Kaffeegenuß in Friedenau

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Seit anderthalb Jahren gedeiht in einem der vielen Bauten des 19. Jhs. in meinem Heimatbezirk Ridders Kaffeerösterei, ein geräumiger und höchst charmanter Laden.
Hier geht man nicht einfach hin und kauft „ein Pfund Kaffee“. Man schreitet über die Schwelle des Ladens und ist sofort von Kaffeeduft eingehüllt, erblickt geradeaus, auf dem Tresen, ein Sortiment edelster Pralinen, die einzeln verkauft werden, linker Hand ein Regal mit allerlei Kaffeerelevantem – eine Sammlung alter Kaffeemaschinen, jede Menge Leckereien, moderne Espressokannen und dergleichen mehr.
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Ein kleineres Regal setzt diese Fülle fort und bereichert sie durch eine Sammlung alter Kaffeemühlen dicht unter der Stuckdecke.
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Rechts weitet sich der Raum, der Blick wandert über eine Reihe in durchsichtigen Behältnissen abgefüllte Kaffeesorten, malerisch darunter gestapelte Kaffeesäcke aus allen Ländern, in denen die feine Bohne gedeiht, und eine mächtige Röstmaschine, modern, aber mit der altehrwürdigen Ausstrahlung eines Ausstellungsstücks im Technikmuseum.
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Tische und Stühle gibt es auch; man kann in dem durch riesige Schaufenster hellen Raum sitzen, Kaffee trinken, naschen und zuschauen, wie Kaffee abgefüllt und geblendet wird, außerdem einen Blick auf die Photoausstellung über Venedig werfen. Der Chef berät gerne und ausführlich. Möchte man starken, herben, milden, fruchtigen Kaffee, aus Afrika, Mittel- oder Südamerika, aus Asien? Mag man einem kräftigen Kaffee durch Beimischung einer blumigen Sorte eine besondere Note verleihen – oder umgekehrt? Abraten wird er nur von einem wilden Mischmasch, denn jeder Kaffee hat seine besondere Art, die erhalten bleiben soll.
Anders als in industriellen Röstereien, hat man hier Zeit – geröstet wird langsamer und bei niedrigeren Temperaturen als in der Regel, um das Aroma zu schonen. Ich habe das Gefühl, Herr Ridder genießt das Rösten fast ebenso wie das Trinken ausgezeichneten Kaffees – und dieser Genuß teilt sich dem Gast der Rösterei mit.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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8 Antworten zu Kaffeegenuß in Friedenau

  1. Herr Teddy schreibt:

    Na gut das ich in Friedenau nicht vorbei komme … die Pralinés sehen nämlich so etwas von lecker aus, da könnte ich nicht vorbei gehen ohne…

  2. alipius schreibt:

    Das Lastrad finde ich SUPER!!
    Und ich habe nur beim Anschauen der Pralinen gleich mal 3 Kilo zugenommen!

  3. Claudia schreibt:

    Die nächste Fastenzeit kommt fast bestimmt (mal vorausgesetzt, der Messias kommt nicht eher, und dann ist das Äußerliche schon vollends egal).

  4. Joachim schreibt:

    Ich kann mir vorstellen, dass das Kaffee trinken dort in diesen Räumen ein besonderer Genuss, und man könnte es zu einem feierliche Ritual machen.
    Liebe Grüße
    Joachim

  5. Pingback: Kaffee in rauhen Mengen | Mein Leben als Rezitatorin und Verlegerin

  6. Patricia schreibt:

    Ja,also diese Pralinen hier dermaßen appetitlich auszustellen, ohne dass man zugreifen kann, ist eine virtuelle Frechheit…! 😉
    Dieser Laden wäre sicher ein guter Rahmen für eine gute Kurzgeschichte.

  7. Claudia Sperlich schreibt:

    Immer her mit der Geschichte.
    Dann gibts auch Pralinen. 🙂

  8. Patricia schreibt:

    Pralinen für Autoren. Das ist doch mal ein gutes Verlagsangebot 🙂 🙂 🙂

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