Ein Musikmeister in allen Lebenslagen

Mozart

Des Mannes Bedürfnisse waren sehr vielfach, seine Neigung zumal für gesellige Freuden außerordentlich groß. Von den vornehmsten Häusern der Stadt als unvergleichliches Talent gewürdigt und gesucht, verschmähte er Einladungen zu Festen, Zirkeln und Partien selten oder nie. Dabei tat er der eigenen Gastfreundschaft innerhalb seiner näheren Kreise gleichfalls genug. Einen längst hergebrachten musikalischen Abend am Sonntag bei ihm, ein ungezwungenes Mittagsmahl an seinem wohlbestellten Tisch mit ein paar Freunden und Bekannten, zwei-, dreimal in der Woche, das wollte er nicht missen. Bisweilen brachte er die Gäste, zum Schrecken der Frau, unangekündigt von der Straße weg ins Haus, Leute von sehr ungleichem Wert, Liebhaber, Kunstgenossen, Sänger und Poeten. Der müßige Schmarotzer, dessen ganzes Verdienst in einer immer aufgeweckten Laune, in Witz und Spaß, und zwar vom gröberen Korn, bestand, kam so gut wie der geistvolle Kenner und der treffliche Spieler erwünscht. Den größten Teil seiner Erholung indes pflegte Mozart außer dem eigenen Hause zu suchen. Man konnte ihn nach Tisch einen Tag wie den andern am Billard im Kaffeehaus und so auch manchen Abend im Gasthof finden. Er fuhr und ritt sehr gerne in Gesellschaft über Land, besuchte als ein ausgemachter Tänzer Bälle und Redouten und machte sich des Jahrs einige Male einen Hauptspaß an Volksfesten, vor allen am Brigitten-Kirchtag im Freien, wo er als Pierrot maskiert erschien.

Eduard Mörike, Mozart auf der Reise nach Prag

Er war unglaublich vielfältig – derb und komisch, weich und wehmütig, angstvoll und zuversichtlich, und konnte diese seelische Vielfalt immer in wundervoller Musik ausdrücken.

Hier ein aus einem einfachen Liedchen entstandenes lustiges, aber keineswegs banales Klavierstück,

hier eine häufig geäußerte, aber selten befolgte Aufforderung in Form eines sechsstimmigen Kanons (beachte die Präposition; Goethe benutzt sie in diesem Zusammenhang auch),

hier ein entzückender Chor aus der Zauberflöte,

und auch das Dies Iræ, dies gewaltige Gedicht über die Angst, wurde von Mozart musikalisch interpretiert – ohne Beschönigung, von einem Menschen, der die Angst offenbar gut kannte.

253 Jahre alt wäre er heute – und seine Musik ist immer noch so, daß sie fast alle Menschen unmittelbar anspricht.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Ein Musikmeister in allen Lebenslagen

  1. Sterntau schreibt:

    Eduard Mörike mag ich sehr!
    Danke, dass du ihm gedenkst.

  2. Donna schreibt:

    Hm, was sollte ich heute wohl zu seinem Angedenken hören? Vielleicht die kleine gmoll-Symphonie oder doch mal wieder Don Giovanni.

    Übrigens finde ich, dass es auch durchaus Werke gibt, die man nicht ohne Weiteres dem guten Wolferl zu schreiben würde (vor allem einige Kunstlieder oder Sakrale Werke mit Kontrapunkt).
    aber egal; Happy Birthday, Wolferl!

  3. Donna schreibt:

    hey, das ist ja echt genial, dass man da die partitur mitlesen kann….begeisterung!

  4. Pingback: Wolfgang Amadé zum Geburtstag « Mein Leben als Rezitatorin

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