Der Apologet mit den Krimis

Chesterton

Heute vor 135 Jahren wurde Gilbert Keith Chesterton geboren, der sich als Erwachsener mehr und mehr dem Katholizismus zuwandte und ihn in witziger, bisweilen polemischer Art verteidigte. (Dabei ist er selbst bei offensichtlichen Irrtümern, wie seiner vehementen Ablehnung der Evolutionstheorie, so spritzig und intelligent in seiner Argumentation, daß ich ihm diese Irrtümer gern durchgehen lasse.)
Seine berühmteste Figur ist Father Brown, der unschöne, schlicht wirkende Geistliche, der Kriminalfälle durch eine Mischung aus Logik und Empathie löst – und der am Ende immer auch mit dem Täter Mitleid hat. Der britische Sinn für absurde Komik kommt dabei auch nicht zu kurz.
Fast unbekannt ist in Deutschland sein übriges Werk. Eine Reihe der Originaltexte ist hier zu lesen; darunter empfehle ich besonders ein vom Autor illustriertes Märchen, in dem erklärt wird, warum es gut ist, nicht mehr als einen Kopf zu haben. In ähnlich skurriler Weise läßt er uns immer wieder an seiner Betrachtung der Welt teilhaben – erklärt den Sinn des Häßlichen, Schwachen und scheinbar Unsinnigen mit Humor und Klugheit.
Menschenwürde und Religion sind für Chesterton untrennbar. In ausnahmslos jedem Menschen sieht er das so schützenswerte wie ehrfurchtgebietende Gottesgeschöpf. Das ist leider zu keiner Zeit selbstverständliches Gedankengut; schon deshalb lohnt es immer wieder, Chesterton zu lesen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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