Die deutsche Sappho

Karschin_bild[1]

Vor 218 Jahren starb Anna Louisa Karsch, genannt die Karschin.

Die kluge und sensible Frau mit den scharfen Zügen hatte kein leichtes Leben! Nach unglücklicher Kindheit wurde die Jugendliche einem brutalen Menschen verheiratet, der sie als Arbeitssklavin ausnutzte und die Hochschwangere verstieß, weil sie dichtete; kurz darauf zwang ihre Mutter sie zur Ehe mit einem Säufer und Schläger; nach der Trennung von diesem verliebte sich die schon Gefeierte höchst unglücklich in Johann Wilhelm Ludwig Gleim – der ihr den Namen jener antiken Dichterin als Ehrentitel verliehen hatte, aber über die kollegiale Bewunderung hinaus keine Gefühle für sie hegte. Zu alledem kam die Erfahrung von großem Mangel und dadurch begründeter Kränklichkeit, ehe sie zu einigem Geld kam.

Unter diesen kunstwidrigen Umständen fand sie zu einem anerkannten und erfüllten Leben als Dichterin. Zwei Gedichte aus ihrem vielfältigen Werk seien hier vorgestellt.

Ihr Leiden an ihrem zweiten Mann beschreibt sie so:

Verwünschte Heiligkeit der Ehe!
Ich zittre, wenn ich noch im Geist zurücke sehe,
Abscheulich war der Sclavenstand,
Ein nur mit Menschenhaut bezogner Höllenbrand

Trat herrisch vor mir hin und brüllte meine Klage
Mit bitterm Spotte nach, und war geborne Plage
Für mein so sanftes Herz; mein ewig Einerlei
Blieb er zehn volle Jahr, riß oft ein Blatt entzwei,
Ganz von Gedanken voll, denn dieser Mann, kein Denker,

War fehlbar durch den Rausch, war meines Lebens Henker,
Sein Gang, sein Wort, sein Blick, war alles meine Qual,
O Gott! behüte mich für eine Mannes-Wahl.

Der Krieg brachte sie auf einen wirklich guten Rat an den Kriegsgott – Make love, not war, wie man es viel später ausdrücken sollte:

Ein Gebet an den Mars.
1762.

Du Gott des Krieges, laß die Erde!
Die Schritt, mit Blut bemerkt, ist fürchterlich, ist schwer,
Verändre doch die schreckliche Gebärde,
Und schüttle länger nicht den Speer.

Dein wartet der Olymp, und Amor mit dem Bogen
Lauscht an der Mutter Fuß. Steig von des Mordens Bahn
Zur Göttin; dann betrüg‘ den schlafenden Vulkan,
Wie er vor Zeiten ward betrogen.
Von Waffenschmieden ist er matt,

Wie Venus, die nach dir sechs Jahr geschmachtet hat.
Wie reizend liegt sie da im Elisäer Lenze!
Die Nymphe windet dir und Venus Mirtenkränze,
Mit Blumen untermengt. Schon gießt sie Nectartrank
In goldne Schaalen ein; und wenn auch Götter krank

Zur heißer Sehnsucht sind, so ist’s gewiß Cythere,
Horch im Getümmel auf, sie seufzet göttlich, höre!
Begieb vom Kampfplatz dich zurück,
Geharnischt wie du bist, an Haupt, an Arm und Fuße.
Cupido zieht dich aus, und deinem ersten Kusse

Dankt unsre ganze Welt ihr Glück.
Der Zorn in einer Frau rief, Mavors, dich hernieder,
Die Sehnsucht einer Frau hol‘ dich den Göttern wieder,
Und ewig komm‘ uns nicht zurück.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Die deutsche Sappho

  1. theomix schreibt:

    Das ist ja sehr interessant, was du so an persönlichkeiten aufführst. Frau Karsch war mir bisher nicht bekannt.

  2. Foersterliesel schreibt:

    mir auch nicht!

  3. Claudia schreibt:

    Ich freue mich sehr, einen kleinen Beitrag zur Vermehrung des Ruhmes der Karschin leisten zu koennen!

Kommentare sind geschlossen.