Hohe Nacht der morschen Knochen

Über die keinesfalls immer segensreiche musikalische Tradition habe ich bereits vor einem Jahr berichtet.
Zu meinem fassungslosen Entsetzen ist in diesem Jahr eine CD mit dem Titel Hohe Nacht der klaren Sterne im Handel.
1936 verfaßte der damalige Referent der Reichsjugendführung, Hans Baumann, neben dem unsäglichen Marschlied Es zittern die morschen Knochen auch dies Lied:

Hohe Nacht der klaren Sterne,
Die wie weite Brücken stehn
Über einer tiefen Ferne,
D’rüber unsre Herzen geh’n,

Hohe Nacht mit großen Feuern,
Die auf allen Bergen sind,
Heut‘ muß sich die Erd‘ erneuern,
Wie ein junggeboren Kind!

Mütter, euch sind alle Feuer,
Alle Sterne aufgestellt;
Mütter, tief in euren Herzen
Schlägt das Herz der weiten Welt!

Hoch, weit, tief, groß – Adjektive erheblicher Ausdehnung prägen dies Lied; wer sich die bildende Kunst und Architektur der Nazizeit zu Gemüte führt, sieht schnell, daß der Blick auf das Zarte, Kleine ihr fremd war. Klar – in seiner ganzen Bedeutungsspanne von fleckenlos, rein, hell, unverfälscht – werden die Sterne genannt, aber die Verbindung (die Brücke!) zu den Herzen wird unmittelbar und überdeutlich geschlagen; sie werden klar gedacht wie die Sterne.
Die zweite Strophe beginnt mit dem in der Naziliteratur häufigen Bild des Feuers; der urtümliche Brauch der Sonnenwendfeuer wird assoziiert. (Tatsächlich brannten solche Feuer natürlich viel eher in den Ebenen als auf den Bergen, wo sowohl Menschen als auch Brennholz knapp waren. Aber Berge wirken halt mehr.) Der naturreligiöse Gedanke der Erneuerung der Erde in der längsten Nacht des Jahres wird mit dem der Geburt eines Kindes verknüpft; das Fest der Christgeburt mit seiner Lichtmetaphorik wird ersetzt durch ein unmittelbar den natürlichen Jahreskreis illustrierendes Fest. Mit der Wortschöpfung junggeboren (als ginge das Geborenwerden auch anders als jung) wird zugleich der in der Nazizeit starke Jugendwahn und die Idee der „Verjüngung des Volkes“ bedient.
In der dritten Strophe werden die Mütter geradezu heiliggesprochen. Hier werden verschiedene Bilder, durch die die Mutter Jesu beschrieben und verehrt wird (Sternenkrone, Herz Mariae, Maria auf der Weltkugel), in pervertierter Weise auf „die Mütter“ angewandt – und man ahnt schon, daß bei diesem Bild nicht an eine Jüdin gedacht wird.
Das Lied beschreibt nicht die Bewunderung und Ehrfurcht vor dem bestirnten Himmel, sondern erhebt den Sänger oder Zuhörer, entrückt ihn scheinbar zu den Sternen (in seiner Eigensicht weit über das neugeborene Kind, um das es den Sängern anderer Lieder zu dieser Zeit geht), läßt ihn sich als Übermenschen fühlen.
Kurz, in diesem Machwerk wird mit künstlich-volkstümlichem Geschwurbel ein erhabenes und selbsterhebendes Gefühl beschworen, Naturverbundenheit, mystisches Gewaber und Mutterkult werden verwoben in einem den Verstand mißachtenden und vernebelnden Lied.

Was aber steht in den bei einem großen Buchversand abrufbaren Kritiken zu der CD?

