Proben am Aschermittwoch

Morgen Abend findet meine erste diesjährige Hildegard-Lesung statt.
Einen kleinen Eindruck gibt dies Filmchen, das ich trotz seiner pfingstlichen Klänge auch zur Fastenzeit passend finde:

Die mittellateinische Aussprache entspricht nicht der heute gebräuchlichen pronuntiatio restituta; aus der Orthographie mittelalterlicher Manuskripte kann man einige Unterschiede erschließen. Für mich ist es immer wieder spannend (und nicht ganz unproblematisch), wie die Aussprache sich gewandelt hat. Als Chorsängerin spreche ich Latein wie Italienisch aus. Bei Lektüre der klassischen Autoren und im Gespräch mit anderen Lateinliebhabern versuche ich mich an der pronuntiatio restituta, und wenn es um meine Leidenschaft für mittellateinische Dichtung geht, klingt es wieder anders. Und doch ist es immer meine geliebte Sprache.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Proben am Aschermittwoch

  1. Barbara schreibt:

    Heutzutage weiß doch sowieso niemand mehr, wie Latein ausgesprochen wird, oder?

  2. Claudia schreibt:

    Jein. Man kann Sprachentwicklung beobachten und daraus gewisse Schlüsse ziehen. Natürlich wissen wir nicht, wie es genau geklungen hat. Aber so ungefähr kann man es schon wissen; die Erschließung einer wahrscheinlichen Aussprache ist nicht völlige Spinnerei.

  3. learsander schreibt:

    In meinen Lateinklassen gab es auch immer Debatten darüber, ob wir es nun wie die Humanisten oder die antiken Römer aussprechen sollten. Kikero oder Cicero? Wir waren uns nie ganz einig.

    Sehr spannend fand ich die lat. Aussprache gerade in der Dichtung. Dass das, was man liest, sich von dem unterscheiden kann, was da steht, war für mich damals ganz erstaunlich, weil ich mir nie vorstellen konnte, dass Latein gesprochen wurde. Wir haben meist nur auf unsere Texte gestarrt und stur übersetzt. Deswegen blieb Latein für mich eine reine Schriftsprache.

    Sie erinnern mich beim (Vor-)Lesen an einen ehemaligen Lateinlehrer. Was ein Kompliment sein soll. 😉

  4. Claudia schreibt:

    Schade, wenn Latein nur gesehen wird und nicht gehört! Dabei kennen wir es doch gerade von Leuten, die vom Reden gelebt haben: Dichter, Juristen und Politiker.
    Dank für das Kompliment, ich bin dafür sehr empfänglich. 😉

Kommentare sind geschlossen.