Ersehntes Land

… hieß ein kleiner Lyrikwettbewerb, an dem ich gerne teilgenommen habe.
Diesmal hat es für den zweiten Platz gereicht – also für eine Portion Ruhm, die ich gerne annehme.
Einen Gedichtband von William Blake (dessen letzter Satz Ich gehe in ein Land, das ich schon immer sehen wollte Motto des Wettbewerbs war) bekommt die Autorin dieser beeindruckenden und witzigen Zeitreise. Herzlichen Glückwunsch!

Hier die beiden Gedichte, mit denen ich teilgenommen habe:

Traumland

Du mein Orplid, Arkadien, Cythera
Friedens-Jerusalem, Elysium –
wachend und schlafend träum ich von dir.

Kirchen alle romanisch. In Hainen
Tempel weißen Marmors
älteren Göttern zu Ehren.

Lichte Hallen der Büchereien
wahren und zeigen die Schriften
alter Tage, von Feuer, Wasser, Mäusen
und Tyrannen verwüstet – doch hier
frisch geglättetes Vellum, Autographen der Alten,
und des Erzpoeten Werk in voller Länge.

Straßen klingen von Schritten,
niemals in Eile,
außer zum Tanz.

Angelegtes, Gepflegtes
wuchert fort in heimliche Wälder;
tiefer im Dunkel
manchmal ein Beet –
Walderdbeeren umkränzt von
frohen Vergißmeinnichten.

Dichter, Denker, Träumer
hochwillkommen,
Spiel und Ernst und Lust
vermählt zum Ganzen,
Grundton ist Liebe.

Jeder ist Gärtner. Üppige Fülle blüht im
Land aus Gärten, und man spricht Latein.

© Claudia Sperlich

Ausschlaggebend für meine Plazierung war dies:

Phantasie

All die Lande meiner Sehnsucht
liegen unter einer Kuppel,
braun und trocken überwuchert.

Purpurwinkel wilder Liebe
locken dort, und lichte Säle
voller Bücher, voller Bilder –

Waldestiefe Einsamkeiten
grenzen dort an frohe Städte,
wo sich freudig alle grüßen –

Berge ragen in den Himmel,
Wüsten schlagen gelbe Wellen,
grüne Wogen schlagen Meere –

Zu dem fernen Horizonte
wandern schauernd meine Blicke,
und im Sand, ob feucht, ob trocken,
finde ich die Lebensspuren
ferner menschenloser Zeiten –

Auf den Märkten, in den Tempeln
Menschenfreude, Menschenliebe;
alle Freunde sind am Leben,
sind einander wohlgesonnen,
und sie haben Zeit in Fülle.

Meiner Sehnsucht tausend Stätten
finde ich in meinem Hirne –
neben einem Land der Angst.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Ersehntes Land

  1. aebby schreibt:

    Glückwunsch – ich bewundere Deine Fähigkeit lyrisch zu schreiben.

  2. wildgans schreibt:

    mein respekt, meine bewunderung!!
    und mein gruß:-)

  3. Claudia schreibt:

    @ aebby, @ wildgans: Herzlichen Dank! Komme gerade von einer Reise zurück und freue mich über Lorbeer. 😉

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