„Alte, teils heute nur noch wenig bekannte Winter- und Weihnachtslieder, die das Wesen der deutschen Weihnacht so eindrucksvoll widerspiegeln, werden in traditioneller Art dargeboten und damit aufkommender Vergessenheit entrissen…“
„In der neuzeitlichen, vorweihnachtlichen Reizüberflutung á la „Jingle Bells“ und „White Christmas“ führt diese Sammlung sowohl bekannter als auch beinahe vergessener deutscher Weihnachtslieder zurück in die ersehnte Besinnlichkeit der schönsten Zeit im Jahre.“
„Das ist wirklich Volksmusik und nicht dieses „Volkstümliche“ getue. Und auch nicht diese Lieder, die man im Radio nur noch in ihrer verfremdeten englischen Version höhrt. Sehr empfehlenswert für Jung und alt kann ich da nur sagen. Und Außerdem auch eine Weihnachts CD, die auch nicht-Christen ohne bedenken bestellen können.“ [Orthographie wie im Originaltext]
„Ich habe die CD für meine Oma erworben, da sie sich noch aus ihrer Kindheit an das Lied „Hohe Nacht der klaren Sterne“ erinnern konnte, es aber seitdem nicht mehr gehört hat.“
„Generell sind die musikalischen Qualitäten hier im unteren Bereich angesiedelt, hier waren anscheinend Laien am Werk.
Schade um die schönen, alten Lieder…“
„Wie kann man sich trauen, diese schönen, alten Weihnachtslieder in einer solch diletantischen Art und Weise zu singen und dafür auch noch Geld zu kassieren.“

(Hervorhebungen von mir)

Keine der Kritiken zeigt auch nur einen Anhauch von Einsicht, daß es sich zumindest bei dem titelgebenden Lied um schlechte Literatur handelt.
Meine Leser wird es nicht erstaunen, daß ich mich über die beklagte schlechte Gesangsqualität der CD ingrimmig freue.

In einem Artikel des Historisch-kritischen Liederlexikons heißt es:


III. Der Erfolg des Liedes beruhte darauf, dass hier Schüsselbegriffe des Nationalsozialismus wie „Naturmystik, Mutterkult und Neugeburt“ (Esther Gajek) zusammengebracht wurden. Der Rezeptionshorizont war sogar für Christen offen, weil das Lied seine Ideologie nicht kämpferisch, sondern sublim vortrug. Der „Schein des Bekannten“ ermöglichte eine Aufnahme auch bei denjenigen, die nicht aktiv für die nationalsozialistische Weltanschauung eintraten. Das gilt auch für die formal durchaus gelungene Melodie, die ebenfalls von Baumann geschaffen wurde.

V. Nach 1945 riss die Rezeption des Liedes nicht ab: In der Deutschen Demokratischen Republik fand es als Kindergartenlied Verwendung, weil dort christliche Weihnachtslieder verpönt waren. Im Westen wurde das Lied in verschiedenen Liederbüchern abgedruckt, etwa in der Sammlung „Unser fröhlicher Gesell“ (Wolfenbüttel 1956). Selbst in einem Liederbuch des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Essen 1948) ist „Hohe Nacht der klaren Sterne“ enthalten.

Hans Baumann schrieb auch einige ganz niedlich und harmlos klingende Liedtexte, die ich in der Grundschule lernte. Als Jugendbuchautor war er nach Kriegsende sehr produktiv.
Man kann argumentieren, er war sehr jung, als er die genannten Unsäglichkeiten veröffentlichte. Auch ich habe im jugendlichen Alter schlechte Gedichte geschrieben (die aber, Gott sei Dank, nicht veröffentlicht wurden und auch keine Diktatur unterstützten). Aber es wird mir nicht mehr möglich sein, jene niedlichen Frühlingslieder zu hören, ohne an die hohe Nacht und die morschen Knochen zu denken. Eine eindeutige Abkehr des Autors von seinem Jugendwerk ist mir nicht bekannt.

Ich habe kurze Zeit damit verbracht, nach einigen anderen Liedtexten besagter CD (die ich nicht erwerben und nicht hören will) zu forschen. Diese Arbeit mußte ich wegen lektürebedingter akuter Übelkeit aufgeben.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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29 Antworten zu Hohe Nacht der morschen Knochen

  1. Nils schreibt:

    Tja liebe Claudia,

    nachdem ich nun durch 5000 Jahre Lyrikgeschichte gestürmt bin, merke ich hierzu mal an:
    Die Naturgedichte aus Stalins Jugend stehen heute noch in georgischen Schulbüchern. Ähnliches gilt für bekannte sernische Kriegsverbrecher, Entscheidungsträger aus dem dritten Reich und derlei mehr.

    Da kann man dann das Wort „volkstümlich“ wirklich nicht ertragen.

    Auf bald

    Nils

  2. theomix schreibt:

    Sehr aufschlussreich. Das habe ich nicht gewusst. Aber intuitiv hat mir das Lied nicht gefallen.

  3. Claudia schreibt:

    Nils, das mit den georgischen Schulbüchern ist ja gruselig.
    Theomix: Intuition ist nicht die schlechteste Instanz, die wir haben.

