Junges Grün

Ein wenig frisches Grün wagt sich schon vor.
Balkonpflänzchen

Die im Sommer blühenden Malven fangen auch schon an zu grünen.
Malvengrün

Und der immergrüne Rosmarin knospt wieder.
Knospender Rosmarin

Max Pohl schrieb 1911 in spätromantisch-altertümelnder Manier und unter Verwendung zweier viel älterer Lieder:

Nach grüner Farb mein Herz verlangt,
In dieser trüben Zeit.
Der grimmig Winter wärt so lang,
Der Weg ist mir verschneit.
Die süssen Vöglein jung und alt,
Die höhrt man lang nit meh;
Das tut des argen Winters G’walt,
Der treibt die Vöglein aus dem Wald
Mit Reif und kaltem Schnee.

Er macht die bunten Blümlein fahl
Im Wald und auf der Heid’.
Dem Laub und Gras allüberall,
Dem hat er widersaid.
All Freud’ und Lust wird jetzto feil,
Die uns der Sommer bringt.
Gott geb dem Sommer Glück und Heil,
Der zieht nach Mittentag am Seil,
Daß er den Winter zwingt.

Rezipiert wurde das Lied, das die erste Zeile lieferte, schon früher – Michael Praetorius komponierte die Melodie zu einer geistlichen Umdichtung des Liebesliedes.
Es wurde also von einem Liebeslied über ein Kirchenlied zu einem Lied über die Sehnsucht nach dem Frühling.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Junges Grün

  1. Sterntau schreibt:

    Tatsächlich, ich sehe grün 😯

    Hier herrscht nach wie vor Dauerfrost, da grünt noch nichts. Macht aber auch nichts, für mich herrscht jetzt Winter.

  2. thewritingfranz schreibt:

    Ich fürchte, Dein Grün wird nicht lange leben. Der Winter dräut noch sehr. Leider nicht bei uns im inneren Salzkammergut. Da, wo es eigentlich meterhoch Schnee geben sollte, herrscht das Grau und das Braun vor. Jetzt aber brauche ich auch keinen Schnee mehr und sehne mich nach Grün.

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