Avaritia und Klimawandel

Zwar glaube ich nicht, daß ein bereits in Gang gesetzter Klimawandel rückgängig gemacht werden kann. Aber möglich ist wohl, ihn nicht weiter zu beschleunigen und zu verschlimmern.

Die größten Klimaschädlinge sind deshalb so erfolgreich, weil ohne jedes Maß und Ziel konsumiert wird – mein Auto, mein Motorboot, meine Flugreise, mein sinnfreies Superwunderdingsda. Denn, machen wir uns nichts vor, es gibt keine umweltfreundliche, sondern nur mehr oder weniger umweltschädliche Produktion von Gütern. (Nicht einmal die Produktion von Brot und Büchern ist umwelt- und klimafreundlich, weil beide den Einsatz von Maschinen erfordern und nach der Ernte transportiert werden müssen – spätestens dann kommen klimaschädliche Stoffe ins Spiel.)
Als einen Hauptgrund für die Zerstörung der Umwelt und des Klimas (die beiden kann man ja nicht trennen) sehe ich die sieben wesentlichen Charakterfehler.

Superbia, der Hochmut, eine gefährliche Sonderform der Dummheit, sieht sich selbst als so viel bedeutender denn alle anderen, daß sie sich ein Recht auf alles mögliche zuspricht – und das führt in vielen Fällen geradewegs zu
Luxuria, der Genußsucht. Sie nimmt für den eigenen Genuß viel in Kauf; mal eben konsumieren, was ohne jede Schonung des Klimas produziert wurde, mal eben eine völlig überflüssige Spritztour machen, statt die Öffentlichen zu nutzen, ihr ist alles recht. Nicht weit davon entfernt sind
Avaritia, die Gier, die von allem etwas haben will, und
Gula, die Maßlosigkeit, die von allem, was sie bekommt, immer mehr haben will, sowie
Invidia, der Neid, die nicht erträgt, selbst zu entbehren, was ein anderer hat.
Acedia, die geistige Trägheit, weigert sich, einen Gedanken an schonsames Verhalten zu verschwenden – denn einfacher ist es, so weiterzumachen wie bisher.
Ira, die Wut, folgt Acedia und Invidia auf dem Fuße – sie verschleudert Ressourcen und bedroht das Klima mit Waffenproduktion und Krieg. Sie wird außerdem ins Spiel kommen, wenn waffenfähige Menschen um die letzten Ressourcen streiten, bis es – wieder einmal – so aussieht:

Friedrich von Logau
Krieg und Hunger

Krieg und Hunger, Kriegs Genoß,
Sind zwey ungezogne Brüder,
Die durch ihres Fusses Stoß
Treten, was nur stehet, nieder.
Jener führet diesen an;
Wann mit morden, rauben, brennen,
Iener hat genug gethan,
Lernt man diesen recht erst kennen;
Dann er ist so rasend kühn,
So ergrimmet und vermessen,
Daß er, wann sonst alles hin,
Auch den Bruder pflegt zu fressen.

So altmodisch das klingt, wird uns nichts anderes übrigbleiben, als die Hauptlaster zu bekämpfen, wenn wir die vollständige Klimakatastrophe mit Versinken und Verbrennen weiter Teile der Erde abwenden wollen.
Brot und Bücher brauchen wir wirklich, und noch eine Menge anderer Dinge, um sozial und kultiviert zu leben. Das heißt, wir können bereits durch unser bloßes Dasein und mehr noch durch ein gewisses kulturelles Niveau gar nicht umhin, Umwelt und Klima zu bedrohen.
Aber bei sehr vielen Dingen lohnt es schon, sich wenigstens einmal im Monat zu fragen: Muß das sein? Und sehr oft lohnt die Frage: Ist von diesem oder jenem Produkt die billigere Variante die schonendere? Kann ich mir wirklich nicht leisten, einige Euro mehr auszugeben für eine Version, deren Produktion weniger Schaden angerichtet hat?

Heimische Produkte statt gleichartiger Produkte von fernher, umweltschonende Fortbewegung (Füße, Fahrrad, Öffentliche), Achtsamkeit beim Energieverbrauch sind Grundsätze, mit denen wir vielleicht noch verhindern können, daß der Klimawandel für einen großen Teil der Menschheit das Ende bedeutet.

Mit diesem Artikel beteilige ich mich Blog Action Day.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Avaritia und Klimawandel

  1. Pingback: Klimawandel @ aebby LOG

  2. aebby schreibt:

    Danke für diesen Beitrag.

  3. Foersterliesel schreibt:

    liebe Claudia,
    hast Du eigentlich schon mal überlegt Korrespondentin (für deutschsprachige Blätter und Sendeanstalten ) im Vatikanstaat zu werden?

  4. Claudia schreibt:

    Holla, Foersterliesel – was fuer ein Vorschlag! Ich bin nicht voellig sicher, dass ich da irgendwelche Chancen haette mit meinem unordentlichen Lebenslauf (wenn auch nicht -wandel). Aber ich kanns ja mal versuchen… 🙂

  5. peter loyd grosse schreibt:

    der papst braucht unbedingt 1 frau an seiner seite.aber dann wär`s mit dem geld verdienen nix…..

  6. nachtopal schreibt:

    Super Artikel Claudia, ich bin ein totaler Flugfeind und wenn ich über Angebote mal eben von Kiel nach München für 19:00 Euro zu flattern lese, wird mir übel. Ich bekomme auch immer eine Krise, wenn ich was über die Formel 1 höre oder sehe, für mich gehört das schlichtweg verboten, was natürlich nie passieren wird, weil da ja soooo viel Geld hinter steckt. Ich selbst bilde seit den 80zigern schon Fahrgemeinschaften, erledige seit Jahren alles in der Stadt mit dem Bus und gehe auch zu Fuß einkaufen oder nehme das Rad, lieber Gruß Regina

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