  4. Bettina schreibt:

    …und ich hatte immer gedacht, die morschen Knochen hatte der Baldur von Schirach verbrochen.
    Grundsätzlich verstehe ich Dein Empfinden, aber ich habs nicht so mit dem Verbieten. Wenn nicht direkt Verbrechen angeregt oder verherrlicht werden, schätze ich da eher eine Auseinandersetzung mit dem Thema.
    Erinnere mich mal daran, dass ich Dir Victor Klemperer borge…

  5. Claudia schreibt:

    Verbieten ist sicher der falsche Weg, das macht den Müll nur attraktiver. Aber dazu hatte ich ja auch gar nicht aufgerufen! Nur: Aufklärung, Aufklärung. (Womit man sich auch schon unbeliebt machen kann.)

  6. flunki schreibt:

    Also ich finde das Lied sehr schon. Als ich es das erstemal gehört habe war ich tief ergriffen. Wo kann man den die CD kaufen?

  7. Claudia schreibt:

    Flunki, lies bitte meinen Artikel noch einmal. Dann weißt Du, warum ich Dir nicht sagen werde, wo das Lied erhältlich ist.

  8. peter loyd grosse schreibt:

    das wesen deutscher weihnacht?löst bei mir brechreiz aus.alle jahre wieder….

  9. Claudia schreibt:

    Das Wesen der Weihnacht ist ja gerade das, was unter dem ganzen Kitsch und dem fatalen Sonnenwendunfug (übrigens keineswegs nur in Deutschland) verloren geht. Die Geburt des Messias feiere ich gerne.

  10. tmp schreibt:

    Wird wahrscheinlich ein Weihnachtsrenner in der rechten Suzene geworden sein, die CD…
    Mein Geschmack, ohne sie je gehört zu haben, ist das jedenfalls nicht..!!! 👿

  11. Claudia schreibt:

    Damit sprichst Du etwas sehr Wichtiges aus. Geschmack – nicht: Geschmäcklerei – hat mit Politik zu tun! Man kann aus Gründen des guten Geschmacks gegen Diktatur sein, einfach weil Bildung und gute Erziehung den falschen Zungenschlag diktatorischer Banden erkennen lassen.

  12. Bert schreibt:

    Also man kann’s auch übertreiben. Dass das Lied von den Nazis missbraucht wurde, ist eine Sache. Aber in den Inhalt, in dem sich doch eine erhabene, feierliche Stimmung ausdrückt, die ganzen Nazigräuel hineinzuinterpretieren – da ist dann doch der Wunsch der Vater des Gedankens. In den Kontext der Nazizeit (Architektur, heidnisches Brauchtum, Mutterkult) konnte sich das Lied nahtlos einfügen. Aber heute, in einem anderen Kontext, kann es durchaus in aller Unschuld gesungen werden. Wer war nicht schon einmal überwältigt vom großartigen Anblick des gestirnten Himmels?

  13. Claudia schreibt:

    Kant mit dem Scribenten der hier zitierten Verse zu vergleichen, ist ein wenig happig. Die kritisierten Verse wurden nicht von den Nazis mißbraucht, sondern von einem Nazi für die Nazis geschrieben, q.e.d.

  14. Bettina schreibt:

    Hallo Bert, wäre dieses Hohe-Nacht-Lied von einem anderen, unbelasteten Autoren,würde ich sagen, naja, zwar wird das Lied gern von Leuten mit Nazigedankengut zu Weihnachten gesungen, weil es so schön religionsfrei pathetisch ist, aber dadurch ist es trotzdem noch nicht zu einem Lied geworden, das verboten gehört. Weihnachten ist ja ein bewusst gestaltetes Datum, um älteren Brauchtum zu überdecken und ich bin froh und dankbar darüber, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Glaube nicht vorgeschrieben wird, in der man für seinen Glauben nicht gesellschaftlich diskriminiert oder gar getötet wird und in der mensch sich, so er in den klassischen Angeboten aus vielfältigen Gründen nicht finden konnte was er suchte, ein eigenes Weltbild basteln kann, solange er anderen damit nicht schadet.

    Aber hier sehe ich das Gesamtwerk des Autors, da gehören die morschen Knochen nunmal mit dazu, ein Liedtext, der wohl fast bekannter ist als die „Hohe Nacht“ – und so ein Autor hat mit seinen Texten, auch den harmlosen, in Schulbüchern nichts zu suchen. Ggf. kann man ihn beim Studium behandeln, wenn man die Wirkung von Sprachgestaltung analysiert.
    Ist ja nicht so, dass Deutschland arm an Dichtern wäre, dass man sich so an ihn klammern muss.

