Ein aufrühriger Dichter

Robert Eduard Prutz

Vor 194 Jahren wurde Robert Eduad Prutz geboren. Er entwickelte ein unbestechliches Gefühl für Menschenrecht und machte sich durch seine scharfzüngigen Gedichte zur Zeit des Vormärz bei der Regierung nicht beliebt.

Zwar gebraucht die Vormärzliteratur oft äußerst pathetische und gewalttätige Metaphern, und Prutz ist hier keine Ausnahme. Da werden Schwerter geschmiedet, Kugeln gegossen, Schlachten geplant, das alles mit biedermeierlicher Fröhlichkeit im Kreise der Kinder – und damit kann ich mich nicht anfreunden. Aber Prutz schrieb auch scharf anklagende Gedichte ohne derlei romantischen Firlefanz. Eines davon – in Wikipedia und andernorts mit dem refrainhaften Strophenbeginn „Hütet euch vor…“ versehen, im Original aber mit dem weniger harmlosen lateinischen Pereant (sie sollen zugrunde gehen), erinnert mich an eine derzeit nicht einflußlose Gruppierung, die sich gerne so nennt, wie jene von Prutz durchaus nicht Geschätzten.

Pereant die Liberalen

Pereant die Liberalen,
die nur reden, die nur prahlen,
nur mit Worten stets bezahlen,
aber arm an Taten sind:
Die bald hier-, bald dorthin sehen,
bald nach rechts, nach links sich drehen,
wie die Fahne vor dem Wind:
Pereant die Liberalen!

Pereant die Liberalen,
jene blassen, jene fahlen,
die in Zeitung und Journalen
philosophisch sich ergehn:
Aber bei des Bettlers Schmerzen,
weisheitsvoll, mit kaltem Herzen,
ungerührt vorübergehn:
Pereant die Liberalen!

Pereant die Liberalen,
die bei schwelgerischen Mahlen,
bei gefüllten Festpokalen,
Turm der Freiheit sich genannt,
und die doch um einen Titel,
Zensor werden oder Büttel
oder gar Denunziant:
Pereant die Liberalen!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Ein aufrühriger Dichter

  1. learsander schreibt:

    Liebe Claudia, der Deutschunterricht ist ja gut und schön, aber Ihre Beiträge zu Schriftstellern auf diesem Blog tragen in ziemlich hohem Maße zu meiner Horizonterweiterung bei. 🙂 Haben Sie schon einmal daran gedacht, Literaturprofessorin zu werden?

  2. Claudia schreibt:

    Zunächst mal freue ich, daß meine ausgesprochene Bildungsbeflissenheit ankommt.
    Literaturprofessorin werde ich sicher nicht. Aber auf meine Weise zur Bildung beitragen werde ich weiter – bloggend, rezitierend und schreibend – werde ich weiterhin. 🙂

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