Retter der Mütter

Ignaz_Semmelweis_1830[1]

Vor 191 Jahren wurde Ignaz Philipp Semmelweis geboren. 1846 wurde er Assistenzarzt in Wien und mußte mit Entsetzen feststellen, daß die Wöchnerinnen reihenweise am Kindbettfieber starben. Durch genaue Beobachtung und Statistik kam er zu dem Schluß, daß die mangelnde Hygiene, vor allem nach der Arbeit im Anatomiesaal, Grund für diese Katastrophe war, und befahl das Desinfizieren der Hände. (Hinweise gaben ihm die Statistiken: Solange das Wiener Krankenhaus keine Anatomische Abteilung gehabt hatte, waren die Wöchnerinnen fast alle am Leben geblieben. Auch nach der Einrichtung der Anatomie überlebten in der Regel jene Wöchnerinnen, die nicht von Ärzten, sondern von Hebammen versorgt worden waren – und Hebammen hatten selbstverständlich keinen Zutritt zu Anatomiekursen.)

Es kränkte die Eitelkeit vieler Ärzte, daß er ihnen die Schuld am Tod der Wöchnerinnen gab. Selbst kluge Köpfe wie Rudolf Virchow weigerten sich, ihm zuzustimmen – teilweise wohl wider besseres Wissen. Semmelweis war leider schüchtern und wenig sprachgewandt, geriet andererseits in Harnisch über boshafte Kollegenschelte gegenüber seiner leicht nachprüfbaren Theorie.
In einem österreichischen Literaturportal findet man seinen Offenen Brief an sämmtliche Professoren der Geburtshilfe – ein eindrucksvolles Dokument mit einer großen Menge deutlicher Hinweise auf die Gründe der Müttersterblichkeit, nur leider sehr unelegant formuliert.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß es auch heute Forscher gibt, deren kluge und menschenfreundliche Theorien kein Gehör finden – weil sie ungeschickt formulieren, nach nichts aussehen und Dialekt sprechen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Retter der Mütter

  1. aebby schreibt:

    das wusste ich nicht, Dein letzter Abschnitt ist wohl wahr

  2. Foersterliesel schreibt:

    Semmelweisklinik, Semmelweisgasse und die Geschichte von der aus dem Seziersaal übertragenen Sepsis sind bekannt, aber nicht mehr, wie lange er kämpfen mußte und daß es ihm schwerfiel. Wien ist immer noch eine gräßlich „verhaberte“ (Freunderlwirtschaft) Stadt.

  3. Claudia schreibt:

    Oh peinlich: ich merke gerade, daß ich den guten Doktor einen Tag älter gemacht habe… ich hätte diesen Artikel erst morgen einstellen dürfen. Aber so sehr kommts ja wohl nicht auf den einen Tag an. 😉

Kommentare sind geschlossen.