  15. Ich hab den Text dieses feinen Herrn Baumann gelesen und finde ihn nur furchtbar. Dieses NaziGesocks mißbraucht alte Riten wie die Sonnenwendfeier für ihre Ideologie, will seinem dumpfen Getrampel mit schweren Stiefeln irgendwie etwas Erhabenes andichten, das es definitiv nicht gibt. Dieser Text „riecht“ geradezu nach dem tausendjährigen sprachlichen Unrat, wenn auch nicht so stark wie solch Machwerke wie „Bomben auf Engeland“ Und wenn sich die gesangliche Qualität des auf der CD dargebotenen „Liedgutes“ auf unterster Stufe bewegt, wundert es mich nicht. Welcher namhafte Chor wird sich für so etwas hergeben? Bei mir aus dem CD-Player kommt grade der Oberkantor Estrongo Nachama(bariton) mit dem RIAS KammerChor unter Uwe Gronostay und Harry Foss an der Orgel – mit den wunderbaren hebräischen SynagogalGesängen zu Yom Kippur. DAS ist für mich eine der Kronen der Musik. Das „Kol Nidre“ – und ich krieg NoppenPelle am ganzen Corpus.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für diesen Kommentar.
      Leider scheint sprachliche Sensibilität Mangelware zu sein; umso froher bin ich über jeden, der darüber verfügt.

    • Ralf schreibt:

      Ob Baumann Nazi war, mag ich nicht entscheiden. Er war ab Aprill 1933 NSDAP-Mitglied. Das waren aber auch sechs Millionen Andere. Ich denke, er hat die Lieder geschrieben, weil sie sich gut verkauft haben, und nicht aus Überzeugung. Vermutlich ähnlich wie Leni Riefenstahl. Das Lied mit den morschen Knochen ist verboten worden. Ob eine Demokratie das nötig hat? Demokraten müssen überzeugen, nicht verbieten. Das Lied „Hohe Nacht der klaren Sterne“ ist im übrigen nicht verboten und auch nicht zu beanstanden. Es wird gern von Atheisten gesungen, denen klassische Weihnachtslieder zu fromm sind.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Wenn jemand schreibt wie ein Nazi, in Naziverlagen verlegt wird, die Nazis wählt, den Nazis Sympathie erweist – dann ist er ein Nazi.
        Daß es Atheisten mit grauenhaft schlechtem Geschmack gibt, ändert daran nichts.
        Und noch etwas: Nur weil es nicht verboten ist, muß das Lied noch lange nicht gut sein. Es ist ja auch nicht verboten, Schweinemist zu essen.

  16. Peter Merbt schreibt:

    Vielen Dank für Ihre treffende Analyse.
    Martin Selber schrieb in seinem Jugendroman „Hanna und Elisabeth“
    …Hanna Karwig hatte Spaß daran, Texte, die sie singen mussten, zu zerpflücken und zu pathetische Sätze auf reale Beine zu stellen. Es war mitunter ulkig, was die Dichter da so zusammengebraut hatten. Von Schwertern war oft die Rede, obgleich heutzutage kein Mensch mehr ein Schwert trug. Oder dieses neue Weihnachtslied: „Hohe Nacht der klaren Sterne, die wie weite Brücken stehn über einer tiefen Ferne, drüber unsre Herzen gehn.“ — Hanna musste sich immer das Lachen verbeißen, wenn sie das so feierlich sangen, sie stellte sich lauter Herzen mit Beinen vor, die ganz sinnlos über eine erleuchtete Brücke marschierten, unter der es ganz, ganz dunkel war. Sie fand das „mopsig“.
    Regina Pape, der sie das einmal so vorgetragen hatte, war darüber richtig böse geworden, als hätte Hanna an etwas Heiliges gerührt. „Das ist deutsche Symbolik“, hatte sie gesagt, „wer das verulkt, ist nicht besser als jemand, der die Fahne nicht grüßen will.“ — Richtig, die Fahne, man hebt den Arm und grüßt sie, wenn sie vorbeigetragen wird, man steht stramm und schaut hin, wenn sich das Hakenkreuz am Mast entfaltet. Auch das Lied: „Ja, die Fahne ist mehr als der Tod“ fand nicht ihren Beifall. Was ist das, mehr als der Tod?…
    nB ist es nicht verifizierbar, dass das Lied zu DDR-Zeiten in Kindergärten gesungen wurde.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Willkommen auf diesen Seiten, Peter Merbt.
      Dank für diesen Literaturhinweis, da ist ja wieder ein neues zu lesendes Buch auf meinem virtuellen Bücherstapel!
      Das Zitat aus dem Historisch-Kritischen Liedlexikon kann ich bezüglich der DDR-Kindergärten leider selbst nicht überprüfen; immerhin ist das Lexikon im übrigen seriös.

