Zeitungsdeutsch

Es wimmelt nur so von Pleonasmen und falsch gebrauchten Wörtern. Ich werde nicht fertigbringen, alle Sprachvergehen einer einzigen seriösen Zeitung zu zitieren, aber meine bestgehaßten und häufig gelesenen Beispiele kann ich anführen:

brutaler Mord / brutale Vergewaltigung (Ihr Herren Journalisten, geht morden und vergewaltigen auch ohne Brutalität?)
schrecklicher Krieg (Gibt es auch Kriege, die nicht schrecklich sind?)
humanitäre Katastrophe (humanitär [lat. humanus, menschlich, gebildet, gesittet] heißt menschenfreundlich. Menschenfreundliche Katastrophen gibt es nicht.)
ideologische Gründe (Selbstverständlich gibt es die. Aber das Wort Ideologie heißt nicht, wie alle Zeitungen einstimmig und leider erfolgreich vorspiegeln, verbohrt, verblendet oder tyrannisch – sondern kommt von gr. ιδεῖν, sehen bzw. ιδεολογία, Ideenlehre – und bedeutet Weltsicht, Anschauung. Aus ideologischen Gründen – also aus Gründen, die mit meinem Blick auf die Welt zu tun haben – bin ich gegen Verwässerung der Sprache.)

Journalisten tragen eine hohe Verantwortung; Berichterstattung ist meinungsbildend und wirkungsmächtig in der alltäglichen Sprache. Ein Journalist, der die Sprache schlecht oder falsch gebraucht, trägt Mitschuld daran, daß eine Mehrheit es ihm nachtut.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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10 Antworten zu Zeitungsdeutsch

  1. Barbara schreibt:

    Mediendeutsch ist wirklich manchmal witzig – zum Beispiel auch, wenn Leute evakuiert werden oder bei „ausländischen Mitbürgern“. Entweder man ist Bürger eines Landes oder man hat den Pass eines anderen Landes, ist also „Ausländer“, dann ist man aber nicht gleichzeitig „Bürger“ des Landes in dem man lebt, kann also auch nicht „Mitbürger“ sein – es sei denn, man hat zwei Pässe. Wortverdrehungen, die der politischen Korrektheit dienen sollen, finde ich sowieso am allerbesten, weil sie so schön verkrampft rüberkommen 😉

  2. Strabo schreibt:

    Servus, Claudia.
    Herzerfrischend, diese Beobachtungen. An anderer Stelle schrieb ich vor kurzem (sicher nicht sehr zeitgemäß), dass, um leeres Wortgeklingel zu erkennen, diese Skribenten einmal ihre Texte ins Lateinische übersetzen sollten. Sie würden oft staunen, wie wenig dann übrig bleibt.

  3. Claudia schreibt:

    Barbara: Migrationshintergrund ist auch ein schönes Unwort. Mein Vater war Ostpreuße, und ich bestehe darauf, als Bürgerin mit Migrationshintergrund bezeichnet zu werden!
    Strabo: Meine Mutter hatte einen Lateinlehrer, der die Klasse ein Nazilied ins Lateinische übersetzen ließ. An einer Stelle, die grammatisch nicht zweifelsfrei erkennen läßt, was Subjekt und was Objekt ist, beantwortete er die Frage eines Schülers: „Ja, da ist das Lied wohl nicht so gelungen.“ – Man konnte auch auf solche Weise Stellung beziehen!

  4. piri schreibt:

    … das ist Phrasendrescherei — Journalismus zielt doch darauf hinaus, dass Aufmerksamkeit erregt wird und oft ist es halt BILDzeitungsgeschreibe, alles muss noch ein bisschen mehr ausgeschmückt werden. In dem Sinne von schneller, höher, weiter

  5. Sterntau schreibt:

    Ich glaube, heutzutage muss selbst bei der bodenständigsten Zeitung noch mit Schockwirkung gearbeitet werden. Ob die wohl davon ausgehen, dass eine Nachricht nur mit solchen Worten Wirkung zeigt? Gegenfrage: Kann uns angesichts Live-Kriegsberichterstattung eigentlich noch irgendwas schockieren?

  6. Barbara schreibt:

    @Claudia – da hast du eigentlich recht, was heißt denn „Migrationshintergrund“? Ich habe auch ostpreußische Vorfahren, die irgendwann im 19. Jahrhundert nach Westfalen gezogen sind – und sächsische, die ins Rheinland gezogen sind und Rheinländer, die nach Westfalen gezogen sind, und Leute aus dem Süden (Österreich? Südtirol?), die nach Norden gezogen sind, und ich bin vor 10 Monaten von Westfalen ins Schwabenländle gezogen. Ich bin also nicht nur „mit Migrationshintergrund“, sondern höchstpersönlich „Migrantin“ 😉

  7. René Meyer schreibt:

    @Barbara: Die „ausländischen Mitbürger“ gefallen mir aber gut, denn schließlich klingt das Wort „Ausländer“ in Deutschland immer so ausschließend. Da ist eine andere Bezeichnung schon angebracht. Eine andere Frage wäre auch, wie man nun Leute mit Doppelstaatsbürgerschaften bezeichnen soll – als „Bürger“, oder als „Ausländer“ 😉

  8. stefanolix schreibt:

    Ich weiß gleich gar nicht, mit welchen Worten ich Dir zustimmen soll. Ganz schlimm ist es, wenn solch eine Wendung von der dpa in die Welt gesetzt wird und wenn man sie als Nachrichtensüchtiger dann überall lesen muss.

  9. Claudia schreibt:

    Fein auch, wenn auf einem Video ein sich gebildet Gebender über die Kulturlosigkeit im Internet herzieht und dabei das Wort „maximalst“ benutzt – so geschehen im Weblog des Journalisten Peter Richter von der FAZ, am 17. Juni 2009.

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