Ein Heiliger, wenn gar nichts mehr hilft

Judas Thaddäus

Heute ist der Gedenktag eines Jüngers Jesu.

Joh. 14,22 Judas – nicht der Judas Iskariot – fragte ihn: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

Die Bibel überliefert neben der Tatsache, daß er einer der Apostel war, nur seine mit liebender Ungeduld gestellte Frage, warum Jesus nicht endlich allen klarmacht, worum es geht, und Jesu Antwort, daß Er genau das tut bei jedem, der liebt. Verschiedene Legenden haben in naiver Farbenpracht das Leben des Heiligen geschildert, ihn zum Märtyrer erhoben, der mit einer Keule erschlagen worden sein soll (und die zuweilen schwarzhumorige Ikonographie stellt ihn gerne mehr oder weniger lässig auf diese Keule gestützt dar).

Heiligen werden ja immer bestimmte Aufgabenbereiche zugewiesen, für die man sie in besonderer Weise befähigt hält. Der Zuständigkeitsbereich des Judas Thaddäus sind die hoffnungslosen Fälle – die Momente, in denen man am liebsten mit der Keule dreinschlagen möchte, obwohl man genau weiß, daß das auch nicht hilft.
Vielleicht hilft es in solchen Fällen tatsächlich, an den überlieferten Dialog zwischen Judas Thaddäus und Jesus zu denken – daran, daß es trotz allem sinnvoll ist, sich nach den von Jesus propagierten Lebensregeln zu richten. Zumindest kann der Versuch nicht schaden.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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