Eichenschicksal

Ein nicht einmal schwerer Sturm hat in der vergangenen Nacht einen ungeheuren Ast von der jüngeren der beiden Eichen gerissen. Zum Glück blieben Haus und Menschen unbeschädigt – aber der Vorgarten ist zu zwei Dritteln voll Eichenast, und die Eiche steht vollkommen schief und scheint auch irgendwo einen Knick im Stamm zu haben. Das heißt, der arme Baum, den ich seit vierzig Jahren kenne und der früher einmal meine Schaukel trug, wird vermutlich gefällt – und damit wird ein Stück Lebensraum für hunderte kleiner Wesen weggenommen.
Eichenunglück 2
Eichenunglück 3
Eichenunglück 4
Eichenunglück 5
Eichenunglück 6
Eichenunglück 7

Ein Trost: die andere Eiche, die seit Jahren etwas kränkelt, steht trotzdem weiter aufrecht und vollständig.
Eichengarten

Der Efeu wucherte auf dieser Mauer so, daß die Rose weder Licht noch Luft bekam. Nun sieht die Mauer erst einmal etwas kahl aus – aber die Rose kann wachsen (und der Efeu wird wiederkommen, eher als es mir lieb ist).
Vom Efeu befreite Mauer

Der Garten beginnt, herbstlich auszusehen. Ein erstes Frühherbststräußchen schmückt das Buffet.
Habichtskraut und Hagebutten

Friedrich Hölderlin
Die Eichbäume

Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt‘ und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Untereinander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Eichenschicksal

  1. Liisa schreibt:

    Oh! 😦
    Die arme Eiche! Ich finde sowas immer sehr traurig. In unserer direkten Nachbarschaft gibt es eine wunderschöne alte Rotbuche und bei jedem schweren Gewitter – die es hier häufig gibt – und bei jedem Sturm bange ich um diesen Baum und hoffe, er wird nicht vom Blitz getroffen oder vom Sturm geknickt.

  2. Pingback: Nackte Eiche | Mein Leben als Rezitatorin und Verlegerin

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