Der große Taxonom

Carolus_Linnaeus[1]

Heute vor 302 Jahren wurde Carl von Linné geboren, dem wir die moderne Taxonomie des Pflanzenreiches verdanken sowie die Erkenntnis der Sexualität der Pflanzen. Damit kam er, der nach väterlichem Willen Pfarrer hätte werden sollen, aber die Blumen in Vaters Garten viel lieber mochte als Hebräisch und Theologie, bei seiner prüden Mitwelt schlecht an: Blumen waren bislang Symbole der Unschuld gewesen und sollten nun auf einmal einem völlig ungezügelten Sexualleben frönen – man war empört, selbst der naturwissenschaftlich so interessierte J.W. Goethe zeigte sich pikiert.
Nun – die Wahrheit setzt sich durch, auch hier! Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Pflanzen und auch die lateinische Taxonomie sind zwar älter als Linné, aber er hat sie vereinheitlicht, hat klare Normen zur Benennung geschaffen – von Abarema bigemina (L.) bis Zygostemma creticum (L.) erforschte und benannte er ungefähr 346000 Pflanzen; eine unglaubliche Leistung, die ihn nicht abhielt, auch noch als Professor zu lehren und eine Familie zu gründen.
Über allem wissenschaftlichen Eifer vergaß er niemals das Staunen über die Schönheit seiner Forschungsobjekte – und über die Schönheit klaren Wissens selbst.
Seine Lieblingsblume trägt seinen Namen: Linnaea borealis, das Moosglöckchen.

Linnaea_borealis[1]

Im Vorwort zu seinem Werk Species Plantarum (Die Pflanzenarten) schreibt er:

nil pulchrius, nil magis utile et necessarium in botanicis desideratum et inventum est, quem systematica plantarum methodus, quae ignarum e vasto vegetabilium regno recta (via) ducit ad desideratam plantam eiusque nomen. quid umquam botanica vel quis botanicus sine methodo? plantarum nominumque copia tanta est, ut, nisi exemplo ab exercitus duce sumpto disponantur in phalanges, phalanges dividantur in centurias, centurias in decurias, nulla umquam habeatur certitudo.

Nichts Schöneres, nichts Nützlicheres ist in der Botanik verlangt und eingeführt worden als die Systematik der Pflanzen, die den Unwissenden aus dem riesigen Pflanzenreich den rechten Weg zur gesuchten Pflanze und ihrem Namen führt. Was wären Botanik wie Botaniker je ohne Methode? Es gibt eine so große Menge an Pflanzennamen, daß, würden sie nicht – um ein Beispiel zu nennen – von einem Heerführer in Schlachtreihen aufgestellt, die Reihen in Hundertschaften geteilt, die Hundertschaften in Zehnergruppen, es niemals irgendeine Gewißheit darüber gäbe.

Systema_Sexuale_trimmed[1]

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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Eine Antwort zu Der große Taxonom

  1. Foersterliesel schreibt:

    in Wien gibts einen Linneplatz an dem die Hochschule für Bodenkultur ist – auch ohne Fotoapparat so viel Interessantes hier!

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