Gartenwildnis

Säckeweis habe ich alles mögliche Zudringliche gejätet, ohne daß der Garten einen wesentlich anderen Anblick bietet – aber gut ist es so. Unmerklich ist den erwünschten Blumen Platz geschaffen, und doch ist alles dicht überwachsen. Mein Bruder war auch sehr fleißig und hat den Rasen gemäht, vertikutiert, neu besät und mit Kalk und Hornspänen gedüngt. Jetzt muß es nur noch regnen.
Der Vorgarten hat etwas von Wildnis; ich weiß aber wohl, wieviel Arbeit dahintersteckte, ihn in diesen Zustand zu bringen.
Vorgartenwildnis

Vor dem dunklen Laub des Geißblattes leuchtet die Lichtnelke besonders schön.
Lichtnelke vor Geißblattlaub

Der Wurmfarn, der in diesem Garten besonders üppig wuchert, hat sich so verausgabt, daß für eines der untersten Blätter kein Chlorophyll mehr zu haben war.
Chlorophyllmangel

Akeleiblättrige Wiesenraute
Akekleiblättrige Wiesenraute vor Geißbart

Der Geißbart blüht in diesem Jahr besonders prächtig.
Geißbart 1Geißbart 2

Der Kleinköpfige Pippau ist eine Wildblume mit eingeschränktem Bleiberecht im Garten. Einzelne Exemplare sehen sehr fein aus.
Crepis capillaris - Kleinköpfiger Pippau 2

Geranium
Geranium

Rosengalerie
Weiße RoseRosenknospe 1
Rote Rose 1Rote Rose 2
Marmorierte RosenknospeMarmorierte Rose 3
Marmorierte Rose 2Marmorierte Rose 1
Rosa Rose

Und auch der Mittelstreifen einer großen Straße sieht prächtig aus: Der Mauerpfeffer blüht.
Mauerpfeffer 2Mauerpfeffer 1

Annette von Droste-Hülshoff
Das öde Haus

Tiefab im Tobel liegt ein Haus,
Zerfallen nach des Försters Tode,
Dort ruh ich manche Stunde aus,
Vergraben unter Rank‘ und Lode;
’s ist eine Wildnis, wo der Tag
Nur halb die schweren Wimpern lichtet;
Der Felsen tiefe Kluft verdichtet
Ergrauter Äste Schattenhag.

Ich horche träumend, wie im Spalt
Die schwarzen Fliegen taumelnd summen,
Wie Seufzer streifen durch den Wald,
Am Strauche irre Käfer brummen;
Wenn sich die Abendröte drängt
An sickernden Geschiefers Lauge,
Dann ist’s, als ob ein trübes Auge,
Ein rotgeweintes, drüber hängt.

Das Dach, von Moose überschwellt,
Läßt wirre Schober niederragen,
Und eine Spinne hat ihr Zelt
Im Fensterloche aufgeschlagen;
Da hängt, ein Blatt von zartem Flor,
Der schillernden Libelle Flügel,
Und ihres Panzers goldner Spiegel
Ragt kopflos am Gesims hervor.

Wo an zerrißner Laube Joch
Die langen magern Schossen streichen,
An wildverwachsner Hecke noch
Im Moose Nelkensprossen schleichen,
Dort hat vom tröpfelnden Gestein
Das dunkle Naß sich durchgesogen,
Kreucht um den Buchs in trägen Bogen,
Und sinkt am Fenchelstrauche ein.

Zuweilen hat ein Schmetterling
Sich gaukelnd in der Schlucht gefangen,
Und bleibt sekundenlang am Ring
Der kränkelnden Narzisse hangen;
Streicht eine Taube durch den Hain,
So schweigt am Tobelrand ihr Girren,
Man höret nur die Flügel schwirren
Und sieht den Schatten am Gestein.

Und auf dem Herde, wo der Schnee
Seit Jahren durch den Schlot geflogen,
Liegt Aschenmoder feucht und zäh,
Von Pilzes Glocken überzogen;
Noch hängt am Mauerpflock ein Rest
Verwirrten Wergs, das Seil zu spinnen,
Wie halbvermorschtes Haar, und drinnen
Der Schwalbe überjährig Nest.

Und von des Balkens Haken nickt
Ein Schellenband an Schnall‘ und Riemen,
Mit grober Wolle ist gestickt
»Diana« auf dem Lederstriemen;
Ein Pfeifchen auch vergaß man hier,
Als man den Tannensarg geschlossen;
Den Mann begrub man, tot geschossen
Hat man das alte treue Tier.

Sitz‘ ich so einsam am Gesträuch
Und hör‘ die Maus im Laube schrillen,
Das Eichhorn blafft von Zweig zu Zweig,
Am Sumpfe läuten Unk‘ und Grillen –
Wie Schauer überläuft’s mich dann,
Als hör‘ ich klingeln noch die Schellen,
Im Walde die Diana bellen
Und pfeifen noch den toten Mann.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Gartenwildnis

  1. Patricia schreibt:

    Der Vorgarten gefällt mir besonders. Ja, ich weiß, wieviel Arbeit in so etwas steckt.

  2. beate schreibt:

    Dein Garten beeindruckt mich immer wieder. Man sieht formlich, wie viel Liebe du darein steckst, toll.

    Kühle Sonntags Grüße Beate

  3. Claudia schreibt:

    Da habt Ihr beide etwas Wahres gesagt: Arbeit ist es – und Liebe. Dafür bekomme ich vom Garten jede Menge Annehmlichkeiten zurück.

  4. Zia schreibt:

    Einen wundervollen Garten hast Du.
    Schattenvegetation ist was Schönes. Ich mag das sehr. Wiesenraute und Geißbart sind toll. Die stehen auch noch auf meiner Wunschliste.
    Diese rot-weiß gestreifte Rose, was ist das für eine Sorte?
    Ist das zufällig „Rachel Louise Moran“?
    Die hab ich nämlich dieses Jahr neu und bin schon sehr auf die Blüte gespannt. Sie soll angeblich auch duften.

    viele Grüße
    Zia

  5. Frau Sterntau schreibt:

    Danke, ich habe soeben von dir gelernt, dass der Geißbart Geißbart heißt und werde gleich morgen mit meinem neu errungenen Wissen punkten 😀

  6. Claudia schreibt:

    Zia, die Rosen sind ein Geschenk von Freunden an meine Mutter – die Herrin des Gartens -; ich weiß nicht, wie sie heißen, aber mit etwas Glück finde ich am Samstag, wenn ich wieder dort bin, noch das Namensschildchen der Rose. 🙂

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