  17. Iris Kammerer schreibt:

    „V. Nach 1945 riss die Rezeption des Liedes nicht ab: In der Deutschen Demokratischen Republik fand es als Kindergartenlied Verwendung, weil dort christliche Weihnachtslieder verpönt waren.“
    Es wird allzu leicht vergessen, dass es „National*sozialismus*“ heißt … 😦

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Mit dem Zusatz „Sozialismus“ hat die braune Bande damals zahlreiche Arbeiter geködert.
      Ich glaube, der Sozialismus ist aus etwas anderen Gründen so schiefgegangen als der Nationalsozialismus. Und ich halte ihn als Gedankengebäude – nicht als staatliche Reglementierung – in einigen Ansätzen für keine ganz schlechte Idee. Aber das ist ein zu weites Feld.
      Vermeiden sollte man aber m.E. unbedingt, Nationalsozialismus und Sozialismus schlichtweg gleichzusetzen. Das haben vor allem auch zahlreiche Widerstandskämpfer sozialistischer Färbung nicht verdient.

  18. Claudia Sperlich schreibt:

    Abschließend hier noch ein erhellender Artikel zu Hans Baumann.

  19. Ralph schreibt:

    Hallo Claudia,
    meine Recherchen haben ergeben, dass dieses unsägliche Lied bis 1965/66 in Liederbüchern der FDJ illustriert wurde und somit auch regelmäßig in der DDR gesungen wurde.
    Die Frage die sich daraus ergibt ist, hat die politische Zensur des Arbeiter und Bauernstaates hier versagt? Hat man irrtümlich den ideologischen Inhalt des Liedes falsch gedeutet, oder hatte die DDR in ihrer Christenverachtung einfach nur ein „Brett vor dem Kopf“?
    Wie wäre der Text und die politische Bedeutung des Liedes im heutigen Zusammenhang zu sehen wenn es nicht 1936 während der Nazizeit, sondern ab 1949 während der SED Diktatur geschreiben worden wäre, hätten wir die gleichen Ressentiments?
    Eine sicherlich hypothetische Frage aber wie ich finde nicht uninteressant.

    Gruß Ralph

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Willkommen,Ralph.
      Ich vermute, die Gründe waren hier einerseits stilistische Unbedarftheit (der Zungenschlag wurde nicht erkannt) und andererseits Ablehnung des Christentums.

  20. Jean schreibt:

    Mein Vater, jetzt 95 Jahre alt, erzählte mir, dass er und seine Kameraden dieses Lied in den Schützengräben des 2. Weltkriegs zu Weihnachten gesungen haben. Er bat mich, ihm den Text diees Liedes zu geben, da er sich nicht mehr an alle Strophen erinnern konnte. Ich stimme Ihren Ausführungen zu dem Text, Frau Sperlich, gerne zu. Trotzdem überwiegt bei mir die Freude, die ich meinem Vater machen konnte. Nationalsozialistisches Gedankengut hin oder her – dieses Lied ist mit seinen Erinnerungen an die Kriegsweihnacht eng verbunden und ließ das Kriegsgeschehen für kurze Zeit vergessen.

  21. Irene arzig schreibt:

    an Claudia oder kammerer:
    Als ehemalige fdjlerin besaß ich auch verschiedene liederbuecher,aber aber hohe Nacht… war in keinem enthalten und im Chor haben wir es auch nicht gesungen. Ebenso wenig wurde es im Kindergarten meiner tochter gesungen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Wie bereits gesagt, ich kann die (im übrigen seriöse) Quelle, aus der ich diese Information zu dem Lied habe, nicht weiter überprüfen. Ralph kommentiete ja, daß es in Liederbüchern der DDR bis 1966 vorhanden war – vielleicht war das vor Deiner Zeit?

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