Ein Mädchen und eine Dame

Bernadette Soubirous

Vor 130 Jahren starb Bernadette Soubirous. Als Jugendliche hatte sie in einer Grotte immer wieder eine schöne Dame – weiß gewandet, mit blauem Schleier und mit goldenen Rosen auf nackten Füßen – gesehen und bald auch gehört und auf deren Befehl hin mit bloßen Händen eine aus bis heute unerforschten Gründen heilsame Quelle ausgegraben.
Zunächst erklärten Atheisten und Kleriker sie gleichermaßen für überspannt oder verlogen – bis ein schwerkrankes Kind eine Spontanheilung in der Quelle erfuhr.

Bernadette, die ungebildete, arme Müllerstochter, das Kind mit dem sanften Gesicht, hat den unsäglichen Trubel, der um Lourdes bereits zu ihren Lebzeiten begann, nie gewollt. Sie hat die kitschige Lourdes-Madonna empört abgelehnt – dies sei nicht „ihre Dame“. Nach Bernadettes Aussagen ist diese Dame überhaupt nicht vergleichbar mit süßlichen Kitschfiguren, sondern wunderschön, charmant und mit liebenswürdigem Witz versehen. Daß es sich um die Jungfrau Maria handle, hat Bernadette niemals gesagt.

Franz Werfel schrieb einen hervorragend recherchierten Roman über Bernadette, der dem Mädchen aus Lourdes in seiner klaren Sprache meiner Meinung nach ein besseres Denkmal setzt als alle Kirchen, Kapellen und Kitschfiguren in um um Lourdes es können.

Nicht daß ich irgendeinem Menschen Heilung oder Linderung mißgönne. Aber ich hätte Bernadette und ihrer Dame (wer immer das war) mehr Zartheit und weniger Rummel seitens der mißtrauischen ebenso wie der wundersüchtigen Umwelt gewünscht.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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4 Antworten zu Ein Mädchen und eine Dame

  1. Christian schreibt:

    Herzlichen Dank für diesen treffenden Beitrag zu Bernadette. Sie ist eine meiner Lieblingsheiligen. Viele liebe Grüße.

  2. loreley schreibt:

    Es gibt auch einen Spielfilm über ihr Leben. Ich weiss nicht, wie authentisch er ist, aber als Kind hat er mich sehr beeindruckt.

    http://en.wikipedia.org/wiki/The_Song_of_Bernadette_(film)

    Faszinierend fand ich auch, dass ihre Leiche anscheinend nicht verwest war, als man den Sarg nach Jahrzehnten öffnete.

  3. Claudia schreibt:

    Der wirklich beeindruckende Film orientiert sich an Werfels Roman, der seinerseits wie gesagt sehr gut recherchiert ist – allerdings finde ich trotz der hohen Qualität des Filmes den Roman noch besser.

  4. Donna schreibt:

    Oh ja, das mit dem Rummel und leider auch Kommerz ist gut nachvollziehbar. Dasselbe gilt aber auch für die drei Kinder von Fatima.

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