahrs zu guter letzt hinaus;
Und nenn ihn Sommertag und trage
Den letzten schwer gefundnen Strauß.
Bald steigt Gewölk, und schwarz dahinter
Der Sturm, und sein Genoss, der Winter,
Und hüllt in Flocken Feld und Haus.

Ein weiser Mann, ihr Lieben, haschet
die Freuden im Vorüberfliehn,
Empfängt, was kommt unüberraschet,
Und pflückt die Blumen, weil sie blühn.
Und sind die Blumen auch verschwunden;
So steht am Winterherd umwunden
Sein Festpokal mit Immergrün.

Noch trocken führt durch Tal und Hügel
Der längst vertraute Sommerpfad.
Nur rötlich hängt am Wasserspiegel
Der Baum, den grün ihr neulich saht.
Doch grünt der Kamp vom Winterkorne;
Doch grünt beim Rot der Hagedorne
Und Spillbeer’n, unsre Lagerstatt!

So still an warmer Sonne liegend,
Sehn wir das bunte Feld hinan,
Und dort, auf schwarzer Brache pflügend,
Mit Lustgepfeif, den Ackermann:
Die Kräh’n in frischer Furche schwärmen
Dem Pfluge nach, und schrein und lärmen;
Und dampfend zieht das Gaulgespann.

Natur, wie schön in jedem Kleide!
Auch noch im Sterbekleid wie schön!
Sie mischt in Wehmut sanfte Freude,
Und lächelt tränend noch im Gehen.
Du, welkes Laub, das niederschauert,
Du Blümchen, lispelst: Nicht getrauert!
Wir werden schöner auferstehn!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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